Interview mit Robin von Sonic Syndicate, 09.03.2009, Köln, Underground .[ face2face ]
 

„Love And Other Disasters“ heißt ihr aktuelles und drittes Album und mit diesem sind Sonic Syndicate aus Schweden dieser Tage auf großer Tour unterwegs. Mit dabei sind die Kollegen Deathstars, mit denen sie sich die Headliner-Rolle teilen. Vor dem Konzert der beiden Düster-Bands am 9. März 2009 im Kölner Underground hatte Lea Sommerhäuser die Gelegenheit, mit Gitarrist Robin von Sonic Syndicate zu sprechen.

 

Lea: Gestern wart ihr in Bochum, heute werdet ihr die Bühne in Köln betreten und Morgen rockt ihr in Frankfurt. Weißt du immer, wo du gerade bist, wenn du den Tourbus verlässt?
Robin: Nicht immer, aber sobald du den Zeitplan an der Toilettentür entdeckst, weißt du genau, wo du dich gerade aufhälst. Aber ich wusste, dass wir nach Köln kommen. Unser Tourmanager Anthony ist dafür verantwortlich. Ja, ich wusste, dass wir heut nach Köln kommen, weil ich Köln wirklich mag. Wir haben hier schon oft gespielt, wie in der Live Music Hall, im Palladium und auch schon im Underground. Hier haben wir eigentlich die erste Show überhaupt in Deutschland gespielt. Das war im Underground. Somit habe ich gerade einen kleinen Flashback und es fühlt sich prächtig an, zurück zu sein.

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Lea: Wie kommt ihr mit den Deathstars aus?
Robin: Das sind wirklich gute Jungs. Sie kommen auch aus Schweden und schwedische Bands haben immer Spaß zusammen. Ich mag die Deathstars wirklich. Ehrlich gesagt bin ich schon seit einigen Jahren ein Deathstars-Fan, seit dem ersten Album, das sie veröffentlicht haben. Es ist cool, dass wir jetzt mit der Band auf Tour sind, die ich schon so lange höre. Auch die Shows sind toll. Die Deathstars-Fans sind mehr Gothics und unsere Fans mehr Mainstream oder wie auch immer du es nennen magst. Es gibt also einen guten Mix bei den Shows. Ihre Fans beginnen auch Sonic Syndicate zu hören und unsere Fans starten damit, die Musik der Deathstars zu mögen. Das Feeling auf dieser Tour ist großartig.

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Lea: “Love And Other Disasters” ist euer drittes und aktuelles Album. Wie würdest du es in einem Satz beschreiben?
Robin: Es ist facettenreicher als alle Alben, die wir zuvor gemacht haben. Auf unserem letzten Album „Only Inhuman“ gab es so ziemlich die gleichen Songs. Jedes Lied erinnerte irgendwie an ein anderes. Und das haben wir häufig gehört, deshalb wollten wir ein Album machen, das vielfältiger ist als alles, was wir davor gemacht haben. Auf „Love And Other Disasters“ gibt es Death-Metal-Songs, es gibt MTV-Pop-Songs, da ist alles vertreten. Jeder, der also das Album hört, wird einen Lieblingssong finden. Und so wollten wir es haben. Sonic Syndicate wandeln nicht nur in einem Genre. Sonic Syndicate sind sehr facettenreich. Wir haben Death-Metal-Fans, aber genauso auch Skateboarding-Fans und so wollten wir auch sein. Wir wollten ein Album erschaffen, das für uns steht und das haben wir auch gemacht. Wir sind wirklich sehr glücklich mit „Love And Other Disasters“.

 

Lea: Wie unterscheidet sich das neue Album textlich von den vorherigen Platten?
Robin: Ich denke, es ist diesmal bodenständiger. Richard, unser Sänger und Songschreiber, schreibt immer über sein persönliches Leben und seine Erfahrungen. Aber ich glaube, es ist diesmal sogar persönlicher. Außerdem nimmt er viele Dinge auf, wie zum Beispiel, dass die Welt untergeht, weißt du, globale Erwärmung und so was. Er steckt dieses Mal also wirklich tief in den Texten und das fühlt sich gut an und ist eine coole Sache. Nun ja, ich verstehe zwar nicht alles, weil es teils sehr persönlich ist, aber die Dinge, die ich verstehe, sind wirklich cool.

