Sandro Griesbach und sein Königreich der verdrehten Spiegel
 

Exklusives Interview mit dem bekannten deutschen Szene Fotografen Sandro Griesbach für das ukrainische Magazin „Gothica“ [ Gothica Magazin No. 10 ], sowie das Ukrainian Gothic Portal [ Ukrainian Gothic Portal ]. Er erzählte uns über die letzten 5 Jahre seines Schaffens, genau die Zeit, in der sein Name bekannt wurde; über das Erreichen seiner großen Ziele und die Zufälle die sein Leben mit der Fotografie veränderten.

 

Julia "Klodiya" Suvorova (Gothica, UGP): Ich habe einmal gelesen, mit Freunden gründet man eine Band, wenn man aber alleine ist, schreibt man ein Buch. Was muss man aber denken, um mit dem fotografieren anzufangen?
Sandro Griesbach: Ja, im Kopf hab ich gar nichts gehabt. Ich war leer, habe mich nur für die Musik interessiert und die Fotografie hab ich, wie es oft passiert, eher zufällig durch Urlaubsbilder an der Ostsee in Deutschland entdeckt. Ich hatte damals eine analoge Spiegelreflex Kamera von Minolta dabei, die ich mir von einem Arbeitskollegen geliehen hatte. Ich fand die Bilder, die dabei entstanden sind total schön und hab mir daraufhin meine eigene Kamera gekauft. Allerdings noch mit einem sehr einfachen Objektiv, einem Tokina eher Licht schwach. Angefangen hab ich generell 2002, wie gesagt vorher habe ich mich mit Fotografie gar nicht befasst.

 

Julia Klodiya: Warum wolltest du unbedingt etwas erschaffen? Warum konntest du nicht wie Tausende andere Menschen einfach Musik hören und Konzerte bzw. Festivals, wie ein Besucher, besuchen?
Sandro Griesbach: Ja, dass habe ich sehr lange getan, von 1995 bis 2003, fast neun Jahre, bin ich ganz normal wie ein Besucher zu den Konzerten gegangen. Ich habe mir sogar irgendwann mal den Spaß gemacht und alle meine Konzertkarten zusammengerechnet und die waren um die 4000 DM wert! Dann wie gesagt, war es wie ein Schicksal, dass ich den Weg zur Fotografie gefunden habe und sehr schnell mit Terminal Choice 2003 mein erstes Konzert fotografierte.

 

Julia Klodiya: Wie lang dauert deine Liebesgeschichte mit Gothic und der schwarzen Szene schon?
Sandro Griesbach: Musik – nicht nur Gothic, hat mich immer interessiert, sogar solche Künstler wie, z.B. Madonna oder Sinéad O’Connor oder auch die Hip-Hop Szene. Aber das war eher nur eine musikalische Einleitung und im Jahr 1994 haben mich dann Bands wie Depeche Mode, And One, Front 242, Leaether Strip angesprochen und ich habe mein erstes Konzert (Blind Passengers) in Dresden besucht. Aber ich bin ganz normal gekleidet und würde mich optisch nie als ein „goth“ bezeichnen. Denke, dass „gothic style“ einfach nichts für mich ist. Ich mag die Musik aber nicht die Kultur als Ganzes. Früher habe ich mich hin und wieder so angezogen, aber heute nicht mehr.

 

