Blackfield Festival.-..[ Gelsenkirchen, 04. - 06. 07. 2008 ]
 

Freitag: Mit Spannung lange erwartet, fiel am Freitag den 04. Juli endlich der Startschuss und ein neues Festival öffnete seine Tore für die Musikhungrige schwarze Gemeinde. Das Blackfield, welches eine Art Nachfolge des verblichenen Zillo Festivals antritt. Als Location hatte man sich hierfür einen der schönsten Veranstaltungsorte, den das Ruhrgebiet zu bieten hat, ausgesucht: Das Amphitheater im Nordsternpark in Gelsenkirchen, der Ort, der dem inzwischen an den Rhein umgezogenen Amphi Festival ehemals seinen Namen verlieh. Zunächst für lediglich zwei Tage geplant, legte man von Veranstalter Seite jedoch schon im März den Freitag nach bzw. vor, um das Festival Wochenende angemessen einzuläuten. Fünf Bands wurden für diesen Opening Day verpflichtet Wir, die wir uns eigens anlässlich des Konzertmarathons den Freitag frei genommen hatten, reisten relativ entspannt am frühen Nachmittag aus dem rheinländischen Krefeld in Richtung Gelsenkirchen an, begaben uns gut gelaunt bei bestem Sommerwetter auf das Gelände und mischten uns unter das schwarze Volk. Wie erwartet füllte sich das Gelände am Freitag nur zögerlich, da wahrscheinlich ein Grossteil der arbeitenden Bevölkerung doch nicht so frühzeitig von ihren Arbeitsplätzen weggekommen war, bzw. die Fahrt in den „Pott“ mal wieder durch diverse Staulichkeiten auf den BABs verzögert wurde… Vor dem ersten Gig, der für 17.30 Uhr angekündigt war, blieb uns noch genug Zeit, zunächst das Gelände ausgiebig zu erkunden und vor allem auch ans leibliche Wohl zu denken, welches wir mit Crêpes, Currywurst und div. kühlen Getränken auch taten. Gut gerüstet nahmen wir dann im schönen Rund des Amphitheaters Platz und harrten der Dinge, die da kommen sollten. [ Besucher Galerie ]

 

Kurze Zeit später erklangen die ersten Töne aus den Gitarren von PINK TURNS BLUE von der Theaterbühne zu uns herüber. Die Band, die sich seit ihrer Gründung in Köln AD 1985 bereits aufgelöst und wiedervereinigt hat und reger Fluktuation der Aktionisten zum Trotze doch final ihrem ursprünglichen, düster melancholischen Sound treu geblieben ist. Sie verbreiteten rasch eine gelöste Stimmung unter den Anwesenden und untermalten mit ihren düster schönen Klängen die Ankunft der Festivalbesucher. In der guten halben Stunde ihres Auftritts wurden wir uns schnell einig: So kann ein Event beginnen. Toller Opener. So sahen das wohl auch überwiegend die anderen Zuschauer und ließen entsprechend respektablen Applaus erklingen, bevor sich die erste Band des Tages verabschiedete. Eine kleine Umbauphase und etwa 15 Min. später erwartete uns bereits STROMKERN [ Galerie ]. Eine mir bis dato völlig unbekannte und trotz ihrer deutsch anmutenden Namensgebung aus den USA stammende Band, die seit 1994 aktiv ist. Musikalisch kommen STROMKERN nach eigenem Vernehmen mit elektronischen Klängen daher, die Elemente von Hip-Hop, Klassik und Post-Industrial Rock enthalten. Ich empfand den Auftritt der vier, in schlichte schwarze Business Suits gehüllten Herren als mitreißend und inspirativ, durchaus tanzbar und sehr wohlklingend. Als zweiter Akt des Blackfields spielten sie vor einem mittlerweile etwas volleren Amphitheater auf und ließen Songs mit Namen wie „Night Riders“, „Delete“, „Heretic“ oder „Armageddon“ erklingen. Kurzweilige 40 Minuten lang durften wir dieser Kapelle lauschen, dann wurde zum letzten Tusch geblasen und die Jungs verabschiedeten sich leider schon wieder. Nun kenne also auch ich STROMKERN und werde fortan immer mal wieder ein wohlwollendes Ohr in ihre Richtung ausstrecken. Wieder gab es eine kurze Verschnaufpause, die allgemein zu einem ersten netten Plausch mit anderen Anwesenden genutzt wurde, bevor es kurzum mit ICON OF COIL [ Galerie ] weiterging. Darauf hatte ich vornehmlich an diesem Tag gewartet, denn der synthetische Future Pop Sound der Norweger hat es mir nun mal angetan. ICON OF COIL, das sind bekanntermaßen Andy LaPlegua, Sebastian Komor und Christian Lund, die mit diesem Projekt bereits seit 1997 erfolgreich unterwegs sind. Allerdings haben seit einigen Jahren nur noch sehr selten als Formation auf der Bühne gestanden und das letzte Album "Machines Are Us" erschien bereits im Jahre 2004. Das liegt sicher zum einem großen Teil an den verschiedenen anderen Projekten der einzelnen Mitglieder, wie z.B. COMBICHRIST, mit denen sie intensiv beschäftigt sind. Umso spannender also, diese Formation nun einmal live zu erleben. Wir hörten unter anderem „Thrillcapsule“, „Regret“, „In Shelter“ und „Existence in Progress“, und sehr schnell haben die drei Elektroniker die Menge mit ihren tanzbaren Songs in Wallung gebracht. Da es an diesem Tag auch noch bei weitem nicht so warm war, wie an den zwei darauf folgenden, konnte kräftig geschüttelt werden, was man hatte, ohne dabei zu große Sturzbäche an Schweiß abzusondern. On Top zu dieser guten Musik gab es die nette Einlage eines allseits bekannten Herrn. So wurde laut gejubelt, als Ronan Harris (VNV NATION/ MODCOM) sich als Servicekraft bewies und Andy LaPlegua zu Beginn des dritten Songs ein schönes kühles Bier auf die Stage brachte. Doch auch ICON OF COIL blieben nur die zugedachten 45 Min., bevor sie musikalisch wieder vom Ort des Geschehens abtreten mussten und wir können uns nur wünschen, sie bald wieder einmal in heimatlichen Gefilden begrüßen zu dürfen. Als vierter und vorletzter Act des Abends standen danach die DREADFUL SHADOWS [ Galerie ] auf dem Programm und ein halbes Stündchen später, um 20.30 Uhr auch auf der schönen Bühne des