Woodstage Festival.-..[ -Glauchau, 16./17. 06. 2007- ]
 

Sommer, Sonne, Sonnenschein – Was könnte schöner sein? Dieses Rezept hat sich seit Jahren bewährt und verhalf auch dem diesjährigen Woodstage zu einem einschlagenden Erfolg. Neben bunt gemischtem, aber ausgewogenem Programm leistete vor allem das Wetter seinen Beitrag zur entspannten Atmosphäre vor Ort. Malerisch hinter einem See und mitten im Grünen gelegen, präsentierte sich dieses Festival zudem im besten Rahmen.

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[ -Samstag, 16. Juni 2007- ]
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So konnten FELSENREICH [ Galerie ] am Samstag als „Woodstage Newcomer 2007“ den Reigen eröffnen. Mit dem kommenden Album „Unschuld“ und lokalem Fanblock im Gepäck hatten die Chemnitzer noch einige Mühe, das frisch eingetroffene Publikum zu begeistern. Ihre Mischung aus Gothic-Rock und Gothic-Metal mit dem klassischen Gegensatz von männlichem und sehr hohem weiblichem Gesangspart bot jedoch wenig Abwechslung.

 

Fraglich bleibt hier zudem, warum eine seit fast zehn Jahren bestehende Band als „Newcomer“ aufspielte. LACRIMAS PROFUNDERE [ Galerie I, Galerie II ] fiel es dann schon wesentlich leichter, die Zuschauer vor die Bühne zu locken. Die deutschen Gothic-Rocker mit finnischem Sound erfreuen sich zu recht einer wachsenden Fanschar. Obwohl er erst seit knapp zweieinhalb Monaten dabei ist, hat sich Peter Kafka als neuer Sänger gut etabliert und wusste optisch wie auch stimmlich zu überzeugen. Besonders die Publikums-Lieblinge „Ave End“ und „Again it´s over“ meisterte er mit Bravour. Leichte Ausrutscher gab es dagegen bei „Amber Girl“, welches jedoch nicht minder gefeiert wurde. AGONOIZE [ Galerie I, Galerie II, Galerie III, Galerie IV ] spalten die derzeitige Elektro-Welt in zwei Lager. Die einen lieben, wiederum andere Hassen Sie, für manche sind sie ein absolut genialer Live-Act, andere finden sie einfach nur peinlich. Aber das dürfte dann wohl jedem selbst überlassen sein. Beim Woodstage verließen sich Agonoize auf ihre tanzbaren Beats und ausgeklügelten Show-Einlagen, wobei die Blutdusche von Sänger Chris diesmal leider nur für ihn selbst reichte. Dass ihre Songs auf eine freudige Zuhörerschaft trafen, war insbesondere im engen Raum vor der Bühne zu beobachten. Hier verausgabten sich talentierte Tänzer, die nicht selten ausgefallen maskiert waren. So kamen die Songs „Sacrifice“, „BängBäng Godbye“ und der Clubkracher „DMK“ natürlich besonders gut an. Und weil alles so gut lief, schob man mit „Kropolalie“ gleich den nächsten Hit hinterher, denn Langeweile sollte bei Chris seiner viel umworbenen Splatter-Disco natürlich nicht aufkommen.

 

Als Special für das Woodstage hatte man sich zum Abschluss Seitens der Band mal wieder etwas ganz besonders ausgedacht. So performte man ein Cover des Kiss Songs „I was made for loving you“ - denn peinlicher geht’s bekanntlich immer - und ließ mit diesem durch den Vocoder etwas bizarr wirkenden Song ein doch sichtlich nass geschwitztes aber auch recht überraschtes Publikum zurück. Glücklicherweise haben sich die Live-Qualitäten von WELLE:ERDBALL [ Galerie ] in den letzten Jahren herumgesprochen und ihre ausgiebige Präsenz macht sich bezahlt. Bereits das erste Stück „Wir wollen keine Menschen sein“ wurde vom Publikum laut klatschend honoriert. Auch die ebenfalls komplett aus einem C-64 stammenden Songs „Mensch aus Glas“ und „VW Käfer“ stießen auf Begeisterung. Zwar musste Honey bei „Arbeit adelt!“ auf sein Ölfass verzichten, der Stimmung im Publikum tat dies jedoch keinen Abbruch. Absoluter Höhepunkt war erneut „Starfighter F-104G“. Die lieb gewonnenen Riesen-Ballons gehörten genauso zielsicher zu „Schweben, Fliegen und Fallen“ wie Honeys sozialkritische Aufrufe. Mit „Ich bin aus Plastik“ gab Plastique dann noch überraschend ihr Solo-Debut am Mikro. Was dann folgte, war sicherlich einer der Kontrastpunkte des Festivals. Als einzige mittelalterlich angehauchte Band betraten TANZWUT [ Galerie ] die Bühne. Die seit einer Weile unter dem Motto „Russenpunk und Spaß dabei“ tourende Band präsentierte sich in neuem Gewand. Hierbei mischten sie Uniform-Elemente mit Beetlejuice-Anzügen. Sowohl optisch als auch musikalisch boten sich hier Vergleiche mit Rammstein an. Höhepunkt des Auftritts war „Lügner“, das noch am ehesten an die alten Tage der Band erinnerte.

