Unheilig & darkmoments [ 16. Februar 2006]
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Bereits vor einigen Wochen haben wir über das neue Album "Moderne Zeiten" von "Unheilig" und die bevorstehende Tour berichtet [hier]. Nun ist es endlich so weit: das Album ist völlig zu Recht in die MediaControl-Charts unter die TOP100 vorgeschossen und die Tour startete am Donnerstag Abend im Kölner "Underground". Das war für uns Anlass genug mit dem sympathischen Grafen noch vor dem ersten Auftritt einen kleinen Plausch zu halten. Aber lest selbst ...
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darkmoments: Schön, dass Du Dir die Zeit genommen hast für ein kleines Interview...
 
der Graf: Ja, klar. Hallo!
 
darkmoments: Kommen wir direkt zum Album. Gab es Schlüsselmomente für Dich während der Produktion zu "Moderne Zeiten"?
 
der Graf: Ja, die waren also, glaub ich, wenn, dann vorher. Ich hab so unheimlich viele Sachen im Kopf gehabt, die ich dann irgendwo mal auch verarbeiten wollte. Irgendwann hab ich dann auch mal gemerkt, dass sich das ganze Album ja mit so vielen Alltäglichkeiten beschäftigt, eigentlich die völlig normalen Dinge, die wir alle irgendwo mal erlebt haben. Ob's der Weg nach Hause ist, von der Arbeit, und man denkt darüber nach, was man den ganzen Tag gemacht hat, oder wo man da überhaupt arbeitet, und ob man wirklich das tut, was man gerne möchte, und das sind alles so Momente, die also irgendwo dann auch von alleine kamen. Ein Moment war... also ein Schlüsselmoment war auf jeden Fall bei "Astronaut" , da bin ich auf die Idee gekommen, ich hab also, es ist immer so, dass ich nachts meistens aus dem Studio komme, so irgendwann zwischen zwei und drei, und man denkt: "Oh Gott, jetzt musst Du mal ins Bett!"... und... da geh ich meistens immer noch mal kurz auf den Balkon, 'ne Zigarette rauchen, um mal runter zu kommen. Ja, und da hab ich da halt gesessen, und war super Sternenhimmel, und da hab ich gedacht so: "Ja, da oben ist vielleicht jemand und sieht Dich gerade." Und da war wirklich diese Idee zu "Astronaut" da. Da ist mir der Text auch sofort eingefallen, ich hab den aufgeschrieben, und am nächsten Morgen war er dann da. Also das war schon in allem so für mich ein Schlüsselmoment. Ja, Schlüsselmoment, okay, dann bin ich Pate geworden, von meinem Patenkind, und aus dem Grunde hab ich dann dieses Lied "Mein Stern" dann auch quasi gemacht, wo der Text zum ersten Mal ja jetzt auch nicht von mir ist, sondern den hat jemand geschrieben, der Vater geworden ist. Ein Freund von mir. Und als ich den gelesen hab, hab ich gedacht: "Ja, passt ja im Moment irgendwie." Ich hab 'ne Gänsehaut bekommen und da hab ich gedacht: "Den möchtest Du jetzt auch gerne machen." Das waren so eigentlich die ersten Schlüsselmomente. Bei Sonnen- aufgang, okay... hab ich einfach gedacht... hier... ich hab ja auch mal 'nen ganz normalen Beruf gemacht und gedacht: "Ist es das?"

 
darkmoments: Welchen?
 
der Graf: Das sag ich nicht! *schmunzelt*
 
darkmoments: Genau wie den Namen?!?!
 
