Dark Area Festival...[ Nachthallen, Kassel .02.10.2007 ]
 

Mitten in der Woche ein Feiertag, so lob ich mir das. Zeit für alle schwarzen Kreaturen rund um Kassel ein ganz eigenes Fest zur deutschen Einheit zu feiern. Und so reisten wir dann auch frühzeitig in die hessische Documenta Stadt, um uns von den Qualitäten des Dark Area Festivals zu überzeugen. Bei der Dark Area handelt es sich um einen „Teilabschnitt“ der Nachthallen, der wie der Name es bereits andeutet, Events und Konzerte aus der dunkeldüsteren Szene beherbergt. Für den heutigen Dienstag Abend hatte man gleich 5 interessante Formationen geladen, die vornehmlich im Bereich der Elektronik ihre Instrumente aufgeschlagen haben. Dazu sollte es noch genügend weitere Amüsiermöglichkeiten geben. Wenig amüsiert waren wir zunächst, als eine zentrale Brücke in der Innenstadt ohne Umweichempfehlung gesperrt worden war. Doch durch instinktiven Spürsinn gelangten wir dann doch noch gegen 20 30 in eine Art Gewerbegebiet, in der die Parkplatzsuche bereits im vollen Gange war. Unter der Verspätung musste wie so oft der Opener leiden und der hörte heute auf den Namen THIS MORN’ OMINA. [ Galerie I ]

 

Die Trance Ritual Band aus Belgien ist hierzulande nun wahrlich ein Begriff, unzählige Auftritte beispielsweise als Support von SUICIDE COMMANDO hat man bereits absolviert. Heute musizierten die 3 Herren um Mika Goedrijk schon fleißig in der großen Halle, die zwar nicht zum bersten aber sehr ansehnlich gefüllt war. An vorderster Front Stefan Ackermann, während es die beiden COVENANTs vorzogen, das Treiben von der „VIP-Treppe“ aus zu beobachten. Einmal Keyboards, 2 mal elektronisches Schlagwerk, so knallten unsere westlichen Nachbarn den Zuschauern Titel wie „One-Eyed Man“ oder „The Immutable Sphere“ um die Ohren und bei einigen führte das durchaus schon zu tänzerischen Darbietungen. Doch schnell war der Auftritt wieder vorbei und die Pausenmusik sorgte für weitere Unterhaltung. Im Gegensatz zur üblichen Beschallung durch “Blutwurstengelwut“ gab es Schlager von JÜRGEN MARCUS oder HANS ALBERS für die Nachtschattengewächse. Die zeigten überraschenden Humor und unterhielten sich selbst mittels einer Polonaise. [TK]

 

Erstmalig an diesen Abend füllte sich die große Halle merklich und Einigen der anwesenden Damen und Herren war anhand ihrer Kleidung anzusehen, welche Band jetzt folgen sollte. Fick mich hier, Fick mich da, derart viele willige Gemüter, da konnte es sich wahrlich nur um eine Band handeln, AGONOIZE [ Galerie I & Galerie II ]! Und schon wurde die Splatter Disco mit dem Opener "c.o.a" eröffnet. „Church of Agonoize“, dass also soll nun das Motto des neuen Outputs "7" der 3 durchaus sympathischen Berliner sein und sich wie ein roter Faden durch das neue Album ziehen. Ist die Masse erst einmal angewärmt, muss man sie natürlich auch auf Temperatur halten, was mit nachfolgenden Titeln wie "Sacrifice", hier gab es wieder eine erfrischende Blutdusche, "Glaubenskrieger" und "Gottlos" kein Problem darstellte. Dem Trio allerdings nicht genug war und so legte man mit dem Club-Kracher "DMK" und "BängBäng Godbye" gleich noch eine Schippe drauf, um den Saal erstmals zum kochen zu bringen. Wer hier und jetzt eine Pause suchte, wartete allerdings vergebens, denn mit "Femme Fatale" ging es gleich mit einem neuen, wiederum deutschsprachigen Song weiter und eins vorweg, dieser Track ist nicht jugendfrei, dafür umso mehr clubtauglich und wird in den anstehenden Monaten sicher noch für den einen oder anderen Gesprächsstoff sorgen. Was folgte, waren "Knick Knäck", "Paranoice 2007" und das Kiss Cover "I was made for loving you". Mit dem Abschluss "Koprolalie" sollte dann die Vereinigung zwischen Frontmann Chris und den vorab schon erwähnten T-Shirts mittels Kunstsperma erfolgen. Das Dark Area war damit wohl eröffnet, einzigst der miserable Sound schmälerte etwas den Auftritt. Dies machte die Band mit ihrer Performance aber schnell wieder vergessen und wer bisher vergebens nach seinem Glauben suchte, ist bei AGONOIZE ganz sicher bestens aufgehoben. [SG]

