Darkstorm Festival - [25.12.2005 Stadthalle Chemnitz]
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Auch in diesem Jahr bescherte uns das Darkstorm Festival, welches wahlweise in Chemnitz [25 Dezember] oder Berlin [26. Dezember] stattfand, eine schwarze Weihnacht. Unser Team war für euch in der Stadthalle Chemnitz am Start, um davon zu berichten! Mit VNV NATION, GOETHES ERBEN und HOCICO hatte Veranstalter „InMove“ wieder einige Hochkaräter der Szene am Start.

 

Den Abend eröffnen sollte die norddeutsche Band LIMBOGOTT, welche ja schon in diesem Jahr auf dem Woodstage und dem M’era Luna auf sich aufmerksam machen konnte. Wie schon bei den beiden Sommer-Festivals konnten die beiden Frontmänner Lard Mason und Limbosonic mit ihrem spektakulären Outfit und ihrer lasziven Art das bis dato doch noch spärlich anwesende Publikum ab dem ersten Stück - „Struggle“ - überzeugen. So durften nachfolgend im Set natürlich auch nicht die textlich provozierenden Titel „Rockstar dick“, „Razormuschi“ und „Fuck inc.“ fehlen. Nach gut 30 Minuten verließen LIMBOGOTT mit dem Track „Deep“ die Main Stage. So lässt sich sagen, dass sie sicher ein guter Opener waren, welcher leider durch das noch fehlende Publikum etwas unterging.

 

Nach einer kurzen Umbauphase und einer merklichen Füllung des großen Saals war nun die LETZTE INSTANZ an der Reihe. Eigentlich ein Heimspiel, kommen sie doch aus dem benachbarten Dresden, und so war’s dann auch. Ab der ersten Minute herrschte eine super Stimmung, und die Jungs hatten die „schwarze Meute“ fest im Griff! So wurden uns u. a. die Stücke „Sonne“ und „Tanz“ vom am 03. Februar 2006 erscheinenden Album „Ins Licht“ präsentiert. Bei dem „schönsten Lied“ jedoch sollte auch der letzte aus dem Weihnachtsschlaf erwacht sein und sich mit der tobenden Menge bewegt haben. Die Letzte Instanz ist sicher auch mit neuem Sänger immer einen Konzert Besuch wert, und so solltet ihr deren Album-Tour im Februar-April nicht verpassen!

 

Nun sollte der kleine Saal seine Tore öffnen, wo SILENT PAIN den Opener machten, welche am Schlagwerk mit dem sehr bekannten Schlagzeuger Beam (TACTICAL SEKT, EX-FEINDFLUG, DIARY OF DREAMS) überraschten. SILENT PAIN waren bereits beim diesjährigen WGT am Start und konnten dort erstmals überzeugen. In ihrem 30 minütigen Setup präsentierten sie dem Chemnitzer Publikum u.a. die Titel „And the rain gets colder“, „Just for me“ und „Deadly Stories“, bevor das Set mit dem Track „Hospital“ beendet wurde.

 

Aber keine Zeit zum großen Nachdenken, denn im großen Saal standen schon ZERAPHINE, die Mannen um Sunnyboy Sven Friedrich auf der Bühne, welche 2005 im Rahmen ihrer „Blind Camera-Tour“, ja schon 24 Auftritte (inkl. WGT, Amphi Festival und M’era Luna) hinter sich gelassen hatten. Auch sie überraschten mit einer Umbesetzung am Schlagwerk, welche von Sven als Stephan vorgestellt wurde, da ihr Stammschlagzeuger wohl verhindert war. Wie bei der LETZTEN INSTANZ herrschte auch hier eine super Stimmung, und so waren wieder einige Mädchen Svens Charme erlegen und kollabierten in der ersten Reihe, während er weiter seine sehr gefühlsvollen Lieder präsentierte.

 

Da die nächste Band im Billing STAUBKIND war, und diese wieder im kleinen Saal spielen sollte, hieß es auch hier wieder schnell hinüber, um sich einen guten Platz zu sichern. Der Gitarist von TERMINAL CHOICE, Louis Manke, ist mit seinem Soloprojekt in meinen Augen sicher einer der Senkrechtstarter 2005! Auf allen großen und namhaften Festivals vertreten konnten sich STAUBKIND einen festen Platz in unserer Szene sichern. So sang Louis wieder die ergreifenden Stücke „Keine Sonne“ und „Ohne dich“, und auch „Knie nieder“ durfte im Set natürlich nicht fehlen. Der kleine Saal war zum bersten gefüllt und die Stimmung phänomenal!