der Graf: Nee nee... genau! *lacht* ... und dann hab ich einfach gedacht... also, diese ganzen Alltäglichkeiten. Also, es gab diese Montagsdemonstrationen, wo die Leute auf die Strasse gegangen sind weil sie Angst hatten ihren Job zu verlieren. Da ist dann "Gelobtes Land" auch dazu gekommen... wo man die dann auf der Strasse sieht. Das sind eigentlich so ganz normale Alltäglichkeiten, die Du im Radio hörst, im Fernsehen sehen kannst, oder in deiner Familie vielleicht mal siehst... das waren eigentlich so die Momente. Daher ist es auch mein persönliches... mein persönlichstes Album. Kann man eigentlich schon so sagen, weil wirklich, das waren so Momente, da flog alles so auf einen zu... und das ging auch super schnell. Also, ich hab irgendwann mal angefangen, der erste Song war "Goldene Zeiten", den ich da gemacht hab... das war noch so'n kleiner Rückblick, und dann lief das von alleine irgendwie. Ich kann aber nie beschreiben, wie das ja alles genau funktioniert, weil irgendwann bist du so in dem Produktionsding drin, und Du vergisst alles andere um dich herum und bist nur noch so darauf fixiert... auf Ideen... und wie man so die Lieder machen kann... und plötzlich ist so ein Album fertig! Das würd ich so als Schlüsselmomente sagen. Das heisst letztendlich... Du hast nicht im voraus ein Konzept gehabt oder so sondern Du hast einfach Punkte aus dem Leben genommen... ? Hm... nee... ich hatte immer die Idee von "Moderne Zeiten". Das war vor "Zelluloid" schon. Aber ich wusste nicht wie ich das umsetzen sollte... das war mir irgendwie nicht klar. Und ich hab dann auch irgendwann... was haben wir jetzt? 2006... 2005... Ende 2004 hab ich mich eigentlich hingesetzt und alles was den Sound betraf so für einfach mal ausprobiert um mir dann einen Rahmen zu schaffen, dass ich irgendwann Mitte des Jahres anfangen kann ein Album zu produzieren und man kann sich wirklich auf die Texte und auf die Kompositionen und auf das Singen und alles konzentrieren. Und dieses Konzept mit "Moderne Zeiten", wo so ein bisschen auch so die Filmeindrücke gerade von dem "Chaplin"-Film oder von 1984 von Georg Orwel oder so, diese Zukunftsvisionen, die waren immer da, aber ich wusste nie, wie ich das fixieren konnte. Und da hab ich mir irgendwann gedacht: vom Prinzip her kannst du das ja auch auf die heutige Zeit machen, weil wenn man das Intro ja hört, mit dem Kinderstimmchen, dann sieht man ja in erster Linie: "Gott, was 'ne Horrorwelt!".. und das ist ja weit weite Zukunft, aber vom Prinzip kannst du plötzlich, je länger Du das Album hörst oder die einzelnen Songs hörst, findest Du Dich in den Songs wieder, die ja eigentlich vom dem Intro auch erklärt werden. Und daran sieht Du eigentlich, dass das ja gar nicht so fremd ist. Wir haben alle Angst, den Job zu verlieren... ja, das wird oft als Druckmittel genommen, von den Arbeitgebern... Du bist die Nummer 115, und wenn's Dir nicht gefällt, wie das hier ist, dann kannst Du ja gehen. Vom Prinzip ist das schon so; etwas verschleiert heutzutage oder... verschleierter heutzutage als in diesen Zukunftsvisionen von diesen gerade genannten Filmen. Aber es ist schon da! Und da soll man einfach für sich so ein bisschen so... War halt sehr spannend irgendwo. Und das war halt der Grundsatz des Konzeptes. Und je mehr das Album so von Song zu Song wuchs... hab' ich eigentlich immer so mehr gemerkt, dass das irgendwie wie ein Lebensabschnitt ist. Fängt an mit dem Kind, dann lernst du... dann blickst du zurück... dann machst du deine Erfahrungen, dann willst du alles... und dann machst du deine ersten... lass uns Liebe machen... dann kommst das dazu *lacht*... dann gehst du in den Beruf, dann arbeitest du, für den einen ist es dann nachher vielleicht ein Kind zu kriegen, daher... das Album fängt ja an mit einer Kinderstimme und hört ja auf mit einem Song, der eigentlich von einem Kind handelt, und das ist irgendwie so eine Art Epoche für mich auch. So ist das Album eigentlich entstanden. Vieles entwickelt sich auch immer. So ein Grundgedanke war schon da. Aber einfach muss man dann auch irgendwo mal anfangen und dann schauen, dass das dann... und so lief es dann von alleine. Also, wenn die Zeit reif ist, geht's.
 
darkmoments: Hast Du denn auch einen festen Plan für dein Leben irgendwie?
 
der Graf: Nee! Nein, also ich will in Ruhe Musik machen. So, wie es jetzt ist, ist es okay. Also ich hatte schon irgendwie den Wunsch immer Musik machen zu wollen. Also, das geht ja nun auch nicht von der einen Sekunde auf die andere, weil irgendwo eine Existenzangst hat ja jeder. Man muss ja auch bestimmte Sachen einfach machen, damit man irgendwie Geld verdient und über die Runden kommt. Ich ich hab einfach vor fünf oder vor sechs Jahren einfach gesagt: "Ich probier's mal. Mal gucken wie weit Du kommst." Ohne Unterstützung seitens der Familie oder Eltern wäre da gar nichts gegangen. Das geb ich auch ganz offen und ehrlich zu. Also, ich bin jetzt kein Typ der irgendwie im Lotto gewonnen hat und da überhaupt nicht mehr von abhängig ist, aber ich hab eigentlich angefangen wie einer der sich ganz normal selbstständig macht. Der muss auch seine normalen... der macht auch erstmal rote Zahlen, steckt rein, verzichtet auf Urlaub, und alles Private muss nach hinten gestellt werden... und ich bin froh, dass es jetzt so weit ist. Es ist zum Glück gut gegangen. Aber es war auch nicht einfach. Aber es ist okay! Wenn es dann Spass macht, ist es gut! Weil sonst würde ich mir irgendwann in zwanzig Jahren die Frage stellen: "Ja, hättest Du es damals doch mal probiert." Und die brauch ich mir jetzt nicht zu stellen. Wenn es irgendwann mal kracht oder es klappt nicht mehr, weiss ich wenigstens, was daraus geworden ist. Und von daher ist es schon einfacher.
 
darkmoments: Wir wissen, dass Du sehr guten Kontakt zu deinen Fans pflegst... auch sehr intensiven. Du bist ein sehr "naher" Künstler. Beeinflussen Dich die Fans auch während der Produktion?
 
der Graf: Ja, auf jeden Fall!
 
darkmoments: Also die ganzen Einflüsse nimmst Du mit?
 