Julia Klodiya: Und wie war dann deine leuchtenste Konzert Erfahrung, wenn wir schon bei diesem Thema sind?
Sandro Griesbach: Das war bei Depeche Mode in Frankfurt am Main, in der großen Festhalle 2006. Ich bin ein Fan von dieser Band, schon so lang wie ich denken kann: ich habe fast alle Platten von ihnen zu Hause, bin mit der Band Erwachsen geworden. Die Band ist einfach ganz fest in mir drinnen. Und jetzt stell dir vor: Du hast irgendwann mit der Konzert-Fotografie angefangen – zuerst die kleinen Bands und dann später schon Bands wie z.B. M. Manson oder HIM. Aber mich persönlich beweget Manson nicht so, wie dich z.B. Aber Depeche Mode sprechen mein Herz und meine Seele an. Und dann erfuhr ich, dass sie auf ihrer großen Tour ein Konzert in Frankfurt am Main geben. Ich hab mir sofort gedacht, ich werde alles darum geben um dieses Event zu fotografieren. Ich habe alles versucht, um es zu schaffen aber wurde überall abgewiesen: schrieb zb das Label an, sagten sie – „Sorry, geht leider nix“; schrieb die den Veranstalter an, hörte ich dasselbe. Und einfach, wie es eigentlich immer passiert, durch Zufall hab ich dann jemanden von der Giessener Tages Presse getroffen und wir nahmen die Sache zusammen in Angriff. Ein paar Stunden später hatten wir unsere Akkreditierungen bekommen. Das Gefühl, dass ich bei diesem Konzert hatte, könnte man zb mit richtig gutem Sex vergleichen – dort stand ich mit acht anderen Fotografen im Bühen-Graben, welcher etwa so groß wie der vom Mera Luna Festival war, hinter mir standen tausende von Fans, die im Chor sangen. Das war einer der schönsten Momente, in dem sich meine Wünsche erfüllten. Ich weiß nicht warum, aber so ein Gefühl habe ich nur dieses eine Mal bisher beim Fotografieren einer Band gehabt. Später hab ich Depeche Mode noch einmal in Berlin fotografiert aber das war dann was anderes.

 

Julia Klodiya: Ok, dann erzähle bitte mehr über deine Webseite darkmoments.de. Wie lang existiert sie schon, Schwerpunkt, Mitarbeiter usw.?
Sandro Griesbach: Nach meinen ersten 2-3 Konzerten im Jahr 2003 wurde ich sehr oft von vielen Leuten gefragt, wo sie sich meine Fotos anschauen könnten. Darauf hab ich geantwortet – eigentlich nur bei mir zu Hause. Und dann hab ich mir gedacht, dass es einfach notwendig ist eine Homepage zu erstellen, in der ich meine eigenen Werke veröffentlichen kann. So ist es zu der Internetseite darkmoments.de gekommen. Am Anfang war es alles noch sehr einfach strukturiert, nur für die Fotopräsentation halt. Langsam sind dann verschiedene Elemente dazu gekommen, wie zb CD-Rezensionen, Interviews, Konzertberichte oder auch Konzert und Festivalanzeigen um so genannte Akkreditierungen zu bekommen. So ist aus etwas kleinem, etwas großes herausgewachsen und jetzt sind wir an die 15 Leute im Team. Seltsamerweise kommen mir die besten Ideen bei der Gestaltung der Webseite, wenn ich verletzt bin oder mein Herz gebrochen ist. Wenn es mir schlecht geht, investiere ich all meine Kraft und meine Energie in darkmoments. Aber das weiß es schon sein langem – wer etwas in seinem Leben schaffen will muss leiden, ja so ist es leider.

 

Julia Klodiya: Du führst nicht nur deine eigene Website, sondern auch eine Seite in der fotocommunity.de. Wie findest Du dieses neue Format für Fotografen-Kommunikation? 
Sandro Griesbach: Fotocommunity (FC) gibt es seitdem ich mich erinnern kann und fotografiere. Früher war sie einfach noch nicht so bekannt und jetzt ist sie mehr kommerziell geworden und deswegen kennt sie fast jeder mittlerweile. Ja, das ist eine sehr gute Plattform für die Leute, dir sich für die Fotografie interessieren und etwas lernen wollen. Diskussionen, über ein Bild, welche da stattfinden, können manchmal eine Ewigkeit dauern. Aber ich denke genau das ist ein wichtiger Aspekt des Lernens – seine eigenen Fehler durch die Augen anderer zu sehen. Heute kann man dort nicht so viele ehrliche Kritiken lesen, wie früher. Wer meine älteren Kommentare liest, sieht das ich absolut ehrlich kritisierte aber auch lobe. Im Prinzip ist es das gleiche, wie ich kritisiert wurde. Meistens komentieren nur Freunde und alle anderen schreiben nur positive Kommentare wie „großartig“, „wunderschön“, „super“ usw.