Lea: Liebe ist ein Desaster. Welche sind die anderen für dich und die Band?
Robin: (lacht) Nun ja, wir haben “Love And Other Disasters” als Albumtitel ausgewählt, weil das komplette Album von Desastern handelt und die Liebe ist in jedermanns Leben irgendwann mal ein Desaster. Deshalb haben wir uns für diesen Titel entschieden, weil jeder Song von einem Desaster handelt. Als uns der Name „Love And Other Disasters“ einfiel, hatten wir einfach das Gefühl, er passe großartig. Richard mochte ihn wirklich wegen all der Texte und so, deshalb sind wir auch darüber glücklich.

Lea: Wie würdest du den Satz “Musik ist…” vollenden?
Robin: …großartig. (lacht) Ich weiß nicht, Musik ist ein Lebensstil. Es ist nicht nur die Musik. Besonders wir leben in der Musik. Das ist eine schwere Frage. Ich weiß nicht, wie ich sie beantworten soll, damit sie gut klingt. (grinst) Musik ist das Leben. Das ist es, was ich zu sagen habe.

Lea: Karin ist das einzige Mädchen in der Band Sonic Syndicate. Wie kommt sie mit all den Jungs klar?
Robin: Sie ist eine von uns. Wir denken nicht darüber nach, dass wir ein Mädchen in der Band haben und dass sich alle Jungs ein wenig zurückhalten gleich dem Motto „Redet bloß nicht über schmutzige Dinge, denn wir haben hier ein Mädchen“. Das ist uns egal. Sie ist eine von uns. Und sie stinkt nach einer Show genauso wie wir und wir kommen einfach perfekt miteinander aus. Es ist großartig, sie in der Band zu haben.

Lea: Und wie es für dich zwei Brüder in der Band zu haben? Gibt es oft Streit?
Robin: Nein. Wir sind drei Jungs aus derselben Familie und wir haben uns gestritten, als wir kleiner waren, aber heute nicht mehr. Wir wissen damit umzugehen. Es gibt also keinen Streit, keinen einzigen großen Streit. Wir haben die ganze Zeit zusammen Spaß.

Lea: Gibt es auch keine Konkurrenzkämpfe?
Robin: Es gibt definitiv keine Konkurrenz unter uns. Okay, wenn wir live spielen, will immer jeder vorne in der Mitte sein, so dass jeder einen am besten sehen kann. (lacht)

Lea: Ihr wechselt also auf der Bühne die ganze Zeit eure Plätze?
Robin: Ja, wir rennen so viel, wie wir können, herum und stehen im Rampenlicht. Ich will immer in der Mitte sein, so dass mich jeder sehen kann und dann kommt Karin und sie will auch in die Mitte. Das ist also der einzige Konkurrenzkampf innerhalb der Band.

Lea: Welche Wichtigkeit schreibst du dem Gitarristen einer Band zu?
Robin: Der Gitarrist einer Band ist sehr wichtig. Insbesondere ich bin sehr wichtig. (lacht) Nein, aber ich denke, der Gitarrist ist wirklich sehr wichtig für eine Band wie Sonic Syndicate. Wir haben so viel Melodie und so viele Gitarrenparts in unserer Musik.

Lea: Ihr habt bereits einige Videos veröffentlicht. Hast du ein Lieblings-Video?
Robin: Ich mag wirklich “Jack Of Diamonds”, weil es alle Elemente beinhaltet, die ich liebe, wie Motorcross und Mädels, die sehr, sehr wichtig sind. (grinst) Ich mag das Video wirklich, denn wenn du es dir anschaust und auf „Mute“ drückst, könnte es genauso ein Hip-Hop-Video sein, zumal darin diese Lamborghini-Autos und strippende Personen auftauchen und alles. Das ist einfach absolut untypisch für Metal, und deshalb liebe ich das Video so sehr. Für uns ist es ein großer Schritt. Natürlich gibt es viele Leute, die es hassen, nur weil wir unseren eigenen Weg gegangen sind, aber wir lieben es total.