Amphitheaters, welches ob seiner wunderschönen Lage im Landschaftspark Nordstern, einem ehemaligen Zechengelände direkt am Rhein-Herne Kanal, auch immer wieder mal kurz zum Träumen einlud. Die DREADFUL SHADOWS, als Band bereits im Jahr 2000 aufgelöst, spielen zur Zeit hin und wieder in ursprünglicher Besetzung auf ausgewählten Konzerten, wollen aber selber nicht als wiedervereinigt gelten, sondern sehen ihre Arbeit lediglich als reine Live-Gigs. Die launige und kurzweilige Darbietung der Darkrocker um Sven Friedrich bescherte dem Freitagspublikum eine bunte Auswahl ihrer Klassiker. „Burning the Shrouds“, „Craving“, „Vagrants in Space“, „The drowning Sun“, „True Faith“ oder „The Cycle“. Nun begann es allmählich zu dämmern im Landschaftspark und mit dem Ende der Darbietung der DREADFUL SHADOWS neigte sich auch das Tageslicht langsam dem Ende zu. Es gingen vereinzelt hier und da Lichter an und die Stimmung war genau so, wie man es sich wünscht: heimelig, erwartungsvoll, vielversprechend und sehr ausgelassen, wenn auch das Publikumsinteresse noch hätte etwas größer sein dürfen. Das änderte sich aber an den Folgetagen noch. So war es überhaupt keine Mühe, auch noch die letzte Umbauphase des Abends mit netten Gesprächen zu überbrücken, bis sich dann endlich der Headliner des Blackfield Freitags anschickte, für die Menge aufzuspielen – BLUTENGEL [ Galerie ]. Scheinbar waren etliche der Zuschauer eigens zum Auftritt dieser Band am späten Abend noch angereist, denn das Rund vor der Bühne war nun um einiges belebter als bei den ersten Acts. BLUTENGEL, begründet 1998 von Sänger Chris Pohl, haben inzwischen sechs Alben abgeliefert, welche die schwarze Szene in glühende Verehrung und erbitterte Verachtung geteilt haben. Mit viel Show, Pyrotechnik und Nebel begann die Darbietung, die mich trotz allen Spektakulums nicht überzeugt hat. Man lag gesanglich weit unter dem Durchschnitt des Könnens der bislang performten Acts und das tat Musik bewanderten Ohren schlicht und ergreifend weh. Nichts desto Trotz wurden BLUTENGEL vom Publikum begeistert gefeiert, denn es ist so wie im wahren Leben: die Geschmäcker sind zum Glück völlig verschieden und der Platz unter einem Hut ist immer begrenzt. Pünktlich um 23.00 Uhr verstummten die Instrumente der Musiker, denn wie schon zuvor von Chris Pohl angedeutet, gab es strenge Vorschriften, nach denen diese Deadline an den Abenden auf keinen Fall überschritten werden durfte. Uns so war es für die Schätzungsweiße knapp 2000 schwarzen Gestalten an der Zeit, den Platz vor der Bühne zu räumen und in die düstere, laue Nacht zu entschwinden.

 
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Samstag: Allerbestes Wetter, die Autobahnen frei, ab nach Gelsenkirchen ins Amphitheater. Ein wenig skurril ist es ja schon: Da wird das Quasi-Zillo-Nachfolgerfestival an dem Ort abgehalten, welcher der „Konkurrenzveranstaltung“ vom Orkus immer noch den Namen gibt. Und diese findet seit der Erstauflage bekanntermaßen dort ja gar nicht mehr statt. Aber hier soll es natürlich um Musik gehen, um Menschen und Stimmungen. Pünktlich gegen 11 30 erreichten wir den Hauptparkplatz der wunderschön gelegenen Location und dank reibungsloser Orga war es auch überhaupt kein Problem, dem Opener zu huldigen, der für mich persönlich bereits einer der Highlights des Tages werden sollte. Überraschenderweise schienen das viele weitere Besucher ähnlich zu sehen und so konnten COLONY 5 [ Galerie ] bereits vor einer sehr ansehnlichen und feierwilligen Menge ihren Elektrosound zelebrieren. Das schwedische Duo (P-O Svensson & Magnus Kalnins) praktiziert bereits seit 1999 und wusste mich schon im Vorprogramm von DE/VISION zu begeistern. Mit dem neuen, außerordentlich gut gelungenen Werk „Buried Again“ legte man an Härtegraden etwas zu und ist nun eher im Bereich Future denn Synthie Pop zuhause. Dem trug man auch bei strahlendem Sonnenschein Rechnung und gestaltete die Setlist bis auf einen Song („Plastic World“) ausschließlich mit neuen Titeln, die dem Publikum aber durchaus schon geläufig schienen. „End of Desperation“, die Single „Knives“ oder das abschließende „Ghosts“ waren aber auch perfekte Brecher, um die mittägliche Lethargie schnellstmöglich zu überwinden. Mit den geradezu euphorischen Reaktionen hatten die Skandinavier offensichtlich gar nicht gerechnet und verließen daher überglücklich nach einer halben Stunde viel zu früh wieder die Bühne vor dem Rhein-Herne-Kanal. Einige andere nachfolgende Acts konnten diesen Energie Level nicht halten, so viel sei schon mal vorweg genommen. Weiter gehen sollte es mit IRIS [ Galerie ] . Die Betonung liegt hierbei auf "sollte", denn ein technisches Problem mit dem Computer zwang die Herren aus Amerika, sich mit ihrem Auftritt noch etwas zu gedulden. Vielleicht hätte Reagan Jones nicht erwähnen sollen, dass er "day shows" mag. Trotzdem ließ man sich nicht aus der Ruhe bringen und performte spontan einfach a capella. Bei "It generates" setzte man dann noch die Gitarre mit ein und bei "Sentimental scar" funktionierte auch der Rechner wieder und alles konnte seinen geplanten Lauf nehmen. Und der gefiel mir ausgesprochen gut, erinnerte Reagans Stimme doch sehr an Herrn Molko, Sänger der illustren Band PLACEBO. Auch musikalisch machte man einiges her. Elektropop mit melancholischem Einschlag, der beim Publikum durchaus gut ankam und auch ich werde IRIS mal im Auge behalten. Als Abschluss des aufgrund der Verzögerung recht kurzen Sets gab man noch "Sorrow Expert" vom 2003 Album "Awakening" zum Besten, bevor man sich aufgrund des straffen