Interview mit Sammy von Private Line, 28.12.2006, Helsinki/Finland, Ravintola Rytmil
 
Private Line - das sind fünf Rock`n`Roll-Piraten aus dem hohen Norden, genauer gesagt aus dem finnischen Helsinki. Seit rund 10 Jahren rocken die jungen Männer zusammen und machten auch schon die deutschen Bühnen unsicher. Das sollte bald wiederholt werden, denn rocken das können Private Line. Nun erschien kürzlich das neue Album „Evel Knievel Factor“ der Finnen. Ein Grund mehr sich mit Sänger Sammy in Helsinki zu einem kleinen Plausch zu treffen. Somit machte ich mich am 28. Dezember auf den Weg ins Restaurant Rytmi. Bei Bier und Gummibärchen plauderten Sammy und ich gut 30 Minuten. Anschließend ging es zum Club Kuudes Linja, wo Private Line am selbigen Abend ein Konzert gaben.

S=Sammy
L=Lea

L: Ich bin hier in Helsinki und neben mir sitzt Sammy von Private Line. Wie geht es dir?
S: Mir geht es sehr gut, danke!
 
L: Und wie hast du Weihnachten verbracht?
S: Zu Hause. Ich habe nichts gemacht.
L: Nur abgehangen…
S: Yeah, mich hingelegt und einige Bücher gelesen und bin bei meiner Familie geblieben. Nichts besonderes.
 
L: Heute ist euer letztes Konzert für dieses Jahr. Was können wir diesen Abend von der Show erwarten?
S: Wir werden ein paar alte Lieder spielen, die wir lange nicht gespielt haben. Somit denke ich wird es ein paar Überraschungen geben. (lacht)
 
L: Okay und was machst du in den letzten fünf Minuten ehe du die Bühne betrittst?
S: Es kommt drauf an. Normalerweise bin ich sehr nervös und ich trinke Wasser oder Bier oder dergleichen. (lacht)
L: Möchtest du dich betrinken?
S: Nein, nein! Ich versuche es nicht. Ich möchte nicht auf die Bühne gehen, wenn ich betrunken bin. Ich kann danach trinken, nach dem Konzert. Somit versuche ich zu entspannen, aber normalerweise bin ich vor dem Konzert gestresst.

 
L: Euer neues Album “Evel Knievel Factor” wurde kürzlich veröffentlicht. Um ehrlich zu sein, hatte ich noch keine Chance mir die CD anzuhören…Aber kannst du in wenigen Worten beschreiben, was der Hauptunterschied zwischen „Evel Knievel Factor“ und dem vorherigen Album ist?
S: Lass es mich so sagen: Ich denke die rauen Lieder und die harten Lieder sind härter und rauer und die soften Lieder und Art von Balladen sind mehr, du weißt schon, da hast du dieses Gefühl. Es gibt keine Grenzen. Ich denke, es ist ein sehr solides Album und es gibt viele verschiedene Lieder und alle Lieder sind sehr gut. Ich weiß den Unterschied nicht, aber ich denke, es ist einfach besser. (lacht)
L: Ich hoffe, ihr werdet auch „Broken Promised Land“ (aktuelle Single) heute Abend spielen?
S: Yeah, das werden wir.
 
L: Was lässt sich zum Album-Titel sagen? Er ist so seltsam…
S: Das sagt man einfach so. Es bedeutet nicht nur „Evel Knievel“. Es ist „Evel Knievel Factor“. Nun, ich war mit Hauptproduzent des Albums und wir haben es hauptsächlich allein aufgenommen und wir haben viele Dinge gemeinsam gemacht. Und wir hatten keinen Produzent, der sagt, das ist gut und das ist schlecht. Ich war der Produzent und so viele Dinge lagen in meiner Verantwortung. Wir mussten uns selbst so sehr vertrauen. Wir dachten, das Album müsse gut sein oder andererseits wüssten wir nicht, was wir da eigentlich machen. Und es war eine Art „Evel Knievel Factor“, denn wir dachten, wenn wir das ganze Album machen und alles geht schief, dann ist das unser Ding. Und der Rock`n`Roll gehört auch zum „Evel Knievel Factor“.
 
L: Eure Alben wurden auch in Japan, Russland und Italien veröffentlicht. Aber was ist mit Deutschland? Ihr hattet ein paar Konzerte hier…
S: Yeah. Eigentlich müssen wir das unseren Manager Toni von King Foo – Entertainment sagen. Er weiß das besser. Aber da war ein Big Boss aus Deutschland, der sich unser Konzert im Nosturi in Helsinki letzten Monat angesehen hat. Sie checken nun, welches Label in Deutschland am besten für uns wäre und sobald das Album dort draußen ist, werden wir definitiv dort spielen. Ich hoffe, das geschieht bald.
 
