VNV Nation - Modulate - Imperative Reaction .[ Batschkapp, Frankfurt(M) 21.03.2007 ]
 

Wir schrieben das Jahr 1998. Das Ausweg präsentierte VNV Nation und special guest Noisex! Der kleine Club in Gießen (mittlerweile leider geschlossen) war die erste Location in Hessen wo sich Ronan und Mark einer überschaubaren Anhängerschaft elektronischer Musik live präsentierten. Keine 10 Jahre später können VNV Nation problemlos weitaus größere Hallen füllen und erreichen auch ein Publikum außerhalb der schwarzen Szene. Der Auftakt zur Welttournee hätte kaum besser laufen können, spielte man doch in Frankfurt vor ausverkauftem Haus. Was „sold out“ in der Frankfurter Batschkapp bedeutet,

 

dürfte einem großen Teil der hessischen VNV Nation Fans noch in bester Erinnerung vom letzten Auftritt im Jahr 2005 gewesen sein. Schweißtreibende Temperaturen und die aufgrund des Flüssigkeitsverlustes resultierende Lebensaufgabe den Körper mit dem entsprechenden Ausgleich aufrecht zu erhalten, kristallisieren sich als die größten Nachteile heraus. Im Gegenzug durfte man an einer Party teilhaben wie sie schöner kaum sein konnte. In weiser Voraussicht wurde der Merchandise Stand vor dem Eingang platziert, was bei den nicht ganz so angenehmen Außentemperaturen allerdings nur bedingt eine Ideallösung war. Pünktlich um 20:00 Uhr eröffnete Modulate aka DJ Echo den Abend mit einem Techno-Industrial Feuerwerk der Extraklasse. Der bei dem hiesigen Infacted Label beheimatete DJ aus Leeds ließ es ordentlich krachen und reiht sich mit „skullfuck“ irgendwo zwischen Soman und Terence Fixmer ein. Die Resonanz im doch recht unterschiedlichen Publikum war bei dem 30minütigen Gig gefühlsmäßig als sehr positiv zu beurteilen.

 

Während der kurzen Umbauphase konnte man versuchen seinen Standplatz noch zu verbessern, was bei geschätzten 700 Gästen jedoch ein riskantes Spiel war, da ja eigentlich jeder Besucher einen guten Aussichtspunkt haben möchte. Ich für meinen Teil konnte mich nicht beschweren. Imperative Reaction ist im Gegensatz zu Modulate jetzt schon eine ganze Weile im Geschäft und hat VNV Nation auf der Formation Tour 2005 in Nordamerika bereits begleitet. Im Jahr 2006 waren IR übrigens mit Covenant auf ihrer „Skyshaper“ Tour ebenfalls in Nordamerika unterwegs. Der kühle amerikanische Electrosound der Band kam offensichtlich leider nicht bei jedem VNV Nation Fan an, was eine eher zurückhaltende Stimmung auslöste. Mir persönlich gefiel die Musik sehr gut, vor allem weil der Einfluss von Clint Carney (System Syn) nicht ganz unerheblich war. Nach einem mehr als respektablen Auftritt war dieser dann gegen 21:30 Uhr beendet. Die Umbauphase war dank guter Vorbereitung auch recht schnell erledigt und so war dann kurz vor 22:00 Uhr Judgement Time.

 

Zunächst kamen die beiden Keyboarder auf die Bühne gefolgt von Mark. Im Gegensatz zu den letzten Live Gigs stand neben Axel heute allerdings nicht Vasi (Frozen Plasma/Reaper). Dann sprang auch schon Ronan wie ein Flummi über die Bühne und sorgte mit dem neuen Song „the farthest star“ erst einmal für leichte Verwirrung im Publikum, die Resonanz auf diesen genialen Song war allerdings durchaus stark. Doch bevor die Fans weiter mit neuem Material konfrontiert wurden gab es erst einmal „darkangel“ für alle zum Mitsingen. Weiter ging es mit zwei neuen Songs „testament“ und „descent“, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten und beide waren richtig gut. In bester Laune spulte Ronan nicht einfach sein Programm ab, sondern zeigte sich immer wieder als hervorragender Entertainer, der keinen halt machte und mit Späßen über die ganz Großen der Techno Szene, wie Scooter oder DJ Bobo die Stimmung förderte. Aber auch sich selbst nahm er leicht auf die Schippe, als er begründete, aus welchem Grund es zwei Instrumentalstücke auf „Judgement“ gibt (sometimes I hate my voice). Bei „chrome“ konnte das Publikum dann erneut zeigen wie textsicher es war, was auch recht gut funktionierte und bei „fearless“ gab es dann eigentlich kein Halten mehr. Zum nächsten Song „nemesis“ gab Ronan dann eine kleine Erklärung über die Entstehung ab, da bei diesem Song einerseits die Elemente von bevorzugten Bands aus vergangenen Zeiten aufgegriffen wurden, andererseits aber mit aktuellen Einflüssen ergänzt wurde. Starker Song mit leichtem Einfluss von Nitzer Ebb würde ich mal sagen.

 

Das Set beinhaltete mit „illusion“ noch einen weiteren neuen Song und war somit sehr ausgewogen. Der exzellente Auftritt fand mit „perpetual“ ein gigantisches Ende, welches wie schon beim Amphi Festival von den Jungs am Keyboard toll umgesetzt wurde. Die Zugaberufe waren beeindruckend laut und ließen als logische Konsequenz die Herren nur wenige Minuten später erneut erscheinen. Mit den Granaten „epicentre“ und „joy“ lagen sie erneut goldrichtig, doch auch damit konnte man das unersättliche Frankfurter Publikum nicht Zufriedenstellen. Folgerichtig kamen zuerst Mark und dann Ronan zurück um einem wirklich tollen Publikum dankend einen krönenden Abschluss zu schenken. Dieses mal ganz ohne weitere Unterstützung an den Keyboards, was nichts anderes bedeutete als das Mark selbst in die Tasten haute um uns mit „beloved“ zu erfreuen. Nach diesem wunderschönen Song gab es letztendlich noch eine Strophe von „beloved“, die vom Publikum dann gemeinsam mit Ronan acappella zelebriert wurde.

 

Dieser Abend war für Ronan und Mark ein toller Auftakt für Ihre Welttournee, leider gab es keine Videoprojektionen, was die weißen Stellwände recht karg erschienen ließ. Doch insgesamt war es ein genialer Abend in einer knallvollen Batschkapp.

 
Text: Oliver Loscher
Bilder: Thomas Nattermann, Daniela Vorndran [ www.black-cat-net.de ]

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Setlist VNV Nation

01. The Farthest Star
02. Darkangel
03. Testament
04. Descent
05. Chrome
06. Fearless
07. Nemesis
08. Legion
09. Honour 2003
10. Illusion
11. Standing
12. Perpetual

13. Homeward
14. Epicentre
15. Joy

16. Beloved