Zeitplans schon wieder verabschieden musste. Elektro-Berieselung die Dritte: Mit SOLAR FAKE [ Galerie ] stand ein noch recht junges Projekt in den Startlöchern, welches freilich von einem alten Hasen geleitet wird. Sven Friedrich, der am Vorabend ja bereits den DREADFUL SHADOWS Stimme und Gesicht geliehen hatte, hat mit SF endlich sein Faible für reine Elektro Sounds ausleben können und war kurz vor 14 Uhr aufgerufen, seine Anhänger mit der bekannt samtenen Stimme zu unterhalten. Wobei er hier das eine oder andere Mal durchaus auch heftiger herum“brüllt“. Mit an Bord ein noch sehr jung aussehender Keyboarder namens Frank, doch das Zuschauerinteresse konzentrierte sich natürlich überwiegend auf den sympathischen Berliner, der sich mit seinen typischen Gesten ans Mikro klammerte. So überraschungsarm das natürlich irgendwo ist, so vertraut und elegant wirkt es andererseits. Wobei ich zugeben muss, dass ich das Gros der SOLAR FAKE Debüt Tracklist zwar solide aber nicht unbedingt außergewöhnlich finde, live machten sich die Stücke aber ganz ordentlich, die in fast derselben Reihenfolge wie auf CD dargeboten wurden. Etwa die aktuelle Club-Single „The Shield“ oder das gelungene RADIOHEAD Cover „Creep“. Vor „Lies“ erwähnte Herr F., dass ein Gerät kurz vor dem Auftritt abgeschmiert sei, man würde das Lied aber dennoch in etwas abgewandelter Form performen. Also alles kein Problem, die 40 Minuten verliefen weitestgehend unterhaltsam und man wird sehen, ob sich Sven mit diesem synthetischen Standbein weiter etablieren wird können. An dieser Stelle sollte mein persönliches Highlight des Festivals folgen. Gehören DIORAMA [ Galerie ] doch schon seit geraumer Zeit zu meinen Lieblingsbands und ich hatte bisher nur auf dem letzt jährigen Mera Luna die Chance, die vier Herren mal live zu erleben. Umso mehr freute ich mich natürlich auf diesen Auftritt und mit mir anscheinend auch ein Großteil der restlichen Zuschauer, war es vor der Bühne doch inzwischen recht voll geworden. Gestartet wurde mit dem wohl bekanntesten Stück "Advance" vom 2001er Album "Her Liquid Arms", welches sofort für Stimmung in der Menge sorgte. Gitarrist Sash hatte sich angesichts der sommerlichen Temperaturen und des Sonnenscheins in einen Schottenrock geworfen, bliebe nur zu spekulieren, was er da (nicht) drunter trug. Mit "Erase me" spielte man einen Song, welcher nur auf der Single von "Synthesize me" enthalten ist, aber mit zu meinen Lieblingsstücken zählt und somit hatten mich DIORAMA nun endgültig auf ihrer Seite. Am Schluss musste Torben dann noch anmerken, dass er noch lebe, war er doch beim Ausleben seines Bewegungsdrangs zwischen die Boxentürme gefallen. Und auch sonst ging es auf der Bühne gut zur Sache. Sash sprang und poste, was das Zeig hielt und Herr Wendt rannte von einer Seite zur anderen. Es folgte "Kein Mord" vom aktuellen Album "A Different Life" und es wurde klar, dass man sich heute mehr auf die treibenderen Stücke konzentrieren wollte. Hatte man doch die leiseren Sachen etwas außen vor gelassen. Das tat der Stimmung aber überhaupt keinen Abbruch und es wurde mitgesungen, geklatscht und getanzt. Torben lieferte wie üblich eine absolut gute Gesangsleistung ab und gab den Songs ihren ganz eigenen Charakter. Ich jedenfalls war hin und weg. Bei "The Girls" konnte ich es mir dann auch nicht mehr verkneifen, leise mitzusingen und auch mein Beine wippten schon seit einiger Zeit im Takt. Zum Abschluss gab es dann noch "Synthesize me" und „Why“ auf die Ohren und damit war der, für meinen Geschmack, viel zu kurze Auftritt auch schon wieder beendet. Ich hoffe einfach auf den Tag, an dem DIORAMA Headlinerstatus erreicht haben und mehr als eine Stunde spielen dürfen. Ich befürchte nur, dass auch das nicht ausreichen würde. Mit NORTHERN LITE [ Galerie ] hatte ich gerade erst im März diesen Jahres auf ihrer Tour zu ihrem aktuellen Album "Super Black" das Vergnügen und nun war ich gespannt, wie sie denn bei dem gotischen Publikum ankommen sollten. Fielen sie doch im Line Up etwas aus der Reihe, da eher szeneuntypisch. Dies zeigte sich auch daran, dass vor der Bühne sich die Reihen ziemlich gelichtet hatten. Gestartet wurde mit der Ansage von Andreas Kubat (mit überdimensionaler Sonnenbrille), dass es noch so hell sei und man das gar nicht gewohnt sei, bevor man mit "In Control" vom aktuellen Album loslegte. Und auch Valerian Herdam, eigentlich bei THE WORLD DOMINATION aktiv, war wieder mit von der Partie. Weiter ging es mit "Alien Girl" und "Enough", aber irgendwie wollte keine richtige Stimmung aufkommen und man merkte auch den Herren von NL an, dass sie nicht wirklich Bock hatten. Schade eigentlich, ist es doch eine wirklich interessante Band, die wohl einfach nur vor dem falschen Publikum spielte. Nach "Nowhere" ging man über zu "Girl with a Gun" was zumindest bei der weiblichen Zuhörerschaft gut ankam, konnten (oder wollten) sich vermutlich viele damit identifizieren. An dieser Stelle muss ich aber trotzdem noch mal anmerken, dass ich es nach wie vor witzig finde, wenn ein erwachsener Mann singt "I’m a girl, I’m a girl with a gun...". Aber das nur am Rande. Mit "Reach the sun" hatte man sich dann einen sehr passenden Titel ausgesucht, knallte die Sonne doch mit aller Macht vom Himmel und verwandelte meine gotisch helle Hautfarbe langsam aber sicher in ein leuchtendes Rot. Mit "Different", auch auf "Super Black" enthalten, und dem wohl eher ironischen "Gelsenkirchen - Ich hoffe, ihr hattet Spaß" verabschiedete man sich dann und räumte die Bühne für eine völlig gegensätzliche Formation.

