OUT OF LINE FESTIVAL ..[ Batschkapp, Frankfurt(M) 14.11.07 ]
 

Nach Einjähriger Pause kehrte in diesem Jahr das Out of Line Festival zurück. Das dass wohl größte Deutsche Elektro Label eine besondere Werbestrategie verfolgt ist hinlegend bekannt, so lag es auch nahe gleich 5 Bands mit auf Reise zu nehmen, welche alle erst kürzlich eine neuen Silberling auf den Markt gebracht haben, eine clevere aber auch logische Vorgehensweise. Ob Hocico, eines der Zugpferde von besagtem Label, oder die Newcomer Din [A] Tod, es waren einige Interessante wie auch namhafte Szene-Künstler vertreten, so das wir uns dieses Event in der Frankfurter Batschkapp nicht entgehen lassen konnten.

 

Pünktlich um kurz nach 19.00 Uhr in der Batsche angekommen, ging es dann auch gleich mit den Newcomern DIN [A] TOD [ Galerie I & Galerie II ] los. Das aus Berlin stammende Duo um Claudia Fasold und Sven Claussen hat zu ihrem erst kürzlich erschienen Debütalbum "the sound of crash" mit Phelix Schneefeld aufgestockt und ist jetzt als Trio unterwegs, so auch hier in Frankfurt. Die Musik, die die Band auf der Bühne zelebriert, lässt sich schwer umschreiben, minimalistischer Elektro mit Wave und Electroclash Einflüssen trifft es vielleicht am ehesten. Besonders Auffallend ist dabei Svens außergewöhnlich interessante Stimme, welche die Background Sequenzen einfach perfekt ergänzt. Aber auch Claudia, die nicht nur hinter ihrem Keyboard eine visuelle Augenweide darstellt, Brauch sich stimmlich nicht verstecken. Das Set begann man mit "ephedrine logic", einem Stück an dem die Band ein ganzes Jahr gefeilt hat, dies spiegelt sicher auch ein wenig die Komplexität von DIN [A] TOD dar. Ganz anders dagegen "carol´s fascination" mit seinem wunderschönen Bass und Claudias charmantem Gesang. Natürlich durfte auch "living dead" nicht fehlen, dieser Song war ja bereits vor 2 Jahren auf einer 10" Picture-Vinyl-Platte erschienen und hat sich bereits längst zu einem Ohrwurm entwickelt. Abgeschlossen wurde das 30 Minuten andauernde Set mit "buildings". Diesen Titel spielte man zu Ehren von Phelix, welcher die Band nur hier in Frankfurt mit seiner Anwesenheit unterstützen konnte. Alle Songs wurden im Hintergrund kreativ durch verschiedene Artworks auf einer Leinwand unterstützt. Leider war das Auditorium zu dieser frühen Zeit noch etwas spärlich gefüllt, nichts desto Trotz war gerade in den vorderen Reihen Bewegung zu Verzeichnen. Ein sehr gelungener Auftakt und ich für meinen Teil kann die Band nur jedem weiter empfehlen.

 

Kaum waren die letzten Töne von DIN [A] TOD verklungen, wurde auch schon alles für das Duo von ASHBURY HEIGHTS [ Galerie I ] vorbereitet. Der Bühnenumbau ging schnell von statten, was man lobend anmerken muss. So zog sich die Wartezeit also nicht lange hin und ASHBURY HEIGHTS – bestehend aus dem aufgeweckten Anders Hagström und seiner überaus hübschen Band-Partnerin Yasmine („Yaz“) Uhlin – betraten die Bühne. Die zwei jungen, aus dem kalten Schweden stammenden Talente lieferten mit „Three Cheers for the Newlydeads“ im Oktober 2007 ihr Debütalbum und durften es nun einen Monat später schon stolz live präsentierten. Dass sie mächtig Spaß hatten, war nicht zu übersehen – beide hatten die 80s angehauchten Synthi-Klänge ihrer Musik fühlbar im Blut und rissen das Publikum schnell mit. Sicher betörte die knapp bekleidete Yaz mit ihren teilweise lasziven Bewegungen nicht nur die männlichen Zuschauer. Fast nach jedem Song wechselten Anders und Yaz die Position zwischen Mikro und Synthesizer und gaben ihre kraftvollen Stimmen sowie ihre eingängigen Melodien zum Besten, wobei die Background-Vocals über das Zweitmikro am Synthesizer manchmal kaum zu hören waren. Die Auswahl der gespielten Songs war gut gewählt: Langsamere Tracks wie „Smaller“ und „Cry Havoc“ zogen die Menge in ihren Bann und die knalligen und tanzbaren Nummern wie „Bare your teeth“ oder „Penance“ sorgten für die nötige Bewegung unter den Besuchern. Abschließend gab es mit „World coming down“ noch einen ungewohnt schnellen, überaus ohrwurmverdächtigen und leider unveröffentlichten Song auf die Ohren, den ASHBURY HEIGHTS ab und an gerne live spielen, wie sie selbst erklärten. Das Publikum verabschiedete Anders und Yaz mit einem wohlverdienten Applaus und hätte sicher noch gerne eine Zugabe gehört, was aber wohl aus Zeitgründen nicht möglich war.