 

Julia Klodiya: Ich denke, du hast schon fast alle Bands „on stage“ fotografiert. Aber vielleicht gibt es doch noch irgendwelche, die du in Zukunft gern auf der Bühne sehen wolltest, um die Fotos von ihnen zu machen?
Sandro Griesbach: Richtig, es gibt Bands, die ich schon gesehen habe, aber noch sehr oft fotografieren möchte und es gibt Bands, die ich sehr gern hätte fotografieren wollen, aber die ich nie mehr in mein Leben fotografieren darf. Für mich ist das ein Thema, dass mich wirklich sehr rührt. Ich hätte wirklich gern Freddy Mercury mit Queen und Falko abgelichtet und ich würde viel dafür geben, wenn ich es machen könnte, aber leider geht es nicht mehr. Momentan würde ich gerne eine Band wie Rammstein fotografieren und vielleicht schaffe ich dies ja auch irgendwann mal, wir werden sehen.

 

Julia Klodiya: Wie ich weiß, arbeitest Du mit so bekannten Gothic Magazinen wie dem Zillo und Orkus zusammen. Also, erzähl mal über diese Arbeit. Wie war es, als du das erste Mal mit einem der Magazine zusammen gearbeitet hast?
Sandro Griesbach: Die Zusammenarbeit ist immer sehr unterschiedlich. Manchmal bin ich selbst interessiert, zu einem Konzert zu fahren und dann suche ich mir die Partner, die mit mir gern zusammenarbeiten möchten. Manchmal suchen Magazine aber auch selbst die Fotografen, wie es z.B. mit dem Amphi Festival und dem Orkus war, als sie zuerst bei den eigenen Stammfotografen nachgefragt haben, ob irgendjemand Interesse hat dahin zu gehen und dort für sie zu arbeiten. Und so hat es eben funktioniert. Das erste Mal, war eher ein Zufall. Es war mit dem Orkus Magazin im Dezember 2004, als ich bei dem Dark Storm Festival in Chemnitz war und dort Bilder gemacht hatte.  Und da ihr Fotograf irgendwie nicht da sein konnte, haben sie Bilder von diesem Event gesucht. So wurden meine Fotos gefunden und ich wurde angesprochen, die im Magazin zu veröffentlichen. Aber das hatte auch was mit meiner Website zu tun, weil die Magazine sich meistens nicht um zu viele Sachen kümmern wollen oder können, sondern schon fertiges Material sofort bekommen möchten. Also – meine webseite war damals schon und ist jetzt auch noch meine Referenz. So ist das bei der Fotografie – du musst hundertprozentig gut sein, das ist klar, und du musst zuverlässig sein, vielleicht ist das auch noch etwas wichtiger als „gut sein“, natürlich musst du auch Beziehungen oder Glück haben und du solltest bekannt sein. Du kannst zwar super schöne Bilder haben, aber sie kennt halt keiner. Wenn du aber schon einen Namen hast öffnen sich die Türen fast von alleine.

