Interview mit der Stuttgarter Gothrock Band E-LANE, Januar 2009 ..[ mailer]
 

Der italienische Arzt und Anatom Luigi Galvani entdeckte im 18. Jahrhundert die Macht elektrischer Impulse die Muskeln toter Tiere zum Zucken zu bringen. Sein Neffe, Giovanni Aldini, rief heftige Reflexe beim Leichnam eines hingerichteten Mörders hervor. Zum Leben erwecken konnte er ihn allerdings nicht. Doch die These von der belebenden Wirkung gezielter Stromstöße stand im Raum. Für stimulierende Energieentladungen bürgen auch E-LANE. Die Band um Sängerin SARAH steht unter Strom und leitet ihre hohe Grundspannung direkt ins Publikum weiter. Massive Riffs treiben den Puls nach oben, gefühlvolle Melodien bringen das Blut in Wallung. Jenseits abgedroschener Female-Fronted-Klischees verbindet das Stuttgarter Quintett Gothrock-Melancholie und Metal. Redakteur Jörg Jobst (Jojo) sprach mit der Band über vergangenes, hier und jetzt und das was noch alles folgen könnte.

 

Jojo: Aktuell steckt Ihr in der Vorproduktion zu neuen Songs, habt neue Promobilder am Start, eure Webpräsenzen erstrahlen im neuen Licht, habt Euch ein Management zugelegt. Wird E-lane einem Imagewechsel unterzogen; 2009 soll wohl euer Jahr werden?
SARAH: Nun ja, was heißt Imagewechsel. Wir haben halt eine Erweiterung in unserer Besetzung vorgenommen. Es war ein Experiment. Wir wussten selbst nicht genau wohin es uns führen würde. Denn mit dem Cello kam ein klassisches Instrument hinzu, das einen ganz eigenen Klang hat, das sowohl Stimmung als auch Schub erzeugen kann. Und mit Herrn Grau kam dazu noch ein weiterer kreativer Kopf in die Band, der seine Ideen und Vorstellungen einbringt. Ich würde aber nicht unbedingt sagen, dass mit dem Besetzungszuwachs ein Imagewechsel einhergeht.
EL GRANDE: Das Cello hat uns musikalisch auf einen anderen Level gebracht. Während wir früher – vor allem live – das Gefühl von kleineren Soundlöchern hatten, nehmen wir diese Lücken nun nicht mehr wahr. Das Jahr 2009 soll das Jahr nach der Veränderung werden. Es kostet viel Zeit und Arbeit eine Band so grundlegend zu verändern. Einen Teil der Ergebnisse kann man bereits bestaunen, wie die Fotos oder die Webpräsenzen, andere werden noch eine Weile dauern. Wir werden sehen ob dieses Jahr UNSER Jahr werden wird, aber wir werden unser Bestes geben, um es zu ermöglichen.
REVEREND C: 2009 ist zunächst einmal das Jahr von Händel, Haydn und Mendelssohn-Bartholdy. Diese Herrschaften werden zu recht ganz groß abgefeiert. Allerdings sind sie entweder 250 Jahre tot oder werden 200 Jahre alt. Wir hingegen stehen noch voll im Saft. Wir liefern die Feuerwerksmusik fürs 21. Jahrhundert, vehementes Drumming statt einzelner Paukenschläge und Lieder mit Worten. Bei aller Ehrfurcht vor den obengenannten Komponisten denke ich, daraus sollte sich etwas machen lassen.

 

Jojo: Um eure Strukturen näher kennen zu lernen, wer ist bei Euch in der Band mit welchen Aufgaben betraut, habt ihre klare Linien, eine Art Hackordnung?
El GRANDE: Ja, wir haben schon Aufgabenbereiche aufgeteilt um die sich jeder kümmert. Ich kümmere mich um das Design der E-Lane und die Pflege der Website. Tom Doe ist für Merchandising zu ständig. Er verschickt die bestellten Artikel und kümmert sich um den Bestand. Herr Grau unser Wissenschaftler kümmert sich um alle technischen Details im Proberaum und auf Konzerten. Der Reverend ist für die Pressearbeit, die Präsentation nach außen und die Pflege unseres MySpace-Profils zuständig. Außerdem behält er die anderen im Auge. Wenn einer seinen Job nicht richtig macht, dann gibt’s Hacke.