 

Nachdem der ein oder andere sich mit einem kühlem Getränk von der Hitze des zweiten Auftritts abgekühlt hatte, ging es vom vorigen 80`iger Flair in eine ganz andere Sparte. PROCEED [ Galerie I ], die laute EBM Formation von Sänger André S. und Daniel P., machte der allmählich wachsenden Menge vor der Bühne ordentlich Feuer unterm Hintern. „Laut“ ist nicht nur der Name des aktuellen Albums der Magdeburger, sondern auch der Eröffnungssong ihrer halbstündigen Performance. Rhythmische Sequenzen und heftige Beats bestimmten die aus den Boxen donnernde Musik und die Besucher mussten nicht lange dazu angefeuert werden, dass Tanzbein zu schwingen. Die rauen Shouts von André verliehen dem krachigen aber fließenden EBM zusätzlich etwas Bedrohliches und wurden von den anwesenden PROCEED-Fans kräftig mitgesungen bzw. –geschrien. Spätestens bei „Waving“ war der Saal nun komplett in Aufruhr und das dynamische Duo schien sich in einen Rausch gespielt zu haben. Daniel bearbeitete wild die Drum Pads, während sein Kollege energisch über die Bühne stampfte, wobei die düster-aggressive Stimmung wie auch schon bei den Vorgängern von Videos im Hintergrund unterstützt wurden. Zur Freude ihrer Kenner präsentierten PROCEED auch „Diktatur“, einen ihrer älteren Tracks, und ernteten begeisterte Pfiffe und Zurufe, sodass man sie nur schweren Herzens gehen ließ. Andererseits bedeutet ein Ende ja auch immer ein Anfang - und die Musik von PROCEED hatte natürlich Lust auf den Co-Headliner gemacht – somit erwartete man also sehnsüchtig die Herren von SPETSNAZ.

 

Mit Pontus Stålberg und Stefan Nilsson kamen wir zum zweiten schwedischen Duo des Festivals. Sicher waren SPETSNAZ [ Galerie I & Galerie II ] ein Highlight des Abends, besonders nachdem die Fans die Hoffnung fast aufgegeben hatten, die beiden zerstrittenen Bandmitglieder noch einmal zusammen auf der Bühne zu sehen. Aber alle Differenzen schienen vergessen, als die beiden das Publikum in gewohnter Manier mit bebenden EBM-Sounds beglückten und eine intensive Show mit viel Power, Bewegung und einer gehörigen Portion Humor boten. Neben den allseits erwarteten Klassikern wie „Apathy“ oder „Reign of wolves“ feuerten SPETSNAZ selbstverständlich auch einige Nummern vom brandneuen Album „Deadpan“ ab, was vermutlich einige noch nicht kannten – dies tat allerdings der tanzwütigen Stimmung keinen Abbruch, solange der Boden nur unter den Füßen bebte. Und das tat er, während die Schweden einen Song nach dem anderen in die Menge schmetterten, Schweiß floss und einem langsam aber sicher die 400 Festivalbesucher im Gedränge bewusst wurden. Dass SPETSNAZ auch mit ihren Reizen nicht geizen bewies Pontus, als er bei der Ankündigung von „Perfect Body“ selbstgefällig sein Shirt hob und seinen nackten Bauch zur Schau stellte. Vor der Bühne ging es inzwischen ziemlich heftig zu und es gab fast keine Chance den teilweise doch aggressiv tanzenden Menschen im Moshpit zu entkommen. Aber damit noch nicht genug – als Finale ballerten SPETSNAZ den Fans ihren letzten veröffentlichten Song vor der großen Trennung um die Ohren: „Hardcore Hooligans“ hatte den letztendlichen ekstatischen Ausbruch der begeisterten Menge zur Folge und wer bisher noch ohne blaue Flecken davongekommen war, fand sich jetzt inmitten wild umherspringender SPETSNAZ-Liebhaber, die für nichts anderes mehr Augen und Ohren hatten, als für ihre beiden Schweden.

