14 Wave Gotik Treffen [13-17 Mai 2005 Leipzig]
 
Das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig war auch in diesem Jahr zum 14. Mal Hauptereignis für die Anhänger von Wave, EBM, Elektro und weiteren Musikstilen aus der "Schwarzen Szene". Wie bereits im vergangenen Jahr waren wir auch diesmal wieder für euch dabei und haben weder Blasenpflaster noch den Verzehr koffeinhaltiger Getränke gescheut, um möglichst vielseitig in Wort & Bild über dieses Ereignis zu berichten.
 
Donnerstag, 12.05.05: Nach ca. sechs Stunden stau- und unfallfreier Anreise erreichten wir das Etap-Hotel, in dem wir für die kommenden Tage einquartiert hatten. Nach dem Einchecken bei der freundlichen Dame, die sich jedes Jahr wieder aufs Neue auf die "vielen schönen Menschen in schwarz" freut, bezogen wir kurz das Zimmer und machten uns schleunigst auf den Weg zur agra, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen. Aber eigentlich war alles normal: die Strassenbahnen der LVB waren überfüllt wie eh und je, und mit jeder eintreffenden Bahn schwappte eine neue Menschenwelle über den Eingangsbereich. Nach kurzem Treffen mit Sandro und Anika machten wir uns wieder auf den Weg zurück ins Hotel.
 