 
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Jetzt sollte es wieder düsterer zur Sache gehen, hatte sich doch CATASTROPHE BALLET [ Galerie ] , die Formation um Eric Burton, angekündigt. Interessant zu wissen, dass Herr Burton zugleich bei Hardbeat Propaganda tätig ist, welche das Festival promoten und zusammen mit Tilo Wolff (der ja am Sonntag auch noch mit LACRIMOSA auftreten sollte) die Fäden bei CINEMA BIZARRE zieht. Soviel dann zum Thema Klatsch und Tratsch. Außerdem ist er natürlich ein Urgestein der Szene, immerhin gründete man CATASTROPHE BALLET bereits im Jahre 1989. Ein Zeitpunkt, zu dem viele der Festivalbesucher vermutlich gerade erst geboren waren. Für den Auftritt hatte man sich richtig in Schale geworfen, trug man doch Hemd (in weinrot) und Krawatte. Schade, dass sich vor der Bühne dann trotzdem nur einige wenige Zuschauer eingefunden hatten und der Rest lieber auf den Rängen des Amphitheaters sitzen geblieben war. Ich erkläre mir das einfach so, dass die Fans der Band sicher schon etwas älter sind und einfach nicht mehr so viel stehen können (Vorsicht, an dieser Stelle versteckt sich Ironie). Trotzdem ließ sich Eric davon die Laune nicht verderben und stellte sich als intelligenter Unterhalter heraus, der einem verdammt schnell sympathisch wurde. Und eine Überraschung sollte es auch noch geben. Losgelegt wurde in bester Goth Rock Marnier mit "House of Hate" und "M-other". Bevor man "Eyelid" anstimmte, wies man noch darauf hin, dass man vor 10 Jahren mal versucht habe, MINISTRY zu sein. Und nun zu der Überraschung: Bei "Licht" konnte man Oswald Henke (GOETHES ERBEN, FETISCH:MENSCH) als Gast"sänger" gewinnen, der dem Song mit seinem Sprechgesang eine ganz eigene Note gab. Und einen kleinen Seitenhieb hatte Herr Burton auch noch parat, sagte er doch in Hinsicht auf die spärliche Zuschauerzahl, dass es in einer Welt voller Bum- Bum-Musik schwer sei, sich auf so etwas wie Goth Rock zu konzentrieren. Weiter ging es mit "Nothing" und "Garden of decay", bevor man mit "21st Century Boy" noch eine Coverversion der abgedrehten Punks von SIGUE SIGUE SPUTNIK auf Lager hatte. Als Abschluss gab man noch passender Weise "Goodbye" zum Besten, bevor es mit feinster Bum-Bum-Mucke von MODCOM [ Galerie ] aka Ronan Harris weitergehen sollte. Kontrast Programm deluxe stand nun an. Ronan Harris, hauptberuflich Mastermind von VNV Nation, gab sich mit seinem Ein-Mann-Projekt MODCOM die Ehre. Das sieht dann so aus, dass Ronan Sounds und Sequenzen direkt auf der Bühne und live generiert, modifiziert, manipuliert und mischt. Das heißt: Ein Mann, ein Rechner (natürlich ein Mac), viele komische Maschinen und als Ergebnis Elektro der härteren Gangart. Plötzlich war auch die Jugend wieder auf den Beinen und hatte sich vor der Bühne eingefunden, um dort das Tanzbein zu schwingen. Konnte man dazu auch gut machen, gab es doch auf der Stage eher weniger zu sehen. Ronan grinste hauptsächlich in die Menge und frickelte ansonsten an seinen Arbeitsgeräten herum. Zu erwähnen vielleicht sein Hemd (Schwarz und Cremefarben), das jedem Zuhälter oder zwielichtigem Glücksspieler in Las Vegas alle Ehre gemacht hätte. Bei den Stücken war dann irgendwie auch nicht so ganz zu erkennen, wann und ob sie endeten und mir huschte nur ein Ausdruck der Erkenntnis über das Gesicht, als ich bei einem Sample die Zeilen "I’m still talking and you’re not listening" erklangen. Verwurstete Harris hier doch gerade seinen "eigenen" Club Hit "Chrome". Zwischendurch brachte ihm dann Mark Jackson, seines Zeichens zweites Mitglied bei VNV, etwas zu trinken auf die Bühne. Es war ja auch warm. Trotzdem gebe ich zu, dass ich dieses Projekt eher unspannend finde und lieber bei VNV NATION bleibe, aber dem größten Teil des Publikums schien es zu gefallen und das ist ja die Hauptsache. Kontrastprogramm die Zweite, boten SAMSAS TRAUM [ Galerie ] doch schon vor ihrem Auftritt Anlass zu wilden Spekulationen. Würde „er“ alte Sachen spielen? Trägt er, wie auch schon auf der Tour, Corpsepaint? Was wird er dieses mal für lustige Ansagen haben? Um es mal vorweg zu nehmen: Keine alten Stücke, kein Corpsepaint, keine Ansagen - nur bretthartes Geknüppel. Kaschte goes Metal und zwar richtig. Das sollte also nun meine sechste Begegnung mit Alexander werden (ja, ich oute mich als ambivalenter Fan) und finde es immer wieder faszinierend, wie der Herr sich in den sechs Jahren doch verändert hat. Sowohl äußerlich als auch musikalisch. Nur die Arroganz ist geblieben, doch kam mir aus dritter Hand zu Ohr, dass das alles nur Show sei und er privat eigentlich ein ganz Lieber wäre. Ich hoffe, ich habe mit dieser Aussage jetzt kein Image zerstört. Den Auftakt machte "Das Zeitalter der Bäume", welches, wie alle anderen nun folgenden Stücke, auf dem aktuellen Album "Heiliges Herz" zu finden ist. Das alles natürlich inklusive wildem Geschüttel des inzwischen recht lang gewordenen Haupthaars. Nach einem "Danke Gelsenkirchen", was auch nahezu die einzige Ansage des Abends bleiben sollte (Abgesehen von einer kurzen "Beschimpfung" des sitzenden Publikumteils auf den Rängen), aber dafür mehrmals wiederholt wurde, ging es weiter mit "Auf den Spiralnebeln" und "Durch springende Lippen". Haupthaargeschüttel, "Danke Gelsenkirchen", "Schlaf in den Flammen", Haupthaargeschüttel, "Danke Gelsenkirchen", "Liebeslied"... So könnte man das einfach bis zum Schluss fortsetzen, denn viel mehr passierte nicht. Einem Teil des Auditorium schien es dennoch zu gefallen, sah man doch hier und da bangende und tanzende Menschen. Nach "Heiliges Herz" und "Das Schwert deiner Sonne" war dann auch Schluss und man verließ ohne Zugabe und ohne