der Graf: Ja! Also gerade Geschichten, was mir die Leute erzählen. Gerade bei "Moderne Zeiten" sind auch bestimmte Sachen, die ich erzählt bekommen habe von den Fans. Es sind ja nicht nur Sachen die ich jetzt im Fernsehen sehe, sondern auch Geschichten, die ich erzählt bekomme. Du kriegst ja Fanpost, oder da erzählen Dir wirklich Leute von irgendwelchen Schicksalsschlägen, wo man sich wirklich sagt, da kannst Du eigentlich - das sehe ich immer so an wie eine Ehre, das die mir das mitteilen. Weil ich bin ja eigentlich vom Prinzip her ein fremder Mensch. Aber die erzählen mir da Sachen, wo ich dann wirklich denke: "Wow!" Was die Musik bedeutet zum Beispiel, oder wo sie gerade hilft, oder wenn jemand krank geworden ist oder die Musik hilft dann. Das hilft mir total! Und das sind so Schicksale, die ich in der Musik auch verarbeite. Auch das Feedback gegenüber den Songs verarbeite ich auch sofort. Wenn bestimme Songs überhaupt nicht ankommen, aus irgendeinem Grund, dann denk ich mir: du machst ja Musik nicht nur für dich alleine, sondern du machst ja mittlerweile Musik für so viele Leute, die auch gerne das nächste Album haben wollen, die die Songs ja auch gerne wieder neu hören wollen oder andere Songs quasi wieder haben wollen. Also, das geht schon auf jeden Fall da mit rein. Zum Beispiel war es so... am Anfang hat man ja gelacht über diese ganzen Balladen. "Och, das ist Kitsch." und was weiss ich nicht wie. Aber die Fans fanden es gut, und dementsprechend bin ich der Linie auch treu geblieben, das ich wirklich ganz einfache ehrliche Balladen mache. Ohne gross drumherum zu reden und einfach auf den Punkt zu bringen. Oder die Fans fanden es bei "Zelluloid" gut, dass man sich in den Liedern wiederfindet. Das war bei mir ganz klar, dass das jetzt immer so sein muss. Du kannst zwar mal so bestimmte Sachen umschreiben, wo man jetzt nicht genau eine klare Aussage macht, aber das Hauptaugenmerk soll eigentlich darin sein, die Leute sollen sich darin wiederfinden können. Weil das ist ein super Feeback, was du da bekommst. Bei den Konzerten, oder die dir einen Brief schreiben, weil dann ist die Musik wirklich auch dafür da, um bestimmte Brücken auch noch zu überbrücken. Ist wirklich so! Ich find das manchmal Wahnsinn was für einen Lebeninhalt die Musik manchmal für viele Leute ist. Das find ich super! Wirklich toll! Du hast natürlich auch eine tierische Verantwortung, aber aus dem Grunde höre ich da schon total drauf.
 
darkmoments: Das heisst, heute ist eigentlich für Dich auch ein besonderer Abend letztendlich wo die Tour jetzt auch beginnt und der erste grosse Kontakt zu den Fans stattfindet?
 
der Graf: Ja logisch! Klar! Ja, also ich hab mir zum Beispiel gesagt, wenn die Türen auf sind, bin ich da unten und bin bei den Fans, bis ich zum Auftritt geh. Gut, die letzte Viertelstunde möchte ich gerne dann doch nochmal zurück. Aber... so lange wie es eben geht! Ich meine, jetzt, wie gesagt, sind die Türen ja auf und so und wir machen dieses Interview, dann ist das schon okay. Aber normalerweise habe ich wirklich gesagt, danach direkt runter und dann bist du auch die ganze Zeit da, weil es ist ja mittlerweile so: ich habe das ja immer gemacht, dass dieser Kontakt von Anfang an da war. Schon beim ersten Auftritt habe ich halt immer so viel da gestanden und einfach gewartet bis mich vielleicht mal einer anspricht und mir irgendwas erzählt oder so... dass er die Musik toll findet oder was er jetzt nicht so toll findet oder irgendwas... und es ist mittlerweile so, dass ich echt super viele Leute wiederkenne. Oder die Einträge auf der Internetseite. Das sind für mich keine Fremden mehr, sondern ich weiss wie sie aussehen, ich weiss wo ich sie getroffen habe oder ich versuche mich daran zu erinnern, weil es wird ja immer mehr. Aber ich find das super, ich find das toll! Ich habe auch die Einstellung: die Fans brauchen da nicht dankbar zu sein, wenn ich da mal eineinhalb Stunden auf der Bühne mit dem Hintern wackel, sondern das ist eher umgekehrt! Also, ich kann da oben stehen und dankbar sein, dass unten Leute kommen, weil davon hängt ja alles ab! Also, die Einstellung, finde ich, musst Du haben als Künstler! Und da gehört auch mehr zu als nur einen anderthalbstündigen Auftritt zu machen. Du musst vorher da sein, und wenn es geht, wenn der Club noch auf hat, auch noch zulässt, auch nachher da zu sein. Weil das haben die verdient! Also die Einstellung... so, ich geh jetzt mit einer hohen Nase an denen vorbei, und ihr könnt ja mal hinter mit her rennen, und wenn ich gerade Bock habe, gebe ich mal ein Autogramm... so eine Einstellung kannst Du in die Tonne kloppen!
 
darkmoments: Damit setzt Du Dich natürlich aber auch schon von vielen Künstlern ab!
 
der Graf: Ja klar! Aber ist ja auch richtig so! Weil ich mach das jetzt nicht aus dem Grunde, weil die anderen es nicht tun, sondern ich persönlich finde das total scheisse, wenn einer so drauf ist! Ich denk dann auch: "Ja, Jungs, rennt dem doch nicht hinterher!" Der hat es dann auch nicht verdient. Also, da bezahlen die zwanzig Euro für eine Karte. Hey, das sind vierzig Mark! Das musst du dir mal vorstellen! Weisst Du, dann müssen sie noch nach hier fahren, dann wollen sie noch was trinken... was der Abend kostet! Das ist ein Höllengeld, und trotzdem kommen die. Da musst Du doch eigentlich zu jedem hingehen und "Vielen, vielen Dank!" sagen. Das seh ich persönlich wirklich so. Und das macht ja auch Spass!
 
