Cantus Buranus Zeltfestival .& .Miroque Festival ...[ Bochum 05.09.2008 & Osterburken 06./07.09.2008 ]
 

Die CANTUS BURANUS und das MIROQUE FESTIVAL – oder drei Tage mit Sackpfeife, Schalmei und Drehleier. Ich werde allerdings darauf verzichten euch mit pseudo-mittelalterlichen Floskeln ala „seyd gegrüßt“ zu malträtieren. Los ging der Konzertmarathon für mich am Freitag auf dem Bochumer ZELTFESTIVAL. Das Zeltfestival Ruhr ist eine der größten Szenenübergreifenden Konzertveranstaltungen Deutschlands. [ Besucher Galerie ]

 

So spielten in dem großen Zelte an der malerischen Kulisse des Kemnader Sees in Bochum ganz verschiedene Künstler, wie JAN DEELAY, DIE FANTASTISCHEN VIER, SCOOTER, H-BLOCKX und viele andere. Darüber hinaus wurden den Besuchern, neben vielen kulinarischen Genüssen, verschiedene weitere Kulturveranstaltungen wie Lesungen geboten. Unter anderem von Thomas Sabottka, der so mancher schwarzen Seele von der „Once in a lifetime – Tour“ von ASP & CHAMBER bekannt sein dürfte. Kurz vor Ende der dreiwöchigen Veranstaltung gaben sich auch die Könige der Spielleute in Bochum die Ehre und spielten mit der CANTUS BURANUS II [ Galerie ] auf. Vor dem Konzert hatte ich die Möglichkeit in einem ausführlichen Interview mit Wim und Norri die Chance mich über die Geschichte und Zukunft der CANTUS BURANUS zu unterhalten. Die Spielleute hatten das Babelsberger Filmorchester, sowie die Sopranistin Ingeborg Schöpf mit nach Bochum gebracht und traten mit mehr als 60 Musikern auf. Das große Zelt war komplett bestuhlt worden, doch leider fanden sich weniger Zuschauer ein, als eine solche Veranstaltung verdient gehabt hätte.

 

Wie schon bei der ersten CANTUS BURANUS Vorführung 2005 war das Publikum bunt gemischt. Neben Gruftis saßen klassische Operngänger, wie auch Familien mit Kindern und sie alle hatten eins gemeinsam, viel Spaß an einem großartigen Konzert. Eröffnet wurde das gut anderthalbstündige Konzert von den Stelzenläufern der Feuervögel, die im Laufe des Abends immer wieder einige Lieder visuell untermalten. Gespielt wurden zu Beginn einige Lieder aus dem zweiten Teil der CANTUS BURANUS, danach folgte eine ausgewogene Mischung aus Liedern beider Alben. Der absolute Höhepunkt des Abends war wieder einmal der Auftritt von Sopranistin Ingeborg Schöpf. Diese wurde von den Spielleute im Pfauenfeder besetzen Fächern auf die Bühne geführt und konnte mit ihrem wundervollen Gesang in Liedern wie „Rustica Puella“ oder „Magnum Detrimentum“, den Zuschauern das ein oder andere Mal Gänsehaut bescheren. Das Konzert wurde mit einer für klassische Konzerte unüblichen Zugabe beendet, doch was ist bei der CANTUS BURANUS schon normal, immer wieder sind Zuschauer aufgestanden und haben mitgeklatscht oder einfach getanzt. Wer die CANTUS BURANUS noch nicht gesehen hat, wird im nächsten Jahr erneut Chancen erhalten. Ich hatte das ausgesprochene Glück schon zwei Tage später auf dem MIROQUE FESTIVAL erneut in den Genuss zu kommen. Und so machte ich mich am frühen Samstagmorgen auf die weite Reise vom Ruhrgebiet in das kleine Odenwald Örtchen Osterburken. Zum ersten Mal fand in diesem Jahr das MIROQUE FESTIVAL an zwei Tagen statt und das Programm hatte es in sich. Neben den 10 Bands wurde den Gästen ein mittelalterlicher Markt auf dem Gelände des Histotainment Park Adventon geboten.