auch nur ein einziges der alten Stücke gespielt zu haben, die Bühne. Ich denke, das dürfte einige doch schwer enttäuscht haben. Da ich fast damit gerechnet hatte, hielt sich diese Emotion bei mir in Grenzen und ich will mich auch gar nicht beschweren ob der Titelauswahl, aber hey, ein wenig mehr Show wäre sicher drin gewesen. Und lieber Alexander, lass dir gesagt sein, du wirst mich trotzdem so schnell nicht los. In Sachen Show sollte den Zuschauern jetzt doch einiges mehr geboten werden, standen doch SUBWAY TO SALLY [ Galerie ] in den Startlöchern für ihren Auftritt als Co-Headliner. Bisher habe ich mich erfolgreich darum „gedrückt“, diese Band live zu erleben, da das einfach nicht meine Musik ist. Aber so ist das nun mal auf Festivals, für jeden Geschmack was dabei und nicht alles muss jeden Geschmack treffen. Ich ging dann aber erst mal ganz unvoreingenommen an die Sache ran und schaute, was mich so erwarten würde. Man begann mit "Die Trommel" und ein paar kleinen Feuersäulen, die aus dem Bühnenrand schossen. Besser für die Fotographen, dass sie erst danach den Fotograben betreten durften, hätte das neben dem bei einigen eh schon vorhandenen Sonnenbrand sicher zu weiteren Verbrennungen geführt. Bei "Eisblumen" wurde dann eine hübsche blonde Dame aus dem Publikum auf die Bühne geholt und dort von Eric Fish umgarnt. Ich habe mich dann belehren lassen, dass das bei diesem Lied Gang und Gäbe ist. Vor "Sabbat" wurden dann auch mal wieder Klischees bedient, kündigte Eric doch an mit dem Publikum eine schwarze Messe feiern zu wollen. Uhhh... gruselig. Dennoch war die Stimmung schon fast auf dem Siedepunkt und mit einer kleinen Feuerspuckeinlage wurde das Ganze noch weiter angeheizt. "Die Ratten" sollten die SUBWAY TO SALLY Fans dann als Verbeugung für die jahrelange Treue nehmen und mir fiel sofort der Rattenfänger von Hameln dazu ein. Nun folgte auch das erste mir bekannte Stück nämlich "Kleid aus Rosen". Um dieses kleine Lied habe ich mir schon viele Gedanken gemacht und inzwischen bin ich mir sicher, es geht um Sex. Herr Fish hatte sich in der Zwischenzeit mit roten Rosen bewaffnet, um diese dann im Publikum zu verteilen, bevor es dann mit "Sag dem Teufel" weiter ging. An dieser Stelle gab es dann auch wieder einige Pyroeffekte und mein mitgereister Fotograph schrie nur laut und total begeistert "FEUER!", bevor er seine Kamera zückte und in eine andere Welt entschwand. Ich finde es ja schön, wie einfach manche Leute glücklich zu machen sind. Es folgten "Veitstanz" und "Ohne Liebe" und das Set näherte sich langsam aber sicher seinem Ende. Bei "Sieben" kochte die Stimmung dann aber noch einmal über und überall wurde mitgesungen und getanzt. Ich glaube, zuschauertechnisch war dieser Auftritt der Höhepunkt des Festivals. Ein Lied fehlte dann aber doch noch und es wurden schon Rufe laut und so stimmte man dann zum Abschluss noch "Julia und die Räuber" an, um sich danach unter tosendem Applaus zu verabschieden. Nach dieser Vollbedienung in Sachen Mitmach Metal sollte nun der Headliner ganz anderes musikalisches Terrain betreten. NITZER EBB [ Galerie ] sind zweifellos eine musikalische Legende und einer der Urväter des EBM, ich war dennoch überrascht, wie viele im Amphitheater ausharrten, reine Gitarrenfreaks wird man mit dem Sound nun ganz einfach nicht ansprechen. Auch der nun einsetzende ganz leicht perlende Regen versetzte nur die Allerempfindlichsten in Panik und so konnte das Dreigestirn Bon Harris/ Douglas McCarthy/ Jason Payne vor den riesigen und sehr stimmungsvollen Backdrops loslegen. Leider war nun kein Platz mehr für die äußerst attraktive Drummerin Kourtney Klein, die noch anno 2006 auf dem M’era Luna für die Percussion gesorgt hatte. Aber das störte die vielen anwesenden Ebbheads nicht im Geringsten, die jetzt auch ein wenig für Pogo vor der Bühne sorgten. Sie bekamen wie alle anderen eine packende „Retroshow“ geboten, die kein bisschen bieder oder vergilbt wirkte. Während beim eröffnenden „Getting Closer“ Douglas und Bon noch gemeinsam auf der Stage herumwirbelten, verzog sich Letztgenannter dann nach rechts hinter sein Schlagwerk, welches symmetrisch auf der Linken mit dem von Herrn Payne harmonierte. Knochentrocken, hart, aufs Wesentliche reduziert – so wollen die Fans die klassischen NITZER EBB Tracks und genau das bekamen sie auch geboten. Dazu ein topfitter Douglas McCarthy, der das ab Stück 8 dann auch oberkörperfrei unter Beweis stellte. Unaufhaltsam tigerte er von links nach rechts, legte auch mal lasziv die Hand in den Schritt, Style AND Substance. Mit Songs wie „Shame“, „For Fun“, „Blood Money”, „Lightning Man” oder natürlich “Let your Body learn” kann man ja auch nicht viel falsch machen. Bei „Godhead“ wurden dann auch mal Gitarren-Samples eingesetzt. Leider nahm der Regen nun doch um einiges zu und da eh nur noch eine Spielzeit von 15 Minuten zur Verfügung stand, traten wir in Anbetracht der zu erwartenden „Strapazen“ des Folgetages nun doch den Rückzug an. Wie ausgezeichnet das Wetter war, konnten wir im nachhinein im Spiegel feststellen (trotz aller Vorsichtsmaßnahmen), wie überwiegend gelungen die musikalischen Auftritte, an unserer guten Laune. Zwar hörte man von dem einen oder anderen auch Kritik an jeweils einzelnen Formationen (SAMSAS TRAUM war nicht sehr überraschend häufig im Fokus), doch so ein Festival ist nun mal irgendwo ein Kompromiss und die allermeisten der etwa 3000 Besucher dürften zufrieden in ihr Bettchen entschwunden sein. Oder in ein fremdes. Oder ins Auto. Oder vielleicht auch ins Zelt zur Aftershow Party, wo sich die überwiegend sehr volksnah gebenden Künstler auch noch getummelt haben dürften.

