Mera Luna 2006 - Tag 2 [ Hildesheim 13.08.2006 ]

 
 

Entsprechend der terrorinternen Arbeitsteilung hatte ich mir noch längere Zeit die Aftershowparty mit prominenten DJs (Tom von [:SITD:] und Ronan Harris von VNV NATION) am Vorabend angeschaut, so dass der Zeiger der Uhr schon Richtung 11 rückte, als mich doch tatsächlich die Sonne weckte. Entgegen der negativen Wetterprognosen versprach auch der Sonntag schön zu werden und so machte ich mich alsbald auch den Weg zum Festivalgelände, um zu prüfen, ob die Grufties wohl schon auf den Beinen waren. Und tatsächlich bevölkerten schon einige Schwarzkittel gegen Mittag den Platz vor der großen Bühne, wo gerade ELANE aus dem Sauerland auftraten. Die Band war kurzfristig für ELIS eingesprungen, die nach dem plötzlichen Tod ihrer gerade mal 29-jährigen Sängerin Sabine Dünser (RIP) verständlicherweise ihren Auftritt abgesagt hatten. (ump)

Der „Ersatz“ um Sängerin Joran Elane bat nach dem zweiten Song „Trace of the Flames“ um eine Schweigeminute – und der ganze Platz vor der Main Stage war mucksmäuschenstill. Mit einer sehr melodischen Version von „Moonlight Shadow“ griffen ELANE die Stimmung auf, waren allerdings für das morgendliche Publikum nicht lebendig genug, um die Massen wirklich wach zu bekommen. Mit einer Mischung aus mittelalterlich beeinflusstem Rock und Metalelementen präsentierten sie einen Song vom kommenden Album („On and on“) sowie ein älteres Stück, welches auf den Namen „Crystal Clear Water“ hörte. Nett anzuhören war das allemal, aber es fehlte insgesamt der Schwung; was wohl auch an der frühen Stunde lag, denn vor der Main Stage war es reichlich leer. Allerdings verlief klanglich alles einwandfrei und immerhin steht mit Simon mal ein Mann an der Geige. Auch der bezaubernde Gesang der sehr hübschen Sängerin verhalf ELANE letztlich zu einem sehr ordentlichen Gig zu Beginn des zweiten M’era Tages. (ck)

 

Die Rolle des Openers zu erfüllen ist erfahrungsgemäß nicht die leichteste Aufgabe für eine Band, möchte man meinen. Den Gegenbeweis lieferten SOLITARY EXPERIMENTS am zweiten Tag des M’era Luna Festivals im Hangar ab. Viele waren an diesem Morgen nach einer langen Partynacht extra zeitig aus ihren Zelten gekrochen, hatten sich schnell gestylt und ab ging es in Richtung der sonst als Abstellplatz für Flugzeuge genutzten Halle um bei dem Gig dabei zu sein. Ab 11.00 Uhr öffneten sich dort die Tore und was zu diesem Zeitpunkt noch nach einem kleinen Trupp treuer Fans aussah, wuchs bis zum Konzertbeginn zu einer beachtlichen Größe an. Pünktlich um 11.20 Uhr betraten dann Steve, Michael und Sänger Dennis Schober die Bühne und waren sichtlich begeistert über die noch immer heranströmenden Zuhörer. Dennis lief in weiß auf und eröffnet wurde das kurze Set von insgesamt nur 5 Stücken mit „Delight“ vom letzten Album ‚Mind Over Matter’. Vom ersten Takt dieser 132bpm - Nummer, war das Publikum voll dabei, tanzte und feierte das Berliner Electro-Trio.

 

Bei dieser mitreissenden Musik stillstehen? No Chance! Die Interaktion zwischen Band und Publikum klappte super, wobei Dennis hier die Hauptrolle spielte, während sich Steve und Michael der Bedienung ihrer Keyboards widmeten. Bereits nach 20 Minuten mußten SOLITARY EXPERIMENTS das Feld planmäßig räumen. Der enge Zeitplan eines solchen Festivals läßt eben einfach keinerlei Platz für Zugaben. Dabei hätten die Fans liebend gern noch zu ein paar mehr Stücken abgefeiert. (fs) [ Galerie ]

 