darkmoments: Man sieht ja auch, dass es Dir Spass macht!
 
der Graf: Ja, ja, im Prinzip mach ich die Musik aus Spass! Und was gibt es Schöneres, wie wenn Leute zu dir kommen und sagen: die ist toll!
 
darkmoments: Ja, ist sie!
 
der Graf: Vielen Dank *lacht* So was hab ich auch niemals vorher gehabt in einem anderen Job oder so... da sitzt du, machst dein Ding, und da kommt nie einer zu dir und sagt: "Das ist toll!" Die kommen höchstens und sagen: "Was hast Du denn da wieder für einen Mist gemacht???"
 
darkmoments: Du musst eher noch ein bisschen Gas geben!
 
der Graf: Ja, ja klar!!! Aber hier ist doch so: die kommen zu dir und sagen: "Ist toll!". Und selbst wenn einer dabei ist, oder mehrere, die sagen: "Ja, fand ich jetzt aber nicht so gut." ist das immer noch eine Geschmackssache, aber ist doch super. Mir ist es auch lieber wenn einer mal sagt, dass ihm der oder der Song, oder das oder jenes nicht gefällt. Und dann denk ich mir auch; "Ja, cool, wenn dem doch die anderen Lieder gefallen!". Dann weiss ich auch, die anderen Songs sind dann wirklich gut. Das ist doch viel besser als wenn dir einer nur immer toll, toll, toll sagt. Das hilft mir nicht weiter. Oder wenn mir einer sagt: "Die Nummer ist scheisse, aber die find ich toll."... hey, dann denk ich, dann ist die Nummer, die er toll findet, wahrscheinlich wirklich toll, weil ansonsten, würd er es mir ja sagen. Ist doch toll!
 
darkmoments: Wir haben heute die Chance Dich live zu sehen. Wird es demnächst die Möglichkeit geben, Dich auf Medien zu sehen, sprich dass Du nochmal ein Video produzierst unter Umständen?
 
der Graf: Ja, mit dem Video, das war ja so eher Zufall. Das war ja aus Resten zusammengeschnitten worden der DVD. Und dann haben wir das irgendwann einmal dahin geschickt und dann haben wir gesagt, wenn wir Glück haben, vielleicht, aber glauben wir eher nicht.
 
darkmoments: Aber es lief doch sehr gut!?!?
 
der Graf: Ja, die Fans haben es gewählt. Wenn die Leute nicht angerufen hätten, und wir haben dann natürlich auch gesagt: ihr könnt, wenn ihr wollt, da mal gerne anrufen... so ein Anruf kostet ja auch 50 Cent... ja... hallo... und das ist vier Monate lang gelaufen. Jedesmal wenn diese Show war - das war super! Ich mein, die Show gibt es jetzt, glaub ich, gar nicht mehr. Wir waren, glaub ich, das letzte Video, was da jemals gezeigt wurde. Das war also wirklich so. Irgendwann ist der Sender, glaub ich, pleite gegangen. Ja, es macht schon Spass so etwas zu machen. So ein Video-Dreh ist so ein bisschen Ego-Futter. Da kannst du dich vor eine Kamera stellen... ich steh da auch drauf. Und wenn du da so eine Show machen kannst, das macht schon super Spass. Und wenn du dich dann selber mal so ein bisschen siehst, das ist schon lustig irgendwo. Da habe ich schon so ein Ego, wo ich mir denk... hey, das tut irgendwie gut. Aber definitiv geplant, sagen wir mal so... das muss sich ergeben. Ich mein, das hängt ja von den Faktoren ab... man kann das machen, man kann es speziell für die Fans machen, die gucken es sich dann vielleicht einmal an, und dann war es das. Da denk ich mir halt, oh ja gut.... oder zwei oder dreimal *lacht*, aber da denk ich mir lieber, dann soll man lieber mehrere Lieder auf eine Platte tun oder so. Also, ich denke mal, dass bei der Tour vielleicht auch wieder irgendwas mitgefilmt wird, wo man dann so Material mal sammelt für irgendwann nochmal eine DVD. Aber die nächste DVD soll dann zum Beispiel auch ein bisschen noch mehr... na, da soll noch mehr drauf. Weil, das war das erste Mal, das war so ein Probieren, für mich ein völlig fremdes Medium, Ich mein, du hast als kleine Band auch nicht dieses Budget, wie wenn du bei der Sony Music unter Vertrag bist. Also, das ist wirklich entstanden, weil sich dann viele Leute den A... aufgerissen haben und wirklich einfach die Musik cool fanden und viel Freizeit dafür geopfert haben, es dann wirklich auch zu machen. Und, das ist dann schon schön. Ansonsten, was in den Medien passiert, joa, wenn mich mal einer sehen will, dann geh ich da gerne hin. Aber... geplant ist da nichts. Sowas ergibt sich auch immer. Mit Premiere, "Ich Will Alles", wo das jetzt gelaufen ist, das haben wir überhaupt nicht gewusst.
 
darkmoments: Das war überraschend für Dich?!?!
 