 

Julia Klodiya: Erzähl mir bitte mehr, über das HIM Cover für die April Ausgabe des Zillo Magazins in diesem Jahr?
Sandro Griesbach: Das HIM Cover war sehr spontan und wurde mir vom Zillo Musik Magazin in Auftrag gegeben. Der Fototermin war an einem Sonntag für ca. 10 Minuten angesetzt, die ich haben sollte um Ville Valo für das Zillo Cover abzulichten. Leider ist es aber wie so oft anders gekommen und ich hatte keine 2 Minuten. Wir kamen um 15.30 in einem Hotel in Köln an, dort wo die Band untergebracht war und riefen das Management von HIM an und sagten, dass wir da seien. Aber ja, Ville Valo war leider noch nicht da. Er kam erst kurz nach 19 Uhr und um 20 Uhr sollte er schon wieder los zum Gig und er hatte noch 2 Interview Termine in dieser Zeit – und eins davon war für die Titelstory im Zillo angedacht. Also, da war ganz klar, dass ich nur ein paar Bilder machen kann und die Sache wäre vorbei. Da war kein spezielles Licht für ein Fotoshooting, sondern nur ein ganz normaler langweiliger Raum mit Zimmerbeleuchtung. Ich habe zwar ein paar Bilder gemacht, aber die Umstände waren doch recht bescheiden gewesen. Ja, so ist es – die richtige Erfahrung kommt mit den Schwierigkeiten. Man muss eben aus schlechten Bedingungen das Beste machen und einfach selber daran wachsen.

 

Julia Klodiya: Und was ist mit deinen Band-Promo-Shootings? Im Jahr 2007 hast du sogar eines für die Band Agonoize gemacht. Wovon warst Du inspiriert und wie bist Du zu deiner Hauptidee des Photoshootings gekommen?
Sandro Griesbach: Ja, dieses Bandshooting mit Agonoize war mein aller erstes Band-Promo-Shooting und es hat gezeigt, ich bin ein Mensch, der Schauspiel, Regie von Künstler oder Musiker auf der Bühne perfekt auf dem Bild festhalten kann – aber selbst diese Regie zu führen, dass ist eher nicht mein Fall. Ich habe dafür einfach nicht so viel Fantasie, mache es zwar nebenbei, ab und an, aus verschiedenen Situationen heraus um Leuten einfach eine Freude zu machen und zu lernen, aber das ist nicht das was ich gut kann. Also das Photoshooting ist ähnlich wie schon bei HIM nicht so gut gelaufen und die Band selber empfand es auch so. Es ist einfach aus einer Notsituation heraus entstanden. Fakt ist, das die Band selber ein Shooting brauchte und ich derjenige war, der die Bilder machen sollte, weil Agonoize und ich uns gegenseitig sehr mögen. Sänger Chris und ich hatten im Vorfeld auch ganz tolle Ideen für das Shooting, welche ich jetzt aber nicht sagen bzw verraten und diese im Kopf behalten möchte, um sie vielleicht später noch zu nutzen. Also, das war ein ganz kurzes Shooting, ca 30 min vor dem Auftritt im Lahr beim dortigen Dark Dance Treffen. Es ist ziemlich spontan entstanden, und hatte nichts mit geplanten Sachen zu tun gehabt. Aber die Band musste diese Fotos benutzten, weil es keine andere Alternative gab und das Release vom neuen Album bereits kurz darauf schon anstand.

 

Julia Klodiya: Ich hab gelesen, dass Du das Cover für das Dismantled Album zusammen mit Claudia Schöne gemacht hast, was war das für eine Erfahrung für dich?
Sandro Griesbach: Ja, Claudia Schöne, die schon verschiedene Cover-Shootings gemacht hat, wurde gefragt ob sie das Cover für das letzte Dismantled Album „When I am dead“ machen könnte. Es war geplant, das Album in Deutschland zu produzieren und so war klar, dass es für den Sänger Gary Zon selber einfach sehr teuer gewesen wäre her zu kommen. Also suchten sie jemanden anderes, der Gary Zon für das Shooting hätte spielen können. Alles, wie immer in diesem Business, musste sehr schnell gehen – eher gestern als heute – und Claudia hatte für alles knapp 2 Wochen Zeit. Dann hat sie mich spontan gefragt, ob ich das Model spielen wollte und ich habe genau so spontan „ja“ gesagt, weil sie auch schon viel für mich gemacht hat. Das Hauptthema des Albums wurde im Fotoshooting übernommen und das Model sollte in der Rolle einer Leiche auftreten, diese Rolle sollte ich dann spielen. Man kann sagen, dass die Arbeit wirklich sehr interessant gewesen ist – wegen ihrer Ungewöhnlichkeit und meiner eigenen Sympathie zur Band und Gary Zone selber. Das war meine erste Erfahrung als Fotomodel. Normalerweise stehe ich aber auf der anderen Seite der Kamera (lacht).

