Infacted Festival .2008 .-[ -Batschkapp, Frankfurt 12.09.2008 - ]
 

Am 12. September 2008 sollte eine ganz besondere Geburtstagsfeier in der Frankfurt Batschkapp stattfinden: anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Labels Infacted Recordings waren ganze sieben in selbigem Label beheimatete Bands/Projekte geladen und natürlich auch zahlreiche Fans, die sich diese Party nicht entgehen lassen wollten. XP8, State of the Union, Reaper, Soman, Frozen Plasma, Grendel und Heimataerde spielten ihrem Label an diesem Abend eine Menge elektronischer Ständchen, was auch das Fehlen einer tollen Geburtstagstorte durchaus entschuldigte. .[ Galerie ]

 

Mit leichter Verspätung um kurz nach 20 Uhr angekommen, dröhnten bereits erste Töne von XP8 aus der Batschkapp. Das italienische Duo Marko Ressurreccion und Marco Visconti (der am späteren Abend nochmal mit Grendel die Bühne stürmte) heizten dem schon ganz gespannten Publikum ein mit Songs wie „Muv your Dolly“ oder dem Clubhit „Cuttin’n’Drinkin“. Die gut gefüllte, wenn auch nicht voll gestopfte Halle bewegte sich noch etwas zurückhaltend zu den trancigen Sounds, ließ sich aber letztendlich doch von den beiden energischen Italienern anstecken. Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass sich Marco Visconti an ganzen 3 Laptops zu schaffen machte und trotzdem noch genug Zeit fand, ausgiebig zu performen. Sieben Bands an einem Abend erfordern ein gutes Zeitmanagement und so ging es nach kurzer Umbauphase auch schon weiter mit den Amerikanern von STATE OF THE UNION, deren Frontmann den verheißungsvollen Namen Johann Sebastian trägt. Mit Klassik konnte dieser allerdings nicht dienen, dafür aber mit melodischen, mit Drums gespicktem EBM und gedankenvollen Texten. Besonders das gleichzeitig ruhige und doch mitreißende, leicht mitzusingende Stück „Radioman“ dessen Refrain einfach eine schöne Atmosphäre verbreitete, blieb mir persönlich im Ohr. Nachdem Johann Sebastian dann endlich seine Sonnenbrille abgenommen hatte, fiel auch das Kontaktsuchen zum Publikum etwas leichter. Getrübt wurde der Auftritt meiner Meinung nach etwas durch die Tatsache, dass STATE OF THE UNION im Hintergrund ihre eigenen Videos ihrer Songs mitlaufen ließen, was ich als ziemlich einfallslos empfand – wenn die Videos auch gut gemacht sind, was man den Künstlern lassen muss.

 

Mit ungeduldigen „Vasi!“-Rufen wurde es allmählich Zeit für wesentlich härtere Klänge. Vasi Vallis (der natürlich später nochmal mit FROZEN PLASMA auf der Bühne stand) ist mittlerweile als REAPER fester Bestandteil jeder Playlist in angesagten Szeneclubs. Und so war es auch kein Wunder, dass es in den ersten Reihen langsam zu Gedränge kam und sich jeder ein Plätzchen zum Tanzen zu ergattern versuchte. Trotz des nur kurzen Sets, das jedem Act zeitlich zur Verfügung stand, kamen die Fans voll auf ihre Kosten. So stürmte Vasi nicht nur bei „Execution of your Mind“ wild über die Bühne und ließ seinen Blick sichtlich begeistert über die tanzende Menge wandern, die ihn zwischendurch immerwieder durch Zurufe bestätigte. Auch „Twisted Trophy Hunter“ wurde regelrecht zelebriert von den stampfenden Festivalbesuchern, die hin und wieder die Möglichkeit hatten, etwas in Vasis Mikro zu gröhlen. Als siebten und letzten Song gab es dann „She’s a Devil and a Whore“, bevor sich Vasi vorerst verabschiedete. Zunächst wünschte er aber viel Spaß mit SOMAN, mit diesem ging es nämlich erstmal weiter. Kolja Trelle alias SOMAN hat mit seinem Ein-Mann-Industrial-Projekt schon so manchen Club zum Kochen gebracht. Unterstützt wurde er auch diesmal von zwei Tänzerinnen, die nicht nur zum Mitmachen animierten sondern auch als hübscher Blickfang fungierten. Was aber nicht von SOMAN selbst ablenkte, der an seinem Mischpult wie ein Wilder loslegte. Dieser Mann stand augenscheinlich total unter Strom – wer SOMAN schonmal live gesehen hat, weiß sicher, was ich meine. Mit „Mask“ hauchte er der Batschkapp eine gute Brise Trance und Techno ein und wird es sicher genossen haben, die mehr springende als tanzende Menge zu beobachten.