der Graf: Ja, ich bin nach Hause gekommen, hab den Fernseher angemacht, und dann hab ich vorher im Gästebuch gelesen, dass die das bei Premiere gesehen haben, und dann hab ich gedacht "Machst Du das mal an."... ja, und dann war da dieser Spot, und da lief dann "Ich Will Alles". Super! Da muss irgendwie einer in der Redaktion Gothic gewesen sein, der die Zillo gekauft hat, und hat gesagt "Coole Nummer! Die können wir doch bei uns einbauen." Das kannst du nicht planen. Da freut man sich, ja, und denkt "Das ist doch super!". Also, ich würde jetzt da nicht anklopfen "Hallo, ich wäre jetzt gerne nochmal bei RTL." oder so... oder zu irgendwem, ich hab gerade nen Skandal. Fänd ich nicht gut. Nee nee, das muss sich ergeben. Ist bisher immer so gewesen. Wenn es so sein soll, ist schön, und wenn nicht, ist auch okay. Weil du kannst ansonsten nur enttäuscht werden. wenn du irgendwie versuchst, dich da so mediengeil hochzuziehen. Das ist auch unglaubwürdig. Wenn es sich ergibt, okay... ansonsten... nä!
 
darkmoments: Du machst ja elektronische Musik. Wird es Dich vielleicht auch einmal unplugged geben?
 
der Graf: Klar, ich würd schon gerne mal irgendwie... Billy Idol hat das mal gemacht. Er hat ein Unplugged-Album gemacht von all seinen Hits, wo wirklich nur die Gitarre war und ein Klavier-Spieler, und hat wirklich diese ganzen Dinger... "White Wedding" oder "Rebel Yell" oder so, hat der alle unplugged gespielt - fand ich cool! Würd ich auch mal gerne machen. So wirklich dann so eine Unplugged-Tour zu machen, oder wie die "Toten Hosen" das jetzt gemacht haben. Super! Also... "Hier Kommt Alex" fand ich super! Speziell weil es einfach... also, ist klar, ist natürlich auch eine geile Atmosphäre da in diesem Theater, aber es ist so cool, muss man ganz ehrlich sagen. Für mich macht diese ganze Elektronik... sie gibt mir die Möglichkeit auf jeden Fall allles alleine zu machen, und ich bin nicht abhängig von Produzenten oder von irgendwelchen Typen, die mir da reinreden wollen. Ich mach mein Ding, und dann ist das okay. Aber wenn ich die fertig habe, dann bin ich zu allem bereit. Also, wir könnten eigentlich auch das komplette Set heute nur mit Klavier und mit Akustikgitarre machen. Das würde auf jeden Fall auch gehen. Aber ich denk mal das ist auch noch ein bisschen früh. Ich hab noch viel Zeit. Ja. Es gibt viele Dinge, die man nochmal ausprobieren kann oder so, und es ist schön auf jeden Fall, wenn man merkt, und dann die Lieder nur auf Gitarre spielt, gehst auch. Das hat natürlich bei so elektronischer Musik, wo die ganze Zeit die Bass nur so durchzieht, überhaupt nichts. Also da merkt man schon eigentlich, dass das auch wirklich Kompositionen sind. Und die kann man auch ohne weiteres... oder mit mit einer Geige nur oder was auch immer... das geht alles. Richtig ruhig... Klavier.... Akustikgitarre... und nem Percusisten... richtig cool... ein Hocker... wollt ich immer mal haben. Ich wollt immer mal nen Hocker auf der Bühne haben. Noch nen Spot oder so.... ich mein, darf nicht zu lange sein, weil sonst schlafen die Leute vorher ein oder so, aber...
 
darkmoments: ... ich glaub nicht. Vielleicht mal ein lautes "Sage Ja" dabei...
 
der Graf: Ja, aber die Nummer würde ja dann vielleicht ganz anders sein! *lacht* Das wäre ja dann wirklich nur ganz cool. Aber hätte bestimmt auch was. Gerade dass die Szene da auch sehr offen für ist für solche Sachen. Auch so Lesungen - gibt es ja auch. Ist ja auch super!
 
darkmoments: Du hattest es eingangs auch schon einmal erwähnt: "individuelle Freiheit". Das ist für uns so ein Begriff, der sich beim Hören wie ein roter Faden auch immer wieder durch deine Texte zieht. Was bedeutet dieser Begriff für Dich? In deinem Leben, wenn Du das auf Dich persönlich beziehst, und wie viel Freiheit bleibt Dir auch neben dem Künstler-Dasein?
 
