Interview mit Kita von Lordi, am 31.01.2009 in Oberhausen, Turbinenhalle .[ face2face ]
 

Die Monster sind zurück! Und mit im Gepäck haben sie „Deadache“ [ rezi ]. Es ist das vierte Studioalbum der finnischen Hard-Rock-Band Lordi. Und mit diesem legten sie auch einen Zwischenstopp im Ruhrgebiet ein. Am 31. Januar 2009 spielten sie in der Oberhausener Turbinenhalle [ live review ] und darkmoments hatte die Chance, Drummer Sampsa Astala aka Kita vor der Show zu einem Interview zu treffen.

 

Lea: Es ist nicht das erste Mal, dass ihr hier in Oberhausen seid. Aber was weißt du noch über die Stadt?
Kita: Ich weiß rein gar nichts über die Stadt. (lacht) Aber dies ist eigentlich schon das dritte Mal, dass wir hier sind. Ich kann mich zwar nicht erinnern, wann wir zum ersten Mal hier waren, aber es war unser erster internationaler Gig. Wir haben damals Nightwish in einer größeren Arena supportet. Und dann ein paar Jahre später haben wir hier mit Hammerfall gespielt.

 

Lea: Zwei Deutschland-Konzerte dieser Deadache-Tour sind bereits absolviert. Wie waren die Konzerte bisher? Wie reagieren die Fans auf die Songs des neuen Albums „Deadache“?
Kita: Ja, wir haben bereits zwei Shows hier in Deutschland gespielt. Ich vermute, unseren Fans haben die Konzerte sehr gefallen. Wir haben ein neues Set, eine neue Bühnendekoration, die an eine Krankenhausszenerie erinnert, und es gibt viele theatralische Elemente. Ich glaube, das Publikum hat sich bisher sehr unterhalten gefühlt.

 

Lea: Was sind die Hauptunterschiede zwischen “Deadache” und dem vorherigen Album “The Arockalypse”?
Kita: Grundsätzlich ist die Musik gleich geblieben, melodischer Hard-Rock, aber natürlich haben wir mal wieder mit einem neuen Produzenten zusammen gearbeitet. Dieses Mal war es Nino Laurenne, der das Album produziert hat. Er ist der Gitarrist von Thunderstone und mehr ein Metal-Typ. Und auch wenn wir uns selbst nicht als Metal-Band bezeichnen, da wir eher eine Heavy-Rock-Band sind, brachte er sozusagen seinen Einfluss in Form von metallischen Rhythmus-Parts mit...

 

Lea: Der Sound ist also härter?
Kita: Ja, einige Elements sind in der Tat härter, aber grundsätzlich haben wir auch viele Pop-Elemente in der Musik, aber dann auch wiederum diese Metal-Elemente. Deshalb ist das Album ein bisschen anders und neu. Viele Fans haben gesagt, dass dieses Album wie ein Überblick ist und die beste CD bisher, weil die Songs einfach gut zusammen passen. Aber ich weiß nicht. Ich finde es schwer zu sagen. Wenn du mir die gleiche Frage in zwei Jahren nochmals stellst, kann ich dir sehr wahrscheinlich eine bessere Antwort geben.

 

Lea: Worauf habt ihr diesmal textlich den Schwerpunkt gesetzt?
Kita: Das musst du unseren Sänger fragen, weil er die meisten Songtexte schreibt. Aber grundsätzlich gibt es diesmal mehr Horrorgeschichten und viele Horrorelemente.

 

Lea: Mit jedem neuen Album verändert sich auch euer Monster-Style ein wenig. Werden die Monster älter? Brauchen sie bereits Schönheitsoperationen?
Kita: Erst gestern habe ich gesagt, dass wir als Menschen älter werden, und deshalb sollten die Monster mit jedem neuen Album und neuen Kostüm, das wir kreieren, jünger werden. (lacht)

 
Lea: Ihr habt euch also Schönheitsoperationen unterzogen?
Kita: Ja, ja! Wir haben Latex-Operationen hinter uns.
 

Lea: Hast du jemals eine Person aus deinem Familien- oder Freundeskreis dein Kostüm tragen lassen?
Kita: Vor einigen Jahren hat mal ein Freund von mir mein Kostüm angezogen und dann haben wir Fotos gemacht. Ich war ich und mein Kumpel hatte das Kita-Kostüm an. Aber auch andere Freunde von mir haben schon die Maske anprobiert. Kennst du die finnische Band Entwine?
Lea: Ja, sicher.
Kita: Der Schlagzeuger von Entwine, Aksu, er war derjenige, der das Kostüm anprobiert an. Entwine ist eine tolle Band.

