Eric Fish & darkmoments [ 05. März 2006]
A
darkmoments: „Erst einmal vielen Dank, dass Du dir so kurz vor dem Konzert, ein Interview Zeit genommen hast.“
 
Eric Fish: „Nichts zu danken das ist ja mein Job, dass gehört ja dazu.“
 
darkmoments: „Zunächst einmal möchte ich mit dir über dein erstes Solo-Album reden. Wie bist du auf die Idee gekommen, als erstes ein Live-Album aufzunehmen, da dies ja doch eher ungewöhnlich ist?“
 
Eric Fish: „Also das ist ganz einfach zu erklären. Er ist ja eine kleine Sologeschichte, es ist ja allmählich so gewachsen. Und es ist selbst auf eine solche Größe gekommen innerhalb von eineinhalb - zwei Jahren, so dass die Leute anfingen nach irgendeiner Platte zu fragen. Und da die Zeit eh sehr eng bemessen ist, da ich ja mit Subway sehr viel zu tun habe… haben wir damals einfach nen Schnellschuss gemacht und haben ein Konzert mitgeschnitten, dass dann auch ausgerechnet rein musikalisch so gut war, dass wir gesagt haben daraus kann man ein Album machen. Da haben wir dann ne gute Mischung aus eigenen und Coversongs draus gewählt und das war einfach der Grund. So einen Startschuss zu haben, so ne Art Dokument was wir da machen und das finde ich im Nachhinein immer noch der absolut richtige Weg so erstmal auf den Markt zu gehen, mit einer Bestandsaufnahme was da passiert.“
 
darkmoments: „ Das bringt mich auch zu meiner nächsten Fragen. Wie wichtig ist dir die Nähe zu deinem Publikum, da du mit Subway to Sally ja doch mittlerweile in recht großen Hallen spielst.“

 

 
Eric Fish: „Ja das ist der Grund eigentlich warum ich das mache. Weil große Rockkonzerte lassen diese Nähe vermissen. Weil das ist eine Wechselbeziehung die ich von Anfang immer gesucht und gebraucht habe, also das ist auch ne Art Energiebezug. Ich glaube es war irgendwann ein Zeitpunkt da, dass ich quasi den Boden unter den Füßen verliere, weißt du, weil der Kontakt nicht mehr da war. Da sind riesen-breite Gräben und tausenden von Leuten, dass war der Punkt an dem ich gesagt habe ich muss mal wieder was anderes machen. Einfach näher ran an die Leute. So kam dass und es ist eminent wichtig, also eine absolut elementar wichtige Wechselbeziehung damit ich der bleiben kann der ich bin.“
 
darkmoments: „Wie gehst du denn mit Zeiten um in denen du nicht auf der Bühne stehen kannst, oder du nicht im Studio bist?“
 
Eric Fish: „Das sind eigentlich die einzigen Zeiten, wenn du im Studio bist wo keine Aktivitäten sind. Denn wenn du im Studio bist, bist du da so involviert das du an nichts anderes denken kannst. Da bist du voll und ganz in einem anderen Leben, so zu sagen. Das sind also nicht die Zeiten, wo man sich nach einer Bühne sehnt. Das ist eine sehr schöne Arbeit, ein Album zu machen und zu sehen wie das entsteht. Das ist ne ganz andere Kiste. Wenn dann wirklich mal aus irgendwelchen Gründen drei Monate keine Konzerte sind, dann macht so schon irgendwo Unruhe breit. Das ist richtig, dass schon so ein bissle was mit Sucht zu tun. Das kann dir, glaube ich, auch jeder bestätigen der mal auf der Bühne gestanden hat. Das ist also ne Sache, die wenn man sie mal erlebt hat zumindest, wenn mit man sie mit Reaktionen erlebt hat die vom Publikum kommen und dir sagen, dass es richtig und gut ist was du da machst, dass man dann gar nicht mehr missen möchte.“
 
darkmoments: „Wie ist es eigentlich gekommen, dass auf dem Live-Album eine so hohe Anzahl von Cover-Songs sind?“
 