der Graf: Also, das zieht sich ja nicht nur durch die Musik, sondern auch so durch mein Leben. Ich musste immer für alles, was ich irgendwie haben wollte, das war nicht so, dass man mir das gegeben hat, sondern du musstest immer irgendwie darum kämpfen, das zu kriegen. Und auch gerade bei "Phosphor" - war ja auch ein Hantieren mit Plattenfirmen, Anwälten und Produzenten und dem ganzen Kram, wo man wirklich nachher darum kämpfen musste, für sich weiterhin Musik zu machen, ohne das alles, was du tust, irgendwie anderen gehört. Und das hat mich schon so geprägt, muss man schon so dazu sagen. Wo ich dann auch irgendwie... weil jeder hat so seine Erfahrungen gemacht, wo er schlechte Erfahrungen gemacht hat, und wo man eigentlich dann so ein bisschen Kraft draus ziehen kann. Und das mache ich heute immer noch. Es ist bei mir so, dass ich den innerlichen Stinkefinger den Leuten dann auch gerne zeige, wo ich dann eigentlich so bestimmte Sachen verarbeite... "Ätsch, siehst du, es geht auch ohne Dich!" Nicht um mir selber sagen zu können, wie gut du bist, sondern einfach nur für mich... "So, du hast dafür gekämpft, dass du in aller Ruhe deine Freiheiten weiter ausleben kannst."... und siehe da: es klappt auch! Und ich denk mal, das ist so eine Botschaft für mich, die ich den Leuten gerne geben will. Das kannst du auf alles beziehen, das hat ja nicht nur was mit der Musik zu tun. Es sind irgendwo so Gedanken und Träume, die jeder irgendwo im Hinterkopf hat. Du musst dir immer irgendwo im Hintergrund so sagen: wenn es nicht klappt, kannst ja immer wieder zurück. Aber nee... einfach mal gucken, einfach mal machen! Ich hab da gute Erfahrungen mit gemacht. ich kann aber auch wieder auf die Nase fallen. Das ist ja dann auch okay. Aber das hat mich schon geprägt, muss man schon dazusagen. Und ich verarbeite in der Musik immer die ganzen Dinge, die mich halt auch irgendwo nicht belasten, aber die so in meinem Kopf dann herumschwirren. Ich denke das ist super viel. Jeder will eigentlich was anderes tun als er gerade vielleicht macht. Oder die wenigsten machen dann auch den Schritt oder probieren es. Ich erleb das immer wieder. Bekommst dann Sachen erzählt, wo du dir dann einfach nur denkst, "Ja Junge, dann mach es doch einfach mal!". Weisst du, der, der auf die Nase fällt, stellt sich dann wenigstens in dreissig Jahren nicht nochmal die Frage "Was wäre denn gewesen wenn?" Also, dann lieber einmal gut auf die Nase fallen, und dann brauchst du dir nie mehr die Frage zu stellen. Das soll jetzt auch nicht altklug klingen oder so, so von oben herab, aber das soll einfach so sein: "Hier, versuch's doch einfach mal! Nur für Dich!"

 
darkmoments: Und bisher ist es ja schliesslich auch gut gegangen... wie bei einem Jobwechsel...
 
der Graf: Ja, ist genau das gleiche. Ist ein super wichtiges Thema! Ich mein, super viele Leute sind total unzufrieden, aber gehen dreissig Jahre weiter hin und machen den gleichen Kack. Was sie im Grunde genommen überhaupt nicht wollen, und wären eigentlich viel erfolgreicher oder glücklicher sein. Weil es hat ja nicht damit zu tun... du kannst es nach Geld machen, oder du kannst es ja so machen, dass du morgens zur Arbeit gehst und einfach Bock hast zu arbeiten oder es nicht so eine Belastung ist, und du dich am Montag nicht nur auf Freitag freust, wenn du dann endlich mal dein Wochenende hast, und der Samstag auch schon im A... ist aus dem Grund, weil du ja am Samstag Abend schon denkst "Oh Gott, übermorgens musst du ja schon wieder arbeiten gehen!" Das kann es ja nicht sein. Und das quasi vierzig fünfundvierzig Jahre lang zu machen... dann bist du irgendwann mal alt und gebrechlich, und dann mal ne Kreuzfahrt zu machen...
 
darkmoments: ... wobei man dann eh keine Rente mehr bekommt...
 
der Graf: Genau! Du kannst nix mehr sehen, du kannst dich nicht bewegen, ja super! Da hast du dein Leben lang gearbeitet, damit du irgendwann halbblind irgendwie nach Afrika fahren kannst. Da denk ich mir dann lieber... dann lieber zurückschrauben. Hauptsache du bist irgendwie mit dir im reinen so ein bisschen. Und das geht auch.
 
darkmoments: Uns ist aufgefallen auf dem Cover - Du hast ja diese Uhr abgebildet, und die zeigt ja fünf vor zwölf - hat das etwas zu sagen?
 
der Graf: Ja. Es ist fünf vor zwölf! Mach was aus deinem Leben! Krieg den Hintern hoch! Das ist so die Grundaussage. Und versuch deine geschenkte Zeit zu nutzen. Das ist so der Tenor! Also, wenn die Uhr so auf fünf vor zwölf steht, gibt es ja so "Hey, es ist fünf vor zwölf. Nu komm mal in die Puschen!" Das ist genau das Gleiche. Das ist auch in allen Liedern so ein bisschen drin. Ob das nun die Montags-Demos sind zu "Gelobtes Land", die ich so gesehen hatte, oder ob das irgendwie dieser Sonnenaufgang ist, wo einer über seinen Tag sinniert, ist das alles richtig so was du tust, oder "Horizont", der da in seinem Büro sitzt und nur rausguckt zum Himmel... das sind alles so Dinger. Das sind alles diese Momente, wo man eigentlich für sich selber sagen soll, "Hey komm, versuch einfach mal irgendwas anderes in deinem Leben.". Wer zufrieden ist braucht ja überhaupt nichts zu ändern, Also wenn du damit glücklich bist. Das ist eigentlich so der Grundgedanke.
 
darkmoments: Bist Du ein gesellschaftskritischer Mensch bzw. politisch interessiert?
 
