ASP .-Zaubererbruder Unplugged Tour- ...[ Christuskirche, Bochum  12.10.2008 ]
 

Nach 2006 machte sich der schwarze Schmetterling zum zweiten Mal auf, um seine Fans mit einer unplugged-Tour zu erfreuen. Waren beim ersten Mal noch die Jungs und Mädels von Der Band Chamber mit von der Partie, so wurde diesmal die Geschichte eines Müllerburschen Namens Krabat zum Anlass genommen, den Stöpsel aus der Gitarre zu ziehen. Und wir hatten erneut die Gelegenheit bekommen, an diesem tollen Ereignis, mit Bochum und Offenbach, gleich an zwei verschieden Spielorten dabei sein zu dürfen. [ Galerie Bochum ]

 

Zaubererbruder wo bist du gewesen in all diesen finsteren Jahren…, so lauteten die erste Worte des Zaubererbruders, doch wissen auch wir nicht wo er in den finsteren Jahren war. Einen der Zaubererbrüder, den vielen auch als schwarzen Schmetterling kennen hatte es allerdings an diesem Wochenende in die Christuskirche nach Bochum verschlagen, wo er gleich zwei Konzerte hintereinander, seiner restlos ausverkauften unplugged – Tour zum Besten gab. Der schwarze Schmetterling hatte zusammen mit seinen Freunden im Vorfeld einen dunkelromantischen Herbstabend mit Geschichten über Zaubererbrüder, schwarze Schmetterlinge und anderen Kreaturen der Nacht versprochen und mit dieser Ankündigung hatte er nicht übertrieben. Das Konzert sollte ein unvergessliches Ereignis werden. Wie es zu dieser Tour und der Idee kam die Krabatsage zu vertonen, konnte ich vor dem Konzert mit dem schwarzen Schmetterling besprechen [ siehe Interview ]. Während ich noch mit ASP sprach versammelten sich schon gut eine Stunde vor dem Konzert, hunderte Fans vor der Kirche der Kulturen, im Herzen der Bochumer Innenstadt.

 

Um sich direkt nach Einlass in einem Sturmlauf die begehrten Plätze in den ersten Reihen des komplett bestuhlten Saals zu sichern. Eröffnet wurde mit den Klängen des Intros und schon in diesem Moment war dem Publikum klar, dass dieser Abend auch rein musikalisch etwas ganz besonderes werden sollte. Jeder Ton und jedes Instrument waren glasklar zu hören und ich hatte das Gefühl nicht auf der Empore der Kirche sondern, mitten zwischen den Musikern zu sitzen. Daher möchte ich an dieser Stelle einmal die herausragende Arbeit der Tontechniker erwähnen, die ja bekanntlich in Berichten nur selten Würdigung erfahren. Doch es gab nicht nur für die Ohren etwas besonderes zu hören, auch für visuelle Genüsse wurde gesorgt, so war die Bühne der Christuskirche mit sechs großformatigen Bilder aus der Krabatsage dekoriert, die im Laufe des Abends so geschickt angeleuchtet wurden, dass die Wirkung des Bildes sich immer wieder veränderte. ASP betrat mit Dreispitz auf dem Kopf und dem Koraktor, dem Zauberbuch der schwarzen Künste, in der Hand unter den Klängen des „Betteljungen“ um kurz vor acht die mit Bühne. [ Galerie Offenbach ]

 

Der schwarze Schmetterling hatte im Vorfeld schon angekündigt, dass er auf dieser Tour noch einige Freunde mitnehmen würde, die ihn im Gegensatz zum Rock-Ensemble noch musikalisch verstärken sollten. Daher fanden sich sieben Musiker auf der Bühne der Kirche ein. So wurde die Band zusätzlich von Ally Storch-Hukriede an der Geige, Thomas Zöller mit verschiedenen Flöten, Carlos Serrano an den Percussions und Sylvia Eulitz am Cello unterstützt. Zu Beginn des Auftritts wurden vor allem Lieder aus dem aktuellen Album Zaubererbruder gespielt, die ASP immer wieder mit einigen Worten aus dem Koraktor kommentierte. Die Stücke waren im ersten, gut einstündigen Teil des Konzerts, eine gut gelungene Mischung aus ruhigen Balladen und einigen Midtempo-Stücken, welche perfekt den ruhigen und melancholischen Charme des Abends widerspiegelten. Rockiger wurde es erst nach der Pause, die allerdings mit einem Paukenschlag eingeleitet wurde. Das Lied "Abschied" wurde mit einer kurzen Ansage von ASP eingeleitet, in der er sagte, dass ihn des Öfteren vorgeworfen wurde die Melodie würde nicht aus seiner feder stammen.

 

Die Kritik beantwortete er damit in den Song Elemente von Robbie Williams „Let me entertain you“ und dem Roxette „Hit The Look“ zu spielen, was dazu führte, dass vor der Pause doch noch einmal richtig gerockt wurde. Anschließend folgte der zweite Teil des Abends, so dass die Zuschauer im Endeffekt mehr als drei Stunden ASP genießen konnten. Dominierten im ersten Abschnitt vor allem die neuen Lieder, so wurden in der zweiten Hälfte eine ganze Reihe älterer Hits gespielt, die allerdings durch das völlig neue Arrangement ein ganz Neues Erlebnis darstellten. Lieder wie „Nie mehr“, „Und wir tanzten“, „Duett“ oder „Stille der Nacht“ wurden vom enthusiastischen Bochumer Publikum gefeiert, so dass es die Fans immer wieder von ihren Sitzen riss und aus dem düsterromantischen Abend eine Party gemacht wurde und der ehemals geweihte Kirchenboden kurzer Hand zu einer Tanzfläche umgewandelt wurde. Mit der ersten Zugabe, überraschte der schwarze Schmetterling mit einem neuen Outfit und kam mit Frack und Zylinder zurück auf die Bühne, um stilecht in das "Varieté Obscure" einzuladen.

 

Das Lied welches ASP zu dem gleichnamigen Comicband von Ingo Röhmling verfasst hatte, passte hervorragend in die Rahmen des Abends und der schwarze Schmetterling, der sichtlich am Ende des Kräfte war gab noch einmal alles. Abgeschlossen wurde das Konzert, wie es sich für ein ASP-Gig gehört mit „Ich will brennen“, dass nur von Matzes Gitarre und ASP Stimme dargeboten wurde. Die anderen fünf Musiker fanden sich nach und nach unter donnerndem Applaus des Publikums auf der Bühne ein und klatschten die Melodie im Stile eines Gospelchors einfach mit. So endete eine Veranstaltung an die sich das restlos begeisterte Bochumer Publikum mit Sicherheit noch lange erinnern wird. Wer nicht mit dabei sein konnte, oder dessen Erinnerungen im Laufe der nächsten Monate verblassen sollte, hat im nächsten Jahr die Chance sich das Konzert auf DVD zu kaufen, denn die Christuskirche war voll mit Aufnahmegeräten und diversen Kameras die den Abend für die Ewigkeit festhalten sollten.

 
Text: .Carsten Terres
Bilder: .Carsten Terres [ Bochum 12.10.2008 ], Sandro Griesbach [ Offenbach 13.10.2008 ]