Im Hangar wurden XPQ-21 bereits von einer respektabeln Zuschauermenge erwartet. Mastermind Jeyenne entledigte sich schon frühzeitig seines Hutes, sowie eines Teiles seiner Oberbekleidung und poste über die Bühne; für die Herren hatte sich die Gitarristin in wenig weißen Lack und viel schwarze Stiefel geschmissen. Aber auch der Mix aus Electro, Punk, EBM und Industrial war vom Feinsten. Entsprechend gut die Stimmung im Publikum, wozu auch die gelegentlich eingeworfenen deutschen Brocken und die Begrüßung der ausländischen Gäste (abgefragt wurden England, Schottland, die Niederlande, Frankreich, Italien und Schweden) beitrugen. Endgültig kein Halten gab es beim letzten Stück und Clubhit „White And Alive“, bei dem mit Sicherheit alle Anwesenden wieder auf Betriebstemperatur gekommen waren. (ump) [ Galerie ]

 

Dass es auch zu früher Stunde schon richtig stimmungsvoll zugehen kann, zeigte dann ebenso ein auf diesem Festival gerne und oft gesehener Gast: CLAN OF XYMOX aus den Niederlanden. In Nullkommanichts füllte sich das Gelände mit ungefähr dreimal so viel Leuten wie zuvor. Nach der Veröffentlichung des aktuellen Albums im April mögen sich auch neue Begeisterte gefunden haben, für andere ist der CLAN OF XYMOX fast schon eine Art Bestandteil des M’era Luna. Und so rockten Ronny Moorings und die anderen „Clanmitglieder“ gehörig über die Bühne und zeigten sich – wie es sich für ein Festival gehört – von ihrer wilderen Seite. Die ruhigeren Songs fielen leider ein wenig unter den Tisch, was aber keinen der Anwesenden gestört haben dürfte. CLAN OF XYMOX beendeten das Konzert dann auch mit dem flotten “A Day”. Und so machten wir uns gemeinsam schon wieder auf den Weg in den benachbarten Hangar denn da sollte der nächste Act SOMAN aka Kolja Trelle sein... (ck) [ Galerie ]

 

Heftiger Industrial Techno also, doch zuerst kam eine Dame auf die Bühne, deren viel zu leiser Gesang in keinster Weise überzeugen konnte. Auch die Beats kamen noch nicht optimal rüber, was lautstark bemängelt wurde. Zumindest das, was aus dem Computer kam, wurde soundtechnisch deutlich besser und so bekam die Sängerin beim dritten Stück eine weitere Chance, die sie aber nicht wirklich zu nutzen wusste. Zwar kam der Gesang jetzt lauter rüber, das Stimmchen blieb aber trotzdem ziemlich dünn. So wurde das Fräulein auch nie wieder gesehen geschweige gehört und stattdessen übernahmen zwei leicht bekleidete Tänzerin den weiblichen Part, während SOMAN der Crowd einheizte. (ump)

 

...und schon leerte sich der Hauptplatz erneut, aber natürlich nicht vergleichbar mit den „frühen“ Morgenstunden. Schade für EPICA, die nun als nächste Band an der Reihe waren. Mit dem großen „Consign of Oblivion“ - Banner im Hintergrund lieferten unsere westlichen Nachbarn aus den Niederlanden zwar insgesamt eine recht gute Show ab, konnten aber bühnentechnisch nicht viel Neues bieten. Zwar ist Sängerin Simone Simons immer wieder ein Blickfang, vor allem, wenn sie an der Front der Bühne richtig Action macht, andererseits hat man sich an vielen Dingen vielleicht ein wenig sattgesehen oder -gehört. Bei „Fly to the moon“ gab es sicherlich einige Mitklatscher und -tänzer, auch kamen die Fans auf ihre Kosten, als EPICA das Publikum noch einmal böse „angrunzten“ - wie es sich in diesem Genre halt gehört. Beim letzten Song wurde dann noch einmal richtig Gas gegeben, aber für die vorbeilaufenden Zuschauer schien das Ganze nicht wirklich interessant gewesen zu sein. (ck) [ Galerie I , Galerie II ]

 