 

Das Adventon ist ein mittelalterliches Dorf und war die ideale Kulisse für ein mittelalterliches Festival. Der erste Festivaltag begann schon am frühen Mittag mit dem Neuling WIRRWAHR [ Galerie ], die vor den noch wenigen Zuschauern eine solide Mischung an mittelalterlichen und folkloristischen Melodien boten. Man merkten den Teils jungen Musikern deutlich die Aufregung an auf einer großen Bühne zu stehen. Doch mit jedem Lied wurden die vier Musiker immer sicherer. Gespielt wurden vor allem traditionelle Lieder wie „Poc Vecem“ was in einer ruhigen balladesken Variante, ganz im Gegensatz zu der bekannten IN EXTREMO Version, dargeboten wurde. Die Band vom Niederrhein ist übrigens noch auf der Suche nach einem Dudelsackspieler, der die Auftritte der Newcomer noch weiter unterstützen soll. Ihnen folgte mit NACHTGESCHREI [ Galerie ] eine Band der rockigeren Töne. Die Band, die es seit 2006 gibt, hat sich in diesem Jahr einiges an Festival Erfahrung erspielt und können zu Recht als wahre Dauerbrenner bezeichnet werden. Diese konnte man ihnen auf dem Miroque auch anmerken, so konnten NACHTGESCHREI bei ihrem Auftritt ihr vorhandenes Talent unter Beweis stellen. Geboten wurden fast alle Songs ihres Debütalbums „Hoffnungsschimmer“. Einzigst die Stimme von Sänger Hotti könnte noch etwas mehr Druck vertragen. Nachdem die sieben Jungs die Bühne verlassen hatten stellte sich leider mit anhaltendem Regen eine Konstante des Festivals ein, die niemand eingeladen hatte, ganz im Gegensatz zu den STREUNERN [ Galerie ]. Ich war zunächst überrascht die STREUNER auf einem Festival LineUp zu finden, da sie eher als klassische Marktband bekannt sind, doch nicht nur mich konnten die vier Musiker mehr als überzeugen.

 

So kamen die vier mit zwei Geigen, einer Laute und einer Gitarre ausgestatten Musiker auf die Bühne und stellen eine der wichtigsten Regeln eines Auftritts der Band klar. Sobald ein Sauflied gespielt wird sollten die Zuschauer „Hurra, na endlich!“ rufen. Und sie riefen es sehr oft. Die Band vieler Mittelaltermärkte sorgte mit ihrem lustigen Programm, das eine Mischung von Liedern aller fünf Alben war, für viel Kurzweil und es gelang ihnen, dass wegen des schlechten Wetters doch recht spärliche Publikum immer wieder zum Mitmachen zu animieren. Die STREUNER durften als erste Band dann auch mit „Zehn Orks“ eine Zugabe geben. Ihnen folgte die Medieval-Irishfolk Band mit dem lustigen Namen THE SANDSACKS [ Galerie ]. Die vier Musiker spielten einen qualitativ guten und schnellen Irishfolk, ohne dabei etwas völlig Neues anbieten zu können. Den mittelalterlichen Aspekt in der Musik konnte ich allerdings nicht entdecken. So gut die Band auch musikalisch war, es gelang ihr einfach nicht richtig viel Stimmung zu vermitteln. Für mein Empfinden passt die Musik besser zu einem kühlen Guinness, (was laut Informationen der Band gut selber hergestellt werden kann, in dem man einfach ein Schwarzbier einen Tag lang offen stehen lässt), in ein Irish Pub als auf eine Festivalbühne, deren LineUp doch mehr eine Mischung aus rockigen und folkigen Bands darstellt. Als nächstes trotzten die Rüppelrocker von RABENSCHREY [ Galerie ] dem Dauerregen, der mittlerweile auch auf die Bühne fiel und sorgten für eine ausgelassene Stimmung auf der Konzertwiese. Die Band um Frontmann Donar von RABEBSCHREY, der auf dem kompletten Festival als rustikaler Moderator fungierte, versuchte das Publikum mit markigen Sprüchen anzuheizen.

 

Genauso wie Donar als Moderator agierte, so gaben sich er und seine fünf Bandkollegen auf der Bühne. Hits wie „Wallhalla“, „Röselein“, „Templerschaf“ oder „Hey wir sind Heiden“ bieten sich gerade zum lauten mit Grölen, Pogen und wilden Herumspringen an, was von dem völlig durchnässten Publikum dankbar mitgemacht wurde. Die frechen Texte rund ums Heidentum, Templerschafe und das Saufen, sorgten für ausgelassene Trinkstimmung. Mit Einbruch der Dunkelheit betrat die niederländische Paganfolkband OMNIA [ Galerie ] die Bühne und spielten einen erstklassigen Mix aus traditionalen Liedern, die sie rund um den Erdball aufgelesen und neu interpretiert haben. Die Multikultitruppe aus den Niederlanden hatte wieder einmal eine riesige Menge verschiedenster Instrumente, wie verschiedene Trommeln, Zupfinstrumente und sogar einem Didgeridoo. Neben der schönen Paganfolk Musik, gab Frontmann Sic seine langen, aber ausgesprochen amüsanten Ansagen zum Besten, darunter auch der obligatorische Gruß in Richtung der US-Amerikanischen Regierung. Auf die von den STREUNERN eingeübte Begrüßung „Hurra, na endlich!“ entgegnete Sic allerdings, dass er sich mehr mit smoking songs auskennen würde. Aus meiner Sicht als Fotograf hatte der Auftritt allerdings ein großes Manko, so war die Bühne die meiste Zeit über in pinkes oder rotes Licht getaucht war, was zwar eine schöne Stimmung erzeugte, aber kaum gute Bilder zuließ. Den Höhepunkt des Abends mit der Münchener Melodikmetalband HAGGARD erlebten nur noch die ganz hart gesottenen Zuschauer, die Wiese hatte sich mittlerweile in Schlamm verwandelt, doch das hielt das Publikum nicht vom fleißigen headbangen ab.

