Oomph! - All Ends - Mina Harker...[ Live Music Hall, Köln 25.11.2008 ]
 

Das Oomph! rocken, hat sich spätestens nach Veröffentlichung ihres Hits „Augen Auf“ im Jahre 2004 auch außerhalb der Schwarzen Szene rumgesprochen. Nachdem sie dann auch noch im vergangenen Jahr Stefan Raabs Bundesvision Song Contest mit Unterstützung von Marte Jandová (Die Happy) für sich entscheiden konnten, sollte auch dem Letzten endgültig klar geworden sein, dass es ein schwerwiegendes Vergehen ist, sich ein Konzert der Wolfsburger entgehen zu lassen. Somit gab es dann auch keine Entschuldigung, als diese anlässlich ihres neuen Albums [ review ] zu einer wahrhaft „monströsen“ Show luden.

 

Dementsprechend war es nicht verwunderlich, dass ich bei meiner Ankunft schon eine etwas längere Schlange meist schwarz gewandeter Wesen vor der Live Music Hall in Köln vorfand, die trotz eisiger November-Kälte dem Auftritt von Dero, Crap und Flux entgegenfieberten. Zur Freude der frierenden Menge wurden die Tore pünktlich um 19 Uhr geöffnet. Lag es an der Kälte oder dem Willen, einen möglichst guten Platz in der Nähe der Bühne zu ergattern? Jedenfalls strömte der größte Teil des schwarzen Volkes direkt in die Halle, während die Sitzgelegenheiten im Hofe der Live Music Hall überwiegend ungenutzt blieben. Als um 19:40 Uhr Mina Harker [ Galerie ], die erste Vorband des Abends, die Bühne betraten, war die Halle in etwa zur Hälfte mit gespanntem Publikum gefüllt. Wenn man sich genau umblickte, erhaschte man sogar den ein oder anderen Blick auf bunter gekleidete Wesen! Die Band gab derweil ihr Bestes, um dem Publikum mit ihrem deutschsprachigen Gothic-Rock einzuheizen. Nach dem ersten Song begrüßte Sängerin Mina Harker die anwesenden Zuschauer mit einer Kusshand. Anschließen gab es Songs wie „Verschmelze In Der Nacht“ oder „Gefallener Engel“ zu belauschen. Obwohl die Sängerin, unterstützt von Gitarrist Alexander Gorodezki und dem Live-Schlagzeuger, wirklich alles gab und eine überaus souveräne Show ablieferte, hielt sich die Stimmung im Publikum leider in Grenzen und man sah fast ausschließlich nur in den ersten Reihen einige Leute, die tanzten und die Köpfe schüttelten. Nach „Tiefer“ und insgesamt acht Songs verließen Mina Harker um 20:15 Uhr die Bühne. Nach einer extrem kurzen Umbaupause von gerade mal angenehmen fünf Minuten enterten All Ends aus Schweden um 20:20 Uhr die Bretter.

 

In der Zwischenzeit hatte sich die Halle schon mehr gefüllt und auch die Stimmung wurde zusehends besser, als Emma Gelotte, Tinna Karlsdotter und ihre Mannen mit ihrem Gothic-Metal dem Publikum einheizten. Dabei wirkte die gute Laune der beiden Sängerinnen regelrecht ansteckend und regte nun doch die meisten Zuschauer zum Mitwippen an. Besonders beeindruckte hierbei die Leichtigkeit, mit der die Grazien ihre zum großen Teil zweistimmigen Gesänge darboten. Nach vier Songs wies die Band das Publikum dann darauf hin, dass das Konzert mitgefilmt und live im Internet übertragen wurde. Das erklärte auch die ganzen Kameras, die man auf und vor der Bühne sah! Und sowohl die Band als auch die Menge taten ihr Bestes, um den Zuschauern am heimischen PC zu zeigen, wie geil ein Live-Konzert ist! Auf einmal wurde es ruhiger als Emma plötzlich allein auf der Bühne stand und balladeske Töne anschlug. Diese Verschnaufpause währte allerdings nicht lange und schon nach wenigen Takten kam der Rest der Band zurück und verwandelte die vermeintliche Ballade in eine flotte Rocknummer. Aber nicht nur die männlichen Zuschauer durften sich über den Anblick auf der Bühne freuen. Auch den weiblichen Anwesenden wurde etwas geboten: Drummer Joeys entblößten Oberkörper gab es in der zweiten Hälfte zu bewundern! Schließlich neigte sich auch die Zeit von All Ends [ Galerie ] dem Ende entgegen und Emma kündigte den letzten Song an. Dabei gab sie sich erstaunt, als sie kein enttäuschtes „Oooohhh!“ vom Publikum hörte. Dieses tat ihr natürlich den Gefallen und ließ daraufhin ein solches vernehmen. Nach neun Songs endete dann schließlich der Auftritt der Schweden und die Bühne wurde für den Hauptact des Abends vorbereitet – Oomph!