 
Freitag, 13.05.05: Endlich, der Wave-Gotik-Treffen ist offiziel eröffnet. Unser erster Act führte uns ins Werk II, Halle A. Dort eröffnete TRANSIT POETRY aus der Richard-Wagner-Stadt Bayreuth das Programm. Die Formation um Sascha Blach spielte ein rund halbstündiges Set, wobei sich Songs aus dem 2004 erschienenen Album "Themes From The Desolate Ocean" mit bisher unveröffentlichtem Material des im Juli oder August erscheinenden Werkes "Shamanic Passage Through The Embers" abwechselten. Auch der RAINBIRD-Klassikers "Blueprint" durfte nicht fehlen, den TRANSIT POETRY sogar mit offizieler Genehmigung covern dürfen und der als Bonustrack auf dem neuen Album zu hören sein wird. Insgesamt ein solider Auftritt, der auch der Band gefallen haben dürfte, denn das Werk II war bereits zu diesem frühen Zeitpunkt gut gefüllt.
Der geballten Ladung von Poesie und Lyrik folgte dann der zweite Programmpunkt: NIK PAGE & THE SACRIFIGHT ARMY. Die Band um den zur Zeit in Blankenfelde bei Berlin wohnenden Frontman NIK hatte schon etwas mehr Zeit das Publikum in seinen musikalischen Bann zu ziehen. Mr. Page, der seit über zehn Jahren im Geschäft ist, hat mit bisher vier veröffentlichen Soloprojekten genügend Material zu bieten, zumal er erst im letzten Jahr das Album "Sinmachine" veröffentlicht hat. Zusammen mit THE SACRIFIGHT ARMY legte Nik eine gute Persormance hin, obwohl man eine gewisse negative Aura auf der Bühne spüren konnte. Eingehüllt in hellgrünes Licht präsentierte der Sänger mit dem extravaganten Mikoroständer seine Songs und der Funke sprang auch auf das tanzende und singende Publikum über. Natürlich fehlte das Ende Februar veröffentlichte ÄRZTE-Cover "Mystryland" ebenfalls nicht in der Playlist. Wie man sich später erzählte gab es während der Autogrammstunde noch ein "unschönes Wortgefecht" zwischen Dana und Nik, Einzelheiten sind uns jedoch nicht bekannt.Es schloss sich der Auftritt von ESCAPE WITH ROMEO an, den wir jedoch ausfallen liessen, um uns kulinarisch bei Schupfnudeln und Chili verwöhnen zu lassen, denn langsam stiegen die Temperatur- und Feuchtigkeitswerte im Werk II an und bekamen das Prädikat "stickig".
Satt und gut gelaunt widmeten wir uns anschliessend wieder der Musik, in diesem Fall Claudia Uhle. Sie ist ANGELZOOM. Die Sängerin der Berliner Band X-Perience hat damit den Schritt gewagt ihr ganz eigenes Verständnis von Musik umzusetzen. Gefüllt mit vielen Coversongs von Grössen wie Linkin Park, Deine Lakaien oder "Blasphemous Rumours" von Depeche Mode hat Claudia ein weitgefächertes Repertoire zu bieten. Einer der Höhepunkte war sicherlich das Duett mit Nik Page. Zusammen mit Nik und Joachim Witt hat Frau Uhle erst kürzlich die Tiefenrausch-Tour hinter sich gebracht und war mit den Endzeit-Streichern von Apocalyptica auf Tour. Die Musik ist bestimmt nicht immer so tanzbar wie bei anderen Bands, jedoch entführt sie den Zuhörer in eine wunderbare Klangwelt.Die Darbietung von IKON fiel leider auch dem Drang nach Flüssigkeit und dem Knüpfen neuer Kontakte zum Opfer. An dieser Stelle einen lieben Gruss in die USA zu Mic Knight, der immer wieder mit seinem patriotischen Humor für herzhafte Lacher gesorgt hat. Hoffentlich bekommen wir die Videoaufnahmen durch die Zollkontrollen... ;-)
Nun aber zurück zum Geschehen: die Band, auf die wir uns schon im Vorfeld des WGT sehr gefreut haben war GIRLS UNDER GLASS. Und nun das Gute vorneweg: wir wurden nicht enttäuscht. Leider war Axel nicht dabei, weil es gerade in Phoenix/Arizona weilte, wurde aber toll von Falco ersetzt. Mit ihrem neuen Album "Zyklus" im Gepäck, gaben die charmanten Jungs alles... und bekamen auch alles zurück. Das Werk II kochte regelrecht, und die Hamburger zeigten mal wo der Hammer hängt. Auf der Webseite von GUG war mit Datum vom 17.05. zu lesen, dass sie sich für die tolle Stimmung bedankten und evtl. im September nochmal in Leipzig auftreten werden.
Leider war es uns nicht vergönnt das gesamte Set zu verfolgen, denn im Zeichen der rasenden Reporter mussten wir das Werk verlassen und uns schleunigst auf den Weg in Richtung agra machen. Denn dort sollte lt. Plan um 22.45 Uhr der Gig von APOPTYGMA BERZERK beginnen. Tja, und da hatten wir uns so sehr beeilt, haben uns durch die Massen in der agra gekämpft, und... technische Probleme. Egal, kann immer mal passieren. Und so warteten wir geduldig auf den Start. Und dann ging's los, aber wie! Der in Norwegen lebende um Stephan Groth liess es krachen dass sich in der agra-Halle die Bühnenbalken bogen. Keine halbe Sekunde blieb der gutaussehende Sänger und Frontman stehen. Apo brannte ein Feuerwerk nach dem nächsten ab und entschädigten damit mehr als genug für die technischen Schwierigkeiten vor Beginn des Auftritts. Eine rundum gelungene Darbietung.
Nach diesem skandinavischen Power-Überall trat eine Formation auf die Bühne, bei der APOPTYGMA BERZERK bereits 1991 als Vorband spielte: DIE KRUPPS. Erstmalig um 1981 auf den Plattentellern erschienen, trat hier, wie auch schon im Vorjahr mit ANNE CLARK, ein absoluter Klassiker auf, der massgeblich an der Evolution der Elektro-Musik beteiligt war. Viele Anhänger waren erschienen und feierten die etwas älteren Männer auf der Bühne - ich selber fand leider keinen Zugang zu diesem musikalischen Ereignis.Darüber hinaus stand noch ein offener Punkt auf der To-Do-List: die Vernisage-Eröffnung von Steve Marvel um Mitternacht in der SIXTINA. Wie nicht anderes zu erwarten kamen wir viel zu spät, trafen den Künstler jedoch noch persönlich in den unterirdischen und modrig riechenden Gemäuern, die perfekte zur Inszinierung passten. Nach eingehender Betrachtung der ausgestellten Werke und einem kleinen Plausch mit den Anwesenden war es dann aber auch an der Zeit den Weg ins Bett zu finden, schliesslich hatten wir einen sehr langen und auch anstrengenden Tag hinter uns.
 