Eric Fish: „Ach, das hat alles mit dem ganzen Inhalt des Projekts zu tun. Es steht als Überschrift drüber: „Wir machen, dass was uns Spaß macht!“ Es wird kein Song gespielt auf den einer keinen Bock hat, dazu gehören dann auch einfach viele, ich will nicht sagen internationale Standards, aber zumindest Songs die uns beeindruckt haben auf Grund ihrer Machart und …aem… wir bilden uns schon ein, dass beurteilten zu können. Und wir wichsen schon viel rum, beim Musik hören oder beim Auto fahren über diese oder jene Band und finden es gerade interessant denn Vergleich zu haben. Erfolgreiche Bands die man dann zerpflückt steht auf der einen Seite, wo man sagt was ist das für ein Scheiß, dann hört man über dritte oder man bekommt ein Album von einer ganz unbekannten Band und findet irgendwelche Perlen dort. Und die dann zu bearbeiten mit der Akustikgitarre und dem Klavier und das dann den Leuten so vorzuspielen hat dann den totalen Reiz. Das ist die eine Kiste den Leuten total unbekannte Songs vorzuspielen, einfach weil es schöne Musik ist und dann gibt es noch die andere Möglichkeit große Hits die jeder kennt in einem neuen Gewande sprich in einem akustischen Gewand zu spielen. Und das hat alles auf der einen Seite diesen Spaßfaktor, auf der anderen Seite aber auch einen sehr großen „Interessantheitsfaktor“. Es ist natürlich auch ein Ziel die Leute über die lange Zeit, wir spielen halt sehr lange, bei der Stange zu halten und immer wieder was zu bieten. Entweder ist es ein eigener Song, der den Kopf braucht um darüber nachzudenken, auf der anderen Seite ist es aber auch immer wieder ein Raum, innerhalb des Konzertes von einer halben Stunde, wo man sich dann einfach nur an der schönen Musik erfreuen kann. Also die Erfahrung zeigt uns selber, es ist ein sehr schönes Konzept was bisher immer funktioniert hat. Eine Atmosphäre entsteht dadurch, die absolut locker und familiär ist. Und am Ende entsteht genau das, was ich beabsichtigt habe, die Leute gehen mit einem Gefühl raus was Neues kennen gelernt zu haben. Vielleicht sich selbst neu kennen gelernt zu haben. Weil man sie gezwungen hat, auf eine sehr subtile Weise, mal anders über Musik nach zu denken.“
 
darkmoments: „ Beim durchhören deines Albums habe ich eine Ansage gehört, wo du sagst die Coversongs habe eine Bedeutungen oder eine Geschichte hinter den Liedern steht. Magst Du eine erzählen?“
 
Eric Fish: „Nun stürze dich mal nicht zu sehr auf das Coverzeug. Ich meine die beste Allegorie dazu ist „On the road again“ von Pete Seeger, also das ist der Rock ´n´ Roll – Song schlecht hin. Der hat eben drei Strophen drin, wo der Sänger sich richtig auskotzt, was ein Rock ´n´ Roller auf Tour täglich erlebt. Und ich muss jedes mal wieder grinsen, wenn ich das singe. Weil wenn wir unterwegs sind von Stadt zu Stadt passieren uns ständig solche Dinge, da ist soviel Wahrheit drin, dass fast wirklich meinen könnte der Song wäre für uns geschrieben. Aber natürlich geht es jedem Rock ´n´ Roller so, der etwas anders ist als andere Bürger dieses Landes, ein bisschen anderes aussieht. Das ist wenn du ein Beispiel haben willst, ein sehr gutes Beispiel, wie ein Lied was von einem ganz anderen Typen geschrieben wurde, auch bei uns einen sein eigenes Leben kriegt.“
 
darkmoments: „Nun habe ich einige Fragen zu deinen eigenen Liedern. Wie ist es für dich, die Lieder komplett selber zu schreiben, sowohl Text als auch Musik, während bei Subway ja Ingo und Bodenski maßgeblich dafür zu ständig sind?“
 
