Project Pitchfork -kaskade tour- [ 29.10.2005 Köln LMH & 05.10.2005 Mainz Kuz ]
 
Musik kann zum Tanzen anregen, oder zum Nachdenken! „Sie kann dem Spirit der Achtziger verhaftet sein oder etwas gänzlich Neues schaffen“. Dieses Zitat stammt aus einer kleinen Gedankenschrift zum neuen Album -kaskade- von Project Pitchfork, geschrieben von Elmar Klemm. Aus diesem Grund führte uns der Weg am 29.September 2005 in das schöne Köln am Rhein, genauer gesagt in die Live Music Hall. Sehr früh machten wir uns auf den Weg in der Befürchtung, dass es doch sehr voll werden würde: wurde doch ein paar Tage zuvor der Dortmund - Gig abgesagt und die Tickets sollten auch in Köln Gültigkeit haben. Nach einer ruhigen Autofahrt und dem Besuch eines amerikanischen Schnellrestaurants erreichten wir den Veranstaltungsort und waren doch etwas verwundert noch einen Parkplatz fast direkt vor dem Eingang zur LMH zu bekommen. Die Formalitäten an der Tür waren schnell erledigt und somit stand einem Konzertabend nichts mehr im Wege. Bei dem Betreten der Location wurden wir erneut überrascht... Nur irgendwie nicht so positiv. Die Halle war kaum zur Hälfte mit Besuchern gefüllt.
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Das schien den Opener des Abends, miLú, aber nicht sonderlich zu stören. Anke Hachfeld (Ex-Mila Mar) brachte Exponate aus ihrem Album -no future in gold- an die Ohren des Publikums. In den Selling-Infos wird ihr Stil beschrieben mit Aussagen wie „deutscher Pop spuckt schwarze Galle" innovative Songs zwischen Nick Cave und 2Raumwohnung“ ... Abwechslungsreiches Album mit sowohl trippich-elektronischen Elementen und treibenden Gitarrensounds als auch balladesken Pianolinien und klassischen Streicherarrangements... Wir haben miLú an dem Abend zum ersten mal gesehen. Musikalisch konnte sie uns leider nicht überzeugen und der Funke zum Publikum sprang unserer Meinung nach leider nicht über. Anke und ihre Musik haben bestimmt ihre Reize, dennoch hatten wir etwas erwartet, was sich in die musikalische Richtung von Project Pitchfork einfügt. Frau Hachfeld klang für uns zu chansonlastig, mit Anlehnungen an Rosenstolz. Fazit: nett aber nicht überzeugend.

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„Altera Forma“ sollten uns als nächstes die Wartezeit bis zum Hauptevent des Abends verkürzen. Viel war im Vorfeld über die Moskauer Formation nicht in Erfahrung zu bringen. Speziell für die Europatour hatten die Russen den Track -Bird of Happiness- auf dem Label Q-Code-Records releasend. Zusätzlich hatte man Stücke aus dem voraussichtlich Oktober oder November erscheinenden Albums „Asta La Vista!“ im Gepäck. Die drei boten ein sehr interessantes Set in Köln. Sehr elektronisch, dennoch intelligent, garniert mit vielen Effekten präsentierten sie einen Einblick in bisher ungehörtes, was sich jedoch keinesfalls hinter westeuropäischen Acts verstecken muss. Leider war es uns unmöglich Textteile zu erkennen, waren sie doch alle in Russisch gehalten. Man muss jedoch auch zu diesem Auftritt anmerken, dass die LMH sich zwar etwas gefüllt hatte, trotzdem blieb auch hier der überspringende Funke zwischen Publikum und Band mehr oder minder aus. Lediglich ein Fan ging am rechten Bühnenrand ziemlich ab. Ob das nun aber an seinen Russischkenntnissen oder dem Wohlgefallen and der Musik lag, liess sich abschließend nicht klären.
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Mit -Kaskade- feiern Projekt Pitchfork das 10. Album in ihrer über 15-jährigen Bandgeschichte. Veröffentlicht auf dem eigenen Label „Candyland Entertainment“ möchten sich die Pitchies damit nach eigenen Angaben „innovativ, unberechenbar und experimentell“ zeigen. Ob das gelingt? Nun, wir schreiben hier keine Albumrezession, sondern möchten von der Liveumsetzung in der Kölner Live Music Hall berichten, die auch zu Beginn des Pitchfork-Gigs immer noch nicht wirklich voll ist, und dass, obwohl man denken könnte, dass einige Fans, die ursprünglichen Tickets für Dortmund hatten. Eine Vermutung die sich leider nicht bestätigte. Die Bühne glich ein Wenig einem Jahrmarkt mit den vielen kleinen, bunten Lichtern an denen im Hintergrund stehenden Säulen. An dieser Stelle möchten wir erwähnen, dass die Lightshow, auch zum fotografieren, sehr außergewöhnlich war. Pitchfork hatten sich auch extra gewünscht dass die Fans Photo- und Videoaufnahmen für den privaten Gebrauch machen. Davon wurde auch ziemlich Gebrauch gemacht. Aber nun zur Musik: Peter Spilles entschuldigte sich sehr früh bei dem Publikum, dass ihn eine Erkältung plagt und das machte sich auch im Laufe des Auftritts mehr und mehr negativ bemerkbar... darüber hinaus vermisste man auch die Spielfreude bei der Band. Dennoch umfasste das Set über zwanzig Songs aus allen Epochen des bisherigen Schaffens der Spilles Truppe. Je länger der Gig lief, desto lauter wurden die -timekiller- Rufe, die dann auch in Form der ersten von insgesamt vier Zugaben erfüllt wurde. Als Resumee hat sich bei uns folgendes Bild gebildet: Project Pitchfork ist eine Band mit einer langen Geschichte, viel Erfahrung und einem großen Schaffenswerk im Rücken. Dennoch plätscherte das Konzert in Köln eher vor sich hin und bot, ausser zum Ende hin bei den Zugaben, kaum richtige Höhepunkte. Das messen wir auch am Feedback des Pubklikums und der Stimmung im Saal. Wollen wir hoffen, dass Project Pitchfork nach ein paar Tagen der Ruhe wieder Kraft finden um die Tour etwas dynamischer fortsetzen zu können, was ihnen sicher spätestens in Dresden, "ihrem zu Hause", gelingen sollte.  

 
Texte: Dietmar Vander [eigenblick] [darkmoments]
Fotos: Sandro Griesbach [darkmoments]
 
miLú: Galerie I
Altera Forma: Galerie I
Project Pitchfork: Galerie I
Project Pitchfork: GalerieII