 
Samstag, 14.05.05: Für diesen Tag waren wir leider schreibertechnisch verhindert, Sandro hat es sich aber nicht nehmen lassen photographisch für euch unterwegs zu sein.
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Sonntag, 15.05.05: Unser Debutant am Sonntag hiess DIARY OF DREAMS aus niederrheinischen Gefilden. Das Zentrum der Band wird gebildet aus Adrian Hates und Alistair Kane, der mittlerweile auch unter dem Pseudonym "Gaun:A" unterwegs ist.Diary spielten ein solides Programm unseres Erachtens nach. Eine dazu gefühlvoll inszinierte Light-Show unterstrich den Auftritt. Dabei wurde eine Mischung aus alten sowie neuen Titeln des Albums "Nigredo" angeboten. Ihren ersten Gig in Europa spielten an diesem Abend VOODOO CHURCH aus den USA. Die Formation um Sängerin Tina Winter gibt es bereits seit 1982, pausierte jedoch eine ganze Zeit, weil lt. Biografie der Erfolg der Band etwas über den Kopf gewachsen war. 2002 traf sich die alte Besetzung wieder, jedoch galten die alten Visionen nicht mehr für alle, so dass man erst 2004 im Stande war, zwei Compilations und im weiteren Verlauf des Jahres die CD "Unholy Burial" in anderer Besetzung zu veröffentlichen, was Voodoo Church ein ungeheures Feedback von Fans und allen Arten von Medien einbrachte. Beim Zillo-Magazin bekamen sie sogar den Titel "Record of the Month". Uns selbst hat der Auftritt eher überhaupt nicht angesprochen, andere hingegen waren begeistert. Das ist aber auch gut so, zeigt es doch wieder einmal das wir alle Individuen sind.
Dem nächsten Programmpunkt eilten viele Vorschusslorbeeren voraus: UMBRA ET IMAGO. Sollte uns doch eine mitreissende Bühnenshow und ein musikalischer Leckerbissen erwarten. Was an diesem Abend folgte stellte sich für uns als eher langweilige Fleischbeschauung eines weiblichen Körpers verknüpft mit einer SM-Inszinierung dar, die in keinster Weise zu überzeugen wusste. Man darf nicht verheimlichen dass Umbra Et Imago einen interessanten Werdegang hinter sich haben und ihren Grundsätzen immer treu geblieben sind. Daraus resultierend hat Umbra bisher nie als Support gespielt und es nun sogar geschafft, eine Tour durrch Lateinamerika zu unternehmen im Laufe des Jahres 2005. Darüber hinaus berreichern sie die Musiklandschaft auf ihre eigene, spezielle Weise, aber leider ist diese Message an diesem Abend nicht bis zu uns durchgedrungen.
Als Mitternachts-Special hatte das Organisationsteam des Wave-Gotik-Treffen THE HUMAN LEAGUE aufs Programm gesetzt. Wie nicht anders zu erwarten war die agra-Halle rappelvoll und auch hier war die Erwartungshaltung sehr gross. Das sehr schlicht, schon fast steril anmutende Bühnenbild wurde in weiches Licht gehüllt, und es begann eine Reise zurück in die Vergangenheit zu den Anfängen der Pop- und Synthie-Musik. Wir hörten Songs die wir eigentlich schon vergessen hatten und wurden doch schön mitgetragen auf den Klangwellen, die uns in perfektem Sound und hohem gesangslichen Engagement vorgetragen wurden. Ein wirklich schöner Abschluss für diesen Festivaltag, der einen zufriedenen Gesichtsausdruck in unsere Gesichter zauberte.
 

