DIARY OF DREAMS - NOYCE TM .[ Batschkapp, Frankfurt  06.02.08 ]
 

Mittwoch, der 6.Februar sollte ein ganz besonders schöner Tag werden, denn in diesem Jahr fiel der Aschermittwoch auf den 6.Februar und wie jedes Jahr ist an diesem Tag das verrückte Treiben vorbei und so geistreiches wie „Ich hab ne Zwiebel auf dem Kopf ich bin ein Döner“ landet hoffentlich wieder für ein gutes Jahr im Archiv der ausstrahlenden Rundfunksender. Polonaise und komatöse Teenies sind auch nicht mehr gegenwärtig, also ein toller Tag für all diejenigen, die nicht soviel mit Fasching anfangen können. Doch damit nicht genug des Guten, denn an diesem Abend gab es noch für Freunde qualitativ hochwertiger elektronischer Musik eine dicke Belohnung in der Frankfurter Kapp. DIARY OF DREAMS standen erneut in der Mainmetropole auf der Bühne und hatten mit NOYCE TM [ Galerie I ] ein treffsicheres Händchen bei der Wahl ihres Support für die aktuelle N43 Tour.

 

Als wir gegen kurz vor 20Uhr aus dem Elfer kamen, traute ich allerdings meinen Augen nicht, da war sie wieder die Polonaise! Selbst in die Reihen Gleichgesinnter hat das Virus übergegriffen, doch es war glücklicherweise nur die lange Schlange bei der Eingangskontrolle. Diese bestand aus überwiegend schwarz gekleideten Menschen, wobei die Garderobe der Damenwelt wie immer auf Veranstaltungen dieser Art überwiegend wieder besonders stilistisch & sexy war. Nach rund 10 Minuten war die Kontrolle passiert und wir fanden uns in der rauchfreien Batschkapp inmitten von geschätzten 500 Gästen wieder. Der letzte Gig von NOYCE TM vor gut 9 Monaten in Mainz, als Support von FUNKER VOGT, war gelinde ausgedrückt ein Trauerspiel für die Band, da damals leider nur sehr wenige den Weg ins KUZ gefunden hatten. [ wir berichteten ] Heute konnte die Band vor einer respektablen Fangemeinde erneut zeigen, wo ihre Stärken liegen. Neben Sänger Florian an vorderster Front gesellten sich Thomas an den Drums, sowie Oli hinter der Elektronik, auf die von sternförmigen Lichtstrahlen erhellte Bühne. Im Vordergrund des heutigen Setup stand das aktuelle Album „Coma“, welches über alle Zweifel erhaben perfekt dargeboten wurde. Zwischen den genialen Songs, wie bspw. „Karmacoma“, „Headland“, „Sleepwalker“ oder „Hypnotized“ reihten sich die beiden älteren Hits „White Room“ und der Überflieger „Panique“ ein, sowie der in Deutsch gesungene Song „Tagwerk“ vom kommenden Album „un:welt“. Ganz reibungslos lief die Vorstellung des neuen Songs leider nicht ab, da ein Systemabsturz für ein abruptes Ende sorgte. Mit einem charmanten lächeln und einem spontanen Einsatz von Drummer Thomas bewältigten die drei diesen kleinen Zwischenfall allerdings souverän und auch die aufmerksam lauschende Fangemeinde zeigte sich verständnisvoll. Perfektes Gastspiel von NOYCE TM vor  einem, der Band gerecht applaudierendem Publikum.

 

