Interview mit Alex von Zeromancer, 13.02.2009 .[ phoner ]
 

Die Fans der norwegischen Synth-Rock-Band Zeromancer mussten sich lange in Geduld üben. Seit fünf Jahren gab es kein neues Album mehr. Doch in diesem Jahr 2009 hat das lange Warten endlich ein Ende. Seit Freitag dem 13. steht das vierte Studioalbum „Sinners International“ [ review ] von Zeromancer in den Plattenläden und bald werden die Jungs auch wieder auf Tour sein. Am Tag der Veröffentlichung bekamen wir einen Anruf aus Norwegen von Sänger Alex und wir unterhielten uns über das neue Werk und die Tour.

 

Lea: Hi Alex, wie geht es dir? Versinkt ihr da oben im Schnee?
Alex: Mir geht es gut, danke. Ja, mehr oder weniger versinken wir im Schnee. Nun ja, es hat jetzt schon ein paar Tage nicht mehr geschneit, aber hier liegt jede Menge, mehr als normal. Wir hatten seit den 90ern nicht mehr so viel Schnee. Hier ist`s ziemlich weiß. (lacht) Ich mag es, wenn es um die Weihnachtszeit herum schneit, aber jetzt freue ich mich einfach nur noch auf den Frühling.

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Lea: Es ist Freitag der 13. und euer neues Album „Sinners International“ wird heute veröffentlicht. Bist du abergläubisch?
Alex: Nun ja, nicht wirklich. Die 13 ist meine Glückszahl. (lacht) Ich bin absolut nicht abergläubisch.

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Lea: Die Veröffentlichung des neues Albums war zunächst für 2007, dann für 2008 angekündigt. Jetzt haben wir das Jahr 2009. Warum mussten wir so lange auf das Album warten?
Alex: Zunächst einmal haben wir auf diesem Album alles alleine aufgenommen und gemischt. Der ganze Prozess wurde aufgrund der Wiedervereinigung unserer vorherigen Band [Seigman] ein wenig aufgesplittet und wir wollten das Album komplett fertig machen, ehe wir einen neuen Plattenvertrag unterschrieben. Das hat acht extra Monate Zeit in Anspruch genommen. Der eigentliche Aufnahmeprozess war recht kurz. Alles wurde nur auf zwei Jahre aufgeteilt und deshalb hat alles länger gedauert, als erwartet.

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Lea: Worin siehst du die Vor- und Nachteile in der Selbstproduktion?
Alex: Nun, der Vorteil ist der, dass du absolute und totale Kontrolle hast. Aber es ist auch gut, wenn du einen Produzenten hast, weißt du, der von außerhalb kommt, damit man Erfahrungen austauschen und die Grenzen ein wenig erweitern kann. Aber wir mögen es, alles unter Kontrolle zu haben und das zu tun, was wir lieben. Wir wissen, wie das funktioniert und wir haben die Fähigkeiten dazu. Darum haben wir uns auch dazu entschieden, das Album selbst zu machen.

 

Lea: Wenn ich richtig liege, ist Kim für eure Texte verantwortlich. Können wir im Album einen roten Faden finden? Es sieht so aus, als handeln viele der Texte von Liebe und Sex...
Alex: Ja, die Texte reflektieren viel von dem, was wir erleben oder Kim erlebt und was alle Menschen erfahren. Und wenn er Lyrics schreibt, weiß er, dass ich sie singen werde. Kim und ich kennen uns sehr gut. Wir kennen uns bereits seit 18 Jahren. Für mich ist es wirklich einfach, mich an seine Songtexte anzupassen, weil viele von ihnen davon handeln, was auch ich erlebe.

 

Lea: Du kannst dich also auch selbst mit den Songtexten identifizieren?
Alex: Das ist definitiv kein Problem. Und so muss das auch sein! Als Sänger muss ich mich selbst mit den Texten identifizieren können, denn sonst wäre es falsch, sie zu singen.

 

Lea: Musst du nicht hier und da mal ein bisschen schauspielern?
Alex: Nicht wirklich. Ich tue so, als seien die Texte mir, wenn ich sie singe. Ich passe mich an die Texte an und mache sie zu meinem Eigen. Wir arbeiten schon so viele Jahre sehr eng zusammen, deshalb kennt Kim mich sehr gut. Er hat mich im Kopf, wenn er seine Texte schreibt. (lacht)

 

Lea: “Sinners International” wurde vom religiösen Kult namens The Family International beeinflusst. Woher nimmt die Band normalerweise sonst noch ihre Inspirationen?
Alex: Von vielen Dingen. Wir reisen viel, touren viel, treffen tausende von verschiedenen Menschen, wundervolle Menschen, unheimliche Menschen, einfach sämtliche Typen. Und wenn du viel reist und verschiedene Kulturen siehst, gibt es viele Dinge, die dich inspirieren. Natürlich sind auch persönliche Dinge sehr inspirierend.