 
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Sonntag: Nach einer recht kurzen Nacht quälte man sich aus dem Bett, erledigte noch schnell die nötigsten Dinge und schon waren wir wieder auf dem Weg nach Gelsenkirchen, um dem letzten Festivaltag beizuwohnen. War es bei Abfahrt noch eher bewölkt, wurde es immer sonniger je näher wir dem Veranstaltungsort kamen und so suchten wir uns lieber einen Platz im rar gesäten Schatten zum Wohle unserer verbrannten Körperpartien. Eröffnen sollten heute die drei Herren von SOLITARY EXPERIMENTS [ Galerie ] , die sich zur Unterstützung noch E-Drummer Marcel Papajewski mit ins Boot geholt hatten. Wie schon vom Samstag bekannt, ging es dann auch pünktlich um 12Uhr los und erstaunlicherweise hatte sich um diese Uhrzeit schon eine beachtliche Anzahl an Menschen vor der Bühne eingefunden, um sich den Auftritt des Openers zu Gemüte zu führen. Die Herren hatten sich auf jeden Fall in Schale geschmissen, rote Hemden und dazu schwarze Krawatten mit aufgesticktem Bandlogo. Und dann gab es Elektro vom Feinsten auf die Ohren, aber ich komme nicht umhin zu erwähnen, dass mich die Stimme von Sänger Dennis schwer an die von Düsterpopper Chris Pohl erinnerte. Dafür bekam man dann aber Songs wie "Delight" und "Pale Candle Light", welches sogar mir bekannt war, um die Ohren gehauen und die Stimmung unter den Zuschauern nahm von Stück zu Stück immer mehr zu. Stellenweise konnte sogar beobachtet werden, dass getanzt wurde. Zum Abschluss des recht kurzen Sets spielte man dann noch "Seele bricht", zu finden auf dem 2007er Werk "Compendium", einem ausschließlich aus Remixen bestehenden Album, bevor man die Bühne räumte. Gleich zu acht enterten die Mittelalterrocker von SCHELMISH [ Galerie ] die Stage und legten mit "Moor" los. Hier auch wieder das Selbe wie bei SUBWAY TO SALLY, ich kann es mir anhören, aber im Grunde ist es nicht meine Musik. Dafür war die Show aber umso besser. Zu "Der Narr" hatte man eine mobile Go-Go-Stange auf die Bühne gebracht und Luzi das L, eigentlich zuständig für Sackpfeifen, Schalmei und Bouzouki, hatte sich in ein neckisches Outfit geworfen, um dann an der Stange eine "laszive" Performance abzuliefern. Dabei legte er dann gleich auch noch einen kleinen Striptease hin, die Menge tobte und der Tanga in Form eines Elefanten (erhältlich in jedem Erotikfachhandel) war zum brüllen komisch. Hier sei dann aber angemerkt, dass der Herr durchaus einen ansehnlichen Hintern hat und die weiblichen Zuschauer ob dieser Ansicht recht erfreut gewesen sein dürften. Getreu dem Motto: Sex Sells. Weiter ging es dann mit "Rotta" und "Kreuzzug gegen die Verlogenheit" und einem inzwischen wieder voll bekleideten Luzi das L. Die Stimmung blieb auch im weiteren Verlauf gut, auch wenn man sich inzwischen wieder etwas zugeknöpfter gab und nach "Tanz mit mir" und "Wir werden sehen" war das Spektakel dann auch schon wieder vorbei. Folgen sollte nun mal wieder Kontrastprogramm mit "Hellectro" von REAPER. Der Obersympaticus Vasi, der schon das ganze Festival über inmitten der schwarzen Schafe lustwandelte, ist mit seinem sagen wir Hellectro/ Trance-Projekt ein Garant für Gute Laune und Tanzflächen Bombardement. Das hat er beispielsweise als Opener für COMBICHRIST schon unter Beweis gestellt. Immerhin hatte man nun als Fotograph die Chance, ihn und seine beiden Tastendreher auch mal bei Tageslicht zu erwischen. Mit Tarnbemalung und unbändigem Bewegungswillen ausgestattet brachte er die Massen auch sogleich in Wallung mit Titeln wie „Execution of your Mind“, „Twisted Trophy Hunter“ oder dem Frauenfreundlichen „She is a Devil and a Whore“. Dazu kamen ein paar nette Ansagen mit Schweizer Akzent, die nach dem elektronischen Geballer geradezu niedlich wirkten. So sollten sich nun alle Anwesenden outen, die älter als 30 oder sogar 35 waren. Leider zuckte da auch mein Arm nach oben, wenngleich ich natürlich viel jünger aussehe. Aber immerhin waren wir Oldies nicht nur eine kleine Minderheit an diesem Wochenende. Jedenfalls präsentierte der REAPER für diese Altersgruppe einen Techno-affinen Instrumentaltrack, zum der rechter Keyboarder geradezu ekstatisch ausrastete und damit drohte, sein Gerät zu zerlegen. Sehr trashig das Ganze aber unterhaltsam ohne Ende und wenn dann noch Ronan seinem Kumpel ein Bier reicht, schließt sich der Kreis der großen freundlichen Elektrofamilie ein weiteres Mal. Eine etwas andere, obschon nicht weniger unterhaltsame Elektro Maschinerie machte sich nun bereit, die Körper am rotieren zu halten. HEIMATAERDE [ Galerie ] um den kühnen Ashlar von Megalon (kurz „Ash“) konnten mich und viele andere beim Amphi Festival 2007 überraschen und begeistern. Ok nunmehr waren die Show-Elemente sicher einigen bekannt, dennoch ist die Mischung aus harten Elektroklängen und Ritterturnier durchaus kurios und einmalig. Die Bühnencrew bestehend aus den Rittern Ansgar, Andreas, Raphael und Nikolaus (kein Copyright auf die Namen, sie MySpace) baute mittelalterliches Gerät auf, flötete herum und nahm hinter den Schildbewehrten Keyboardplätzen oder mit Lanze Aufstellung, während ihr Lehnsherr zunächst beHelmt und später Irokäsig seine Stimme einsetzte zu Titeln wie „Vater“, „In alle Ewigkeit“ oder „Sie zerrt an mir“. Bei