der Graf: Ja, total! Wobei ich mit meiner Meinung da sehr zurückhaltend bin. Weil ich denk mir immer so, ich weiss, dass viele Leute alles das, was ich sage, sehr auf die Waagschale legen oder auch sagen: "Hey, wenn der das sagt, dann ist das auch so!". Ich bin da eher für mich innerlich so... ich hab mir meine Einstellung gemacht, gib auch gerne meinen Senf zu so bestimmten Dingen, aber ich bin da super zurückhaltend.
 
darkmoments: Wie bei Deinem Glauben?
 
der Graf: Ja, genau! Ich kann das für mich erklären, aber ich würde nie einem anderen erklären, was er zu tun hat in dieser Hinsicht. Also nie! Oder politisch oder so. Ich kann für mich selber sagen, find ich gut, find ich schlecht, aber ich würde nie sagen "finde ich kacke was du da machst" oder so. Ich sag immer, wenn du das gut findest, dann mach doch dein Ding. Völlig wertfrei. Ich verarbeite das dann immer in Musik, da kann dann jeder seine Sache herausziehen. Also, ich würde auch nie zu einem sagen "ich finde diese Partei doof". Würd ich nie zu einem sagen. Weil, das ist eine Sache, die muss jeder mit sich selber ausmachen. Aber nur, weil ich ein bisschen Musik mache, heisst das nicht, dass es richtig ist, was ich sage. Vielleicht lieg ich auch völlig falsch.
 
darkmoments: Wir haben ja auch zu Beginn des Interviews festgestellt, dass Du aus dem Raum Aachen kommst. Auftaktkonzert ist aber hier in Köln. War das Dein Wunsch oder hat sich das so ergeben?
 
der Graf: Nein, das war einfach Zufall! Bin ich ganz ehrlich. Jeder Musiker, der gross erzählt, dass er seine Tour selber plant, der lügt. Es wird so geplant, dass die einzelnen Auftritte nie so weit voneinander weg sind. Nicht, dass du quer durch Deutschland fährst, einmal 800 km, einmal 200 km, sondern das sollte schon aneinandergekettet sein und ich fand es schön in Köln anzufangen. Klar, Aachen wäre auch gegangen, aber ehrlich gesagt hätte ich jetzt gar nicht gewusst, wo da.
 
darkmoments: Viel gibt es da ja nicht wirklich...
 
der Graf: Nee, da gibt es ja gar nicht so viel... im "Bunker" wäre das einzige, wo man das mal machen kann, Aber ich fand Köln auch schon cool! Ich muss ganz ehrlich sagen: war schön, brauch ich nicht so weit zu fahren, konnte hier schön anfangen, hier fällt es auch nicht auf, wenn du mal so ein bisschen Aachener Platt redest...
 
darkmoments: ... es gab ja schliesslich auch schon eine Release-Party im Aachener Raum, wenn ich mich recht entsinne... im "Spugh" glaub ich...
 
der Graf: ... ich weiss von einer Release-Party in Vaals. Also, ich bin da immer super zurückhaltend. Ich bin das letzte Mal in so einem Club gewesen vor sechs Jahren oder so. Aber ich geh so gar nicht in Clubs.
 
darkmoments: Nur nicht in Aachen?
 
der Graf: Nein, so überhaupt. Ich bin super zurückgezogen in der Hinsicht. Weil, bei den Konzerten können 'se mich mit Leib und Seele alle haben, und ansonsten bin ich echt total zurückgezogen. Also, ich fühl mich da auch mehr wohler drin. Ich kann alles irgendwie aus einem anderen Blickwinkel sehen, krieg einen gewissen Abstand zu den ganzen Dingen, Wenn man da zu sehr drin ist, glaub ich auch, dass du den Überblick verlierst und dir selber auch irgendwo ein bisschen untreu wirst... für mich jetzt. Weil ich könnte da nie privat sein, sondern ich wäre immer "der Graf" da, und in der Hinsicht denke ich mir, dass ein gewisser Abstand ganz gut ist. Ab und zu wird man mal in Alsdorf im Kino erkannt *lacht*... aber das ist dann auch vollkommen okay. Aber im Grunde halte ich mein Privatleben auch völlig raus. Schrecklich wenn irgendeiner mit seinem Privatleben herumhantiert... Fernsehen noch schlimmer. Ich denk mir immer so: die grossen, die machen das nicht. Ich denke mir, Herbert Grönemeyer, der hat noch nie zu Hause irgendwie einer Kamera gehabt...
 
darkmoments: ... im Gegensatz zu Herrn Bohlen...
 
der Graf: ... ja, genau. Das eine ist billig, und das eine hat Stil! Wie billig ist das denn... mein Haus... meine Wohnung... ja... und das ist meine Naddel... und was weiss ich nicht wie... ja... hallo?!?!?! Es geht um Musik, nicht um den Typen!!! Oder wie sein Klo aussieht. Da denk ich mir dann auch so... nee! Ich kann das, glaub ich, auch so dann nur machen, wenn ich wirklich sagen kann, so "Tour ist zu Ende.". Dann kann ich mich wieder in aller Ruhe zurückziehen. Ich kann auch dann nur Lieder schreiben. Ich könnte auf Tour nie Lieder schreiben. Weil ich den Abstand nicht habe. Ich wäre viel zu sehr in der ganzen Sache drin.
 
darkmoments: Als Vorband hast Du "Maren Noel" und "Secret Discovery"...
 
der Graf: Ja, "Maren Noel" ist die ganze Tour dabei, und "Secret Discovery" bei einigen Auftritten.
 
darkmoments: Waren das Wunschkandidaten von Dir?
 