Mit den Schweden SPETSNAZ sollte nun ein weiterer Höhepunkt im Hangar folgen, dementsprechend voll wurde es auch, Hübsche Cyber-Ladies und harte Flats allenthalben, auch Tom von [:SITD:] ließ es sich nicht nehmen, der Konkurrenz aus dem hohen Norden zuzuschauen. Die besteht aus den Herren Stefan Nilsson (Military Look mit korrektem Scheitel) an E-Drums bzw. Keys sowie Frontbiene Pontus Stålberg, der mit einem modischen weißen Jäckchen daher kam. Mit einem „Guten Abend Hildesheim“ begannt man gutgelaunt mit der Show, die erwartungsgemäß energievoll und oldschoolig ausfiel. Eben wie eine leicht modernere Variante bekannter 90er Schwedensounds bzw. natürlich auch NITZER EBB. Das Auditorium bedankte sich in Teilen mit Crowdsurfing und Violent Dancing, auch Pontus gab körperlich alles, so bemerkte er lapidar: „Ich habe Blut in der Hand“. Die Setlist startete mit „Degenerate Ones“, enthielt im Mittelteil das starke „That Perfect Body“ (dem leicht übergewichtigen Stefan gewidmet) und endete mit dem noch stärkeren „Apathy“ viel zu kurz.

 

Witzig auch die Reaktionen der beinharten Skandinavien Fraktion, die immer wieder spaßeshalber intonierte „Stefan Nilsson ist homosexuell“. Betroffener divte dann zum Schluss noch todesmutig in die Menge und verließ den Hangar vorne links über den Seiteneingang. Sehr starker reduzierter Sound, der zu Tanzschritten nur so einlädt, hätte vielleicht noch etwas besser abgemischt werden können. (tk) [ Galerie ]

 

Im Anschluss versuchten die deutschen Überflieger ROTERSAND im Hangar den Energie Level ihrer Vorgänger zu halten. Vor 2 Jahren spielte man an ebensolcher Stelle noch ganz früh am Tag, worauf Rasc mehrfach hinwies und sich bei seinem Publikum bedankte. In selbigem befanden sich auch 2 Fahnen, allerdings nur kurz, denn die eifrige Security sah darin wohl ein zu hohes Gefahrenpotenzial. Neben dem glatzköpfigen Front-Hünen waren natürlich wieder links Gun an Keys/ Gitarre sowie rechts DJ Krischan an weiteren Tastengeräten zugange. Zusammen performte man beispielsweise „Almost Violent“ oder „The Last Ship“, dabei hatte ich das Gefühl, dass sie anfangs noch mit etwas gebremsten Schaum agierten. Doch dann die Überraschung, für irgendetwas mussten die mittig erhöht platzierten E-Drums ja gut sein. Rasc kündigte mit Stolz einen Gastdrummer an, der zusammen mit ihnen „Storm“ performen sollte. Und das war nicht irgendein Gast! Mark Jackson von VNV himself wurde laut umjubelt auf die Bühne geholt und veredelte das Stück mit seinen bekannt dynamischen Schlägen.

 

Da war natürlich Kumpel Ronan nicht weit, der das Geschehen aus nächster Nähe beobachtete. Auch im Folgenden verblieb Mark an seinem Gerät und sorgte dafür, dass ROTERSAND schließlich doch zu einem Triumphzug antreten konnten. Insbesondere das brettharte „Exterminate Annihilate Destroy“, von allen drei Kernmembern im Wechsel geshoutet, ließ die Massen noch mal rotieren. (tk)

 

„Massen“ war auch das richtige Stichtwort, denn ebensolche versuchten nun in bzw. aus der Fliegerhalle zu gelangen. So bekamen wir nur noch wenige Minuten THE BIRTHDAY MASSACRE unter arg bedecktem Himmel auf die Ohren. Eigentlich schade, ich hätte die Überflieger des Jahres 2004, die bisher nicht viele Gigs in Deutschland hatten, gerne näher inspiziert. So viel mir nur der doch recht leise Sound von Chibi und ihren Herren auf, oder lag das an den Hangar-geschädigten Lauschern? Nun gut, die Fans schienen sehr zufrieden gewesen zu sein und in diesem Jahr folgt ja noch eine kleinere Tour hierzulande. (tk) [ Galerie I , Galerie II ]

 

