Angels & Agony - Legacy of Music ..[ Muk, Giessen 15.04.2008 ]
 

Die niederländische Electro-Band um Sänger und Mastermind Reinier Kahle hat sich fast drei Jahre Zeit gelassen, um einen Nachfolger für ihr von Kritikern und Publikum gelobtes Album „Avatar“ einzuspielen. Im Januar war es dann soweit und ihr jüngster output "Unison" erschien auf dem Markt. Zeit also um auch die Live Qualitäten den Fans unter Beweiß zu stellen und auf Tour zu gehen. Wir schreiben den 15. April 2008, 20:20h und fahren gerade auf den Parkplatz der Rivers Automeile in Gießen vor, aber wohin das Auge schaut, gähnende Leere. Auch im MUK selbst, eine überschaubare Menge an Menschen und wunderten uns, dass bei einer doch recht bekannten Band Ansturm ausbleibt. Wir blickten vielleicht auf knapp 50 Menschen, die sich in überschaubaren Grüppchen an Stehtischen oder der Bar zusammengetan haben und sind gespannt, wie sich die Stimmung im Laufe des Abends noch entwickeln wird.

 

Punkt 21.00 Uhr stürmten die Dresdner LEGACY OF MUSIC [ Galerie I & Galerie II ] auf die Bühne und lockten so die Zuschauer vor die Bühne. Recht schüchtern und zurückhaltend warteten diese gespannt, was die Jungs zu bieten haben. Sänger Nick legte direkt los und versuchte Stimmung in das recht träge Publikum zu bringen, was ihm jedoch zunächst nicht so recht gelingen mochte. Dennoch ließ er sich nicht entmutigen und lockerte uns mit ein paar Sprüchen etwas auf. Mit einer Mischung aus melodischen Synthieklängen und einer durchdringenden Bassdrum drangen die Songs doch recht gut ins Ohr und brachten das ein oder andere Bein zum Wackeln. Frontsau Nick, geblendet vom Scheinwerferlicht, entledigte sich etwa in der Hälfte der Show von seinem absolut luftundurchlässigen Lackmantel und zeigte, dass er im Fitnessstudio die letzten Wochen doch einige Male fleißig trainiert hatte und machte mit seinem Muskelshirt neugierig auf seine Tattoos. Jedoch konnte auch dieser Anblick dem Publikum nicht so recht einheizen und der große Beifall blieb aus. Nach knapp einer Stunde verließen LEGACY OF MUSIC die kleine Bühne des MUK wieder und gönnten sich zur Belohnung das ein oder andere kühle Nass an der Bar. Gegen 22:30h vernahm man schon die ersten Klänge der Holländer ANGELS & AGONY. Etwas mutiger sammelten sich nun die Fans vor der Bühne und waren sichtlich freudig erregt, als Reinier Kahle die ersten Worte zur Begrüßung über die Lippen brachte. Schon bei den anfänglichen Takten zu „Stronghold“ sah man in glückliche und zufriedene Gesichter. Mit „Division“ trumpften die Holländer gleich mit einem zweiten Song aus dem Album „Avatar“ auf und brachten das Eis im Publikum. Spätestens bei „Wreckage“, einem Titel vom aktuellen Silberling „Unison“, wurden auch die müden Knochen der Fans etwas in Bewegung gebracht.

 

Reinier holte sich in einem exzellenten Deutsch auch immer wieder Rückmeldung und Bestätigung von der kleinen Menschentraube. ANGELS & AGONY [ Galerie I & Galerie II ] zeigten eine gelungene Mischung aus tanzbaren Songs und ruhigeren Klängen, in denen man sein Tanzbein ausruhen und einfach den Moment genießen konnte. Keine Sekunde ergab sich die Chance, sich zu langweilen, im Gegenteil. Jeder kam auf seine Kosten, langjährige Fans, die alle Zeilen mühelos und fehlerfrei mitsangen und Neulinge, die dem aktuellen Album „Unison“ schon mit Freuden gelauscht hatten. Spätestens bei „Forward“ erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt und wirklich alle hatten ein Lächeln auf dem Gesicht. Frontmann Reinier ließ sich von der guten Stimmung anstecken und ließ es sich nicht nehmen, einen kleinen Abstecher ins Publikum zu wagen und den spärlichen Stimmungsmachern persönlich mit einem Handschlag zu danken. Ein schönes Highlight waren auch Erik und Fried, die sich live an ihren E-Gitarren versuchten und einen aggressiv aber dennoch klangvollen Soundteppich kreierten. So etwas gibt es bei Electrobands ja auch nicht alle Tage. Die seit 1995 bestehende Formation aus Holland stellte exklusiv ihren Song „Lifelight“ vor, der auf dem kommenden Out of Line Sampler „Awake the Machines Vol. 6“, veröffentlicht wird. Reinier betonte: „Ist nicht schlimm, wenn ihr den Text nicht kennt-wir auch nicht!“ Das macht sie doch gleich viel sympathischer…Nobody’s Perfect eben. Auch nicht nach 13Jahren Banderfahrung. Ohne ersichtliche Panne meisterten sie jedoch auch diese Hürde. Nach „Darkness“ verabschiedeten sich die Jungs und verließen die Bühne. Jedoch wurden sie mit zwar wenigen, dafür aber umso kräftigeren Zugabe-Rufen wieder zurückgeholt, wo sie „Traveller“ und „Unison“ aus dem gleichnamigen Album performten.

 

Reinier mischte sich sodann direkt unter das tanzende Volk und tat es ihnen gleich. Nach knapp 90Minuten war aber endgültig Schluss. Bereitwillig gaben die sympathischen Holländer nach ihrem gelungenen Auftritt Autogramme und ließen sich auf den einen oder anderen Plausch mit den Fans ein. Alle waren traurig, dass nur so wenige Zuschauer an diesem Dienstagabend den Weg ins MUK gefunden hatten. Ob es an mangelnder Werbung oder den Auftrittstermin mitten in der Arbeitswoche lag, weiß wohl niemand so recht. Nur eins ist sicher, es ist nun unsere und eure Aufgabe das MUK bei den nächsten Konzerten der Szene mit Leben zu füllen!

 
Text: .Maike Kowalle
Bilder: .Carsten Terres