SARAH: Und ich bin die Herrin, die von ihren Männern auf Händen getragen wird. Ist natürlich Quatsch! Ich mach das Booking und besorge alle möglichen Kleinigkeiten von Klopapier bis zu Spanngurten mit denen wir unser Equipment auf den Anhänger schnallen
TOM DOE: denn dafür lässt sich Klopapier nicht wirklich verwenden, auch wenn‘s lustig aussähe.
REVEREND C: Wir tun unser Bestes, so demokratisch wie möglich zu arbeiten. Manches mal wünscht man sich da schon seufzend einen gesunden Absolutismus her, aber nur für Momente. Im Grunde sind wir ja alle kompromissbereite und vernünftige Menschen. Körperliche Blessuren oder größere Schäden an der Bausubstanz des Proberaums sind bei uns eher die Ausnahme.

 

Jojo: Wann gründete sich die Band und wie kam es dazu? Welche Idee steckt hinter der Band, verfolgt Ihr ein Konzept und wie beschreibt Ihr selber eure Musik, euren Musikstil, welche musikalischen Vorbilder habt Ihr?
El GRANDE: Sarah und ich haben uns 2002 über eine gemeinsame Freundin kennen gelernt und sehr schnell gemerkt, dass wir die Selbe Leidenschaft teilen: die Musik. Wir beschlossen eine Band zu gründen. Wir haben lange nach Mitstreitern gesucht und sie schließlich 2005 im Reverend und 2006 in Tom Doe gefunden. Erst zu dieser Zeit ging es wirklich ans Eingemachte. Songwriting, kontinuierliche Liveaktivitäten usw…
SARAH:
Spätestens mit der ersten CD kam die Diskussion über den Musikstil und eine klarere Konzeption auf. Ich sehe uns da noch in der Entwicklung. Ich denke wir bewegen uns in den zwei Kernbereichen Gothic und Rock (und teilweise auch im Metal-Bereich). Auch unsere Musik definiere ich durch zwei wesentliche Bestandteile: Energie und Emotion. Und was die Vorbilder betrifft, muss ich sagen, dass ich auch hier Wert auf die beiden Komponenten Energie und Emotion lege. Diese müssen nicht unbedingt in einem Song oder einer Band kombiniert sein. Ich liebe Musik und wenn ein Song oder eine Band, egal aus welchem Genre, eine oder beide Eigenschaften aufweisen kann, dann kann ich mich durchaus dafür begeistern.
REVEREND C:
Jeder von uns hat seine eigenen musikalischen Vorlieben. Jeder von uns liebt Bands, mit denen die anderen nichts anfangen können. Andererseits gibt es Musik, die uns allen eine Menge bedeutet. E-Lane lebt von diesen Unterschieden mindestens so sehr wie von den Gemeinsamkeiten. Vorbilder im üblichen Wortsinn gibt es aber nicht. Das klingt mir auch zu sehr nach Nacheifern und Kopieren.

 