 

Während AGONOIZE auf der Main Stage noch spielten, machten wir uns auf den Weg, um uns DER FLUCH zu Gemüte zu führen. Was gar nicht so einfach war, da die Nachthallen erstens groß und zweitens, einem Labyrinth nicht unähnlich, darauf ausgelegt sind, den von außerhalb kommenden Zuschauer zu verwirren und in die Irre zu führen. Aber auch dieses Mal rettete uns der instinktive Spürsinn. Für den Auftritt hatte man einen Raum am Ende der Nachthallen gewählt und zu meinem Glück war dies einer der zwei Raucherbereiche, da in Hessen ab 1. Oktober das Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen in Kraft getreten ist. Der kleine Raum war recht gut gefüllt, aber noch war die Bühne mit einem schwarzen Vorhang verhängt. Dies sollte sich alsbald ändern und zu typischer Spannungsmusik aus alten Horrorfilmen betraten die vier Herren in schwarzen Anzügen und, cool mit Sonnenbrille, die Bühne. An vorderster Front Deutscher W (OHL), der die Band 1981 in Leverkusen gründet hat. Losgelegt wurde passend mit "Willkommen" direkt gefolgt von "Hexen leben länger".

 

Danach stellte Herr W erst mal klar, dass sie keinen Techno machen und nicht SCOOTER auf Dunkel sind sondern die "Fürsten der Nacht", welches zugleich auch den dritten Titel der Setlist darstellte. Weitere Ansagen gespickt mit Seitenhieben wurden dann auch immer mal wieder zwischen den Liedern eingestreut. Weiter ging es mit "Betet für uns" und "Ein kalter Wind" und langsam merkte man, dass Hexen, Werwölfe, Blut, Tod und Teufel eine zentrales Thema in den Texten der Band sind, und dass auch die Bezeichnung B-Movie Music, so steht es auf der Myspace-Seite, schon sehr zutreffend ist. Gitarrenmusik mit Punkeinschlag und schaurig schönen Texten. Der Höhepunkt, auf den wohl viele gewartet hatten, folgte dann am Ende des offiziellen Sets mit dem Song "Halb Mensch, halb Tier" das sogar mir geläufig war, obwohl ich die Band bis dahin nicht so richtig einordnen konnte. War der Applaus vorher doch eher verhalten, gingen die Zuschauer jetzt richtig mit und am Ende wurde lautstark eine Zugabe gefordert, die dann auch in einer Akustikversion von "Hexen leben länger" erfolgte. [DA]

 