 

PARADISE LOST [ Galerie ] seit fast zwanzig Jahren steht dieser Name für anspruchsvolle Rockmusik. Ihr Album „Gothic“ bildete den Auftakt für die gesamte Musikrichtung Gothic-Metal. Über die Jahre haben sie sich selbst neu erfunden und Stilwechsel prägend vorgegeben. Da war es mehr als verwunderlich, dass diese musikalischen Urväter nachmittags und dazu noch vor Blutengel auftraten. So konnte sich der als Brummbär bekannte Nick Holmes einen Seitenhieb auf das Durchschnittsalter der Besucher nicht verkneifen. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten, aufgrund derer seine Stimme überhaupt nicht zu hören war, fand er zu seiner alten Form und führte gewohnt missmutig durch das Programm. Dieses reichte in einer bunten Mischung vom aktuellen Album („Enemy“), über nahezu alle Veröffentlichungen („Grey“, „Erased“, „No celebration“, „One Second“) bis zum Live-Klassiker „Say just words“. Nach dem Konzert war von mehreren Seiten zu hören, dass die Briten eher als Headliner des Abends erwünscht gewesen wären. BLUTENGEL [ Galerie I, Galerie II, Galerie III ] polarisieren ebenfalls. Direkt vor der Bühne fanden sich unzählige Fans ein, die den gesamten Auftritt frenetisch feierten, im hinteren Raum mehrten sich dagegen die gegnerischen Äußerungen. Mit neuem Bühnenbild (Herr Pohl hat sich mal eben vier Industrie LCD-Monitore geleistet) und bekannten Showeffekten waren lediglich die stimmlichen Qualitäten von Sängerin Ulli (ex-Say Y) eine Überraschung. Dank ihrer Unterstützung wusste besonders „Navigator“ zu gefallen. Ansonsten gab es die übliche Mischung aus Sex, Blood and Dance. Besonders gefeiert wurden auch hier wieder die Songs „Bloody Pleasures“, „Children of the night“ und “Vampire Romance”.

 

Wie man elektronische Musik wesentlich emotionaler darbietet, bewiesen im Anschluss AND ONE [ Galerie I, Galerie II ]. Eins lässt sich bereits vorweg sagen: Für mich war dies mit Sicherheit eine ihrer besten Shows seit Langem. Sänger Steve Naghavi stürmte in einem strahlend weißem Anzug gespickt mit einer orangenen Krawatte die Bühne und war fortan für über eine Stunde nicht mehr zu halten. Zwar versteckten sich seine Mitstreiter Gio Van Oli und Chris Ruiz die meiste Zeit hinter ihren Keyboard-Aufbauten, allein Steves ausgelassene Freude sorgte für genügend Spannung. Ob es nun die alten Klassiker „Technoman“, „Deutschmaschine“, das klassische „Für“ oder die neuen Hits „Military Fashion Show“ und „Steine sind Steine“ waren, jeder Song wurde ausgiebig gefeiert. Hierzu tanzten die Fans vor und Steve auf der Bühne. Mit sarkastischen und humorvollen Zwischenansprachen bewies er außerdem seine Entertainer-Qualitäten. So entschuldigte er sich mehrfach aufrichtig bei den Type O-Fans, dass diese das ertragen mussten. Ausgelassen bejubelten alle die Coverversion von Project Pitchfork´s „Timekiller“. Lediglich Peter Spilles selbst zeigte am nächsten Tag seinen Unmut über diese Interpretation. Abschließend musste der kleine Entertainer regelrecht von der Stage gezerrt werden um für die Jungs aus Brooklyn, New York Platz zu machen. Schon neigte sich dieser erste Festivaltag dem Ende und TYPE O NEGATIVE [ Galerie ] betraten die nun ganz in Grün gehaltene Bühne. Lange hatte man auf einen Auftritt der Amerikaner warten müssen. Daher waren die Erwartungen doch recht hoch und der Raum vor der Bühne zum Bersten gefüllt. Leider bot das Konzert dann über Längen eher Langeweile denn musikalische Leckerbissen.