Jojo: Mit Sarah als Frontfrau habt Ihr eine stimmlich gewaltige Besetzung. War von Beginn an klar, dass E-lane so besetzt wird oder kristallisierte es sich erst raus? Was sagt Ihr zu der oft geäußerten Meinung Frauen gibt es genug als Erststimme bei Rockbands? Wo seht Ihr eure Nische um dieser Meinung entgegen zu treten?
SARAH:
Nun ja, da ich Mitgründerin bin, war zumindest von Anfang an klar, dass es eine Frontfrau geben wird. Bis auf das Cello, sind die anderen Instrumente ja mehr oder weniger Standard. Und wie es dazu kam, dass das Cello seinen Weg in die Band gefunden hat, habe ich ja bereits erklärt. Was mir zu Ohren kam, war dass Frauen in diesem Genre nichts verloren hätten. Für Menschen mit dieser Einstellung mag sicherlich zutreffen, dass genug Frauen die Front ergriffen haben. Ich sehe das anders. Bis vor wenigen Jahren war die Szene stark von Männern dominiert. Bands wie Guano Apes, Skunk Anansie, Within Temptation, Evanescence und Nightwish haben auf diesem Gebiet wirklich großartiges geleistet und viele Frauen dazu animiert an die Front zu gehen. Ich persönlich wünsche mir mehr davon. Ich denke sie haben anderen Frauen ein bisschen den Weg geebnet, man kann fast schon sagen, eine Daseinsberechtigung erspielt. Ich als Sängerin profitiere von dieser entstandenen Vielfalt; sie zeigt mir die Möglichkeiten auf, die ich mit meiner Stimme habe, was ich alles daraus machen kann. In den letzten 12 Monaten habe ich mir die Vielseitigkeit meiner Stimme zur Aufgabe gemacht. Nachdem ich durch falsche Technik meine Stimme fast komplett ruiniert hatte und der Arzt mir nicht sagen konnte ob und wie es jemals für mich weitergeht, habe ich meine Stimme ganz anders zu schätzen gelernt. Ich musste sie neu kennenlernen und ich musste das Singen an sich neu kennen lernen. Und ich möchte mehr ausprobieren, möchte die Grenzen meiner Stimme kennenlernen, diese aus- aber nicht überreizen. Wir werden sehen wohin mich die Reise da führen wird.
REVEREND C:
Für mich geht es mit den Wegbereiterinnen schon früher los. Es gab Zeiten, da standen für mich Wendy O Williams, Joan Jett, Doro oder Lee Aaron für die weibliche Seite des Rock’n’Roll. Von der gab ein Poster in einem Metal-Magazin, auf dem sie eine rote Spandex-Hose trug, durch die sich die Schamlippen abzeichneten. Das war damals relevanter als die Musik. Siouxsie Sioux oder Girlschool fallen mir spontan auch noch ein. Damals waren das wirklich Ausnahmen. Heute gibt es zwischen PJ Harvey, Marta Jandová, Liv Kristine und Sina Niklas allein im Rockbereich ein sehr breites Spektrum weiblicher Stimmen. Ich halte das für eine positive Entwicklung und die Frage, wann es genug ist mit den Damen für blödsinnig. Letzten Endes sollte zählen, ob die Songs etwas taugen und ob die Musiker etwas zu sagen haben, etwas transportieren können. Das Geschlecht ist dann nur noch das Tüpfelchen auf dem „i“. Für mich zumindest, denn ich mag Frauen.

 

Jojo: Es war sehr lange ruhig um Euch. Obwohl Ihr in der Vergangenheit Live ordentlich unterwegs gewesen wart wunderte man sich doch das Ihr auf einmal mehr oder weniger verschwunden seid. Was waren die Gründe dafür?
SARAH:
Wenn es an die Gesundheit geht, sollte man sich Zeit lassen. El Grande und ich waren recht lange nicht auf der Höhe. Daher waren wir mit der Live-Planung sehr vorsichtig.
HERR GRAU:
Und wie schon gesagt, mit dem Cello wurde ein Versuch gewagt. Es hat einen eigenen Klangcharakter und den galt es nun zunächst einmal möglichst gewinnbringend in das vorhandene Material zu integrieren und ich musste mir dieses Material ebenfalls drauf schaffen.
REVEREND C.:
Daneben haben wir natürlich auch angefangen, neue Songs zu schreiben – mit dem Cello und mit Herrn Grau, seinem Bassspiel, das sich von meinem doch deutlich unterscheidet und seinen Vorstellungen. Es gab eine Phase des Herantastens an einen gemeinsamen Weg, eine Phase, in der wir uns erst mal mit einer Menge neuer Ideen auseinander setzen mussten. Das war letztlich sehr fruchtbar. Inzwischen hat jeder ein Gespür dafür, was im E-Lane-Kontext möglich ist und das Songwriting läuft.

 

Jojo: Kommen wir zu euren aktuellen Planungen. Ich sprach es bereits an. Ihr schreibt gerade neue Songs, arbeitet an einer CD. Was wird uns musikalisch erwarten, könnt Ihr uns darüber jetzt schon was erzählen? Gibt es ein Konzeptalbum oder rockt Ihr einfach drauf los? Wann kann man mit dem Release rechnen?
HERR GRAU:
Gut, im Prinzip reden wir da noch über ungelegte Eier. Wir schreiben Songs, das ist richtig aber welche es am Ende auf die CD schaffen wissen wir noch nicht. Ein Konzeptalbum wird es aber ganz sicher nicht.
REVEREND C.:
Es wird mit Sicherheit kein klassisches Konzept hinter den Songs geben. Andererseits binden wir die Stücke gern in ein stimmiges Gesamtbild ein. Die Ideen, wie Inhalt und Verpackung zusammen finden, entstehen aber eben nach und nach, statt die Grundlage für die Entstehung des neuen Materials zu bilden. Lasst euch überraschen.

