The Prodigy...[ E-Werk, Köln 03.03.2009 ]
 

Trotz ihrer eher weniger szenetypischen Rave- und Drum’n’Bass-Klänge sind sie doch schon seit Jahren auch beim dunkler gesinnten Publikum fest etabliert: Das „Wunderkind“, The Prodigy, vermischen nun schon seit Beginn der 90er verschiedene Stile zu der ihnen ganz eigenen experimentellen und schwer in ein Genre einzuordnenden Musik. An das im Internet und TV vielfach angepriesene neue Album „Invaders must die“, das im Februar auf den Markt kam, knüpfte die Band nahtlos ihre Tour an, die sie auch in drei deutsche Städte – Berlin, Köln und München – führte. Da nun das recht mittig gelegene Köln am besten erreichbar war, ging es ins E-Werk, an sich eine schöne Location, die allerdings, wie sich herausstellte, etwas zu klein geraten war, um dem Ansturm zur Comebacktour des britischen Rave-Trios wirklich gerecht zu werden. [ Galerie ]

 

Schließlich war es doch eine Weile still um The Prodigy und umso größer war die Freude unter den Fans, dass wenigstens drei Bühnen in Deutschland gerockt wurden. Da nahm man auch gerne die ziemlich kuschelige Atmosphäre in der kleinen Halle hin, die bald zu schweißfördernden Temperaturen und gefühltem Sauerstoffmangel führte. Und wer hoffte, das hitzige Klima gleich während des Konzerts zu vergessen, musste sich erst noch ein wenig gedulden. Insofern wäre es nicht ganz treffend formuliert, zu sagen, dass DJ Tanith die Menge anheizte, warm genug war es schließlich bereits. Dennoch kam die Techno- und Housemusik ganz gut an und erleichterte so die Wartezeit bis kurz vor halb zehn, als es dann endlich zum Highlight des Abends überging. Die angestaute Vorfreude explodierte schon bei den ersten Beats förmlich zu einem einzigen tobenden Jubel, als Live-Drummer Leo Grabtree und Gitarrist Rob Holiday ihre Plätze einnahmen, sowie wenig später die Prodigy Urgesteine Liam Howlett und Keith Flint und zu guter Letzt auch Maxim Reality. Mit „World’s on Fire“ begann das insgesamt 14 Songs lange Set und die Halle verwandelte sich innerhalb weniger Sekunden in ein einziges von grellen Scheinwerfern beleuchtetes Meer von Händen. Die beiden Frontsänger Keith und Maxim stampften energisch und mit sichtlichem Spaß über die Bühne und zogen das Kölner Publikum schnell in ihren Bann. Schon der dritte Song sollte das Ganze auf die Spitze treiben: „Breathe“ war kaum angespielt, da rastete die ohnehin schon tanzwütige Masse völlig aus. Nun schien auch der Schweiß vom Nebenmann nicht mehr zu stören, die Stimmung war bei diesem Meilenstein einfach wie vom anderen Stern.

 

Visuell von heftigen Lichtblitzen unterstützt, wurde „Breathe“ auf jeden Fall zu einem Höhepunkt des Konzerts, nicht zuletzt auch, weil zum Ende des Songs die Gitarre lässig-rockig über die Bühne geworfen wurde, aber unversehrt und heil aufgefangen wurde. Auch die anschließende, aktuelle Single „Omen“, die ja gerade in aller Ohren ist, wurde von den Fans gefeiert und getanzt und der betörend basslastige Song „Warrior’s Dance“ ging mit seinen Vibro-Beats heftig durch Mark und Bein. Entspannung war beileibe nicht in Sicht: The Prodigy fuhren weiter harte Geschütze auf und aus den Boxen brach der 96er Hit „Firestarter“ mit einer Power und Lautstärke hervor, dass die Fans das Klatschen und den Jubel schnell einstellten, um das gute Stück mit weiteren Tanzeinlagen zu genießen. Nach zwei weiteren Songs und etwa einer Stunde Performance schlossen The Prodigy ihr Set mit „Comanche (The Big Gundown)“ und flippten auf der Bühne noch mal richtig aus, ehe sie diese verließen und sicher schon darauf gefasst waren, dass die deutschen Fans sie nicht so einfach gehen lassen würden.

 

Selbstverständlich folgten wie erwartet lautstarke Zugabe-Rufe, denen die Briten mit „Invaders must die“ gerne Einhalt geboten und sich noch einmal vor der Menge versammelten. Insgesamt befriedigten The Prodigy die immernoch tobenden, schwitzenden Besucher mit vier Zugaben, darunter auch der absolute Ohrworm „Smack my Bitch up“ und zum krönenden Abschluss „Take me to the Hospital“. Nach knapp 80 Minuten voller Soundoffenbarungen und Hits verabschiedeten sich The Prodigy dann endgültig vom Kölner Publikum, das seinen Idolen noch ein ganze Weile dankbaren Applaus spendete und sich schließlich in fiebriger Stimmung doch auf den Heimweg machte. Wehmütig brauchen die Fans jedoch nicht zu sein, immerhin sind The Prodigy in diesem Jahr auch auf größeren Festivals wie dem M’era Luna und dem Rock am Ring zu sehen und können dort vielleicht bei angenehmeren Temperaturen noch einmal bewundert werden.

 
Text: .Nadine Schmitt
Bilder: .Sandro Griesbach