Haggard - The Flaw ...[ Essen, Zeche Carl 29.09.2008 ]
 

Vor wenigen Wochen stand nach mehr als vier Jahren Pause mit „Tales of Ithiria“ [ review ] ein neues Haggard Album in den Regalen der Plattenläden und nur wenigen Wochen später starteten Haggard ihre gleichnamige Europatour und machten nach Konzerten in Spanien, Frankreich und der Schweiz auch endlich einen Stopp in Deutschlang, genauer gesagt in der Weltkulturhauptstadt 2010 Essen.

 

Doch wie schlecht es um die Kultur in ihrer Hauptstadt steht wurden den nicht allzu zahlreichen Besuchern der Zeche Carl schnell bewusst, denn das Konzert von Haggard war das letzte Konzert in der Zeche Carl, die zwei Tage später schließen musste. Nach vielen Jahren des Kulturbetriebs, darunter auch viele Veranstaltungen der schwarzen Szene soll nun Ende sein. Doch den Besuchern blieb zunächst viel Zeit, um sich die Räumlichkeiten der Zeche noch einmal genau einzuprägen, denn der Einlass in der Konzertsaal verzögerte sich um mehr als anderthalb Stunden!, was die Laune der Besucher nicht gerade hob. Als es dann um kurz vor neun endlich so weit war, strömten die Haggardfans in die Halle und wurden nur kurze Zeit später vom der Supportband „The Flaw“ [ Galerie ] aus Dortmund in Empfang genommen. Die Band um die charismatische Sängerin Alexandra Leu beschreibt ihre Musik selber als druckvoll, düster und poetisch und diesem Anspruch konnten sie bei dem einen oder anderen Lied auch durchaus gerecht werden. „The Flaw“ versuchen ihren eigenen Stil im Dickicht der Metalbands zu finden und können mit gutem Recht als Geheimtipp bezeichnet werden. Die Band, die mittlerweile drei Alben veröffentlicht hat, spielte vor allem Lieder aus dem aktuellen Longplayer „Diffrent kinds of truth“. Bei ihrem fünfundvierzigminütigen Auftritt gelang es ihnen in jedem Fall, dass Publikum zu begeistern. Leider war der Ton das ein oder andere Mal nicht so gut abgemischt, dass entweder die Stimme von Alexandra zu laut oder deutlich zu leise war. Nichts desto trotz waren „The Flaw“ ein mehr als nur anständiger Support für Haggard, die dann kurz vor elf  mit dem Intro von „Tales of Ithiria“ endlich die Bühne betraten.

 

Mit fünfzehn Musikern war die kleine Bühne der Zeche Carl mehr als gut gefüllt im Gegensatz zum Besucherraum, der leider noch nicht einmal halbvoll war. Trotz des geringen Zuschauerzuspruchs und der späten Uhrzeit zeigte sich Frontmann Asis bester Laune. Ihm und der Band war deutlich die Lust auf die Tour anzumerken, aber auch er vergaß die Zeche, in der Haggard [ Galerie ] schon einige Konzerte gespielt hatten, nicht und widmete, unter tosendem Beifall, den Abend den Angestellten der Zeche Carl. Eröffnet wurde das Konzert mit einigen Liedern vom neuen Album u.a. der Titelsong und „Upon fallen autumn leafs“ doch auch die alten Klassiker, wie „Herr Mannelig“, „The Observer“, „Eppur Si Mouve“ oder „A pale moon´s shadow“ durften selbstverständlich nicht fehlen. Musikalisch waren Haggard, so wie man es erwarten durfte, brillant. Asis glänzte sowohl an der Gitarre als auch am Gesang und wurde im Gesang von den beiden Sopranistinnen, sowie einem jungen Mann der Bariton sang hervorragend unterstützt. Dazu kam das kleine Orchester, sowie Gitarrst Claudio, der wieder einmal zeigte wie lange am Stück man headbangen kann ohne sich mit seiner Gitarre zu verheddern. Die gute Stimmung der Band steckte das Publikum automatisch mit an und alle Müdigkeit war schnell vergessen. Es wurde gebangt, gehüpft und mitgeklatscht. Doch auch die Gesanglichen Fähigkeiten des Publikums wurden auf die Probe gestellt. So sollten wir vor „The final victory“ den Chorus the final victory will crush the autumn silence mitsingen, doch leider war das Publikum zu leise, um von Claudio, der laut Asis fast taub sei, erhört zu werden. So kam bei Asis auf, dass der Text vielleicht zu kompliziert sei und er ihn ins deutsche übersetzten solle.

 

Doch kaum war der Satz gesprochen meinte er, als Deutscher sollte man so was lieber doch nicht singen und anstatt des Textes besser mit lalala im passenden Rhythmus probieren. Gesagt getan und diesmal war der Gesang auch laut genug um Claudio zu überzeugen. Nach knapp zwei Stunden gingen die fünfzehn Künstler das erste Mal von der Bühne, doch so einfach konnten sie dem Essener Publikum nicht entkommen. Unter frenetischen Zugabe- the final victroy- und lalala- Rufen wurde Haggard zur Zugabe gebeten, die dann mit „Awaking the centuries“ erfolgen sollte. Doch zuvor stellte Asis jeder Musiker einzeln vor und überreichte jedem eine rote Rose. Nach der Zugabe wurde sich noch artig vom Publikum verabschiedete und die ersten machten sich daran die Bühne zu verlassen, doch Asis und das Publikum hatten noch nicht genug und so gab es kein normales Ende, sondern ein Zeche-Carl-Abschiedsende und kurzerhand wurde noch ein Lied gespielt. Es war dann fast ein Uhr in der Nacht an einem Montagabend als der letzte Konzertvorhang in der Zeche Carl fiel, doch trotz allem Wehmut wird mir dieser Abend vor allem als ein herausragend gutes Haggardkonzert in Erinnerung bleiben.

 
Text: .Carsten Terres
Bilder: .Carsten Terres