 

Endlich waren nun die Fans elektronischer Klänge an der Reihe und konnten im großen Saal zu HOCICO ihre Hüften bewegen. Erk und Racso verwandelten die Bühne wieder in eine düstere Hölle, welche mit ihren bösen Texten musikalisch unterstützt wurde. Leider schienen die Hellectro-Fans heute etwas in Unterzahl zu sein, denn die bei HOCICO gewohnte Resonanz und regelrecht düstere Welle blieb aus. Und so gingen Stücke wie „Spirits of Crime“ oder „Untold Blasphemies“ etwas unter, lediglich ein harter Kern an vorderster Front wusste durch extremes Pogen auf sich aufmerksam zu machen. Zumindest wachte die Menge bei dem Hit „Poltergeist“ etwas auf. Schade eigentlich, ist man doch gerade von HOCICO als Headliner anderes gewohnt!

 

Nebenan ging es mit GARDEN OF DELIGHT feat. LUTHERION weiter, welche die letzte Band des Abends im kleinen Saal - diesmal nicht ganz so gut gefüllt - sein sollte. Die Formation um Sänger Artaud Seth betrat nach einem einfühlsamen Intro die doch eher sehr spärlich ausgefüllte Bühne. Gefolgt von „Black Mass“ und „Levitation“ wurde der kleine Saal in viel Nebel und pure Dunkelheit gehüllt, welche von grellen Lichteffekten und düsteren Gitarren-Riffs mystisch unterlegt wurde. Als kleiner Headliner ließ man es sich natürlich nicht nehmen, nach dem regulären Set noch 2 Zugaben in Form von z.B. „First Confession“ und „Necromanteion“ zu geben.

 

Eine echte Szenegröße sollte nun auf der Main Stage ihre theatralisch wirkende Show darbieten: GOETHES ERBEN. Sänger und Frontmann Oswald Henke, ein wahrer „Schauspieler“, steckte enorm viel Energie in seine Darbietung und konnte so schon ab dem ersten Lied „Der Eissturm“ das Chemnitzer Publikum in seinen Bann ziehen. Zu „Die Form“ erleuchtete die Chemnitzer Stadthalle in einem Meer aus Kerzen und wurde so auch sehr weihnachtlich. Später dann entkleidete sich Oswald und saß mal ganz sinnlich auf einem mit Samt verhüllten Podest oder sprang wie ein Derwisch über die Bühne. U. a. wurden Stücke wie „Nichts bleibt wie es war“, „Vermisster Traum“ und „Lebend lohnt es“ in dem über eine Stunde andauernden Auftritts dargeboten. An diesem Abend waren die „Erben“ für mich der wahre Headliner und hatten mich sichtlich in ihrem Bann gezogen.

 

Eher enttäuscht war ich vom eigentlichen Headliner VNV NATION, wurde doch kaum ein Ton von Frontmann Ronan Harris getroffen! Und so halfen auch eigentliche Kracher wie „Honour“, „Chrome“ oder „Fearless“ nicht über meinen Eindruck hinweg. Sicher ist Ronan Harris nicht der supertolle Sänger und versucht diese Schwäche durch seine Emotionen und Ausdrucksstärke zu überspielen, aber auch diese schienen mir diesmal etwas zu aufgesetzt. Und auch die mega coole Lichtshow aus früheren Jahren, welche seit der letzten Tour durch bloße Dunkelheit von vorn ersetzt wurde, finde ich nicht sehr publikumsfreundlich, will man doch seinen Star auf einem Live Gig sehen, wenn nicht hier, wo denn dann?

 

Abschließend lässt sich sagen, dass Bands wie die ERBEN, STAUBKIND oder die LETZTE INSTANZ die Überraschung an diesem Abend waren, und das alles in einer genialen Location! Bleibt zu hoffen, dass Veranstalter „InMove“ diese auch im kommenden Jahr zu ihrer 10. Darkstorm-Reihe wieder nutzen werden.

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Text: Sandro Griesbach
Fotos: Sandro Griesbach

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