Mit großer Vorfreude sah nicht nur ich dem Auftritt von eben DAS ICH [ Galerie I & Galerie II ] entgegen, die in letzter Zeit live eher dem Ausland zugeneigt waren. So waren die 3 Herren gerade von einer Gastspielreise durch Russland retour, einige sprachliche Brocken hatte man auch gleich mitgebracht. An den bekannten schwenkbaren Keyboard-Armen agierte links Bruno Kramm, dazu unterhielt ein wieder fast kahlgeschorener Herr Ackermann die Massen, in blutroter Farbe gekleidet. Mit „Kain und Abel“ sowie „Engel“ ging es gleich richtig in die vollen, wenngleich Bruno und Stefan anmerkten, dass die Stimmung in Nowosibirsk noch etwas besser gewesen sei. Im Anschluss mühten sich die Anwesenden nach Kräften, diesen Pegel zu erreichen, allein der Wodka mag gefehlt haben. Wie von DAS ICH gewohnt wurde eine powervolle und optisch sehr interessante Show geboten, die allein aus Stefans Körpersprache eine ungeheure Faszination bezog. Nette Interaktionen mit den Fans taten ihr übriges hinzu, den Laden auf Betriebstemperatur zu halten, bevor es mit Kindgott in die Schlussminuten des regulären Sets ging. Die beiden bekanntesten Titel hatte man sich natürlich für die ersehnte Zugabe aufgehoben und die Meute wusste genau, wonach sie verlangen musste. „Destillat“ und „Gottes Tod“ setzten noch einmal ein deutliches Ausrufezeichen hinter die künstlerischen Ambitionen des Trios, das uns eine Stunde vortrefflich unterhalten hatte. Und wie Bruno hinter den Kulissen wohl zu Protokoll gab, soll sich das in den nächsten 20 bis 40 Jahren auch nicht ändern. Der Spruch „Wir waren in vielen verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Systemen. Aber die Gothics sind überall gleich“ wurde allerorten bejubelt, wenngleich ich im nachhinein darüber nachdenken musste, ob die Aussage nur positiv zu werden ist. Aber wir wollen nicht ins Grübeln kommen, der Headliner stand natürlich noch an. [TK]

 

Nach einer längeren Pause sollte das Festival nun mit COVENANT [ Galerie I ] seinen würdigen Abschluss finden. Nachdem erst mal alles kräftig eingenebelt wurde, betraten Joakim und Eskil die Bühne und Daniel Meyer (HAUJOBB) war, wie auch auf dem M’era Luna, als Ersatz für Clas vertreten. Losgelegt wurde mit "Monochrome" gefolgt vom ruhigeren "Bullet". Neben mir wurde eifrig getanzt und ein Pärchen fand es wohl so schön, dass man glatt meinen konnte, sie hätten kein zu Hause. Um es mal nett auszudrücken. Im folgenden wurden dem Publikum dann zwei neue Songs präsentiert, die das Prädikat "Hörenswert" durchaus verdienen und inzwischen hatte sich der Nebel auf der Bühne etwas gelichtet. So konnte man Eskil dabei beobachten, wie er sich in die verschiedensten Posen warf und auch insgesamt machte Herr Simonsson an dem Abend wieder einen ziemlich aufgedrehten Eindruck. Weiter ging es mit "20 Hz", einem meiner Lieblingsstücke der drei Schweden und "Invisible & Silent". Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle die wirklich gute Lightshow, die dem Publikum geboten wurde, und die durch die eingenebelte Bühne erst richtig zur Geltung kam. Nachdem Eskil sich dann seines Jackets entledigt und auch die Frisur schon etwas gelitten hatte, folgten "We stand alone" und "Ritual Noise" vom letztjährigen Album "Skyshaper", welches die Menge weiter zum tanzen anregte. Wir hingegen traten an dieser Stelle den Rückzug an, um uns auf den Weg in die Heimat zu machen, da es doch schon relativ spät war und der Heimweg lang. Ein Festival in schöner Atmosphäre ohne musikalischen Ausfall hatte bereits wieder sein Ende gefunden. Gerne wieder! [DA]

 
Text: Death Angel .[DA], .Karsten Thurau .[TK], .Sandro Griesbach .[SG]
Bilder: Claudia Schöne, .Karsten Thurau, .Sandro Griesbach