Burgfolk Festival 2006 [ Schloss Broich, Mülheim an der Ruhr 19.08.2006 ]
 

„Folk Rockt“, so stand es auf den Festivalshirt in diesem Jahr auf dem Burgfolk Festival in Mülheim an der Ruhr. Während in den letzten Jahren vor allem nationale Größen der Folkszene in die malerische Karolinger Festung an die Ruhr gelockt wurden. Gab es in diesem Jahr ein internationales Programm, so spielten erstmals die niederländische Band Omina, die Finnen von Korpiklanni und die britische Oysterband auf dem Burgfolk. Dazu gesellten sich die Newcomer von Lyriel, sowie ein paar gute alte Bekannte des Festivals mit Claymore, Schelmish (mit denen ich im Vorfeld ein Interview führen durfte) und Saltatio Mortis.

Das Festival wurde im sehr gut gefüllten Schlosshof, durch LYRIEL eröffnet. Ihre Mischung aus ruhigen Balladen und einigen rockigern Nummern, wärmte das Publikum für die Lokalmatadore von Claymore auf. Die Celtic Rocker brachten schon zu früher Stunde das Publikum zum kochen. Volkers gute Stimme und die traditionellen Instrumente wie Dudelsack, Small Pipe, Tin Whistle und Side Drum brachten eine richtig gute Folkatmosphäre in den Schlosshof.

Ihnen folgte OMNIA mit seinen mystischen Klängen, sie überzeugten das Publikum nicht nur durch ihre große Auswahl an Instrumente, wie z.B. Luka mit seinem Bloodwood Didgeridoo, und die tollen „Neoceltic-paganrock“ Klänge, sondern vor allem durch die ausgesprochen unterhaltsamen Ansagen und Interaktionen mit dem Publikum. Frontmann Sic ließ es sich, trotz der knappen Zeit, nicht nehmen die eine oder andere Geschichte zu erzählen, die durch spontane Beifallsbekundungen honoriert wurde.

Nach den ruhigen und verzaubernden Klängen von Omnia wurde es brachial. Es war Humpaa-Zeit. Die finnische Folkmetal Band KORPIKLANNI donnerte mit ihrer Mischung aus Polka und Metal durch den Schlosshof. Harte Gitarrenriffs, die mehr grunzende als singende Stimme von Sänger Jonne und viel Bier wurden mit Polkaklänge an der Geige und am Akkordeon kombiniert. Nachdem das Publikum den ersten Schrecken überwunden hatte wurde munter mitgehüpft und mit gegrölt. So ließ es sich der SALTATIO MORTIS Frontmann Alea nicht nehmen ordentlich mit zu rocken.

Nach Korpiklanni folgte mit SCHELMISH der erste Topact des Abends. Die selbsternannte „fetteste Mittelalterband der Welt“ bot eine gewohnt gelungene Mischung aus mittelalterlichen Melodien und rockiger Gitarrenmusik. Aber erst die derben Sprüche, die geniale Interaktion mit Saltatio Mortis ließen den Auftritt zu einem echten Erlebnis werden. Wurden zunächst nur einige derbe Sprüche in die Richtung der sieben Todestänzer gesandt, entbrannte später eine herrlicher Schlagabtausch, der später beim Auftritt von Saltatio noch fortgeführt werden sollte. Leider war die Stunde Spielzeit für Schelmish viel zu kurz und nach nur einer Zugabe folgten ihnen die Briten der OYSTERBAND. Sie boten guten klassischen Irishfolk, doch die eher ruhigen Klänge fanden nicht bei allen Besuchern Anklang. So war die Freude umso größer als gegen 21.30 Uhr endlich der Headliner SALTATIO MORTIS die Bühne betrat. Ihr Auftritt wurde mit einigen harten Metal Nummern aus dem aktuellen Album, wie „Salz der Erde“ oder „des Königs Henker“ eröffnet. Im Anschluss daran folgte der mittelalterliche Teil mit vielen Klassikern wie „Dessous le Pont de Nates“.

Auch die herrliche Interaktion mit Schelmish sollte hier nun fortgesetzt werden. Saßen bei Schelmish noch einige der Spielleute von Saltatio im Pressegraben und heizten das Publikum an, waren es nun die Schelme die das Publikum anheizten. Besonders erwähnenswert ist hier die Geschichte um die Mittelalter-WG von Schelmish und Saltatio in Spanien, die in zwei Versionen von beiden Bands zum Besten gegeben wurde. Als Fazit dieser Geschichte bleibt in jeden Fall, dass man im Kölner Dom besser nicht nach der Sandale von Lasterbalk fragen sollte. Das absolute Highlight des Auftrittes war aber das „Palästinalied“. Die sieben Totentänzer spielten es zusammen mit Schelmish und Korpiklanni und brachten damit die Bühnen fast zum platzen und das Publikum zum toben. Kurz vor elf Uhr war dann ein tolles Festival leider zu Ende. Aber die Fans hatten noch die Möglichkeit auf der anschließenden Aftershowparty ein wenig mit den Bands zu feiern.

 
Text und Bilder: Carsten Terres aweitere Bilder auf [ terres-arts.de ]