In .Extremo...[ Palladium, Köln 17.12.2008 ]
 

Selten wurde ein Albumtitel so gut gewählt wie „Sängerkrieg“ von In Extremo, denn in der Vorweihnachtszeit buhlen viele Bands um die Gunst des Publikums. Dem Ruf der sieben Spielleute von In Extremo folgten auch in diesem Jahr an die viertausend Fans der Band und so stand schon mehr als eine Stunde vor Konzertbeginn eine kaum enden wollende Schlange vor dem beinahe ausverkauften Kölner Palladium.

 

Das Publikum ist für seine tolle, partyfreudige Stimmung bekannt und so wählten die Mittelalterrocker aus gutem Grund das kölner Palladium als Location für ihren DVD-Dreh zur aktuellen Tour, so dass auch alle Fans, die leider nicht in Köln sein konnten die Möglichkeit erhalten werden, sich den Gig anzuschauen. Arbeitnehmer freundlich begann der Abend schon um kurz vor Acht mit der Supportband „The Black Sheep“ [ Galerie ]. Die Alternative-Girl-Band besteht aus vier jungen Mädels, gerade 18 Jahre alt, hatten sich anscheinend vorgenommen auf der Bühne so richtig Gas zu geben. Die Band existiert schon seit 2005, doch ihre erste musikalische Duftmarke haben die vier Damen mit dem Soundtrack zum Axel Stein Kinofilm „Lauf um dein Leben“ gesetzt, zu dem sie zwei Lieder beigesteuert haben. Vor kurzem wurde dann der Plattenvertrag bei Roadrunner Records unterschrieben. „The Blacksheep“ stammen aus Köln und daher war den Vieren eine gewisse Aufregung anzusehen als die Bühne betraten, doch als nach dem ersten Lied ein warmer Applaus folgte war das Eis gebrochen und die Band um die quirlige Frontfrau Charly begann das Palladium so richtig zu rocken und ließ sich weder von den „Ausziehenrufen“ einiger angetrunkener jungen Männer, noch von dem Kamerateam, welches auf der Bühne sein Unwesen trieb, ablenken. Die vier hatten eine halbe Stunde lang Zeit um die Lieder aus ihrem kommenden Album zu präsentieren. Druckvolle Metalklänge, eingehende Melodien und die gute Stimme von Charly beeindruckten nicht nur mich. „The Black Sheep“ ist eine junge und frische Band, die in der nächsten Zeit sicherlich noch viel von sich hören lässt.

 

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann endlich soweit, von einem Beamer wurde der rote Reiter des Sängerkrieg-Covers an eine große weiße Leinwand geworfen und begann sich mit lautem maschinellen Pferdegetrampel in Bewegung zu setzen. Bislang habe ich selten ein so interessantes Intro gesehen und gehört. Mit den ersten Klängen von „Sieben Köche“ fiel die Leinwand zu Boden und die sieben Musiker von In Extremo [ Galerie ] begannen sofort die Bühne zu rocken. Das letzte Einhorn stürmte nach vorne und begrüßte das jetzt schon frenetische kölner Publikum, dass seinem Ruf alle Ehre machte. Nach der ersten Single „Frei zu sein“ folgte mit „Liam“ der erste große Hit der Band, mit dem sie vor zwei Jahren den dtritten Platz beim Bundesvisionsongcontest von Workaholic Stefan Raab gewinnen konnten und spätestens jetzt gab es in der Halle kein Halten mehr. Es wurde gehüpft, gepogt und lautstark mit gesungen. Als wir Fotografen nach dem dritten Lied den Bühnengraben verlassen hatten, konnte endlich die Pyroshow beginnen und die Band sparte nicht zu knapp an Flammenwerfer, Knallkörpern, Schwärmern und Luftheulern, des Weiteren wurde der ein oder andere Konfettiregen mit in die Show eingebaut. Doch der besondere und neue optische Höhepunkt waren diverse riesige LED-Wände, die immer wieder hochgezogen wurden und so machen Song optisch untermalten. Der letzte Teil mittelalterliche Atmosphäre ist wohl damit begraben worden, doch In Extremo ist schon lange keine reine Mittelalterband mehr, sondern darf sich, auch durch manch einen kommerziellen Erfolg, zu einer der angesagtesten deutschen Rockbands der letzten Jahre zählen und das nicht ganz u unrecht.

 

Die Hitze, die durch die Pyroshow entstand, war in den ersten Reihen zeitweise so hoch, dass den schwitzenden Fans eimerweise Wasser gereicht werden mussten. Das line up bestand schwerpunktmäßig aus Liedern der aktuellen Platte, doch auch an älteren Stücken wurde nicht gespart. Die Fans wurden vom Letzten Einhorn immer wieder zum regen Mitmachen animiert, so wurde bei „En esta noche“ das spanische Klatschen geprobt. Ein Lied später gab es für die Band und für die Fans der ersten Stunde ein ganz besonderes Highlight. So betrat in einem roten Kleid gewandet Conny die Bühne, welche ja ein Gründungsmitglied von In Extremo war, doch sie ist schon vor vielen Jahren aus der Band ausgestiegen. Das sie nichts verlernt hat und immer noch die Kunst des Sackpfeifenspielens beherrscht zeigte sie bei „Ai vis lolop“ und unterstütze Dr. Pymonte, Flex den Biegsamen und Yellow Pfeiffer beim Dudelsackpart im Lied. Unter einem kräftigen Applaus und einer freundlichen Umarmung vom letzten Einhorn verließ der Ehrengast nach nur einem Lied aber schon die Bühne. Danach ging es mit vielen rockigen und harten Liedern weitern, bis nach gut neunzig Minuten das vorerst letzte Lied angekündigt wurde. Zwei Stühle, ein Tisch und eine Flasche Wein samt Gläsern wurden auf die Bühne gebracht und der zweite Gastmusiker betrat die Bühne. Es war die „The Black Sheep“ Frontfrau Charly, die sich in das kurze Schwarze geworfen und hatten und zusammen mit dem letzten Einhorn die Ballade „Auf´s Leben“ zum Besten gab. Danach folgten die obligatorischen Zugaberufe, doch auch die Band selber hatte wohl noch nicht genug von dem tollen Abend, denn nach nur wenigen Augenblicken waren die sieben wieder auf der kölner Bühne.

 

Mit der vierten Zugabe „Villeman og Magnhild“ fand der Abend seinen krönenden Abschluss, noch einmal wurde alles gegeben, sowohl von der Band als auch vom Publikum und die meisten Fans wussten auch das nach diesem Lied das definitive Ende des Konzerts war. Nach zwei Stunden toller Stimmung, harten Sounds und einer beeindruckenden Show verließen die vielen Zuschauer um kurz nach Elf das Palladium.

 
Setlist:
Sieben Köche
Frei zu sein
Liam
Hiamali Tempore
Sängerkrieg
Nymphenzeit
Ave Maria
Spielmannsfluch
Poc Vecem
Vollmond
En esta noche
Ai vis lolop
Zauberspruch
Aus diesem Licht
Flaschenpost
Rasend Herz
Mein Sehnen
Omnia sol temperat
Auf´s Leben (Duett)

Zugaben:
Küss mich
Krummavisur
Wind
Villeman og Magnhild
Text: .Carsten Terres
Pics:..Carsten Terres