ASP "Horror Vacui Tour" - Lahannya ..[ Batschkapp, Frankfurt 06.04.2008 ]
 

Horror Vacui, so lautet der Name des aktuellen Best-Of Albums und der derzeitigen Tour von ASP, ist lateinisch und bedeutet soviel wie „Abscheu vor der Leere“. Angst vor leeren Räumen mussten der charismatische ASP und seine Crew aber keineswegs haben, denn die Batschkapp drohte aus allen Nähten zu platzen. Der erste Streich war also geglückt, die Halle war gefüllt, nun galt es, sie zu begeistern. Es liegt natürlich immer im Auge - bzw im Ohr - des Hörers, was man als „Best Of“ eines Künstlers bezeichnen will, aber das Konzert hielt eindeutig, was die Horror Vacui Platte versprach.

 

Doch bevor es mit ASP losging war mit LAHANNYA [ Galerie I & Galerie II & Galerie III ] erst einmal der Support an der Reihe. Die Band, bestehend aus Frontfrau Lahannya, welche bereits als Gastsängerin bei SOMAN aktiv war, Bassist Lutz, den meisten sicher auch von UMBTA ET IMAGO bekannt, sowie Chris an der Gitarre und Belle an den Drums. Die Band bot dem Frankfurter Publikum soliden Gothic-Metal und lieferte eine durchaus ordentliche Leistung ab. Zu keiner Zeit kam Langeweile auf, wie dies schon ab und an mal bei anderen Vorbands der Fall war. Gespielt wurden hauptsächlich Stücke von ihrem Debut Album "Shotgun Reality", welches seit Ende letzten Jahres im Handel erhältlich ist. Den Beginn machte aber " Welcome To The Underground", der gleichnamige Song der aktuellen EP, gefolgt von "Narcotic" und "Charades". Die Stücke gingen allesamt direkt ins Ohr und vor allem Lutz war die langjährige Erfahrung und Spielfreude anzusehen. Nach "Silent Victim" gab es eine kleine Pause und Sängerin Lahannya verschwand hinter die Bühne, um kurz darauf mit einer, mit lauter Jägermeister Flaschen behangenen Kette, wieder auf selbige zurück zukkehren und Gitarrist Chris zu seinem 30igsten Geburtstag zu gratulieren. Ja ja die lieben Engländer dachte sich da wohl der ein oder andere im Publikum und hätte sicher gern eine der Flaschen abbekommen. Als letzten Song präsentierten LAHANNYA "Doors" und wurden von der ASP Gemeinde applaudierend entlassen. Nachdem die Bühne geräumt war, hieß es eine Weile geduldig warten und dem ein oder anderen bot sich vielleicht die Chance einen Drink zu holen, wenn dies überhaupt noch möglich war bei dem Gedränge, denn bei ASP wollte natürlich jeder in der ersten Reihe stehen. Der Ärger über die engen Verhältnisse verflog jedoch schlagartig als Frontmann Asp, Matze, Tossi und Oliver die Bühne betraten.

 

Nach „Welcome“ als Intro begrüßte ASP [ Galerie I & Galerie II & Galerie III & Galerie IV & Galerie V & Galerie VI ] seine Fans in seiner Heimatstadt und war selbst sichtlich erfreut über das erneute zahlreiche Erscheinen, nachdem er doch erst eine Woche zuvor dort die Massen bereits besungen hatte. Mit „How far would you go“ ging das Konzert anschließend aber erst richtig los und wer nicht mitspringen wollte, hatte es in der engen Menge ziemlich schwer, denn es gab kaum ein ruhiges Plätzchen, wo nicht wild die Arme in die Luft geworfen wurden. Gefolgt von den vom "Schwarzen Schmetterling" und dem Hit "Weltunter", genau die richtigen Titel um die Menge auf Betreibtemperatur zu halten. Schon als fünften Song präsentierten ASP „Sing Child“, was wohl einer von den Stücken war, der die Leute am meisten bewegte. Es war nahezu unmöglich, sich nicht von der springenden, klatschenden Masse mitreißen zu lassen, die die Halle jetzt von vorne bis hinten in ein Meer von Händen verwandelte. Hier musste man einfach dabei sein, und wer keinen Platz mehr für seine Jacke an der vollen Garderobe bekommen hatte, feuerte sie spätestens jetzt irgendwo an den Rand und machte kräftig mit. Sehr schön war es auch, „Die kleine Ballade vom schwarzen Schmetterling“ live genießen zu können, geht diese Geschichte und die hypnotische Musik doch sowieso schon unter die Haut. Mit der ausdrucksstarken Live-Stimme von ASP aber ein absolutes Gänsehaut-Erlebnis. Etwas ruhiger ging es mit „Me“ weiter, was dem ein oder anderen sicher die Bilder des wundervollen dazugehörigen Videoclips ins Gedächtnis rief, der die Tage ja sogar in einigen Kinos als Vorfilm auf großer Leinwand bewundert werden konnte, aber auch als DVD für das heimische Kino dem "Horror Vacui" Silberling beiliegt.