 
Lea: In der Tat. Lordi ohne Masken wären...
Kita: …verdammt schwul. (Gelächter)
 
Lea: Wie viel Zeit verbringst du vor dem Spiegel?
Kita: Vielleicht 15 Minuten jeden Tag und nicht mehr, weil ich bereits so gut aussehe. (lacht)
 

Lea: Heute Abend werdet ihr hier in der Turbinenhalle die Bühne betreten. Bereitet ihr euch immer ein bisschen auf das fremde Publikum vor, dass ihr zum Beispiel ein paar Worte in deren Sprache lernt? Kannst du ein bisschen Deutsch?
Kita: Ja, ich kenne so Basis-Kram wie “Ich liebe dich” und dann “Dankeschön”, “Bitteschön” und natürlich “Scheiße”. (Gelächter)

 

Lea: Welche Songs vom neuesten Album sind die besten Live-Tracks?
Kita: Möglicherweise “Man Skin Boots”, weil dieser Song diesen Rob-Zombie-Disco-Rhythmus hat und es wirklich Spaß macht, ihn zu spielen. Er ist voller Energie und das ist großartig. Aber dann wiederum mag ich auch den Song „Dr. Sin Is In“, welcher wirklich schwierig mit dem Schlagzeug zu spielen ist. Die Rhythmus-Parts sind wirklich schwer. Sie sind eine Herausforderung, aber gleichzeitig auch sehr angenehm zu spielen.

 

Lea: Brauchen Lordi noch regelmäßige Bandproben?
Kita: Nun ja, wir haben rund eine Woche für die Konzerte geprobt. Aber grundsätzlich kannten wir die neuen Songs bereits, weil wir im November letzten Jahres eine Tour in Amerika hatten. Aber für diese Tour haben wir im Speziellen vier Songs geübt, die wir viele Jahre lang nicht gespielt haben. Und es gibt da einen Song, den wir noch niemals zuvor live gespielt haben. Heute Nacht werden wir zum ersten Mal den Song „The Night Of The Loving Dead“ von einem vorherigen Album spielen. Wir haben diesen Song noch niemals zuvor live auf der Bühne gespielt. Heute Abend wird`s wirklich das erste Mal sein. Wir haben also diesen speziellen Songs geprobt und dann natürlich auch all die theatralischen Elemente, ich meine damit die Parts, in denen ein wenig geschauspielert wird. Aber im großen und ganzen sind wir zu faul zu proben.

 

Lea: Aber wenn ihr probt, dann vermutlich nicht mit Kostümen.
Kita: Nein, nein! Als wir unsere Karriere begannen, dann hatten wir ein paar Bandproben mit Kostümen, weil wir alles mit Videokamera aufgezeichnet haben. Wir wollten wissen, wie wir aussehen. Aber seitdem proben wir nicht mehr mit Kostümen. Es ist einfach zu nervenaufreibend das Kostüm zu tragen. (lacht)

 

Lea: Wie lange braucht ihr, die neuen Kostüme anzuziehen?
Kita: Nun ja, unser Sänger braucht circa drei Stunden, aber mein neues Kostüm kann man am schnellsten anziehen. Ich brauche nur rund 10 Minuten.

 
Lea: Wie würdest du den Satz “Musik ist…” vollenden?
Kita: Unsere Musik ist die beste Musik auf diesem Planeten. (lacht)
 
Lea: Eigentlich sollte der Satz mit “Musik ist…” beginnen!
Kita: Ahh, Musik ist! Musik ist das Futter der Liebe. (lacht)
 

Lea: Kommen wir zur Setlist von heute Abend: Wie wird sie aussehen?
Kita: Wir spielen Songs von jedem Album. Ich kann mich nicht erinnern, wie viele, aber natürlich gibt es viele neue Songs zu hören, dann die alten Favoriten und dann natürlich auch noch – wie ich bereits erwähnte – ein paar Extra-Songs von den vorherigen Alben, die wir noch nicht so oft live gespielt haben.

 

Lea: Wenn ihr euer eigenes Festival hättet, welche Bands würdet ihr zu diesem einladen?
Kita: Es kämen Bands wie Mötley Crüe, Kiss, Led Zeppelin und Twisted Sister. (lacht) Und dann werden natürlich Lordi als Headliner dort sein.

 

Lea: Ihr habt für die Single “Bite It Like A Bulldog” ein neues Video kreiert. Aber es ist nur ein Video von vielen. Welches Video zu drehen, hat am meisten Spaß gemacht?
Kita: Ich hasse es, Videos zu drehen. Es macht keinen Spaß. Es ist nervenaufreibend, weil es aus sehr viel Warterei im Kostüm besteht. Ich denke, „Blood Red Sandman“ ist das beste Video, das wir gedreht haben. Das Neue ist auch okay. Wir hatten einen anderen Regisseur und er ist an das Video aus einer anderen Sichtweise als die Vorherigen rangegangen. Einige Videos sind sich sehr ähnlich, aber „Blood Red Sandman“ ist cool und dann mag ich auch noch „It Snows Like Hell“. Das ist cool.