 

Die Münchener Band um Sänger Asis spielte zunächst Lieder vom neuen Album „Tales of Ithiria“, dass wir euch vor einigen Wochen vorstellten. Aber auch Klassiker wie „Awaking the centuries“ oder „Herr Mannelig“ durften natürlich nicht fehlen. Beeindruckend war wieder einmal wie es HAGGARD gelingt eine so gute Mischung aus klassischem Gesang, erdigen Grunts und harten Gitarrenriffs auch live zu spielen. Da der Regen so heftig wurde und das Licht auf der Bühne so gering konnte ich leider keine vernünftigen Bilder vom Auftritt der Band machen. Dies werde ich aber hoffentlich beim bald kommenden Gig in Essen nachholen, so dass sie hier zu sehen sein werden. Am zweiten Festivaltag, der erst am Nachmittag begann, hatten sich endlich viele Wolken verzogen und ließen sogar die Sonne zum Vorschein kommen, so dass der ein oder anderen Besucher Sätze wie: „Der Schlamm ist etwas trockener geworden“, über Lippen kommen ließ. Mit den Sonnenstrahlen fanden auch endlich mehr Zuschauer den Weg in das Adventon. Das lag zum einen am besseren Wetter zum anderen aber auch am Höhepunkt des Festivals mit dem Auftritt von CORVUS CORAX. Doch bevor sich die Könige der Spielleute die Ehre gaben, stand mit DUNKELSCHÖN [ Galerie ] eine Band auf der Bühne, deren Musik eine Mischung aus Folk und mittelalterlichen Klängen war und eher die ruhigeren Töne anschlug. Sängerin Vanessa Istvan überzeugte nicht nur durch ihren schönen Gesang und die große Bandbreite an Flöten, die sie spielte sondern auch mit einem extravaganten Bühnenoutfit. Doch die etwas zu ruhige Musik schaffte es nicht so richtig die Zuschauer von den, für die CANTUS BURANUS aufgestellten, Sitzen zu reißen.

 

Neben DUNKELSCHÖN gab es mit TRISKILIAN [ Galerie ] eine weitere Supportband für CORVUS CORAX. Die Musik bezeichnen die vier Musiker selber als Mittelalterweltfolk, denn sie spielen und interpretieren Lieder aus vielen verschiedenen Ländern dieser Welt. Musikalisch zwar sehr gut, jedoch waren TRISKILIAN für meinen Geschmack deutlich zu ruhig und zu wenig auf der Bühne präsent, um das Publikum richtig für die Höhepunkt des Abends anzuheitzen. Dazu kamen viel zu langatmige Erklärungen woher die Lieder stammen und welchen Ursprung die dazu gehörigen Geschichten haben. Nicht desto trotz waren beide Bands zwei ganz gute Vorbands für den krönenden Abschluss des Festivals. Für meinen Geschmack hätte man doch für einen zweiten Festivaltag etwas mehr erwarten dürfen. Viele der Besucher vertrieben sich daher die Zeit im schönen Adventon und tranken in einer der vielen wundervoll gestalteten Tavernen und Schenken einen Kaffee oder ein Bier. CORVUS CORAX [ Galerie ] traten in Osterburken mit einem deutlich abgespeckten Orchester, als noch bei ihrem Konzert in Bochum auf. Allerdings hätte die Bühne für mehr Musiker auch gar keinen Platz geboten. Wie in Bochum spielten die Spielleute Lieder aus beiden orchestralen Vertonungen der neu interpretierten historischen Liedersammlung aus dem Kloster in Benediktbeuern. Einziges Manko an der wieder einmal bombastischen Aufführung war, dass sich Sopranistin Ingeborg Schöpf zwei Tage zuvor in Bochum ihre Stimme angeknackst hatte, so dass sie hier auf dem Miroque nicht mitwirken konnte. Die gigantische Aufführung wurde mit einem Feuerwerk abgeschlossen und dürfte so für jeden Zuschauer als einmaliges Erlebnis in Erinnerung geblieben sein.

 
Text: .Carsten Terres
Bilder: .Carsten Terres