Auf IN STRICT CONFIDENCE freute ich mich sonntags am meisten, denn ich war wahnsinnig gespannt, wie die Songs des aktuellen Albums „Exile Paradise“ live klingen würden. Zu den Anfangstakten von „Promised Land“ betraten Lars (Gitarre), Jörg (Keybord), Stefan (Drums), Sänger Dennis Ostermann ganz in schwarz gekleidet mit Rasta-Zöpfen und das neueste Bandmitglied Antje Schulz die Bühne. Antje im Schulmädchenlook mit weißer Bluse, Pferdeschwanz und schwingendem Faltenröckchen. Beide zusammen ergaben ein hübsches Bild. Leider war der Sound zunächst nicht der Beste, was sich aber schnell änderte. Dennis freute sich sichtlich über den Applaus und zusammen mit Antje stimmte er „Fading Light“ an. Er tanzte wie gewohnt vor und zurück und seine kratzige, dunkle Stimme ergab auch live einen wunderschönen Kontrast zu Antjes glockenhellem Gesang. Gemeinsame sagen sie „Seven Lives“, bis Antje fürs erste die Bühne verließ. An den Reaktionen und den ersten Tönen des nächsten Tracks war schnell klar, dass jetzt der bekannteste ISC-Song überhaupt folgte:

 

„Zauberschloss“. Und der brachte den Hangar zum Jubeln! Empor gestreckte Arme und lautes Mitsingen begleiteten den Titel bis zum Schluss. Die älteren Stücke „Kiss your Shadow“ sowie „Herzattacke“ wurden ebenfalls kräftig abgefeiert, Dennis taute dabei richtig auf und hatte merklich Spaß. Er kündigte die anstehende Tour im Oktober an, bedankte sich mehrmals und zusammen mit Antje war es dann schon wieder Zeit für den letzten Song des Auftritts „Engelsstaub“. Fazit: Die Dame passt wunderbar in das Gesamtbild der Band und die neuen Songs stehen den Alten in nichts nach. Freuen wir uns auf die Tour! (cath) [ Galerie ]

 

Kurz bevor es mit APOPTYGMA BERZERK auf der Hauptbühne weitergehen sollte, verkündete Medusa wie am Vortag eine Unwetterwarnung für den Kreis Hildesheim, die aber über dem Gelände zum Glück wieder nicht zur Realität wurde. Dennoch befestigte man nun Teile der Lautsprecher, um eventuellen Schäden vorzubeugen. Die Norweger um Stefan Groth haben ja mittlerweile ihren Wohnsitz mehr oder weniger nach Germany verlegt, so viele Auftritte gab es in letzter Zeit. Doch nun standen sie endlich mal wieder vor ihrem (schwarzen) Stammpublikum, „APOPTYGMA’s coming home“ kann man da nur sagen. Dementsprechend voll wurde es nun auch, leider auch über unseren Köpfen, denn immer mehr schwarze Wolken ließen sich blicken. Dass es dann letztendlich nur für ein paar Tropfen reichte, kann als Beweis dafür gelten, dass die Grufties zumindest mit dem Wettergott im Reinen sind. Doch nun traten 4 gutgelaunte Skandinavier nach vorne, leider 4, denn Neddo war wieder nicht mit am Start.

 

Dafür konnte Stefan mit einer „neuen“ Krawatte glänzen, hat ihm wohl seine Mama rausgelegt... Mit einer Norwegen-Fahne am Mikrophonständer konnte es dann auch gleich losgehen, und natürlich wurde wieder eine Mischung aus Alt und Neu geboten („Any Old Schoolers here? - Man kennt die Frage mittlerweile). „You keep me from breaking apart“, der Single Hit „Shine on“, „Deep Red“, die Hymnen „Kathy’s Song“, „Unicorn“ und „Until the End of the World“: Alles dabei, was man in der kurzen Zeit aufbieten konnte, die Reaktionen waren dementsprechend euphorisch, es wurde mitgesungen und gegroovt. Zum Abschluss kredenzten APOP uns dann noch „Non Stop Violence“, welches mit dem üblichen Wechselgesang Groth - Publikum beschlossen wurde. Erstaunlich, dass einem die Truppe auch nach dem x-ten Male noch nicht auf die Nerven geht. Ganz im Gegenteil! (tk) [ Galerie ]

 