 

Lea: Wie viel könnt ihr zu den Videoinhalten beitragen?
Kita: Nun ja, ich trage nicht so viel dazu bei. Hauptsächlich finden sich in den Videos die Ideen des Regisseurs wieder und auch unser Sänger, Mr. Lordi, hat manchmal diese Vision „Lass uns dies und das machen!“

 

Lea: Im Februar werdet ihr “Zombilation – The Greatest Cuts”, eine Art Best-Of-CD, veröffentlichen, allerdings nicht in Finnland. Warum?
Kita: Das hat mit der Plattenfirma und dem Business zu tun. Unsere vorherige Plattenfirma hier in Deutschland war Drakkar und nun ist es Gun Records. Und da unser Vertrag mit Drakkar ausgelaufen ist, bringen sie jetzt natürlich eine Kompilation heraus. So will`s das Business. Aber wir haben das Album zusammen mit dem Label kreiert und fragten, ob sie alle B-Sides veröffentlichen könnten. Deshalb wird es nun fünf B-Side-Songs auf der Kompilation geben, die sonst nirgends zu finden sind, zum Beispiel gibt es von der „Devil Is A Loser“-Single einen Songs namens „Don´t Let My Mother Know“. Viele Fans haben den Song noch nicht, aber jetzt können sie ihn endlich bekommen.

 

Lea: Wird die “Zombilation”-CD in verschiedenen Versionen erscheinen?
Kita: Ich vermute ja, aber bin mir nicht sicher. Gestern erst habe ich das erste Mal das Cover gesehen. Ich glaube, die Kompilation besteht aus drei CDs und wird auch eine DVD beinhalten. Du musst die Kompilation kaufen und sie auschecken.

 
Lea: Dein Geburtstag war erst kürzlich, noch herzlichen Glückwunsch von meiner Seite aus!
Kita: Ja, danke, ich bin 18 Jahre alt geworden. Ich werde mit jedem Mal jünger. (lacht)
 

Lea: Bald hat auch Tomi Geburtstag. Seid ihr traditionell und feiert ihr eure Geburtstage?
Kita: Ja, wir feiern, wenn wir auf Tour sind. Wir wissen allerdings noch nicht, was wir an Tomis Geburtstag machen werden, mal sehen. Und ich glaube, dass auch unsere Keyboarderin Awa im nächsten Monat Geburtstag hat. Es gibt also eine Party nach der anderen.

 

Lea: Und was ist mit Sylvester? Hast du an dem Tag etwas Besonderes gemacht?
Kita: Nun ja, ich habe getrunken (grinst) und habe ein paar Raketen abgeschossen, weil wir in Finnland zum ersten Mal Lordi-Feuerwerkskörper hatten. Ich meine, wenn du also ins Geschäft gelaufen bist, konntest du dort Lordi-Feuerwerksraketen kaufen.

 

Lea: Ein eigenes Feuerwerk, der Sieg beim Eurovision im Jahr 2006, eine eigene Briefmarkenkollektion, einen nach Lordi benannten Platz...hast du immer noch ein Ziel vor Augen? Was sind deine Wünsche für das Jahr 2009?
Kita: Ich weiß es nicht. Diese Dinge geschehen einfach. Eine Weltherrschaft wäre cool. (Gelächter) Nein, nein. Wir warten auf eine Einladung von Obama, dass wir zum Weißen Haus kommen sollen, um dort zu spielen. Ja, ich habe seine Nummer in meinem Handy gespeichert. (grinst) Es war cool, denn als die Wahlen stattfanden, waren wir zur gleichen Zeit in New York, weil wir dort ein Konzert hatten und das war der Abend zuvor. Unser Gitarrist Amen und ich waren in einer Bar und haben zusammen mit den Menschen dort die Wahlen verfolgt. Und als es dann gewiss war, dass Obama gewinnen wird, war jeder am schreien und Leute waren am weinen und wir haben natürlich nur gelacht. (grinst)

 

Lea: Hast du viel mit Politik am Hut?
Kita: Ich habe immer gesagt, wenn ich zu alt zum rocken bin, gehe ich in die Politik.
Lea: Liest du jeden Tag die Zeitung?
Kita: Nein, nein, ich lese nicht. (lacht)

 

Lea: Welches ist das verrückteste Fangeschenk, das du je bekommen hast?
Kita: (denkt ein wenig länger nach) Nun ja, manchmal bekomme ich verrückt aussehende Boxershorts, weißt du, so Unterwäsche eben. Zum Beispiel habe ich diese Unterhose, wo auf dem Hintern „Sweet Ass“ steht. Das ist doch irgendwie verrückt.

 
Lea: Du trägst so etwas also unter deinem Monsterkostüm?
Kita: Ja!
Lea: Wie wär`s dann mal mit einer Monster-Stripshow später am Abend? (grinst)
Kita: Ja, man kann nie wissen. (Gelächter)
 
Interview geführt von .Lea Sommerhäuser .[ face2face ]
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