TACTICAL SEKT - LIFE CRIED - XENTRIFUGE...[ Nachtleben, Frankfurt .01.10.2007 ]
 

Ja, TACTICAL SEKT gaben sich am 01.10.07 die Ehre im Nachtleben im schönen Frankfurt am Main und hatten zwei bombige Support Bands im Schlepptau - XENTRIFUGE, Harsh Industrial und definitiv nichts für zart besaitete Gemüter und LIFE CRIED, hämmernder Dark Electro mit absolut mitreißenden Beats. Und da nicht nur Frankfurt, sondern auch Heidelberg quasi um die Ecke liegt, besuchten wir das Konzert im dortigen Schwimmbad-Musik-Club gleich noch einmal - tja, davon kriegt man eben nicht genug. Aber dazu später mehr. Ein bisschen spät waren wir dran, als wir um ca. 19:50 Uhr beim Nachtleben eintrafen – zumindest dachten wir das. Scheinbar hieß „Beginn 20 Uhr“ wohl eher „Einlass um 20 Uhr“ und so setzten wir uns noch auf ein Bierchen hin und sahen die Leute einströmen. Nein, nicht wirklich. Tatsächlich füllte es sich wider Erwarten nur sehr, sehr langsam und nachdem wir uns dann ein Plätzchen links von der Bühne gesichert hatten, zählten wir – grob geschätzt – höchstens 80 Leute. Lustigerweise drang aus den Boxen am Anfang seltsame Latino-Musik, die dann irgendwann nahtlos in die erhoffte Electro Richtung überging und die überschaubare Menge endlich auf das Konzert einstimmte.

 

Den Anfang machten XENTRIFUGE. [ Galerie ] Seit Juni diesen Jahres ist das erste Album „Light Extinguished“ der 2005 gegründeten Band um Frontmann Chris C. erhältlich und verspricht, die noch recht unbekannten Musiker endlich publik zu machen. Leicht würden sie es an diesem Abend nicht haben – schließlich waren die meisten wegen TACTICAL SEKT dort und XENTRIFUGE ist nun mal etwas ganz anderes. So schien das Publikum auch überrascht zu sein, als die vier Jungs mit „Disembodied“ ihren Auftritt einleiteten und wir wirklich nahezu weg geblasen wurden. Während Chris C. ausdrucksstark die Menge ansang, was durch den Verzerrer fast schon gehaucht klang, war es besonders faszinierend anzusehen wie seine 3 Kollegen an Keyboard und Synths sich synchron und beinahe beschwörend zu den wummernden Beats vor und zurück bewegten. Mit „Light Extinguished“ und anschließend „Downcast“ ging es weiter und allmählich schien man sich an die brachialen Noise Elemente, die durch Haut und Knochen gingen, gewöhnt zu haben und ließ sich von „Entombed“ weiter rocken. Was ein bisschen störte war, dass man es im Nachtleben mit der Nebelmaschine wohl gerne übertreibt, so dass man manchmal weder seinen Nebenmann, geschweige denn die Band sehen konnte – aber das hatten ja nicht XENTRIFUGE zu verschulden. Auf diese Musik zu tanzen ist wohl etwas schwierig, aber zumindest durch zustimmendes Kopfnicken im Takt zeigte das Publikum XENTRIFUGE doch positive Resonanz. Glücklich war ich, als abschließend noch „Technicide“ gespielt wurde, mein persönlicher Lieblings Track auf dem Album. Statt mit den sonst eher langsamen aber umso heftigeren Beats ging es hier mit schellen und heftigen Beats noch einmal doppelt so hart richtig zur Sache. Ein bisschen enttäuscht war ich, als nicht um Zugabe gebeten wurde.