Die anstehende Umbauphase wurde von vielen genutzt um eine kleine Raucherpause vor der Tür einzulegen. Es ist schon erstaunlich wie schnell man sich mit dieser Situation angefreundet hat und selbst bei schlechtem Wetter gerne mal vor die Tür geht um seinen Genüssen, bzw. Süchten nach zu gehen. Kurz nach 22Uhr, eilte der Bühnentechniker noch einmal schnell zum Mischpult und unmittelbar danach sollte es losgehen. Die ersten Reihen, vorwiegend bestehend aus weiblichen Fans, standen eng aneinander gereiht in erwartungsvoller Haltung als nacheinander Vier, in schwarzen Kutten gekleidete Gestalten, die Bühne betraten. Ich hatte mich bei den Umbauarbeiten bereits gewundert, warum gleich 4 Mikroständer den vorderen Bühnenrand zierten. Diese Frage beantwortete die Band dann mit einem Prolog, zum Opener "Nekrolog 43". An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Kutten in Zusammenarbeit mit Aderlass, extra für das neue Album "Nekrolog 43", entworfen und angefertigt wurden. Weiter ging es dann mit dem doch schon etwas älteren Stück "False Affection, False Creation". Zuvor hatte man sich auch der Kutten entledigt und zu meinem erstaunen stellte ich fest, dass an Stelle von Torben Wendt, ein neuer die Keys bediente. Nach einer kleinen Recherche, stellte sich dieser als Ersatz für den DIORAMA Frontler heraus und hört auf das Pseudonym Taste, was bei dem zu Bedienenden Instrument auch naheliegend ist. Etwas erstaunt war ich das der Iro von Gaun:A keinerlei Schaden durch das modische Accessoire genommen hatte. Nach "The Plague" und "She" folgte mit "Chemicals" mein erstes persönliches Highlight. Frauenschwarm Adrian Hates hatte bereits hier die Kapp mit seiner brillanten Stimme und seinem Charme, fest im Griff. Im Anschluss präsentierte man "Son of a Thief" und "UnWanted", beide Stücke stammen vom neuen Output "Nekrolog 43" und wurden gut vom Frankfurter Publikum angenommen.

 

Danach sollte es dann aber erst richtig losgehen und so feuerte man ein Brett nach dem anderen ab. Egal ob Perlen wie "Butterfly:Dance", "Mensch:Feind", die Ballade "AmoK", oder "Soul Stripper" alle Songs wurden jubelnd aufgenommen, wobei „Traumtänzer“ welches vom textsicheren Publikum unterstützt wurde vorerst der Höhepunkt des Abends war. Die Band hatte sichtlich Ihre Freude am Frankfurter Publikum und gab alles, so bearbeitete im hinteren Teil der Stage "Taste", fast genauso kraftvoll das Keyboard, wie der altbekannte D.N.S. sein Schlagwerk und Gaun:A seine Gitarre. Die gefühlvollen Back Vocals von Torben vermisste ich allerdings teilweise ein wenig. Als letzten Song des regulären Sets hatte man das treibende "The Curse" vom 2002er Album "Freak Perfume" gewählt, den Song kannte hier wirklich jeder und so erblickte man erneut überall singende und tanzende Menschen. Nach gut 80 Minuten verließen DIARY OF DREAMS dann erstmals die Bühne um kurze Zeit später wieder zurück zu kommen und das zuvor präsentierte "The Curse" als Akustik Version darzubieten. Gänsehautstimmung machte sich im ganzen Saal breit und so zeigten uns Adrian Hates und Gaun:A ganz ohne Elektronik und Schlagzeug was sie stimmlich in der Lage sind zu leisten. Selbiges galt auch bei den folgenden Stücken "Giftraum" und "O’ Brother Sleep", welche ebenfalls nur mit Gitarre dargeboten wurden. Ganz großes Kino, und so würdigte man die beiden Musiker mit tosenden Applaus und weiteren Zugaberufen. Dankend verabschiedeten sich DIARY OF DREAMS Abschließend mit dem Gute Nacht Song "She and her Darkness" und ließen ihre Fans in die kühle Nacht zurück. Ein echt beeindruckendes Konzert! Bleibt nur zu Wünschen, dass die Band vielleicht noch auf dem ein oder anderen Festival in diesem Jahr präsent sein wird. [ Galerie I & Galerie II & Galerie III & Galerie IV ]

 

Setlist Diary of Dreams, Frankfurt(M): 00. Intro, 01. Nekrolog 43, 02. False Affection, False Creation, 03. The Plague, 04. She, 05. Chemicals, 06. Son of a Thief, 07. UnWanted, 08. Butterfly:Dance!, 09. Hypo)crypticK(al, 10. Mensch:Feind, 11. UnMensch, 12. AmoK, 13. Traumtänzer, 14. Soul Stripper, 15. Kindrom, 16. The Curse Zugaben: 17. The Curse (acoustic), 18. Giftraum (acoustic), 19. O’ Brother Sleep (acoustic), 20. She and her Darkness (solo Hates)

 
Text: .Oliver Loscher, Sandro Griesbach
Bilder: .Sandro Griesbach