L: Und was gibt es zum Videodreh für “Broken Promised Land” zu sagen? Das Video wurde in Amerika gedreht?
S: Yeah, in Las Vegas. Ich denke nicht, dass es ein perfektes Video ist. Ich hatte eine etwas andere Ansicht für das Video als der Produzent und der Direktor. Aber am Ende hatten wir dort eine gute Zeit. (lacht) Innerhalb einer Woche drehten wir das Video, nur einen Tag und eine Nacht, dann hatten wir viel Zeit. In Los Angeles haben wir Promo-Dinge gemacht. Aber wir hatten viel Zeit, um zu feiern und diese Orte auszuchecken, du weißt schon, wie den Rainbow-Club. Es war nett.
 
L: Ich habe gelesen, dass es die Schuld deiner Schwester ist, dass du Rock`n`Roll-Musik liebst. Lässt du dich leicht durch andere Personen beeinflussen?
S: Yeah, das ist wahr. Sie hörte sehr viel diese Rock`n`Roll-Musik, als wir jung waren und das war die erste Berührung mit dem Rock`n`Roll. Und diese Alben waren Vinyls zu dieser Zeit. Es gab nicht so viele CDs. Ich saß nur im Zimmer meiner Schwester und hörte diese Platten an, wenn sie unterwegs war, und dann endlich klaute ich ihre Anlage, yeah. (lacht)
 
L: Was inspiriert dich beim Schreiben deiner Lieder?
S: Gute Bücher, einige Filme…irgendwas. Aber natürlich das Leben allein ist eine solche Inspiration. Einfach das tägliche Leben, Menschen…wie sie reagieren und wie sie sind. Das Leben selbst.
 
L: Du und deine Bandkollegen, ihr habt so viele Namen. Das ist verwirrend. Aber wie nennst du dich selbst und die Band?
S: Mm, Sami. (lacht) Etwas langweilig. Und Mose. Manchmal benutzen sie diesen Namen für mich. Ich habe keine Ahnung warum. Es ist irgendwie lustig. (Lea lacht)
L: Und die anderen Jungs? Wie nennst du sie?
S: Ilari ist Ilari oder Illy, Illu vielleicht. Und Eliaz ist Elku. Und Spit ist Spit, immer. Einmal hörte ich, wie jemand ihn Juuso nannte, aber das war so seltsam. Und Jack ist Japa.
L: Okay, und bezogen auf den Bandnamen: Ist es wahr, dass eine gewisse Werbeanzeige die Inspiration für den Namen gegeben hat?
S: Nur eine Erwachsenen-Anzeige aus einer Zeitung. Nichts besonderes.
 
L: Welcher ist Private Line`s bester Live-Song? Was denkst du?
S: Du weißt, das ändert sich oft. Manchmal fühlt sich dieses Lied sehr gut an und manchmal jenes Lied. Aber welches ich sehr gern mag…“Evel knievel factor“ ist ein sehr netter Live-Song. Vom „21 st. Century Pirates“-Album denke ich, ist „Last night on earth“ immer ein wirklich netter Live-Song und „Little sister“ ist sehr gut. Und vom neuen Album liebe ich es “SINdicate”, “Broken promised land” und natürlich “Prozac nation” zu spielen. Es gibt so viele. Alle unsere Lieder. (lacht)
 
L: Wer ist für euer Styling verantwortlich?
S: Wir selbst.
L: Auch euer Hairstyling? Wie lange brauchst du dafür?
S: Vielleicht 15 Minuten oder so. Es kommt drauf an. Aber ich brauche ein bisschen die Hilfe von Japa dafür, denn ich kann hinten nicht so gut sehen. Aber yeah, wir selbst sind dafür verantwortlich und ich frage mich immer „Warum zur Hölle muss ich immer diese schwierigen Frisuren wählen?“ Weißt du, ich hatte sonst immer diese Stachel-Frisur und dergleichen. Ich werde für die nächste CD einen einfacheren Style nutzen.
 
L: Wer ist von euch Jungs am verrücktesten und warum?
S: Eliaz. Er lebt auf seinem eigenen Planeten. Ich spiele mit ihm seit 10 Jahren und er ist wie in seiner eigenen Welt. Er ist ein toller Musiker. Er kann Saxophon spielen, Gitarre, er kann sehr gut singen, er kann sehr gut Klavier spielen. Alles, weißt du!? Seine Eltern waren beide Kirchen-Musiker. Ich weiß nicht, woher er kam. Einfach von irgendwoher, von der anderen Seite. Aber er kann alle Instrumente spielen. Er ist seltsam, er ist verrückt, aber auf eine nette Art. Und er ist sehr lieb und er hat auch einen verrückten Sinn für Humor. Er kann auch sehr angsteinflößend sein, wenn du ihn nicht kennst.
 