der Graf: Grundsätzlich muss man ja immer sagen, wenn du so eine Tour machst, muss man ja sagen, dass ich die erste Tour wo wir als Headliner sind. Und da denk ich mir mal in einer gewissen Weise du musst ja Musik finden, die den Fans auch auf jeden Fall gefällt und die zum kompletten abendlichen Programm passt. Weil die Leute geben ja nicht nur Geld dafür aus, um mich zu sehen, sondern die wollen einen schönen Abend haben. Und aus dem Grunde denk ich mir dann so, musst du irgendwo diese Mischung auch finden, dass es unterhaltsam ist, angenehm ist, und dass die Leute einfach einen super Abend haben. Und für mich ist es einfach schön, ich hab die Musik auch gehört und ich denk mal... ja, ist ja ganz interessant, ist auch mal was anderes, und es ist gerade wichtig, dass auch Künstler, die gerade erst anfangen, auch irgendwo mal die Möglichkeit haben, auch mal irgendwie mit ein bisschen grösseres Publikum zu kriegen. Und ich halte es für eine gute Sache und hoffe es passt. Es soll auch unkompliziert sein, man muss auch auf einer Wellenlänge sein. Was bringen dir Typen, die einen guten Namen haben, aber wenn du dann mit denen irgendwie privat hier backstage abhängst, dann geht man sich nach zwei Tagen schon extrem auf die Nerven. Da muss die ganze Chemie auch dann stimmen. Das ist für mich viel viel wichtiger, weil die Leute vor der Bühne merken, wenn da irgendwo schlechte Stimmung ist. Spätestens dann, wenn die Show vorbei ist und alle stehen unten und wollen in Ruhe zusammenstehen mit den Fans, dann merkt man, wenn das schlechte Stimmung ist. Das muss alles cool sein, und das soll ein schöner Abend sein. Die Leute sollen in dem Moment, wo sie quasi in den Club hereinkommen, eigentlich schon merken, sich auf alles freuen, und es muss einfach schön sein. Ich bin mal in den Zirkus "Roncalli" gegangen... der war ja auch oft genug in Aachen. Zum Beispiel das ist wirklich so, du kommst da rein in den Zirkus, und bist direkt in einer anderen Welt. Du bist direkt irgendwie herzlich aufgenommen. Das find ich toll! Ist einfach ein schöner Abend. Und genauso stelle ich mir das beim Live-Konzert vor. Das du einfach auch mehr Abwechslung hast, das gehört dazu, dass du zu den Fans hingehst, und nicht nur auf der Bühne stehst, sondern die sollen einfach einen super Abend haben. Und die Vorbands gehören da genauso zu.
 
darkmoments: Ich denke mal die Frage, was aus Dir geworden wäre, wenn Du nicht zur Musik gekommen wärst, können wir uns sparen?
 
der Graf: Ja, ich weiss es nicht. Also, ich hab mit zwölf Jahren angefangen Orgel zu lernen, hab nach zwei Jahren den Orgellehrer gekickt, weil ich keine Lust mehr hatte auf diese Lieder, die man dann immer nachspielen musste. Hab dann eigentlich irgendwie selber meine ganze Instrumentalmusik gemacht... also das war eigentlich immer schon ein Teil von meinem Leben. Ich sag mal, wenn ich es jetzt nicht so gemacht hätte, dass ich so weit mit "Unheilig" gekommen wäre wie bisher... ich hätte es trotzdem weiterhin gemacht. Und wenn es immer nebenbei gelaufen wäre, aber ich wäre wahrscheinlich nie so ganz glücklich damit geworden. Wenn ich jetzt nicht angefangen hätte zu singen, hätte ich wahrscheinlich für andere Bands Lieder geschrieben. Musik wäre immer ein Teil von meinem Leben gewesen. Ich kann mir das auch gar nicht anders vorstellen.
 
darkmoments: Für wen würdest Du dann vielleicht schreiben?
 
der Graf: Och, ich hab da keinerlei Grenzen. Überhaupt nicht. Wenn's passt, und derjenige etwas in dem Text oder in der Komposition sieht, ja, dann ist doch toll. Das ist man doch dann auf einer Wellenlänge, dann muss es ja irgendwie auch funktionieren. Es gab ja jetzt auch schon so ein paar Anfragen, da werde ich aber keine Namen nennen *lacht*... da denk ich mir dann auch so "ist schön dass die nachfragen, aber okay". Ich mach jetzt erstmal mein Album! Ich bin offen für alles... grundsätzlich. Also, wenn's um Musik geht ist alles ganz okay, muss ich ganz ehrlich sagen. Und wenn's passt ist auch immer gut. So Sachen mit bestimmten Duetten oder so, da muss es auch irgendwie passen. Irgendwann wird das vielleicht mal kommen, aber wenn's für die Musik gut ist, und wenn's für den Song gut ist, würd ich das sofort machen. Ich bin offen in der Hinsicht.
 
darkmoments: Dann sind wir sehr gespannt, was man da in Zukunft noch alles von Dir hören oder sehen wird. Wir bedanken uns damit sehr herzlich bei Dir, dass Du Dir die Zeit genommen hast, und wünschen Dir alles Gute für die Tour und für die Zukunft.
 
der Graf: Ich danke auch... aber ich muss nun auch los zu den Fans... die warten schon...
A
Interview geführt von Dietmar Vander & Britta Küppers [ face to face ]
Homepage Künstler: www.unheilig.com