 

Jojo: Es ist ja auch immer wieder Mode diverse Remixe machen zu lassen oder auch selber zu machen. Erfahrungen damit habt Ihr bereits sammeln können. Ist sowas in der Art in Planung für die CD oder verlasst Ihr Euch komplett auf eure eigene Kreativität?
TOM DOE:
Wir hatten auf der letzten CD ja bereits etliche Remixe versammelt, als Teil des Konzepts: „Encircled“. E-Lane im Kreise anderer Musiker aus ganz Europa, die sich mit unseren Songs auseinandersetzten. Es war sehr interessant zu sehen, was diese Künstler aus unserer Musik machen, wie sie uns mit anderen Ohren hören. Ich kann zurzeit noch nicht sagen, ob es einen Remix geben wird. Das sehen wir wenn es soweit ist.
REVEREND C.:
Nicht zuletzt hängt das davon ab, wer sich als Remixer anbietet. Ich hätte da schon noch einige Kandidaten, die ich gerne an einem E-Lane-Song herumschrauben lassen würde. Leider muss man rückblickend aber auch feststellen, dass sich die Idee hinter „Encircled“ nicht jedem erschlossen hat. Da gab es Leute, die gar nicht registriert haben, dass es sich teilweise um Remixe handelte und dann über unsere Gehversuche als Electro-Band herfielen. Schon faszinierend, wo überall Missverständnisse lauern können.

 

Jojo: Thema Songtexte: Welche Themen verarbeitet Ihr im Allgemeinen, werden sozialkritische Themen berührt, wird es deutschsprachige Songs geben?
SARAH:
Die Texte schreiben der Reverend und ich. In vielen Songs geht es um Liebe in all ihren Facetten. In jedem Fall aber immer um Verbindungen. Es muss ja nicht immer Liebe sein, die Menschen verbindet. In der Regel sind wir immer in größere oder kleinere zwischenmenschliche Systeme eingebunden. Meine Texte sind sehr oft sehr persönlich. Es geht um Familie aber auch um die Auseinandersetzung mit sich selbst. Ich persönlich bin ein Mensch, der sich sehr oft in Frage stellt, der Reflektiert, über sich und seine Umwelt. Fast alle Texte haben einen Bezug zu meiner Wirklichkeit.
REVEREND C.: 
Ich sehe mich eher als Geschichtenerzähler. Ich versetze mich in fiktive Situationen hinein und schmücke sie dann mit Bildern aus. Ein Stück eigener Erfahrung, ein Teil der eigenen Abgründe spiegelt sich natürlich auch in diesen Texten wieder, aber sie sind nicht autobiografisch angelegt. Das hat den Vorteil, dass Sarah sich auch mit ihnen identifizieren kann und sich das Problem einer Reibung zwischen weiblicher und männlicher Perspektive nicht ergibt.
El GRANDE:
Deutschsprachiges wird es nicht geben. Englisch ist nun mal die globale Sprache, die man so gut wie überall auf der Welt spricht und versteht. Natürlich ist es auch irgendwie lustig wie momentan Teenies auf der ganzen Welt Tokio Hotel Texte mitsingen und wie es das Buch „Deutsch lernen mit Tokio Hotel“ in Frankreich zu einem Bestseller in dieser Zielgruppe geschafft hat aber wir werden trotzallem bei der Weltsprache Englisch bleiben.
HERR GRAU:
Persönlich bin ich auch kein großer Freund vom Sprach-Mischmasch Deutsch-Englisch.
REVEREND C.: 
Um es mit den Sternen zu sagen: Scheiß auf deutsche Texte. Wobei die ja im gleichen Lied auch richtig feststellen: „Die Theorien von heute Abend glaubt mir nicht mal meine Oma“. Von daher: Warten wir es ab. Ich sehe das weniger kategorisch als El Grande. Bands wie In Extremo oder Rammstein, von denen es ja übrigens ein ähnliches Lehrwerk in Russland gibt, oder die Letzte Instanz mit ihren jüngsten China-Konzerten haben längst bewiesen, dass deutsche Texte kein Hemmschuh für die globale Rezeption sind. Ich kann mir durchaus einen deutschsprachigen Song vorstellen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Idee zwingend ist. Das auf Krampf zu versuchen, fände ich daneben.