L: Hast du hier in Helsinki irgendeinen speziellen Platz, wo du gerne hingehst?
S: Viele viele. So viele Plätze. Natürlich mag ich diese Bar hier (er meint das Restaurant Rytmi) und eigentlich tagsüber ist das hier mehr eine Cafeteria. Ich wohnte hier ganz in der Nähe bei der Kirche dort. (zeigt aus dem Fenster) Ich war beinahe jeden Tag hier, nur um einen Kaffee zu trinken und um die Zeitung zu lesen. Ich mag diesen Ort. Und das Gebiet in diese Richtung (zeigt wieder aus dem Fenster), da gibt es ehm…ist es das Meer? Yeah, es ist das Meer, aber…
L: See?
S: Nein, es ist kein See. Es ist…
L: Es ist ein Meeresarm.
S: Yeah! Yeah! Und um dieses Gebiet herum kannst du laufen und besonders in der Sommerzeit ist das sehr schön.
 
L: Welche ist deine schlimmste Konzert-Erinnerung?
S: (Pause) Sie liegt 1 ½ Jahre zurück. Wir spielten auf einem Festival in einem kleinen Ort. Er liegt rund 150 Kilometer von Helsinki entfernt. Wir haben dort gespielt und wir waren die erste Band. Und wir hatten eine Nacht zuvor ein Konzert in Jyväskylä, meine frühere Heimatstadt. Und irgendwie feierte ich die ganze Nacht und habe die Zeit vergessen. Und dann sah ich auf die Uhr und es war Morgen und ich hatte nur fünf Minuten, um zum Tourbus zu gehen und zum Konzert-Ort zu fahren. Und ich ging zum Bus und die Jungs sagten nur „Oh shit!“. Ich war so betrunken. Yeah und das war ein furchtbares Konzert.
L: Wenn du für einen Tag eine Frau wärst, was würdest du tun?
S: Ich würde unter der Dusche stehen…nur ich allein.
 
L: Wer wird deiner Meinung nach den Eurovision Songcontest für Finnland nächstes Jahr gewinnen?
S: Das ist mir egal. Das kümmert mich nicht. Schande über mich.
L: Hast du es niemals geschaut?
S: Yeah, ich sah es natürlich, als Lordi dort waren. Aber ich habe keine Favouriten.
 
L: Wie wirst du Silvester dieses Jahr verbringen?
S: Ich werde zu Hause sein. Ich mag diese Art Parties nicht. Natürlich mag ich sie, wenn wir irgendwo hinreisen würden oder einen Gig hätten. Aber ich war so viel in Helsinki aus und Silvester feiert jeder und versucht in die Bars zu kommen und somit werden dort riesige Schlangen in den Bars sein. Ich denke, ich bevorzuge es einen Tag vorher oder danach zu feiern. (lacht)
L: Aber du schaust dir das Feuerwerk an?
S: Yeah. Warum nicht?
 
L: Okay, und kennst du irgendeinen deutschen Satz oder Wörter?
S: Oh Mist. Ich wusste mal ein paar. Mein Stiefvater kommt aus Deutschland. Aber nein, ich kann mich an keine erinnern. Spit kann das. Frag ihn!
 
L: Warst du kürzlich auf irgendeinem Konzert?
S: Ich war auf dem Negative-Konzert im Nosturi letzte Woche.
L: Yeah, ich sah sie vor ein paar Wochen in Deutschland.
S: Letzten Sommer sah ich sie und es war nach dem letzten Album (Sweet & Deceitful) und nun wollte ich sie nur auschecken nach diesem Album (Anorectic) und es war okay.
 
L: Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, in welchem Jahr oder Jahrhundert würdest du leben und warum?
S: Mm, 1900. Ich bin langweilig. (lacht) Nein, eigentlich würde ich in die Zukunft gehen, yeah.
 
L: Sammelst du irgendetwas?
S: Ohh, Erinnerungen. (lacht) Möchtest du meine Porno-Sammlung sehen?
L: Okay, zeig sie mir. (alle lachen) Wie viele Filme hast du?
S: Nur ein paar. Nein, ich Sammel nichts.
 
L: Was macht dich wütend?
S: Ich habe versucht das Rauchen aufzuhören. Ich esse viel Kaugummi und das macht mich wütend.
L: Aber das Rauchen hast du aufgehört?
S: Ich versuche es seit vielen Jahren und ich rauche für ein paar Monate nicht und dann rauche ich für ein paar Wochen oder Monate und es ist immer so. Rauchen und nicht rauchen.
 
L: Zuletzt: Wie lautet deine Lebensphilosophie? Hast du eine?
S: Folge nur deinen Träumen. Fürchte dich nicht vor`m Leben. Schaue nur, was es dir gibt.
 
L: Sammy, ich danke dir für das Interview!
S: Danke!

 
An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an Janne von Playgroundmusic für die Organisation!
 
Interview geführt von Lea Sommerhäuser .[ face to face ]
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