 

Aber wir mussten uns noch gedulden. XENTRIFUGE räumte die Bühne und LIFE CRIED [ Galerie ] baute sie wieder auf – dabei auch wieder Chris C., diesmal nicht als Frontsänger, sondern als Trommler an den Drum Pads. Diesmal nur noch ein Keyboarder und ein weiterer Chris (aka DEAHT CONDITION) als Sänger und schon war LIFE CRIED komplett. Sie zeichnen sich durch ihre absolute Club-Tauglichkeit aus mit dennoch – nach eigener Aussage – tiefgründigen und komplexen Texten. Voraussichtlich Ende 2007 wird das zweite Album „Banished Psalms“ erscheinen. Ich kannte sie bisher nur von ihrer myspace-Präsenz und live haben sie mich sehr positiv überrascht. Gleich zu Beginn mit einem der neuen Songs „Another Sacrifice“ war klar, dass es jetzt an der Zeit war, das Tanzbein zu schwingen. Schlagende Argumente waren die ekstatisch gespielten Drum Pads, die den Takt angaben, während mitreißende Melodien das Restliche taten, um das Club-Feeling komplett zu machen. Die mittlerweile tanzende Menge wurde weiter mit „Rage“ beglückt und bekam auch „Burnt to Ashes“ auf die Ohren, was mir am besten gefallen hat. Auch der Song „Stale“ fiel besonders positiv auf, da er für mich einen teilweisen fast sphärischen Klang hatte und melodisch sehr eingänglich war. Zu guter Letzt brüllte Chris aka Death Condition mit „Hallowed be thy name“ nochmal seine Emotionen ins Mikro, bevor auch die zweite Vorband zu Ende war und TACTICAL SEKT in greifbare Nähe rückte. Nach kurzer Wartezeit ging es dann los. Zunächst begaben sich Jay Taylor (Live Drums) und Marco Gruhn (Live Synths) an ihre Krachmacher und heizten dem Publikum mit den pochenden Beats von „Chosen One“ gleich mal ordentlich ein. Nicht viel später betrat dann auch der Meister Anthony Mather (ASLAN FACTION) die Bühne unter jubelndem Applaus war sofort total präsent für die Menge.

 

Nicht nur, dass er die ganze Zeit in Bewegung war und mit Gestik und Mimik eine völlig charismatische Erscheinung war, ab und an durften auch die Fans in der ersten Reihe mal ins Mikro singen bzw. schreien. Generell blieb hier keiner auf seinem Platz: Jay Taylor, der leicht durchgeknallt scheinende Drummer mit den umherwirbelnden Dreads war mal vor, neben oder auf seinem Schlagzeug und sowohl er als auch Marco Gruhn waren öfter vorne am Bühnenrand, um die Leute anzufeuern oder durch Mitsprechen der eingespielten Samples direkt anzusprechen. Zu Beginn des zweiten Songs wollte ich gerade meine Kamera rauskramen, um mal einen Song lang zu filmen – als ich diesen aber als „Awaken The Ghost“ identifiziert hatte, blieb die Kamera, wo sie war. Spätestens jetzt gab es kein Halten mehr. Die Menge war jetzt gänzlich in Bewegung – trotzdem muss ich sagen, dass ich ausgelassenes und wilderes Tanzen erwartet hatte. Allzu heftig ging es aber gar nicht zu. Natürlich waren wir schon wieder völlig zugenebelt, doch das interessierte niemanden mehr, da sich wohl alle in Ekstase getanzt hatten. Aber das sollte nicht der einzige Hit bleiben, den TACTICAL SEKT [ Galerie ] raushauten. Selbstverständlich durfte vom „Syncope“-Album auch „Bring Me Violence“ nicht fehlen, was ziemlich bald folgte und mich durch intensives Tanzen in dem mittlerweile unglaublich erhitzten Raum ziemlich fertig machte. Aber so muss das ja sein. Was mir noch sehr gut gefallen hat war „4 Steps to Dysfunction“, was live noch viel viel besser kommt als von der Platte. Vom aktuellen Album wurde wie erwartet viel gespielt, an älteren Sachen gab es glaube ich nur „Capital Fallacies“ zu hören. Als es langsam auf Mitternacht zuging wurde ich etwas nervös. Da fehlte doch noch etwas. Nach kurzer Verabschiedung verschwanden die Künstler hinter der Bühne, wurden aber – wer hätte es gedacht – noch zu einer Zugabe aufgefordert.