 

Jojo: Wie plant Ihr den Release eurer kommenden Platte? Könnt Ihr uns schon den Titel verraten, wird die CD in klassischer Form als CD zum Anfassen erscheinen oder folgt ihr dem Trend des Onlinereleases? Beides ist sicher reizvoll, oder bleibt Ihr lediglich bei der klassischen Releaseform?
SARAH:
Das bleibt abzuwarten. Dazu kann ich noch nicht viel sagen. Das wird die Situation entscheiden. Natürlich ist es kosten günstiger Online zu releasen aber es ist auch sehr schön ein fertiges Produkt, also eine CD zum Anfassen, in den Händen zu halten. Auch zum Titel kann ich noch nicht viel sagen. Wir hatten zwar schon ein paar Ideen, die uns als Arbeitstitel gedient haben aber letztendlich sollte der CD-Titel auf die Lieder abgestimmt sein, die auf ihr zu finden sind und nicht umgekehrt; und da die Titel noch nicht hundert prozentig feststehen, kann ich noch nicht viel sagen.

 

Jojo: Ich sprach es eben an, der Trend der Zukunft Online zu releasen. Eine Menge Vorteile verbergen sich ja dahinter ein Album per legalen Download anzubieten, der Kostenfaktor für Label und Band minimiert sich um Einiges gegenüber der herkömmlichen CD Pressung. Wie seht Ihr diese Entwicklung, die zwangsweise kommen musste Musik in Form von Dateien zu verkaufen?
SARAH:
In Zeiten von IPods, Walkman-Handys und MP3s ist es sicherlich klug dem Trend zu folgen und seine Songs online anzubieten. Dennoch wiederstrebt mir der Gedanke, keine traditionelle CD anzubieten. Es ist doch schön, wenn du nach einem Konzert am Merch-Stand ein Produkt zum anfassen hast. Ich persönlich bin ein Mensch, der grundsätzlich CDs kauft. Ich habe sie gerne in meinem Schrank stehen, man bekommt ja viel mehr als nur Musik. Man bekommt ein Kunstwerk. Ein Booklet in dem man die Texte mitlesen kann unterstützt von Grafiken, die ebenfalls Stimmungen erzeugen. Der Hörgenuss wird quasi durch das Auge verstärkt. Ich fände es sehr schade wenn die CD ausstürbe. Aber nur weil man sein Produkt als CD im Laden anbietet, heißt das ja nicht, dass man es nicht auch in legalen Download-Portalen anbieten kann und umgekehrt.
REVEREND C.: 
Ich fand ja schon den Siegeszug der CD fragwürdig. Die Cover wurden kleiner, die Tonträger knisterten nicht mehr bei der ersten Enthüllung und man konnte nicht mehr feststellen ob die Knutscherei gut war oder nicht (nicht zu merken, dass die Platte hängt war immer ein guter Hormonflussmesser). Naja und jetzt verwandeln sich die Tonträger eben in Daten. Wahrscheinlich gehen die Leute inzwischen mit IPod knutschen. Vielleicht jeder mit seinem eigenen und seiner eigenen Lieblingsmusik. Mich persönlich reizen mp3s überhaupt nicht. Andererseits bieten die neuen Distributionsformen natürlich auch neue Möglichkeiten und geben den Bands auf Dauer vielleicht die Möglichkeit, die Verteilung ihrer Musik wieder stärker in die eigene Hand zu nehmen. Wir verschließen uns den Entwicklungen nicht.