 

Zum Glück fehlte auch mein persönlicher Lieblingstrack nicht, „Absolution“ krachte den Zuhörern regelrecht um die Ohren und auch beim Cover von Combichrists „Sex, Drugs & Industrial“ blieb keiner auf seinem Platz. Alles in allem ein toller Auftritt, nicht zuletzt durch den Anblick des dauer grinsenden Koljas, dem das Festival ganz offensichtlich Spaß machte. Nach soviel schweißtreibendem Gezappel kamen FROZEN PLASMA und ein wenig entspannendere Töne sehr gelegen. Felix Marc, der mit seiner schönen Stimme bekanntlich auch Diorama bereichert, und Vasi Vallis, der auch wieder mit von der Partie war, verbreiteten eine warme Stimmung und auch getanzt wurde ruhiger. Zumindest bei Songs wie „Irony“ und „Hypocrite“ ging es eher gesittet zu, wohingegen FROZEN PLASMAs Clubhit „Warmongers“, auf den sicher einige gewartet hatten, mit Jubel begrüßt und „betanzt“ wurde. Auch die weiter hinten stehenden Zuschauer lockte es nun nach vorne zwischen die Tanzenden und so wurde es auch bald Zeit für „Tanz die Revolution“, dem brandneuen Song, den es seit dem 19. September auf Maxi-CD zu kaufen gibt. Damit beendete das Duo sein Set und machte Platz für Harsh Electro aus den Niederlanden. Mittlerweile war es schon 1 Uhr und die meisten bereits relativ müde getanzt. Darum hatte es GRENDEL auch anfangs nicht allzu leicht, das Publikum zum Mitmachen zu bringen. Frontmann Jos, der wie der Rest der Truppe noch völlig fit zu sein schien, ließ sich aber nicht beirren und rockte die Bühne mit Songs wie „Pax Psychosis“ und „Soilbleed“, sodass es nicht lang dauerte, bis die stampfend tanzende Menge der Müdigkeit entsagte. Sowohl am Mikro als auch an Synths und Drums gab man alles und mischte die etwas schläfrige Batschkapp noch mal richtig auf.

 

Wild ging es dann auch bei „Dirty“ und „Harsh Generation“ zu, ehe GRENDEL sich als vorletzte Band dem Ende neigte und zu guter Letzt noch laut und böse „Hate this“ zum Besten gab. Einigen wurde hier die Ehre zuteil, in Jos‘ Mikro „singen“ zu dürfen, was sich teilweise doch ein wenig komisch anhörte, da offenbar viele dieser Hobby-Gröhler schon ordentlich einen im Tee hatten. Die Zeit war unaufhaltsam fortgeschritten und leider verließen viele das Festival schon frühzeitig, denn der große Zeiger stand inzwischen fast auf 2 Uhr. Ebenso gab es aber genug Fans, die wegen der nächsten und letzten Band auch noch länger gewartet hätten. Als siebter und letzter Act des Infacted Festivals stand die Mittelalter-Electro-Kombi HEIMATAERDE auf dem Plan. Obwohl sich die Halle sichtbar geleert hatte, tat das der Stimmung keinen Abbruch, als die Herren in Kettenhemd und co. die fantasievoll dekorierte Bühne betraten und mit einer Mischung aus Schwertkampf und blutigen Spielereien in eine vergangene Zeit entführten. Da ich selbst zwar die Musik von HEIMATAERDE mag, aber kein eingefleischter Fan bin, kann ich hier leider keine Titel nennen, die gespielt wurden ( weil ich nie wusste, wie die Songs hießen :). Auf jeden Fall ist es ein Erlebnis, diese Band live zu sehen, deren Musik nicht nur tanzbar ist, sondern einfach verzaubert. Abschließend bleibt zu sagen, dass das Festival mitunter eines der besten in diesem Jahr war. Super Line Up, gut besucht, fast sieben Stunden geniale Musik und viele nette Leute. Vielleicht ging es alles in allem ein bisschen zu lang, aber sieben Bands brauchen nun mal ihre Zeit und echte Electro-Freaks tanzen ja schließlich auch öfter mal die ganze Nacht durch. Eine tolle Geburtstagsfete, die in weiteren fünf Jahren hoffentlich ebenso erfolgreich wiederholt wird.

 
Text: .Nadine Schmitt
Bilder: .Reiner W. .[ www.art-in-black.de ]