 

Ein echtes Highlight war auch die tolle Performance von „Nie mehr“, denn ASP holte sich Lahannya als weibliche Unterstützung mit auf die stage und legte mit ihr ein gefühlvolles Duett aufs Frankfurter Parkett, wobei Lahannyas kraftvolle Stimme dem ohnehin bombigen Song noch mehr Wirkung verlieh. Oft sangen die beiden Arm in Arm und bei manchem Blick oder Lächeln kaufte man den beiden das flirtende Paar fast ab. In den dröhnenden Applaus, den es nach jedem Song gab, mischten sich immer wieder mal ein paar zaghafte „Wir wollen brennen“-Rufe, die aber vorerst ganz und gar nicht von der Band beachtet wurden – das beste kommt eben erst zum Schluss. Zunächst sollte das Geigenspiel am Anfang von „Werben“ den Boden zum Vibrieren bringen – zwar kamen die Violinen hier nur aus den Boxen, aber der Sound war einfach genial. Und als der wie immer dunkel geschminkte ASP hier den betörenden Text ins Mikrofon raunte, wurde einem seine Ausstrahlung und Aura noch einmal mehr bewusst – einfach charismatisch! Aber genug Romantik, auch wenn es noch so schön ist. Schließlich kann ASP auch ganz anders und darum durfte sein Bekenntnis „Ich bin ein wahrer Satan“ bei einem Best Of Konzert auch nicht fehlen. Während sich damit der offizielle Teil allmählich dem Ende neigte, rissen die Zwischenrufe und der Wunsch zu brennen, immer noch nicht ab. Nach „Duett“ beendeten ASP ihren Auftritt mit dem Song „Schwarzes Blut“, welcher noch einmal lauthals mitgesungen wurde und nach dem die „Vorwärts-Abwärts“-Rufe mit entsprechenden Handbewegungen gar nicht aufhören wollten. Eine Band wie ASP kann im heimischen Frankfurt natürlich nicht einfach so gehen und darum wurde der Wunsch nach einer Zugabe gern erfüllt: „Lykanthropie“ entfesselte die inneren Wölfe und brachte die Menge zum toben.

 

Trotzdem blieb es den Fans immer noch verwährt, endlich zu brennen. Stattdessen gab es nach dem zweiten Abschied mit Wiederkehr eine klangvolle Akustik-Version von „So viel tiefer“ und anschließend mit „Und wir tanzten“ einen der bekanntesten ASP-Songs und heute und hier tanzten um die 800 Menschen in der Kapp. Es herrschte mittlerweile eine Mordshitze und trotzdem wollte das Publikum nicht aufhören, diesen einen und letzten Song zu erbitten – und endlich, nach 21 langen Liedern erhörte die Band ihre Fans. „Ich will brennen“ schlug dementsprechend ein wie eine Bombe und selbst weit hinten an der Bar war die Stimmung hitzig und die Leute alle in Bewegung. Einige wenige konnten sich auch kaum beherrschen und schubsten beim heftigen Springen ein paar Leute, allerdings blieb das alles in allem sehr friedlich. Damit fand das zweite Heimspiel von ASP während der Horror Vacui Tour also sein Ende und nachdem sich die Band bei dem großartigen Publikum bedankt hatte, wurden die aufgeheizten Fans glücklich in eine kühle April-Nacht entlassen.

 
Text: .Nadine Schmitt,. Sandro Griesbach
Bilder: .Sandro Griesbach