NITZER EBB - MOTOR - TERENCE FIXMER/ [ Batschkapp, Frankfurt(M) 01.11.2006 ]
 

Die Vorfreude auf den 01.11.06 währte schon recht lange, hatte sich doch schon zu Beginn des laufenden Jahres herum gesprochen, das NITZER EBB im Rahmen ihrer Reunion Tour auch wieder in Frankfurt gastieren würden, was seit 1990 nicht mehr der Fall war. Das Interessante an diesem Abend war vor allem die Tatsache, das einige der anwesenden Gäste, vielleicht den ersten Gig der Band im Rhein-Main Gebiet am 22 Oktober 1987 in Mainz im KUZ erlebt haben, während andere Fans zu dieser Zeit gerade im Krabbelalter waren.

 

Doch bevor die Herren Bon Harris und Douglas McCarthy die Bausubstanz der Batschkapp auf ihre Solidität prüften, standen der extrem Techno Musiker „Terence Fixmer“ und die schrägen Jungs von „Motor“ im Rampenlicht. Vor ausverkauftem Haus eröffnete Fixmer den Abend. Der aus Lille stammende Franzose, dessen Bekanntheitsgrad durch die Zusammenarbeit mit Douglas McCarthy und der Veröffentlichung des gemeinsamen Album „Between The Devil“ im Jahr 2004, sowie diversen Auftritten unter anderem auf dem WGT 2004 sicher noch etwas über- greifender geworden ist, war eine ideale Besetzung als Support. Fixmer schraubte seinen brutalen Industrial Techno in die Gehörgänge der dicht aneinander gepressten Girls and Boys, ohne Gnade walten zu lassen und Rücksicht auf Verluste zu nehmen. Mit einem gebührenden Applaus wurde der Mann aus Lille nach einem gut 30 Minuten dauernden energetischen Auftritt entlassen.

 

Nach einer erfreulich schnellen Umbauphase fanden sich die drei Herren der Band „Motor“ auf der Bühne ein und knüppelten geradewegs drauf los. Der Sound und auch die Erscheinung erinnerte zu Beginn ein klein wenig an die frühen Zeiten von Front 242. Doch spätestens die Sangeskunst der Jungs sorgte dann für die Ernüchterung, denn die konnte mich leider nicht so überzeugen. Nichts desto trotz waren die drei sehr enthusiastisch und hatten wohl auch beim Publikum einen mehr als respektablen, bei einigen eventuell als Tinnitus bleibenden Eindruck hinterlassen. Nach etwa 50 Minuten Spielzeit war dann Schluss und die Spannung stieg ins Unermessliche. Nach 16 Jahren Abstinenz standen Bon Harris und Douglas McCarthy wieder auf einer Bühne im Rhein-Main Gebiet und dieser Augenblick stand jetzt kurz bevor. In den vorderen Reihen konnte man die ungeduldigen Fans sehen, deren Freude sich in ihren Gesichter widerspiegelte fast wie bei Teenagern, die ihrem Idol zum ersten Mal gegenüber stehen.

 

Und dann war der Moment gekommen, zuerst kam die aus Los Angeles stammende Maxim Schönheit Kourtney Klein auf die Bühne, welche die beiden erst seit Kurzem an den Drums begleitet, bevor dann Bon und Douglas ihrem strahlenden Publikum entgegen traten. Die drei wurden von dem Moment an, wo sie die Bühne betraten gefeiert und bejubelt wie kaum eine andere Band zuvor in der Batschkapp. Bei „Getting Closer“ dem ersten Song des Sets feuerten Bon und Douglas gemeinsam mit voller Inbrunst ins Mikro, allerdings blieb es zu diesem Zeitpunkt noch verhältnismäßig ruhig in der wirklich zum Bersten vollen Kapp und die Ordner auf der Bühne schienen fast überflüssig. Das änderte sich schlagartig als mit „Let Your Body Learn“ einer der härtesten Songs der Band zum Pogen einlud. Eine wahre Sturmwelle walzte über das Battlefield und die freien, teils mit Sturzbächen von Schweiß überströmten Oberkörper einiger sehr stabil wirkender Fans schmiegten sich aneinander wie zu ganz alten Zeiten. Im Umkehrschluss zu diesem brachialen Song setzten NITZER EBB

 

dann ihr Programm mit „Shame“ fort und lenkten ihren Focus weiter in Richtung dem 89er Album „belief“, aus dem dann unter anderem „hearts and minds“ „captivate“ oder „blood money“ gespielt wurden. Zwischenzeitlich konnte man immer wieder den fordernden Ruf nach „Where is the youth“ hören, nach „control im here“ wurde dieser Wunsch erfüllt und NEP brachten mit „Murderous“ erneut die Grundmauern der Batschkapp an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Die ausgelassene Stimmung blieb auch bei „Join in the Chant“ erhalten, zumal Douglas hier auch noch eine gewisse Eigeninitiative vom Publikum abverlangte und ein hörbar großer Teil dann auch „Join in the Chant“ brüllte. Leider sollte das schon der letzte Song des offiziellen Programms, nach gerade einmal knapp 50 Minuten Spielzeit sein. Als erster Titel der Zugabe wurde dann mit „Fun To Be Had“ einer der wenigen richtig guten Songs des Album „Showtime“ gespielt, bevor es dann nach „I Give To You“ leider wirklich schon zu Ende war.

 

Eine emotional riesige Leistung seitens der Band und die bombastische, aber dennoch sehr kontrollierte Stimmung im Publikum werden diesen Abend in Frankfurt zu einem unvergesslichen Abend machen, genau wie damals am 15. Dezember 1989. Mit den Worten „see you next time” verabschiedete sich Douglas von einer wirklich treuen Fangemeide, die in Erinnerung an diesen Abend und in Hinblick auf die Zukunft nur sagen kann „We hope to see you once more before 2022“

 
Text: Oliver Loscher
Bilder: Sandro Griesbach
 
 

Terence Fixmer: Galerie II

Motor: Galerie II

Nitzer Ebb: Galerie II

Nitzer Ebb: Galerie II