 

Und unter den 3 weiteren Songs war auch „Soulless“, worauf ich schon sehnlichst gewartet hatte. Also die müden Knochen noch einmal zusammengesucht und mit lautem „Crash, crass evil!“ ein letztes Mal den Körper zappeln lassen. Als der letzte Song langsam ausklang, bedankte sich die Band und – nein, verließ nicht die Bühne. Anthony hüpfte zwischen die Zuschauer und pickte einen Mann heraus, wohl ein Freund von ihm, dem zu seinem Geburtstag nun ein kleiner Kuchen mit Kerzen überreicht wurde und dem wir ein fröhliches Geburtstagständchen singen durften. Dann erst gingen die Lichter an und man spürte erstmals, dass die Ohren halbwegs taub waren. Ja, so mögen wir das! Noch kurz am Merch Stand vorbeigeschlendert, waren wir aber auch froh, endlich draußen an der frischen Luft zu sein. Die Füße taten zwar unglaublich weh, meine Schminke war verwischt und wir sind zum Auto gehinkt wie Zombies – aber es hat sich gelohnt. TACTICAL SEKT live zu sehen ist definitiv ein Erlebnis und auch für LIFE CRIED und XENTRIFUGE würde ich diese positiven Strapazen sofort wieder auf mich nehmen!

 
TACTICAL SEKT - LIFE CRIED ...[ Schwimmbad, Heidelberg 03.10.2007 ]
 

Nun, man hatte sich dienstags kaum von den schmerzenden Beinen und halbtauben Ohren erholt, ging es am Mittwochabend wie oben erwähnt in Heidelberg ein zweites Mal zur Sache. Diesmal gesellten sich zu TACTICAL SEKT nur LIFE CRIED als Vorband, von XENTRIFUGE bekamen wir leider nichts mehr zu hören. Es schien nicht unbedingt mehr los zu sein, als in Frankfurt, allerdings sind die Heidelberger wesentlich tanzbereiter als die Frankfurter. Als LIFE CRIED die Bühne enterten, saßen zwar viele Leute noch am Rand der kleinen Tanzfläche und wippten eher schüchtern mit den Beats hin und her. Schnell spielten sich die 3 Jungs aber warm und rissen nach und nach mehr Zuschauer mit, bis vor der Bühne endlich echtes Konzert-Feeling aufkam. Der Sound war wesentlich leiser als in Frankfurt, zur Freude meiner Ohren. Bei der Auswahl ihrer Songs hielten sich LIFE CRIED ziemlich an die Setlist, die sie auch im Nachtleben gewählt hatten und stießen damit bei den Heidelbergern auch auf sichtbare Begeisterung.

 

TACTICAL SEKT ließ dann nicht mehr lange auf sich warten. Die wenigen, die noch an der Seite saßen, hatten sich spätestens jetzt erhoben und jeder suchte sich sein Plätzchen, um sich die Seele aus dem Leib zu tanzen – das konnte man hier wirklich so nennen. Natürlich wurde auch im Nachtleben an der Fankfurter Konstabler Wache viel getanzt, das Publikum im Schwimmbadclub toppte das hier und heute aber auf jeden Fall. Es war einfach ein genialer Anblick, als der gut gefüllte Raum am stampfen und springen war, der Schweiß nur so spritzte und die Temperatur stieg und stieg – mal wieder – auf hitzige Grade. Auch TACTICAL SEKT variierten kaum bei der Wahl ihrer Songs, allerdings spielten sie „Soulless“ und „Devil‘s Work“ noch im geplanten Programm; leider musste ich gegen 0.00 Uhr dann weg und konnte die Zugabe nicht mehr selber miterleben (meines Wissens nach wurde aber hier „The Enemy Within“ gespielt). Bleibt zu sagen: Zweimal ist keinmal und jederzeit gerne wieder!

 
Text: .Nadine Schmitt
Bilder: .Thomas Nattermann, . Reiner W. .[ www.art-in-black.de ]