 

Diese betraten um 21:20 Uhr die nun wirklich volle Halle und rockten unter den Blicken eines böse dreinschauenden Jungen, der auch schon das Cover des aktuellen Albums zierte, die Menge. Und schon während dem ersten Stück „Beim Erstem Mal Tut’s Immer Weh“ tobte das Publikum. Als Sänger Dero am Ende des Songs die Leute alleine singen ließ, erschallte aus ca. 1000 Kehlen „Warum liebst du mich nicht mehr?“ und das so laut, dass Dero bereits zu Beginn äußerst zufrieden war! Das beweißt jedenfalls, dass Oomph! [ Galerie ] eine großartige Live-Band ist, die ihr Publikum vvoll im Griff hat. Danach folgte der Hit „Träumst Du“, welcher auch ohne Unterstützung von Marta Jandová ordentlich rockte. Im Anschluss gab es ältere Stücke wie „Unsere Rettung“ und „Fieber“ auf die Ohren, aber auch bei diesen erwies sich die Menge vor der Bühne als äußerst textsicher. Dies schien dem selbst extrem abgehenden Frontmann, der es sehr gut verstand, mit seiner abgefahrenen Mimik und Performance zu faszinieren, überaus zu freuen und somit bedankte er sich sogar mit einer Kusshand. Mit „Wer Schön Sein Will Muss Leiden“ machte die Band dann wieder einen Sprung zurück zu aktuellem Material und Dero brachte die anwesenden Zuschauer zum Schmunzeln, als er während der Textzeile „Warum hast du so volles Haar“ Flux über dem Kopf strich, welcher von dieser Art des Kopfschmuckes nicht unbedingt viel besitzt. Stattdessen fiel mir aber auf, dass er einen Verband um den kleinen Finger seiner rechten Hand trug. Aber dies schien den Gitarristen nicht sonderlich beeinträchtigt zu haben. Es folgten einige Songs aus den letzten beiden Alben und nach „Das Letzte Streichholz“ fragte Dero das überaus erhitzte Publikum, ob es Wasser wolle.

 

In Ermangelung an Erfrischungsmöglichkeiten reagierte es mit euphorischen Rufen, aber statt die erhofften Wasserflaschen in die Menge zu werfen, nahm Dero lediglich selbst ein paar Schlucke, welche er dann ins Publikum spukte. Nach dem im Anschluss folgende „Das Weiße Licht“ gestattete der Sänger den Tanzenden: „Köln, ihr dürft euch jetzt mal selber feiern!“ Als dieses Angebot nicht allzu euphorisch aufgenommen wurde, wunderte sich Dero: „So wenig könnt ihr euch leiden? Würdet ihr euch selber ficken?“ Auf diese Frage ertönte schon lauteres Gebrüll seitens der Menge und der Frontmann stellte trocken fest: „Das ist beruhigend!“ Mit „Sex“ und „Mitten Ins Herz“ folgten wieder ältere Stücke und bei letzterem forderte Dero das Publikum auf, einen Moshpit zu bilden. Das ließ es sich natürlich nicht zweimal sagen. Auch der Sänger nutzte diesen Song, um in engeren Kontakt mit dem Publikum zu kommen und sprang von der Bühne, um sich crowdsurfend auf Händen tragen zu lassen. Im Anschluss gestattete er den Leuten: „Ihr dürft euch kuscheln vor der Bühne oder poppen – was man in Köln halt so macht.“ Nach dieser Ansage kam Mina Harker wieder auf die Bühne, um das Duett „Bis Zum Schluss“ vom neuen Album „Monster“ [ Interview zum Album ] zu präsentieren. Dies war somit auch eines Highlights des Abends. Ganz gentleman-like wurde die Sängerin hinterher von Dero mit einem Handkuss verabschiedet. Als sie die Bühne verlassen hatte, zitierte der Frontmann Barak Obamas Antrittsrede und forderte damit das Publikum zur „Revolution“ auf. Nach „Sex Hat Keine Macht“ wollte er dann von der Menge wissen: „Seid ihr das lauteste Publikum der Welt? Sehr laut, wie man daraufhin feststellen musste!

