Negative...[ Zeche, Bochum 18.09.2007 ]
 

Den Jungs von Negative scheint es in Deutschland wohl sehr gut zu gefallen. Seit 2005 tourten sie ganze vier Male durch unsere Lande, davon dreimal als Headliner – zuletzt in diesem September.

 

Fast schon traditionell ließen sie es auch wieder in der Bochumer Zeche krachen und füllten den Club bis in die hintersten Ecken. Diesmal waren Negative zwar ohne neues Album unterwegs, doch konnten die sechs Finnen natürlich mit ihren bisherigen Alben ihre Live-Qualitäten in vollem Ausmaß unter Beweis stellen. „Wir wollen den Fans mit dieser Tour zeigen, dass wir immer noch existieren und für sie da sind“, erzählte mir Sänger Jonne vor dem Bochumer-Gig im Interview [ hier ]. Und die Fans wissen diese Intention auch zu schätzen, so tummelten sich bereits Stunden vor Einlass schwarz/bunt-gekleidete Rockmädels vor den Toren der Zeche. Auch erstaunlich viele Jungs und sogar Fans aus Finnland hatten sich unter das wartende Volk gemischt. Das musste Negative-Bassist Antti direkt mit der bandeigenen Kamera festhalten und lief die Menschenschlange ab, um deren Ausmaße zu filmen. Nicht viel später öffnete die Zeche pünktlich auf die Minute ihre Tore und genauso pünktlich legte die Support-Band Day Eleven aus Finnland los.

 

Mit Songs wie „If nothing comes of you“ und “Whenever you say you love me” wärmten sie das Publikum auf und man sah die ersten fliegenden langen Haare. Sänger Janne Aleksi machte es mit seinen Dreads aber auch zu genüge vor. Auch sammelte er sichtliche Pluspunkte bei den Fans, als er plötzlich seine Jacke auszog und darunter ein Negative-Shirt zum Vorschein kam. Day Eleven haben an diesem Abend gut gerockt, doch nach einer halben Stunde war das Aufwärmen vorüber und Day Eleven machten die Manege frei für ihre Landsmannen von Negative! Nun konnte der Rock N Roll-Zirkus richtig beginnen. Die mit zahlreichen Accessoires geschmückte Bühne (um Snacks Keyboard wand sich eine grüne Schlange mit rot-glühenden Augen, Larrys Mikro zierten zwei Plüschwürfel, die Boxen zur Linken ein Hanftuch und Jonnes Mikroständer wie gewohnt ein paar Glitzerschals) wurde von purpurnem Scheinwerferlicht und Nebelschwaden überflutet. Im Zirkusmarsch betraten die sechs Negatives die Manege und ihnen stieg ein frenetischer Applaus entgegen. „Misery“ eröffnete die Show, dicht gefolgt vom düster rockigen „Swans“. Jonne – wieder völlig in seinem Element und über die Bühne wirbelnd – trug viel weiß und ließ durch seinen Gesang und die Blicke, die er dem Publikum zuwarf, garantiert sämtliche Mädchenherzen höher schlagen. Aber auch Christus zog durch sein Posing und wie immer recht buntes Outfit viele Blicke auf sich. Bei ihm habe ich irgendwann aufgehört zu zählen, wie viele Gitarren er hat. Jedenfalls gab es bei fast jedem Song einen fliegenden Wechsel. Hatte Janne von Day Eleven beim Auftritt zuvor ein Negative-Shirt getragen, so hatte Antti bei Negative die Rolle der gegenseitigen Promotion übernommen:

 

Er trug ein Day Eleven-Shirt, dessen er sich später noch entledigte. Jay hatte das gar nicht erst nötig; er kam direkt halbnackig auf die Bühne, während Snack und Larry dann doch eher angezogen blieben. Aber das Styling ist natürlich nicht das A und O einer Band, sondern vor allem auch deren Performance – und an der von Negative habe ich absolut nichts zu bemängeln. Die Jungs gaben Songs von allen drei Alben zum besten. So schien auch das übrige Publikum mehr als zufrieden mit der Show und spätestens bei „Frozen to lose it all“ sah ich auch die Männer im Saale – die vielleicht doch eher von ihren Freundinnen mitgeschleift worden waren – begeistert mit dem Kopf wippen. Neben zahlreichen Rockhymnen wie „Glory of the shame“, „Sinners night/misty morning“ und „One last shot“ boten die glamourösen Finnen auch ruhigere Stücke aus ihrem Repertoire an, wie „A song for the broken hearted“. Hunderte kleine Lämpchen strahlten von der Rückwand der Bühne den Fans entgegen und wurden dabei durch Wunderkerzen und Feuerzeuge im Publikum ergänzt.

 

Einen vorläufigen Höhepunkt der Show bot „Until you are mine“ mit Sirs berühmten Gitarrensolo im Sitzen. Nach dem Track tauchten Negative dann allerdings erst mal unter, was das Publikum natürlich nicht auf sich sitzen ließ. Mit lauten Zugabe-Rufen versuchten die Fans ihre finnischen Helden zurück in die Manege zu locken. Doch nichts geschah. Schließlich probierte man es mit „We will rock you“ und sieh an! Negative kamen zurück, um das Publikum noch mit drei weiteren Songs – und zwar von jedem Album einen – zu beglücken. Die Jungs ließen es sich dabei nicht nehmen, wieder ihre bandeigene Kamera zu schnappen, um sich selbst und ihre Zuschauer zu filmen. Na wenn das mal nicht später auf einer DVD auftaucht…Mit „In my heaven“ boten Negative einen letzten Kracher für den Abend und wollten eigentlich die Manege frei machen, doch irgendwie waren sie im Hexenkessel gefangen. Es brodelte und kochte…Jubel ohne Ende…und da ließ es sich Sir Christus nicht zweimal sagen, ein Bad in der tobenden Menge zu nehmen.

 

Wagemutig sprang er ins Publikum und ließ sich auf Händen tragen. Derweilen verteilten seine Bandkollegen noch fleißig Rosen, was auch schon Tradition bei Negative ist. Ein paar Minuten und Verbeugungen später wurde schließlich doch ausmarschiert und auch die Fans sahen ein, dass jeder Abend mal ein Ende hat, und sei er noch so schön. Doch die Fans können sich trösten, denn schon im Frühjahr 2008 soll das neue Negative-Album erscheinen und dann steht auch wieder eine Tour in Deutschland auf dem Plan. Vorfreude ist doch bekanntlich die schönste Freude.

 
Text: Lea Sommerhäuser
Bilder: Thomas Nattermann

Day Eleven: Galerie
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