 

Weit war die Zeit mittlerweile fortgeschritten, vier Bands hatten die Besucher zum Schwitzen gebracht – aber es war noch lange nicht vorbei. Eng wurde es vor der Bühne, als HOCICO [ Galerie I & Galerie II ] diese endlich betraten. Wer die heißblütigen Mexikaner – treffenderweise auch als Hardfloor-Götter bezeichnet – schon mal live gesehen hat, weiß, was für eine temperamentvolle Show sie abliefern. Besser gesagt Frontmann Erk Aicrag, der wie immer wie ein tollwütiges Tier die Bühne stürmte und sofort zum Publikumsmagnet wurde. Racso Agroyam dagegen versank konzentriert hinter seiner Krachmaschine, zauberte die hämmernden und brutalen Beats, die HOCICO ausmachen, und zeigte ansonsten gewohnt wenig Regung. Nachdem HOCICO den Fans nach kurzem Intro mit „Scars“ gezeigt hatten, was Abgehen heißt, gab es kein Halten mehr. Erk brüllte sich die Wut von der Seele und suchte auch sichtbar Blickkontakt mit dem Publikum, was dank seiner charismatischen Ausstrahlung nicht schwer fiel. Textsichere Fans sangen natürlich mit, wo es nur ging, die Halle tanzte, jubelte ihren Idolen zu und die meisten fanden sicher kaum Zeit, sich die fantasievollen aber gruselig anmutenden Clips im Hintergrund anzusehen. Neben den neuen Songs „About a dead“ sowie „Shape of things to come“ durften bei der ca. 60 minütigen Show auch Klassiker wie „Spirits of Crime“ und „Banished“ nicht fehlen – über die gut abgestimmte Setlist konnte man sich beileibe nicht beklagen. Besonders „Forgotten tears“ schien die Masse anzuheizen und es war faszinierend, dass man bei jedem Song in Erks Mimik alle Emotion, Hass und Schmerz nahezu lesen konnte. Wie erwartet blieben natürlich auch die Rufe nach einer Zugabe nicht aus und als zusätzliches Schmankerl gab es „Odio en el Alma“, ein wie ich finde besonders betörender und eingängiger Song, der die Fans ein letztes mal in eine aufgeregt tobende Masse verwandelte.

 

Fürwahr ein bombiges Spektakel voller explosiver Songs und herben Sounds, wie der HOCICO Fan es sich wünscht. Unter tosendem Applaus verabschiedeten sich die mexikanischen Electro-Helden und ließen eine Menge Fans im glückseligen Delirium zurück. Die Uhr schlug 12 – um genau zu sein, viertel nach 12, als das Out of Line Festival 2007 vorbei war und nassgetanzte Besucher nochmal am Merchandise-Stand vorbeischauten oder sich etwas Erfrischendes an der Bar genehmigten. Allgemein brach recht schnell eine gewisse Müdigkeit aus, nachdem die Euphorie verflogen war und die strapazierten Glieder sich erstmals meldeten. Verübeln konnte man es keinem, schließlich lag hinter den 400 Gästen ein anstrengender aber fabelhafter Abend mit tollen Bands und einer familiären, gemeinschaftlichen Stimmung. Und: nach dem Out of Line Festival ist vor dem Out of Line Festival! Bis zum nächsten Jahr!

 
Text: .Nadine Schmitt, .Sandro Griesbach
Bilder: .Sandro Griesbach, .Thomas Nattermann