Nach kurzer Verzögerung betrat Chris Pohl mit seinem „Nebenprojekt“ TERMINAL CHOICE die Bühne. Etliche Damen drängelten in die ersten Reihen, Fans in bekennenden T-Shirts und auch viele besonders aufgestylte M’era Luna-Gäste stürmten in den brechend vollen Hangar. Louis Manke (STAUBKIND), Gordon (Gitarren) und Jens (Keyboard) sorgten für den brachialen Sound und schnell war klar, dass Herr Pohl an diesem Tag in erster Linie das neue (den meisten natürlich nicht bekannte) Album „New Born Enemies“ vorstellen wollte, was der Stimmung merklich schadete und zu Abwanderungen nach draußen führte. Die Stimmung kochte lediglich bei den beiden älteren Titeln „Collective Suicide“ und „Injustice“ über, wo nun sogar an den Außenseiten des Hangars getanzt und mitgesungen wurde. Ab und zu erklangen „Louis wir lieben Dich-Rufe“, was der grinsend aufnahm. Chris’ Stimme hat sich deutlich verbessert und das neue Material ist eindeutig gitarrenlastiger, wuchtiger und härter denn je. (cath) [ Galerie ]

 

Waren mir schon bei den APOPTYGlern mehrere Mädels in blutigen SLIPKNOT-Masken aufgefallen, die einen ganz und gar unblutigen Riesenteddy mit sich führten, wurde der Grund für ihre Präsenz bei den nun folgenden MINISTRY geklärt. Weird Al Jourgensen hatte nämlich eine Allstar Truppe um sich geschart, die übrigens auch als Rausschmeißer eine sehr gute Figur abgeben würde, so dreckig rotzig fies kamen die Herren Musiker rüber. An dem Drumkit inklusive eindrucksvoller Tierschädel: Joey Jordison von eingangs erwähnten SLIPKNOT, dazu Tommy Victor (Mastermind von PRONG), Paul Raven (mit blitzenden Beißerchen), Keyboarder John Bechdel und ein weiterer Klampfer, der wohl früher mal bei RIGOR MORTIS tätig war. Und natürlich Al himself als eine Art Mickey Rourke mit Dreads und Anti-Bush-Shirt, was bei seinen Veröffentlichungen nun wirklich niemanden verwunderte. Angeblich ist er die sechst unbeliebteste Person bei der Bush-Administration, eine Ehre, die er sicher gerne entgegennimmt.

 

Und schon konnte das Inferno beginnen, und das Wort ist keinesfalls zu hoch gegriffen. In einer diabolischen Lautstärke und mit klirrenden Höhen wurde so manchem Blutengel die Korsage ordentlich durchgebürstet. Alter Schwede, was für ein Sound, was für eine Brutalität, das hätte jedem Metal Open Air zur Ehre gereicht. Dementsprechend zweigeteilt wohl auch die Reaktionen: Einige hatten Spaß und bangten, was das Zeug hielt, andere wendeten sich doch eher entgeistert ab. Ich war vollkommen BEgeistert, genau diesen Weckruf brauchte das M’era am Sonntag. Leider wurden von der Überscheibe „Psalm 69“ nur die 2 Lieder „N.W.O.“ und „Just one fix“ gespielt, sonst handelte es sich vornehmlich um neueres Material, das mir nicht so geläufig ist. Jourgensen brüllte hinter seinem furchteinflössenden Mikroständer wie am Spieß, wenn er nicht gerade diebisch grinsend in die Massen blickte. Mit der einzigen eher ruhigen Nummer „Khyber Pass“ verabschiedeten sich die gut genährten Mannen einer nach dem anderen, nur um für eine Zugabe noch mal zurückzukehren. „So what“ aus dem Jahre 1989 beendete diesen Parforceritt überaus eindrucksvoll. Was die KRUPPS für den Samstag, waren MINISTRY für den Sonntag, meine persönliche Meinung. (tk) [ Galerie ]

 

Es folgte nun meine dritte Live-Begegnung mit DE/VISION in diesem Jahr, die direkt im Anschluss von TC den Hangar beehrten. Ein krasser Unterschied zum Sound der Vorgänger und die ersten Reihen wurden bereitwillig freigegeben. Steffen und Thomas im lässigen Outfit mit Mützen hatten sich auch wieder die bewährte Live-Unterstützung mitgebracht und betraten zum Intro von „Frequency“ die Bühne. Nach „Subtronic“ und „I’m not enough“ vom aktuellen Album „Subkutan“ kam das Publikum bei „I regret“ das erste mal richtig in Wallung. Sympathisch und gutgelaunt witzelte Steffen immer wieder und schien einige Fans im Publikum „persönlich“ mit Blicken zu begrüßen. Es folgte eine Mischung aus alt und neu mit Titeln wie „The End“, „My own worst enemy“ oder „New Drug“, bis Steffen den wohl ältesten Track „Your hands on my skin“ vorstellte, den DE/VISION noch live spielen. Ausdrücklich bat er um Unterstützung des Publikums durch lautes Klatschen und Mitsingen. Die Feierwilligen wurden allerdings mit Songs wie „Strange Affection“ und dem melancholischen