letztgenanntem übernahm der SOLITARY EXPERIMENTS Fronter als Gast einen wichtigen Gesangspart. Dazu kam natürlich auch wieder der Blutkelch zum Einsatz, der theatralisch gereicht und dekorativ über Fangzähne und Rüstung gegossen wurde. Beim schlussendlichen „Lebloser Körper“ verweilten die beiden Ritter zur Linken und Rechten zunächst ebenso auf den Bühnenbrettern, bevor sie mit den Schwertern aufeinander losgingen. Ebenfalls nicht die allerhöchste Kompositionskunst aber ein wunderbar anzusehendes Spektakel und darauf kommt es ja gerade live auch an. Das mit dem Spektakel sollten insbesondere ASSEMBLAGE 23 [ Galerie ] bzw. Tom Shear mal genauer ins Augenmerk nehmen, sind seine Live Darbietungen doch zumeist ein klein wenig trist. Ganz im Gegensatz zur Konserve, wo A23 zu meinen absoluten Favoriten gehört. Auf dem M’era Luna beispielsweise sprang der Funke trotz aller Mühen ganz einfach nicht über, doch am heutigen Tag sollte es besser laufen für den Herren mit Wohnsitz Seattle. Daniel Myer und die Dame vom M’era wurden fürs Blackfield ausgetauscht durch einen Live Drummer (mit dem ich Tom bereits mal vor Jahren in Krefeld gesehen hatte) und einen etwas zauseligen Keyboarder. Das Interessanteste bei dem Herrn war der Aufkleber an seinem Synthie, mit dem er sich als Barack Obama Fan outete. Shear ging jeweils keine Risiken ein und präsentierte ein Best Of Set mit 8 absoluten Knallern, zu denen man im Grunde genommen tanzen MUSS. Eine etwas verbesserte Bühnenpräsenz (leider etwas zu leise abgemischte Vocals) ließ dann die durch die beiden direkten Vorgänger angeheizte Meute kaum zum Durchatmen kommen. „Naked“, „Document“ oder das grandiose „Drive“ (um nur mal 3 Exponate zu nennen) sorgten somit für beste Nachmittagsstimmung.

 
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Das schwedische EBM Duo SPETSNAZ [ Galerie ] , gegründet 2001 in Örebro, kommt mit heftig treibenden Bässen daher und ist deutlich von frühen EBMlern wie NITZER EBB oder auch DAF inspiriert. Laut, synthetisch und melodiös, so präsentierten sich die beiden Stefan Nilsson und Pontus Stålberg dem BF Publikum und ließen damit kaum ein Tanzbein still stehen. Ganz vorne an der Bühne war gar wieder fröhliches Pogen zu sehen, wie schon am Abend zuvor bei den Pionieren von NITZER EBB. Die Beats und die frechen Sprüche des Fronters ließen die Tanzfläche immer voller werden, wenngleich sich die schwitzende Tanzgemeinde auch versuchte im Schatten des Sonnensegels, welches über die Bühne gespannt war, zu bewegen. So begeisterten die Beiden die Menge 45 Minuten lang mit Titeln wie „Nothing but black“, „That Perfect Body“ oder „Indifference“, bevor die „Hardcore Hooligans“ dem nächsten Elektro Act Platz machten Pünktlich um zwanzig vor sechs standen Carsten, Tom und Francesco von [:SITD:] [ Galerie ] am Ruder des Blackfield Sonntags. Für mich persönlich die Überraschung des Festivals, hatte mir doch diese Truppe im vergangenen Jahr beim Neuwerk Festival in Düsseldorf nicht besonders zugesagt; und war ich ob dessen im Vorfeld des jüngsten Auftritts nicht sonderlich mit Vorfreude angetan. Doch bekanntlich sind ja erste Eindrücke da, um revidiert zu werden und genau das ist passiert und zwar gründlich! Die melodiös trancigen Klänge, untermalt von treibenden Beats forderten geradezu auf, sich zu bewegen, und wenn sie es nicht vermochten: Fronter Carsten schaffet es allemal, denn mit seiner schnörkellosen ehrlichen Art, ist er dem Publikum näher als manch anderer seiner Musikerkollegen. Der Aufforderung nach Bewegung kamen dann erstmalig an diesem Wochenende so viele Menschen nach, dass von dem Grün auf dem Boden vor der Bühne nichts mehr zu sehen war. Bombastische Stimmungsmache und immer wieder die Anstalten des Sängers mit der Mütze, sich mitten unters Volk mischen zu wollen, versetzten die Fans der elektronischen Musik zum letzten Mal während dieses Festivals in Rage. Hits wie „Snuff Machinery“ oder „Richtfest“ wurden frenetisch gefeiert und lassen jetzt schon darauf freuen, [:SITD:] irgendwann einmal wieder live zu sehen. Am frühen Abend ging es weiter mit einer Formation aus den USA, die es bereits seit Anfang der 90er Jahre gibt. Schwungvoller Electrowave, untermalt von Violine und Gitarre, zudem die markige Stimme des exzentrischen Sängers Rouge lassen THE CRÜXSHADOWS [ Galerie ] erfrischend andersartig daher kommen. Anders als alle anderen dieses Wochenendes begann auch der Auftritt der Amis, denn obwohl sich die Musiker bereits auf der Bühne an ihren Instrumenten betätigten und man die Stimme von Rogue deutlich vernehmen konnte, war dieser nirgends zu sehen. Das sollte sich wenige Momente später ändern, als er, offensichtlich fröhlich und mit einem Headset ausgestattet, die lange Treppe in der Mitte des Amphitheaters herunterkam, mitten durch die sich öffnende Menge vor der Bühne schritt und selbige dann mit wenigen eleganten Kletteraktionen über die Absperrung enterte. Die Fotographen im Graben hatten allem Anschein nach damit nicht wirklich gerechnet und alle Hände voll zu tun, die richtigen Impressionen dieser unerwarteten Aktion vor die Linse zu bekommen. Schnell konnten Rogue und seine Truppe die nun richtig volle Location begeistern, gab es hier doch auch wieder