 

Wenig enthusiastisch droschen die Mannen auf ihre Gitarren ein und die langatmigen Doom-Melodien konnten auch durch den abwechselnden Gesang von Peter Steele und Kenny Hickey nicht aufgelockert werden. Auch ließ das Set jegliche große Hits der Band vermissen. Ohne nennenswerte Höhepunkte ging dieser Gig zu Ende und es bleibt festzuhalten, dass der eigentliche Höhepunkt an diesem ersten Festivaltag AND ONE mit der frischen, frechen Art ihres Frontlers Steve Naghavi waren.

 
[ -Sonntag, 17. Juni 2007- ]
 

Auch der Sonntag begann mit strahlendem Sonnenschein. Viele Festivalgäste hatten es sich bereits frühzeitig mit ihrer Decke auf der Wiese oder unter den Bäumen gemütlich gemacht. Bei einem schmackhaften Eis oder kühlen Bier ließen sie den ersten Auftritt von KRIEGER [ Galerie ] auf sich zukommen. Zwei Monate vor Veröffentlichung ihres ersten regulären Albums können die Dresdner bereits auf viele Erfolge zurückblicken. So schafften es die Rocker bereits in das Vorprogramm von In Extremo und zuletzt Stone Sour. Trotz der frühen Stunde legten sie sich auch diesmal mächtig ins Zeug und ihre druckvollen Rocksongs überzeugten so manchen zu einem Mosh-Einsatz vor der Bühne.

 

Bereits während des ersten Konzerts strichen bunt gekleidete Damen über das Gelände und verteilten auffällige schwarze Luftballons. Diese entpuppten sich bei genauem Hinsehen als Werbebanner für JESUS ON EXTASY [ Galerie ]. Diese bewiesen im Anschluss auch gleich, dass elektronische Musik nicht nur aus computergesteuerten Geräten kommen muss. Dank dem Einsatz von Schlagzeuger und zwei E-Gitarren wirkte ihre Musik lebendig und überzeugend. Lediglich Sänger Dorian war viel zu leise gegen die dominant wirkenden Instrumente. Chai und Alice an den Gitarren bewiesen bereits in jungem Alter gutes Können. Der kleine Hit „Assassinate me“ schlug bei den Zuhörern ein und wurde ausgelassen betanzt. Eine echte Neuentdeckung war das wavige „Alone“, das mit eingängiger Melodie und überraschendem Gitarren-Solo zum neuen Ohrwurm wird. FIDDLERS GREEN [ Galerie ] bildeten dann den anderen Kontrastpunkt des Festivals. Dessen waren sie sich auch völlig bewusst. Die fränkischen Folk-Rocker konnten dennoch beim Publikum punkten. Der Konzertauftakt mit Schafschädel traf den morbiden Nerv. Nach weitaus mehr als tausend Konzerten braucht man einen Auftritt nicht mehr zu fürchten. Auch wenn nicht jeder ein Fan irischer Tanzlieder ist - qualitativ gab es hier nichts auszusetzen. Für die Band selbst bot das Festival dann auch ein Wiedersehen mit ihrem ehemaligen Sänger Peter, der ja neuerdings bei Lacrimas Profundere am Mikro steht. Wie bereits in der Vergangenheit mehrfach beobachtet, vollzog sich erneut ein Generationswechsel im Publikum für DIE KRUPPS [ Galerie ] vor der Bühne. Wer bereits sein 25jähriges Bandjubiläum gefeiert hat, darf eben auf ein ebenso altes Publikum vertrauen.