 

Lea: Auch die Natur?
Alex: Ja, absolut. Kim reist auch sehr viel. Er mag es einfach wegzugehen, um Inspirationen für seine Texte zu bekommen – nach Amerika, nach Asien. Er liebt es zu reisen. Er kann besser nachdenken, wenn er sich bewegt, zum Beispiel mit einem Flugzeug, und irgendwohin reist.

 

Lea: Ich weiß, dass ihr eine Weile in Amerika gelebt habt. Aber wo würdest du gerne heutzutage eine Zweitwohnung haben?
Alex: Das ist eine schwere Frage. (lacht) Irgendwo, wo es warm ist und wo ich den Ozean sehen kann. Eine Insel wäre nett, von der ich aus das Meer sehen kann und wo ich gutes Essen habe. Ich liebe den Ozean einfach.

 

Lea: Norwegen ist auch vom Meer umgeben…
Alex: Oh ja, absolut, aber manchmal ist es da einfach ein bisschen zu kalt. Okay, wir haben vier Jahreszeiten, aber der Sommer ist die kürzeste Jahreszeit.

 

Lea: Wie kam die Verbindung mit The Family International eigentlich zustande? Zu dem Zeitpunkt, als ihr in Amerika gelebt habt?
Alex: Oh nein, die ganze Sache begann eigentlich mit dem The Swans-Album „Children Of God“, was auch ihr vorheriger Name war, ehe er in The Family International umgewandelt wurde. Damit hat also die Inspiration begonnen. Aber als wir in LA lebten, wohnten wie ganz nahe am Scientology-Celebrity-Centre. Wir wohnten in einem alten Hotel, das zu Apartments umgebaut worden war, und haben oft oben auf dem Dach gegrillt. Und vom Dach aus konntest du genau in den Hinterhof des Scientology-Celebrity-Centres gucken. Sie dachten, wir würden sie die ganze Zeit ausspionieren und sie haben die Polizei gerufen. Okay, es hat also auch irgendwie in LA begonnen. Ich frage mich, wie Menschen so extreme Sachen machen können. Aber auf der anderen Seite und aus irgendeinem seltsamen Grund ist das auch alles sehr faszinierend. Es ist wirklich faszinierend wie Menschen in diesen Kulten sein und manchmal bis in die Extremen gehen können.

 

Lea: Hast du jemals darüber nachgedacht, zurück nach LA zu ziehen?
Alex: Ich vermisse LA, das tue ich wirklich, und ich habe es wirklich genossen, in LA zu arbeiten, aber für die normalen Wochentage, für die normalen Tage mit der Familie würde ich nicht in LA leben wollen. Aber zur damaligen Zeit war es einfach perfekt. Wir waren alle Singles und konnten uns einfach auf die Arbeit mit der Band konzentrieren. Es war der perfekte Ort.

 

Lea: Wie passen das Cover des Albums und der Titel “Sinners International” zusammen?
Alex: Das Artwork ist diesmal ein bisschen anders, aber es ist mehr oder weniger symbolisch zu verstehen, das Artwork, und wir haben gleichzeitig über den Titel nachgedacht. Das blutende Ohr...das ist diesmal alles symbolisch gemeint.

 
Lea: Hattet ihr einen speziellen Grafikdesigner?
Alex: Ja, wir hatten einen. Aber für jedes Album hatten wir verschiedene Designer.
 

Lea: Im Song “Two Skulls” singst du die Zeilen “two skulls one soul”. Hast du eigentlich eine seelenverwandte Person?
Alex: Oh, definitiv. Aber mehr wird nicht verraten. (lacht) Dann würde zu tief gegraben werden.