 

Julia Klodiya: Was ist für dich Kunst? Ist das Erfindung, Widerspiegelung unserer Persönlichkeit oder einfach eine andere Darstellung der Wahrheit?
Sandro Griesbach: Ich denke, mit Kunst hat die Konzertfotografie nichts zu tun! Kunst – ist Kreativität, das ist etwas zu erschaffen, etwas Neues aus eigener Fantasie zu schöpfen. Und die größten Künstler sind die, welche die meisten Leute damit ansprechen können. Dadurch wird die Kunst einerseits für die Gesellschaft gemacht, andererseits – nur für sich selbst. Konzertfotografie ist mehr Fotojournalismus. Ich bin auch kein Fotokünstler, weil ich nur das Ablichte was auf der Bühne passiert, aber produziere es nicht selbst.

 

Julia Klodiya: Wo sind die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk? Und ist es wichtig, beides voneinander zu unterscheiden?
Sandro Griesbach: Ja, wie gesagt, das ist schwer diese Grenze, zu erkennen. Für die einen mache ich Kunst, für die anderen Menschen habe ich nur ein paar künstlerische Aspekte in meinen Bildern. Ich selber sehe diese aber nicht. Es hängt davon ab, wer was in meinen Bildern sucht und wer was finden möchte.

 

Julia Klodiya: Aber auf jeden Fall, zählst du schon als Guru der Konzertfotografie. Wie fühlst Du dich in dieser Rolle? Hast Du vielleicht trotzdem auch deine Ideale und Vorbilder?
Sandro Griesbach: Nein, ich fühle mich überhaupt nicht als Guru. Ich weiß natürlich, dass ich schon eine große Verantwortung habe, weil viele auf mich schauen und ich für viele ultra bin. Natürlich habe ich selbst auch ein Vorbild und sein Name bedeutet sehr viel für mich. Tim von Rochels (aka Angst im Wald) - der Fotograf in der Szene, der für mich persönlich ein Guru ist. Er macht super Arbeiten, übrigens auch gern mal mit den alten Analog Kameras.

 

Julia Klodiya: Wie würdest Du allgemein die Situation in der deutschen Konzertfotografie in unserer Szene beschreiben?
Sandro Griesbach: Ich kann sagen, dass die Situation jetzt so aussieht, dass es einfach zu viele Konzert Fotografen gibt. Wie es z.B. in diesem Jahr beim Festival M’Era Luna war, wo wir uns fast schlagen mussten um gute Fotos machen zu können. Ich denke, es muss irgendwie geordnet werden und die Veranstalter müssen einfach auswählen, welche Fotografen sie zu lassen. Es tut mir auch Leid für die Kollegen, welche dann keine Zulassung bekommen, aber es kommt nun mal nur darauf an – wer der beste ist, das beste Portal oder die größte Zeitung hat, diejenigen sollten eine Zulassung zum fotografieren bekommen. Und wer der beste ist, wird sich immer bei großen Magazinen durchsetzen. So ist das Leben – die großen fressen immer die kleinen und die Konzertfotografie ist da sicher keine Aufnahme.