 

„The Day’s not done“ etwas gebremst. Trotzdem verlangten sie nach einer Zugabe, die mit „Still unknown“ begann und mit dem tanzbaren „Addict“ den gewohnt soliden Auftritt des Duos beendete. Immer wieder gerne! (cath)

 

Während die Maskenmädchen noch auf ihren Joey warteten, wurde es nun extrem voll vor der Main, extrem passend für IN EXTREMO, die natürlich über einen deutlich konsensfähigeren Sound verfügen als die Krachchaoten vor ihnen. Im Hintergrund wurden wieder die typischen Aufbauten platziert, also das bekannte Schiffsmodell. Auch hier war eine Best of-Show ohne größere Überraschungen zu erwarten, was für die Fans natürlich allemal mehr als genug ist. Mit „Raue See“ ging es los, dabei kamen dann am Ende wieder die Pyros aus dem Steuerrad vorne am Bühnenrand zum Einsatz. Auch im weiteren Verlauf wurde immer mal wieder Feuer gelegt, die Wärme konnte am frühen Abend auch nicht schaden. Es folgten „Spielmannsblut“, „Horizont“ und „Ave Maria“, bevor das „Letzte Einhorn“ mit einem kleinen Fauxpas aufhorchen ließ, er verwechselte nämlich die beiden Titel „Mein Rasend Herz“ und „Küss mich“ in der Setlist-Reihenfolge, was aber kein wirkliches Vergehen darstellte.

 

IN EXTREMO präsentierten sich spielfreudig wie eh und je und um uns herum wurde gesprungen und getanzt, als ob es danach nie wieder eine Chance dazu gäbe. „Der Vollmond“ wurde dann feinfingerig von Dr. Pymonte auf der Harfe (an-)gespielt, bei „Liam“ hingegen kam der eigens für die Komposition gebaute Dudelsack sitzend zum Einsatz. So langsam neigte sich auch diese Darbietung dem Ende zu, natürlich war lang nicht so viel Spielzeit eingeplant wie bei extremistischen Einzelgigs. Mit einem Springgelage bei dem Spielmannslied „Poc Vecem“ sowie der Erfolgssingle „Erdbeermund“ (inklusive kollektiven Zeigens des IE-Symbols mit den Händen) mussten sich die deutschen Vorzeige Mittelalter Metaller dann zum Leidwesen vieler auch schon wieder verabschieden. Im Gegensatz zum „On A Dark Winter’s Night“ 2003 waren heuer nämlich die Niederländer WITHIN TEMPTATION als Headliner nach ihnen dran. (tk) [ Galerie I , Galerie II ]

 

Der Hangar leerte sich nach DE/VISION, um sich kurz danach wieder mit mehr als genug Leuten zu füllen, als ASP das letzte Indoor-Konzert an diesem Abend und für dieses Wochenende anstimmten. Ich hatte schon kurz bei der Autogrammstunde vorbeigeschaut und die Jungs waren guter Dinge, aber so oder so hätte ich ein stimmungsvolles Konzert erwartet (und bin in dieser Hinsicht von ASP noch nie enttäuscht worden!). Im Hintergrund das Banner des Schwarzen Schmetterlings stürmten die Musiker die Bühne und starteten sogleich durch. Und es ging es tanz- und rockbar weiter: Von „Tiefenrausch“ über „Singchild“ bis hin zu „She wore shadows“ und das „Schwarze Blut“ ließen die Goth Rocker kaum ein Highlight aus, und das Auditorium ging mit. Der ein oder andere mag sich gewundert haben, wo denn das allseits beliebte „Und wir tanzten“ blieb. Alexander selbst, im klassischen Outfit, feuerte zum Mitklatschen und –singen an, so dass bei vielen Liedern die Massen fast lauter waren als die Formation selbst. Zum Schluss gab es dann die Erlösung:

 

Für „Und wir tanzten“ brauchte er Hilfe und die bekam er durch eine Geigerin, welche die ersten Töne anstimmte. Immer wieder erstaunlich, dass dieses Lied bei keinem Auftritt an Faszination verliert. Die Jekyll-und-Hyde-Darstellung von ASP ist immer wieder so bitterböse, dass man sich fast erschrecken möchte. Zur Belohnung gab es das „Werben“ gleich hinterher, aber... werben ums Publikum musste ASP zu keiner Minute. Der Versuch, die Bühne zu verlassen, war natürlich zunächst auch zum Scheitern verurteilt. „Ich will brennen“ gab es als Zugabe, und so endete ein fantastisches M’era Luna am Sonntagabend zumindest im Hangar gegen 21 20 Uhr. Passend zum Schlussakkord ein weiterer Höhepunkt, nach welche man sich entspannt auf den Heimweg machen konnte.(ck)

 

ASP verließ ich etwas früher, um dem Ansturm nach draußen vorzubeugen. Da waren WITHIN TEMPTATION bereits auf der Hauptbühne aktiv. In fünf Jahren M’era Luna habe ich sie bereits dreimal gesehen, vorher jedoch immer im Vor- oder Nachtmittagsprogramm. Verdient oder nicht, in diesem Jahr waren sie die Headliner des zweiten Festivaltages. Die Bühne glänzte definitiv als Anziehungs- und Blickpunkt mit ihrer wahnsinnig tollen Lichtshow, der großen Leinwand im Hintergrund, wo die Videos der Songs liefen, tollen Malereien und Engelstatuen an den Seiten. Robert (Gitarre), Jerpen (Bass), Stephan (Schlagzeug), Martijn (Keyboard) und Ruud (Gitarre) waren alle schlicht in schwarz gekleidet, so dass das Hauptaugenmerk unweigerlich auf Sängerin Sharon den Adel lag, die mit Ihren langen schwarzen Haaren und ihrem aufgerüschtem Kleid in Schwarz-Rosé auffiel. Über die gesanglichen Qualitäten kann man sich streiten, jedoch hatte das vor der Bühne versammelte Publikum Spaß bei bekannten Songs wie „Running up that Hill“, „Mother Earth“,

 

„Stand my Ground“ und „Ice Queen“. Der Sound war klar, die Bühne abwechselnd in blau, lila und gelb getaucht und die gigantische Pyroshow ein echtes Highlight. Auch die aktuelle Single „Angels“ und ein brandneuer Titel namens „The Howling“ begleiteten viele Abreisende auf ihrem Weg vom Festivalgelände. (cath) [ Galerie ]

 

Fazit: Ein in allen Belangen überdurchschnittliches M’era Luna 2006 hatte (leider) wieder sein Ende gefunden. Angefangen vom letztendlich fast optimalen Wetter über die allenthalben gelöste (und gewaltfreie) Stimmung bis hin zur gebotenen musikalischen Kost, gibt es kaum einen Anlass zum Mäkeln, darum fangen wir gar nicht erst an. Es zeigt sich, dass ein guter Mix aus diversen Stilrichtungen mit Newcomern und (teilweise wieder erstarkten) Oldies jeden Anspruch erfüllen kann, den ein Liebhaber schwarz-schimmernder Klänge nur haben kann. Jedenfalls dürften fast alle Besucher in ihrem Kalender für 2007 schon wieder ein großes Kreuzchen im August notiert haben... (tk)

 
Fotos: Sandro Griesbach a
Fotos: Claudia Schöne aROTERSAND / DE/VISION
Text: Carola Kruse [ck] aELANE / CLAN OF XYMOX / EPICA / ASP
Text: Cath Niemann [cath] aIN STRICT CONFIDENCE / TERMINAL CHOICE / DE/VISION / WITHIN TEMPTATION
Text: Karsten Thurau [tk] aSPETSNAZ / ROTERSAND / THE BIRTHDAY MASSACRE / APOPTYGMA BERZERK / MINISTRY / IN EXTREMO
Text: Ulrike Meyer-Potthoffa[ump] aXPQ-21 / SOMAN
Text: Falk Scheuringa[fs] aSOLITARY EXPERIMENTS