 

Lea: Der letzte Song “Ammonite” endet mit ein paar norwegischen Zeilen. Was bedeuten sie? Mein Norwegisch ist jetzt nicht so perfekt...
Alex: (lacht) Das ist total verständlich. Hier leben nur 4.5 Millionen Menschen, es gibt also keinen Grund, Norwegisch zu lernen. Nun ja, einige Worte sind so ähnlich wie im Deutschen, aber um auf den Song „Ammonite“ zu kommen: Kim hatte eigentlich die Idee, den Song mit einem norwegischen Text enden zu lassen. Erst dachte ich nicht, dass es eine gute Idee wäre. Ich mochte sie irgendwie nicht. Aber dann hat er mir ein paar Beispiele geschickt, einige Demos und auf denen hat er am Ende ein wenig gesungen. Das gefiel mir, und deshalb begannen wir damit zu arbeiten. Es war einfach das perfekte Ende ins Norwegische zu wechseln und somit das finale Statement für das Album zu bekommen. Aber was es bedeutet, muss jeder selbst mit einem Wörterbuch raus finden. (Gelächter)

 

Lea: Opelwerk, Doppelgänger...kennst du auch noch andere deutsche Wörter?
Alex: Ja, aber nur diejenigen, mit denen man Probleme bekommt. (lacht) Lorrys Deutsch ist wirklich gut. Ich kenne nur die bösen Wörter und die werde ich nicht sagen.

 
Lea: Wie würdest du denn den Satz “Musik ist…” vollenden?
Alex: Musik ist süchtig machend.
 

Lea: Im März und April dieses Jahres werdet ihr hier in Deutschland auf Tour sein. Was können wir von den Konzerten erwarten?
Alex: Wir haben gerade mit den Proben und Vorbereitungen für die Tour begonnen. Ich bin momentan in meiner alten Heimatstadt. Alle andern Jungs wohnen in Tønsberg, aber ich lebe außerhalb von Oslo. Wir arbeiten derzeit an all den neuen Songs, weil wir sie alle auf der Tour ausprobieren wollen. Darum beschäftigen wir uns mit denen. Wir haben uns noch nicht für die Setliste entschieden, aber wir wissen, dass es von Tag zu Tag Veränderungen geben wird. Wir arbeiten noch an Vielem. In dieser Woche gab es tagsüber mehr oder weniger nur Interviews und abends haben wir dann noch bis 10 Uhr geprobt.

 
Lea: Trefft ihr euch normalerweise auch jeden Abend zum Proben?
Alex: Nun ja, zumindest mehr oder weniger jeden Tag bis zur Tour.
 

Lea: Ich vermute, alte Lieblinge wie “Dr. Online“ und „Need You Like A Drug“ werden immer auf der Tour-Setliste stehen?
Alex: Ja, das werden sie. Einige Songs funktionieren einfach und dann gibt es noch welche, die die Fans einfach hören wollen. Wir versuchen eine Setliste aufzustellen, die funktioniert. Wir freuen uns darauf, ein volles Set zu spielen, weil wir dann auch ein paar ruhige Songs und dann natürlich auch die härteren Songs rocken können. Dann hast du diese Dynamik, die wir so lieben. Auf Festivals muss alles immer ganz schnell gehen, weil du nur 35 oder 50 Minuten zum Spielen hast. Nun haben wir alle Zeit der Welt, und das ist gut.

 

Lea: Du bevorzugst also kleine Club-Touren mehr als auf großen Festivals zu spielen?
Alex: Nein, ich genieße es überall zu spielen, so lange die Bühne nicht auf dem selben Level wie das Publikum ist. Ich denke, das ist echt scheiße, wenn man die Band nicht wirklich sehen kann. Ich habe kein Problem damit, in einem kleinen Club zu spielen, so lange die Bühne sehr hoch ist, so dass jeder etwas sehen kann.

 

Lea: Köln fehlt auf eurem aktuellen Tourplan, obwohl wir hier doch diesen wunderbaren Karneval dieser Tage haben. Mögt ihr es nicht, euch als Cowboys oder Clowns zu verkleiden?
Alex: Ich vermute, wir hätten uns verkleidet, wenn wir in Köln spielen würden. (lacht) Ich meine, wir fänden es toll überall zu spielen. Nun ja, dies ist nur der erste Teil der Tour und ich hoffe, wir werden noch das gesamte Jahr spielen. Wir sehnen uns danach, zurück nach Köln zu kommen, aber verkleiden? Nun ja, sich zu verkleiden macht Spaß!

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Lea: Da heute die Veröffentlichung eures neuen Albums “Sinners International” ansteht, was wirst du neben den Bandproben heute noch machen? Party, Party, Party oder nur mit der Familie abhängen?
Alex: Wir werden nur Bandproben machen. Wir feiern immer dann, wenn der Job getan ist. Wir wollen uns also darauf fokussieren, was wir tun, auf die Tour, und wenn wir dann zurück nach Hause kommen, werden wir sicherlich ein wenig feiern. Aber wir feiern niemals davor. Wir wollen uns darauf konzentrieren, was wir machen müssen und dieses wird dann so gut wie nur möglich erledigt.

 
Interview: Lea Sommerhäuser .[ phoner ]
Promo Alex: Sandra Dahl
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