 

Jojo: Da Ihr zu den Bands gehört, die wahnsinnig großes Potenzial haben, Ihr bedauerlicherweise mehr Schlecht als Recht in der Musiklandschaft vorankommt, trotz eine großen Fanbase werdet Ihr sicherlich eine Meinung zu den Problematiken Booking und Mut Newcomerbands zu buchen haben. Welche Erfahrungen habt Ihr Diesbezüglich gemacht, wo seht Ihr die Hauptpunkte, dass Bands wie Ihr und unzählig viele Andere einfach keinen Fuß in gute Clubs oder als Supportband bekannterer Acts bekommen?
SARAH:
Die Zeiten haben sich schon merklich verändert. Der Markt für Live-Konzerte ist total überlaufen. Vor einigen Jahren waren Konzerte noch etwas Besonderes heute finden jeden Tag welche statt. Man hat die Qual der Wahl wo man hin geht, oder ob man nicht lieber mal was anderes macht, als schon wieder auf ein Konzert zu gehen. Ich verstehe die Veranstalter schon irgendwo. Gastronomie egal ob Restaurant, Bistro, Kneipe oder Club, ist ebenfalls ein hartes Business mit knallharter Kalkulation. Ich glaube mehr als 20 % aller Insolvenzen in Deutschland kommen aus dieser Branche. Der Wirt oder Veranstalter muss sich also wirklich gut überlegen, wen er bucht, zu welchen Konditionen und ob am Ende auch was für ihn übrig bleibt. Es jammern die Veranstalter, es jammern die Bands. Aber es hilft ja auch nichts über das Wetter zu jammern, im Prinzip ist das dass Selbe. Es gibt solche Phasen. Unser El Grande würde jetzt wahrscheinlich eine wirtschaftswissenschaftlich- fundierte Marktanalyse zum Besten geben. Beschweren will ich mich jedenfalls nicht. Ich sehe die Situation als gegeben und bin der Meinung, wir müssen das Beste daraus machen.
REVEREND C.: 
Meiner Ansicht nach liegt das Problem ein bisschen anders: In den 80ern und 90ern gab es jede Menge Konzerte, gerade auch kleiner Bands und es war Ehrensache, dabei zu sein, und sich hinterher ein Demotape oder eine Single mitzunehmen. Man war unter anderem deshalb dort, weil das neben der Plattensammlung der Freunde und wenigen Musikmagazinen der wichtigste Weg war, interessante neue Bands kennen zu lernen. Musik abseits der Charts zu hören, war eine Entdeckungsreise durch kleine Plattenläden und kleine Clubs. Und wenn man etwas gefunden hatte, präsentierte man es bei ein paar Bier stolz den Gleichgesinnten. Heute wird man mit Musik zugeschmissen und die Möglichkeit, Unmengen von Songs auf einem Datenträger zu speichern, dessen Maße es beinahe ermöglichen, ihn schmerzfrei rektal einzuführen, das führt naturgemäß zu einer Umwertung. Vielleicht werden das nächste große Ding ja Musikzäpfchen, die die Songs direkt in den Organismus befördern? Das Gute ist, dass der Mensch naturgemäß geil auf sinnliche Erfahrungen ist. Von daher rechne ich fest damit, dass das Interesse an Live-Konzerten wieder zunimmt, gerade auch an kleinen. Bands, die auf der Bühne etwas zu bieten haben, werden auch weiterhin eine faire Chance haben, sich einen guten Ruf und ein Publikum zu erspielen. In diesem Sinne: Wir sehen uns!

 

Jojo: Kommen wir zum Abschluss des Interviews . Was wollt Ihr unseren Lesern abschließend noch sagen, mit auf den Weg geben?
REVEREND C.:
Trennt euch nicht von euren Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, werdet ihr weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben! Schlau, was? Leider liegt das Urheberecht für diese Weisheit bei Mark Twain… Ach ja und nie vergessen: Wine is fine, but whiskey’s quicker. Welcher kluge Kopf das verewigt hat, wird hier aber nicht verraten. Ihr werdet es schon selbst herausfinden. Prost!
SARAH:
Ich mach s mal weniger kryptisch und mach noch ein bisschen Werbung in eigener Sache. Wir sind natürlich auch im Web vertreten. Vielleicht surft der ein oder andere ja mal auf [ www.e-lane-music.de ] oder [ www.myspace.com/onlane ] vorbei.  Wir sehen uns…
El GRANDE:
… bis dahin Roggn‘ un Weizn!
TOM DOE:
Ne, tut ma lieber die Möhrchen!
HERR GRAU:
VOLLE ENERGIE !

 
Interview geführt von . Jörg Jobst .[ mailer ]
Homepage Künstler..www.e-lane-music.de