 

Julia Klodiya: Und dann welche persönlichen Eigenschaften muss man haben um sich bei solch einer Konkurrenz einen Namen zu machen?
Sandro Griesbach: Heutzutage gibt es zu schon viele gute und sehr gute Fotografen und die Konkurrenz ist, wie gesagt, sehr groß. Aber Du siehst und weißt es auch aus eigener Erfahrung - Du bist einfach die Generation, die etwas zu spät gekommen ist, es viel schwerer hat. Du musst heute noch viel besser sein, als ich es vor 3-4 Jahren gewesen bin, um irgendeinen Status zu bekommen. Es gibt einfach zu viele, die zu gut sind. Die Technik entwickelt sich auch ultra schnell. Früher haben wir mit Analogkameras anfangen. Jetzt kann man sofort in den digitalen Spiegelreflexkameras sehen, ob das Bild gut geworden ist, ob die Belichtung stimmt usw. Nur das Gefühl zum perfekten Bild - ist das einzige, dass du selber mit der Erfahrung entwickeln musst. Ja, es ist sehr schwer geworden sich auf dem Markt durchzusetzen und sich dort einen Namen zu machen. Aber es gibt nichts unmögliches – nur der Wille und harte Arbeit zählen.

 

Julia Klodiya: Strebst du nach der Perfektion in deinen Werken, oder lässt Du auch manchmal Platz für Freiheiten bzw. Fehler? Es gibt die Meinung, dass ein perfektes Bild immer perfekt geschnitten, perfekt scharf sein muss usw. AberPerfektionismus kann auch gefährlich sein. Also, man könnte auch sagen, dass ein wirklich perfektes Werk eine Menge Mängel haben soll. Denn sonst ist das Werk handwerklich super toll, aber ohne Freiheiten. Was denkst Du darüber?
Sandro Griesbach: Ich bin einhundertprozentiger Perfektionist und das nicht nur in der Fotografie sondern uch in allen anderen Lebenslagen. So bin ich einfach und das entspricht meinem inneren „Ich“. Ich bin sehr anspruchsvoll bei der Bewertung meiner Fotos und bei mir existiert auch keine Mittelklasse: einfach nur sehr gut oder schlecht. Es gibt Bilder von mir, die von ihrem Ausdruck her vielleicht stark sind, aber die nie die Öffentlichkeit sehen werden, weil sie qualitativ einfach schlecht sind und dadurch nicht meinen Idealen entsprechen. Auch ein gutes Beispiel meines Perfektionismus ist meine Webseite und Musik Magazin darkmoments.de. Ich opfere unglaublich viel Zeit in meinem Leben (ab und an vielleicht auch zu viel) damit die Seite einfach perfekt aussieht und immer auf einem aktuellen Stand ist. Also, um deine letzten Teil von deiner Frage zu beantworten, kann ich sagen – Unvollkommenheit ist eigentlich gar nichts für mich.

 

Julia Klodiya: Und die letzte Frage – wovon träumst du?
Sandro Griesbach: Träume sind unreal und für mich nicht wirklich. Von daher gibt es für mich an sich keine wirklichen Träume. Irgendwann denkt man durch die eigene Lebenserfahrung, es gibt begrenzte Sachen, die man sich selber nur durch seine eigene harte Arbeit verwirklichen kann. Es gibt Ziele, die man gern erreichen möchte und die man dadurch auch bekommt. Aber das sind keine Träume, also wenn ich schon träume dann schlaf ich eigentlich nur schlecht. Früher gab es z.B. große Maler, die viel arbeiteten aber trotzdem in ihrer Zeit verkannt blieben und ihre Werke nicht verkaufen konnten. Nach ihrem Tod sind sie aber wiederum bekannte Künstler geworden. Also, wie du siehst, viele unsere Errungenschaften kommen einfach aus harter Arbeit. Deswegen, es ist wahrscheinlich möglich, dass wenn ich irgendwann einmal sterbe, kann es sein das man sich mehr mit meinen Bildern befasst. Es kann aber auch sein das meine Bilder mit mir zusammen sterben werden, weil ich, eigentlich, nichts besonderes bin und ganz sicher auch kein Meister.

 
Interview geführt von .Julia "Klodiya" Suvorova. [ link.]
Gothica Magazin No. 10. [ link.]
Ukrainian Gothic Portal. [ link.]