Eric Fish: „Ja das ist auch ein Ergebnis der ganzen Kiste, die hier so seid ein paar Jahren passiert. Das ich mich praktisch emanzipiere, so ein bisschen. Und ich merke, dass ich auch Songs schreiben kann. Ich hatte das früher schon mal gemacht und dann wieder aufgegeben, weil ich der Meinung war und auch andere Leute auf die ich gerne gehört habe, damals der Meinung waren das es nicht gut genug ist. Das habe ich damals so akzeptiert und habe im Zuge dieses Soloprojekts gemerkt, da geht was und da regt sich was in mir. Also auch textlich passiert was. Es geht. Und so hat sich das langsam entwickelt, dass ich jetzt so weit bin sagen zu können, wenn ich ne Idee im Kopf habe eigentlich kein Problem habe einen Song daraus machen zu können. Es gibt immer Momente die passieren, wo man sich hinsetzt und der Text einem aus der Hand und aus dem Mund fließt und andere Sachen müssen erarbeitet werden, dazu habe ich mit Gerrit dem Pianisten, mit dem ich sehr viel zusammen mache mit dem ich auch übrigens drei Songs für die neune Subway Platte geschrieben habe. Ist das auch ein Ergebnis der ganzen Arbeit hier. Das ist neues Selbstbewusstsein, wenn du so willst. Man kann natürlich nur Lieder und Texte schreiben, wenn man von sich überzeugt ist. Weißt Du wenn man einmal dieses Selbstverständnis hat nicht einfach nur für den Selbstzweck Musik zu machen, sondern auch etwas zu sagen zu haben. Und dieses Gefühl habe ich einfach, dass auch ne Menge Dinge gibt die auszusprechen sind, weil sie in anderen Ebenen, in Medien und in der Presse einfach auch ignoriert werden. Dazu gibt mir das hier absolut ein Forum und das ist das was ich dann auch rauslasse. Da steckt viel drin von dem ganzen Bewusstsein, was ich im Moment entwickle.“
 
darkmoments: Darkmoments: „Da hast du mir jetzt eine Frage direkt vorweg genommen, wie wichtig dir die Botschaften deiner, doch sehr gesellschaftskritischen Texte, sind.“
 
Eric Fish (grinst): „Das wäre ja wohl damit beantwortet.“
 
darkmoments: „Wo das beantwortet ist engagierst du dich auch in deinem privaten, politisch oder ähnlich?
 
Eric Fish: „Nein, das habe ich mir abgeschminkt. Ich habe da ne gewisse, wie soll ich sagen, agnostische Haltung zur Politik. Ich glaube einfach nicht mehr daran, dass in diesen Mechanismen etwas zu ändern ist, weder administrativ noch durch Aktionen.Ich glaube eher, dass man ganz unten anfangen muss, in dieser so genannten politischen Demokratie was zu ändern. Das tue ich hier, in dem ich versuche den Leuten etwas in die Köpfe zu singen. Das beginnt in diesem Falle hier bei der Betrachtung von…. Oder das ich versuche den Leute zu sagen, dass sie Fernsehsendungen zum Beispiel, mal versuchen sollen mit anderen Augen zu betrachten, oder mal Zeitungsberichte mal anderes lesen sollen. Oder die richtige Zeitung lesen sollen. Weißt du, sonne Dinge die am Ende des Tages vielleicht erreichen, das vielleicht bewusster gelebt wird. Und irgendwann ist auch diese Generation, die wir erreichen soweit, dass sie die Bestimmende sein wird. Und vielleicht legen wir hier ein kleines Feuer, was eventuell zu einem Brand wird. Ich weiß es nicht. Jedenfalls mich zu engagieren, in ne Partei zu gehen, oder auch nur für ne Partei zu spielen ist völlig ausgeschlossen. Weil ich da Strukturen sehe, bis hin in die unteren politischen Ebenen, die so verfahren und so korruptiv sind, dass ich da glaube nichts ändern zu können.“
 
darkmoments: „Du hast ja auch ein den sehr kritischen Song Glotze geschrieben, der sehr direkt, aber charmante Art die Fernsehlandschaft mit ihren Musiksendungen kritisiert. Wie weit würdest du für medialen Erfolg gehen?“
 
Eric Fish: „Ich glaube, wenn wir in der Konstellation medialen Erfolg haben würden, wären wir trotzdem die gleichen, wie auf so einer kleinen Bühne. Wenn das der Fall wäre müsste man sich auch nicht dafür schämen. Schämen muss man sich nur für etwas, wo man sich verbiegen muss. Ich schäme mich zum Beispiel dafür, dass ich mit Subway mal in irgend so einer Talkshow war. Weißt du, dafür schäme ich mich heute. Das würde ich nicht mehr machen. Da würde ich krank werden, wenn die Kollegen das wollten. Soweit bin ich in meiner Entwicklung, dass ich sage kann, so was würde ich nicht machen. Deswegen ist nicht damit zu rechnen, dass ich irgendwie in diese Schiene mit meiner Art von Musik reinrutschen kann. Weil ja die Schranken in der Politik, über die ich ja gerade gesprochen habe, ja auch im Establishment des Musikbuisness vorhanden sind. Dort werden alle Anstrengungen unternommen, um gewisse Kanäle möglichst klein zu halten, damit man sie ideal bedienen kann. Also ich meine jetzt Musikgeschmäcker eingeengt und vorgeschrieben werden, damit man sie möglichst exakt nachbilden kann und so neue Stars produzieren kann. Und das schließt eigentlich aus, das unsere Art von Musik irgendwie zur Kenntnis genommen wird.“
 