 

Im Anschluss an das nun folgende „Mein Schatz“ versuchte, Dero rauszufinden, wer von den Anwesenden denn schwanger sei. Als sich ein Mädel relativ weit vorne meldete verkündete er: „Die erste Damenschwangerschaft in Köln. Ein anatomisches Wunder!“ Den Sinn dieser Aussage habe ich bis heute nicht verstanden… Jedenfalls folgte danach, wie man sich vielleicht schon denken konnte, „Lass Mich Raus“. Offensichtlich schien der Sänger sehr interessiert an seinem Publikum und dessen Wohlergehen zu sein, denn bevor er mit „Die Schlinge“ loslegte, wollte er zunächst noch schnell wissen: „Lebt ihr noch, oder seid ihr schon tot?“ Auf diese Frage schien er sehr interessante Antworten bekommen zu haben, denn er zeigte auf einen jungen Mann recht weit vorne und fragte noch mal: „ Du bist tot?“ Schließlich wies auch Dero darauf hin, dass das Konzert gefilmt und live im Internet übertragen wurde. Um den Leuten vor dem heimischen PC zu zeigen, wie genial es aussieht, wenn so eine ganze Halle springt, forderte er die Menge auf, beim nächsten Stück „Niemand“ genau dieses zu machen. Zudem nutzte er diesen Song zum erneuten Crowdsurfing, bevor mir „Gekreuzigt“ noch ein weiteres älteres Stück folgte. „Labyrinth“, die erste Single aus dem aktuellen Album, beendete anschließend um 22:50 Uhr den offiziellen Teil des Konzertes. Natürlich wollte niemand in der Halle die Jungs schon gehen lassen und somit ertönten von allen Seiten laute „Zugabe“-Rufe. Nach einigen Minuten kam die Band dann auch wieder zurück und mit dem Hinweis für die Zuschauer daheim, dass ein Live-Konzert total geil sei, stimmte Dero „Gott Ist Ein Popstar“ an. Im Anschluss folgte das obligatorische „Augen Auf“, das auf keinem Konzert der Wolfsburger fehlen darf.

 

Danach verließ die Band die Bühne erneut und sofort brandeten auf’s Neue „Zugabe“-Rufe auf. Nach einer recht langen Zeit – ich begann mich so langsam zu fragen, ob das Konzert nicht doch schon vorbei sei – kamen Oomph! für einen zweiten Zugaben-Block auf die Bühne zurück. Während Flux und der Schlagzeuger Wasserflaschen an das erhitzte Publikum verteilten, wollte Dero wissen: „Sind wir Menschen oder sind wir Tiere?“ Die Menge antwortete mit „Tiere“, woraufhin der Sänger unter seinen Armen roch und feststellte: „Stimmt!“ Es folgten „Menschsein“ und „Die Leiter“. Danach blieb Dero allein auf der Bühne zurück und kündigte an, dass nun die zwei großen Minuten für die Raucher kämen, da diese nun die Möglichkeit bekamen, ihre Feuerzeuge auszupacken. Damit sang er eine wunderschöne gut in die Voradventszeit passende a-capella Version von „The Power Of Love“, bevor auch er um 23:15 Uhr endgültig hinter der Bühne verschwand. Nun war auch wirklich klar, dass die Band nicht mehr zurück kommen würde und so strebten die meisten Zuschauer mit glücklichem Lächeln in den Gesichtern Richtung Ausgang, erwarben T-Shirts und CDs am Merchandising-Stand oder ließen den Abend in aller Ruhe an der Theke ausklingen. Jedenfalls wird diese Show den Meisten noch lange im Gedächtnis bleiben und auch der ein oder andere Internet-Zuschauer wird wohl sicher bedauert haben, nicht vor Ort gewesen zu sein. [ Galerie Berlin ]

 
Text: .Kerstin Tschöpe
Bilder: .Carsten Terres
Bilder Berlin: .Julia "Klodiya" Suvorova