 

Zwar gab es wenige Neuerungen zum letzten Auftritt der Band, dafür boten die Herren Spiel- und Lebensfreude par excellence. Das geliebte „Steelophone“ von Sänger Jürgen Engler verlor leider auf dem weitläufigen Waldgelände an Schlagkraft, tat jedoch optisch seinen Dienst. Musikalisch gab es ein Fest für die Ohren. Von „Metal Machine Music“ über „Wahre Arbeit, Wahrer Lohn / Work hard“, sowie „To the Hilt“ bis „Fatherland“ wurden alle Fanwünsche erfüllt. So haben die "alten" mal wieder gezeigt, wie man´s richtig macht. Nachdem PROJECT PITCHFORK [ Galerie I, Galerie II ] zumindest im Westteil der Nation auf der Orkus Clubtour eher enttäuschten, war ich um so positiver überrascht, wie man sich hier zu präsentieren wusste. Trotz hörbar angeschlagener Stimme war Frontmann Peter Spilles wie ausgewechselt und knüpfte sozusagen nahtlos an die von mir besuchten Konzerte der 90iger Jahre an. Songtechnisch hatte man einige gute alte Kracher im Gepäck. So zum Beispiel die Klassiker "Alpha Omega", "I am" und "KNKA". Auch das bereits am Tag zuvor schon von And One gespielte "Timekiller" wurde (mit entsprechendem Kommentar von Scheubi in Richtung des sichtlich erheiterten Steve Naghavi) dargeboten. Abgeschlossen wurde das Stündliche Set der Pitchis mit "The Seeker" vom 94iger Album "IO". LACRIMOSA [ Galerie ] einmal bei Tageslicht zu erleben, ist selten und nimmt ein wenig der Atmosphäre. Dennoch führte Tilo Wolff routiniert durch sein Programm. Dieses bestand hauptsächlich aus ihren größten Hits und enthielt mit „Stolzes Herz“, „Brennender Komet“, „Alles Lüge“, „Lichtgestalt“ und „letzte Ausfahrt:Leben“ viele Leckerbissen für die Fans. Besonders der Live-Gitarrist Joachim Küstner überzeugte mit hervorragenden Solis.

 

Dann, fast pünktlich um kurz vor 22.00Uhr war es soweit. Wie auch schon vor 2 Jahren in Dresden war die Bühne komplett in schwarz gehüllt und düstere Rauchschwaden bahnten sich den Weg durch den Stoff nach Aussen. Dazu ertönte aus dem Inneren ein bedrohlich wirkendes Intro, bevor der Vorhang viel und der Schockrocker himself -Mr. MARYLIN MANSON- [ Galerie ] die Show mit dem Opener „If I was your vampire“ seines neuen Albums "Eat me, drink me" eröffnete. Erstaunlich schleppend kam dieser erste Song beim Publikum an und auch so war die Stimmung eher verhalten. Die einstige Diva gab sich heute jedoch redlich Mühe und arbeitete sogar gelegentlich mit den Massen, was leider nicht immer auf Reaktionen stieß. Zum Glück lockerte Manson die neuen Songs zwischenzeitlich immer wieder mit älteren Hits auf. So konnten z.B. „mOBSCENE“, „Sweet Dreams“, „Tainted love“ und „The fight song“ die Stimmung im Publikum dann doch merklich anheizen. Vom neuen Album passten hierbei am besten der Titelsong, sowie "Heart shaped glasses" ins Set. Als furiose Zugabe gab es dann noch „The beautiful people“, das mit einem gigantischen Knall und viel viel Nebel endete. Kaum war dieser verzogen war auch schon alles vorbei. Manson selbst zog sich zu nahezu jedem Song um und die gut abgestimmte Light-Show tat ihr Übriges, um das Konzert zu einem würdigen Headliner des Festivals zu machen. Mit insgesamt ca. 8.000 Gästen ging so ein wirklich gut organisiertes und fein abgestimmtes Festival zu Ende. Lediglich das Fehlen einer abschließenden Aftershow-Party führte zu leichtem Missmut. Gerade nach dem letzten Auftritt waren viele noch bester Laune und hätten gern weitergefeiert.

 
Text: Madlen Köhn [ www.schwarze-vielfalt.de ], Sandro Griesbach
Bilder: Sandro Griesbach, Thomas Nattermann