darkmoments: „Nun möchte ich gerne zu deinem aktuellen Album kommen. Viele deiner Lieder sind von den Texten her sehr metaphorisch. Da fällt mir besonders mein persönlicher Favorit „Nägel im Kopf“ ein. Siehst du dies als ein Stilmittel deiner Musik, oder welche Bedeutung hat dies für dich?
 
Eric Fish: „Ja, ich bin da sicherlich geprägt vom Subway Texter. Das ist auch irgendwie so ein Vorbild, ich liebe die Texte die ich da singe. Und speziell der Song ist auch von ihm getextet. Und so kommt das wahrscheinlich auch automatisch, dass ich so eine Art zu schreiben habe, das mag ich auch. Es gibt auch andere Lieder wie Glotze, du hast es schon erwähnt, wo es sehr direkt formuliert wird, was gemeint ist. Ich mag es aber eher die Botschaft so ein bisschen im Hintergrund zu lassen und es den Leuten zu überlassen sie zu finden. Was ja auch impliziert, dass sie gesucht werden müssen. Der Weg ist das Ziel. Also die Leute quasi zu zwingen darüber nach zu denken. Wenn man immer alles vorweg knallt, bräuchten sie das nicht und das wäre dann ein bisschen verschenkt.
 
darkmoments: „Gibt es in einen roten Faden oder eine Grundaussage in dem Album, den du vorher im Kopf hattest und darauf hingearbeitet hast. Oder ist jeder Song eine einzelne Geschichte?“
 
Eric Fish: „Einfach nur Songs die in wahrloser Reihenfolge entstanden sind und die so dramaturgisch besetzt sind. Einen Faden oder so gibt es nicht.“
 
darkmoments: „Der Titel kleine Schwester kommt bei Subway wie auch bei dir vor, haben die Lieder eine persönliche Bedeutung oder Geschichte für dich, oder ist es Zufall?“
 
Eric Fish: „ Naja, es ist schon, dass es in beiden Lieder letztendlich um das gleiche geht. Und als ich das Lied geschrieben habe, nach einer wahren Begebenheit die mir passiert ist. So konnte das Lied nur so heißen. Das Mädchen das es betraf, war eben genauso, wie das Mädchen was in dem Subway Lied vorkommt. Also Dinge erlebt hat die ein Kind niemals erleben sollte. Deswegen war es für mich die einzige Lösung das Lied so zu nennen.“
 
darkmoments: „Wenn du abschließend einen Vergleich ziehen müsstest zwischen der Musik, die du mit Subway machst oder deinen Soloarbeiten. Wo liegen für dich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten und siehst du dich eher im Metal oder eher in der Folkmusik zu Hause?“
 
Eric Fish: „Also das schließt sich der Kreis. Du hast ja am Anfang gefragt, warum ich das so mache. Und es ist genauso es bedingt sich beides gegenseitig. Die Art und Weise wie ich hier musiziere bringt mir auch ne Menge für ne große Rockbühne. Also das Gefühl für die Leute wieder zu haben und Konversation machen zu können, ohne jetzt fest formulierte Ansagen haben zu müssen und ne gewisse Spontaneität zu entwickeln, das hilft mir da. Und auf der Rockbühne wiederum kriegt man natürlich ne Menge Energie und Selbstbewusstsein, was man nutzen kann. Also das sind Sachen, die lassen dich nicht schlafen. Wenn ich da von Selbstbewusstsein spreche, brauchst du da natürlich auch einen Input. Den kriegste nach Rockkonzerten natürlich ganz stark, da fühlt man sich nach so einem zwei Stunden Spektakel mit Schweiß, Blut und Tränen natürlich wie ein König. Das ist natürlich auch wichtig. Da kommt viel Kraft her.“
 
darkmoments: „Dann möchte ich mich nochmals recht herzlich bei dir bedanken.“
 
Eric Fish: „Bitte, bitte, gern geschehen und noch viel Spaß bei dem Konzert!“
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Interview geführt von Carsten Terres [ face to face ] aBild von: Carsten Terres
Homepage Künstler: www.ericfish.de