mal eine nette Show zu sehen. Hits wie „Marilyn, My Bitterness“, „Birthday“, „Deception“ und „Dragonfly“ wurden begeistert mitgesungen und der charismatischer Fronter konnte es nicht lassen und kletterte immer wieder mal über den Zaun und tummelte sich singender Weise im dichten Pulk vor der Bühne. Danach sollten auch die Fans des Mittelalter Rocks bzw. der handgemachten Musik noch einmal auf ihre Kosten kommen, doch gab es scheinbar Probleme mit der Technik und die Damen und Herren von SCHANDMAUL [ Galerie ] konnten erst 10 Min. später als geplant mit ihrer Show beginnen. Das taten sie dann allerdings gewaltig, als es um kurz vor halb neun endlich soweit war. Immer mehr Fans hatten sich direkt vor der Bühne eingefunden und standen nun wirklich dicht gedrängt, was inzwischen temperaturtechnisch durchaus angebracht war, denn die Sonne hatte kaum noch Kraft und der Wind war ordentlich aufgefrischt. So wechselten auch wir unsere Stellung, hinein in die letzten Sonnenstrahlen dieses Tages, direkt unter dem Autogrammzelt am oberen Rand des Theaters. Was dann auch unseren Ohren ob der sehr lauten Darbietung zu Gute kam. Jeder Song wurde lautstark von den Fans mit intoniert und die Stimmung wurde immer besser, was nicht zuletzt auch daran lag, dass Sänger Thomas Lindner immer wieder die sitzenden Menschen auf den Rängen dazu aufforderte, endlich aufzustehen und mitzumachen. Weiterhin wies er augenzwinkernd darauf hin, dass es sich bei der Darbietung um tatsächliche Musik handele und deutete auf das Drumkit mit den Worten: „Ihr lieben, das ist ein Schlagzeug – ja, ein echtes. Nicht so ein kleines Ding zum Auf- und Zuklappen…“ Zu hören waren von der vorletzten Band des Abends u.a. „Herren der Winde“, „Leb!“, „Die letzte Tröte“, „Frei“ und noch einige mehr und sie würden vielleicht immer noch spielen, wenn man dem Wunsch der Menge hätte stattgeben können. Doch auch dieser Beitrag war endlich und nun läutete man zur letzten Vorstellung dieses vielseitigen und tollen Festivalwochenendes, der Kult Band LACRIMOSA [ Galerie ]. Ein außergewöhnliches Projekt, mit außergewöhnlicher Musik und seit 1990 um den Wahlschweizer Tilo Wolff unterwegs, der in Gelsenkirchen humpelnd mit einem Stock am linken Arm „bewaffnet“ über die Bühne schritt und seine tiefgründigen, schwermütigen Weisen vortrug. Sehr zur Freude der Anwesenden, und man hatte fast den Eindruck, das Amphitheater sei so voll, wie an den ganzen drei Tagen nicht. Und ich muss sagen: zurecht. Die mir bis zu diesem Tag nicht sonderlich bekannte Kapelle überzeugte mich musikalisch, textlich, wie auch durch ihre Bühnenshow. Auf der eigens aufgezogenen Leinwand im hinteren Part, untermalte man die Lieder mit den passenden Videos. Diese, allesamt lustvoll morbide und herrlich bedrückend, sorgten mehr als einmal für Gänsehautstimmung. Kraft- und gefühlvoll präsentierten LACRIMOSA „Brennender Komet“, Alleine zu Zweit“, „Alles Lüge“, „Letzte Ausfahrt: Leben“, „Der Morgen danach“, „Lichtgestalt“ und einige mehr. Auch Anne Nurmi, die finnische Dame an Tilos musikalischer Seite, kam mit ihrer zarten Stimme für ein Stück zum Einsatz, währenddessen der Frontmann virtuos das Keyboard bediente. Leider, leider kamen sie auf Grund der Verzögerungen zuvor bei SCHANDMAUL nicht mehr dazu, die geplante Zugabe zu spielen, denn die Deadline 23.00 Uhr musste auch bei diesem großartigen Finale berücksichtigt werden. So verstummten die schönen Klänge um Punkt elf und ließen ein Publikum zurück, welches gerne noch mehr gesehen und gehört hätte.

 
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Auch wir machten uns nun langsam auf die müde getanzten Beine und waren uns völlig einig. Das war ein absolut gelungenes Wochenende. Die gesamte Organisation zur großen Zufriedenheit, die Location ideal, das Wetter hinreißend. Die Auswahl der Bands so, dass für jeden Geschmack etwas geboten wurde und insgesamt eine herrlich gut gelaunte und vor allem friedliche Stimmung unter den Festivalbesuchern herrschte. So ging das erste Blackfield Festival zu Ende und hinterließ durchweg positive Eindrücke. Nachdrücklich erwähnens- und liebenswert die ständige Präsenz von MODCOM und VNV Mann Ronan Harris, der sich immer wieder in Mitten der schwarzen Besucherschar wiederfand und mehrfach fröhlich den Oberkellner für die jeweils auftretenden Musiker mimte. Begleitet wurde der freundliche Herr von einem kleinen schwarzen Hündchen, welches ihm zumindest im Backstage Bereich ständig fröhlich um die Beine trappelte. Offensichtlich hatten auch diese beiden ihren Spaß an der Veranstaltung. Blackfield im Amphitheater 2009: da werden wir uns wieder einfinden, zumal zumindest die ersten beiden bestätigten Headliner VNV Nation und ASP bereits jetzt dazu verlocken.

 

Ein großes Dankeschön geht an die Kollegen vom Musik Terrorverlag, welche uns bei der Berichterstattung tatkräftig zur Seite standen. Des weiteren möchten wir auf die nächste Ausgabe des Zillo Musikmagzins [ Ausgabe 09/08 ] hinweisen, in dem es eine 8 Seitige story über das Blackfield Festival, mit vielen Hochglanz Fotos unseres Fotografen Sandro Griesbach, geben wird!

 
Text Quelle: .Musik-Terrorverlag [ TK, Death Angel, IKA ]
Bilder: .Sandro Griesbach, Carsten Terres [ 469 Bilder ]