 
Montag, 16.05.05: Für diesen Tag hatten wir uns kein so volles Programm mehr vorgenommen, denn die Stadt Leipzig bietet auch ausserhalb des Festival einiges. Trotzdem machten wir uns zeitig auf den Weg ins Werk II. Dort stand NEUROTICFISH auf dem Programm, und genau auf diesen Gig hatten wir es abgesehen. Ab dem ersten Moment liess Sascha keine Zweifel, dass er das Werk völlig auf den Kopf stellen wird, und genau passierte! Neuroticfish, immer authentisch sich selbst gegenüber, seinen Zielen und Idealen absolut treu, präsentierte ein Show ohne Gleichen. Songs mit Power ohne Ende, ein Kracher nach dem anderen, gepaart mit charmantem und teils zynischem Wortwitz zwischen den Songs, machten diesen Gig zu einem Erlebnis, das unsere hohen Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern bei weiterm übertraf. Dazu die tollen Projektionen hinter dem Keyboarder in Form eines Aquariums, jedoch immer wieder gespickt mit sonderlichen Elementen. Leider mussten wir auch dieses Konzert vorzeitig verlassen, denn es sollte sich der finale Programmpunkt unserer Berichterstattung in der agra-Halle anschliessen.
 
Also stand wieder ein Ortswechsel an. Zum Abschluss des Wave-Gotik-Treffen 2005 baten SUBWAY TO SALLY aus Berlin zum Tanz in der grossen agra-Halle. Die vollkommen gefüllte Halle war bereits bei unserem Eintreffen in absoluter Feierstimmung. Bereits kurz nach Beendigung der Umbauarbeiten (vorher spielte TANZWUT) stimmten die Massen "Julia und die Räuber" an und sangen durch bis zum Beginn des StS-Auftritts. Die Berliner spielten ein rund einstündiges Set, das einen Ausblick über die gesamte Bandbreite des bisherigen Schaffens zeigte. Keiner der grossen Hits wurde ausgelassen, und mit "Falscher Heiland" verabschiedete man sich. Das Publikum hatte aber noch lange nicht genug und sang die Formation nochmal aus dem Backstage, und somit gab es noch zwei Zugaben in Form von "Grabrede" und "Julia und die Räuber". Eher überraschend für uns ging nach der letzten Zugabe die komplette Hallenbeleuchtung an, die Band verschwand mit kurzem Dank und aus... Eigentlich hatten wir uns mehr erhofft von diesem Act. Wir hatten das Gefühl das der Funk nicht richtig überspringen wollte und das Set doch zeitlich sehr begrenzt war. Abschliessend muss man feststellen, dass Subway to Sally schon bessere Konzerte gespielt haben, und das kann man nicht auf den neuen Drummer zurückführen, der erst vor zwei Wochen neu dazugestossen ist.
 
So findet denn auch unsere Berichterstattung vom Wave-Gotik-Treffen 2005 in Leipzig hier so langsam ein Ende. Alles in allem war es ein gut organisiertes Festival, was bei dieser Grössenordnung, schliesslich waren rund 20.000 Besucher anwesend, nicht immer ganz einfach ist. Die Security, besonders in und um die agra, erschien uns diesmal mehr als freundlich, was man leider über die gleiche Berufsgruppe im Werk II nicht ganz so bestätigen kann. Leider spielte auch das Wetter nicht so hervorragend mit wie im letzten Jahr, aber darauf hat nunmal niemand von uns Einfluss.Besonders danken möchten wir dem netten Kameramann im Werk II, der uns besonders am Freitag die Möglichkeit gegeben hat tolle Aufnahmen zu machen. Ein weiterer Dank geht an das IMO-Team der Tankstelle gegenüber dem Eingang zum agra-Gelände, das uns immer einen Parkplatz frei gehalten hat und auf unser Hab und Gut darin ein Auge hatte.Die Bandauswahl bot unseres Erachtens nach nicht so viele (kommerzielle) Acts wie im vergangenen Jahr, was aber glücklicherweise zur Folge hatte, dass auch mal ein wenig Zeit übrig blieb, um sich die Stadt Leipzig mit ihren vielen schönen Bauten näher anzusehen.Wir sind bereits jetzt gespannt was sich das Organisationsteam des WGT für das kommende Jahr einfallen lässt, schliesslich ereignet sich das Treffen der Schwarzen Szene dann zum 15. Mal. Wir sind gespannt...
Text: Dietmar Vander ----- ---- Bilder: Sandro Griesbach
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