Lea: Kürzlich habt ihr noch ein neues Video zum Song “Powershift” gedreht. Inwiefern muss ein Musiker Schauspieler sein, wenn er ein Musikvideo dreht?
Robin: In diesem Video musste insbesondere Roland, unser zweiter Sänger, ein wenig schauspielern. Ich habe keine Ahnung, ob er Oscar-reife Schauspielqualitäten (lacht) aufweisen kann, aber er hat sein Bestes gegeben und das war gut genug. Andererseits haben wir keine speziellen Story-Videos, abgesehen von einem Video, das wie erst neulich gedreht haben und später veröffentlichen werden. Ich kann noch nicht mehr dazu sagen, weil es ein Geheimnis ist. Aber in diesem Video wird ein wenig mehr geschauspielert. Aber ansonsten hat bis jetzt niemand von uns wirklich geschauspielert.

Lea: Wärest du denn daran interessiert, in einem Film mitzuspielen?
Robin: Definitiv. Ich würde gerne mal in einem Zombie-Film mitspielen. Und dann wäre ich gerne der erste Zombie, der stirbt. Das wäre ein Traum für mich, der wahr würde, oder wenn ich in einem Horrorfilm mitspiele und der erste Mann wäre, der ums Leben kommt.

Lea: Du magst Horrorkram?
Robin: Ja, definitiv. Ich bin ein großer Fan von Horrorfilmen. Ich schaue sehr viele alte Horrorfilme.

Lea: Welcher ist dein Lieblingsfilm?
Robin: „Nightmare On Elm Street – Freddy Krüger” ist definitiv mein Lieblingsfilm. Ich würde sehr gerne mal in einem Horrorfilm mitspielen, aber nur, wenn ich der erste bin, der darin stirbt. Sonst nicht. (Gelächter)

Lea: Wenn man eure Webseite besucht, kann man dort Sonic TV gucken. Wer hatte dazu die Idee?
Robin: Ich glaube, wir wollten einfach etwas von unserer ersten Tour veröffentlichen. Wir wollten ein Video veröffentlichen, um allen zu zeigen, und insbesondere allen daheim, wie die Tour ist. Und wir nannten es aus Spaß Sonic TV. Eigentlich sollte es nur eine Folge geben. Aber dann haben wir so viele Kommentare erhalten und jeder hat es sich angeschaut, dass wir ein paar mehr Folgen gemacht haben. Ich glaube, dass jedes Video einfach nur immer dümmer wird. Anfangs war es noch wirklich cool. Dann haben wir nur noch betrunkene Clips gezeigt und wie wir Party machen. Es wird immer schlimmer.

Lea: Ich erinnere mich an ein paar Steine in deiner Schlafnische im Tourbus…
Robin: (grinst) Ja, ich glaube, das ist im zweiten Teil von Sonic TV zu sehen. Sie haben jede Menge Steine in mein Bett gelegt. Wir werden definitiv noch ein paar mehr Episoden veröffentlichen. Wir haben momentan nur ein paar Probleme seit wir Windows Vista auf dem Rechner haben, weil sich das nicht mit dem Programm verträgt. Aber bald werden alle noch mehr dumme Dinge über Sonic Syndicate sehen.

Lea: Spielt ihr euch häufig gegenseitig Streiche?
Robin: Die ganze Zeit. Zuletzt vor ein paar Tagen haben wir Richards Wasserflaschen mit Vodka gefüllt. Er trank und musste sich fast übergeben. Das war sehr lustig. Aber fast jeden Tag scherzen wir miteinander.

Lea: Was ist der verrückteste Job, den du je gemacht hast?
Robin: Um ehrlich zu sein, habe ich zuvor noch nie gearbeitet. Nun ja, ich ging zur Schule und dann begannen wir mit dem Touren und ich habe die Schule verlassen. So wurde die Band zu meinem Job. Ich habe mal Zeitungen ausgetragen, als ich noch ein Kind war, aber das war nicht sonderlich spannend. Ich habe es einmal gemacht und dann aufgehört.

Lea: In diesem Sommer werdet ihr auf ein paar Festivals spielen. Gibt es ein Highlight, auf das du dich besonders freust?
Robin: Definitiv. Es gibt da ein gewisses Festival, über das wir jeden Tag sprechen. Es handelt sich dabei um das Nova-Rock-Festival in Österreich. Unser Drummer John ist so glücklich, weil wir dort auf der gleichen Bühne wie Metallica spielen werden. Und er ist der größte Metallica-Freak aus Schweden. Und außerdem freuen wir uns wirklich auf dieses Festival, weil dort auch Slipknot und viele andere großartige Bands sein werden. Wir haben letztes Jahr dort gespielt und es war wirklich sehr gut, aber dieses Jahr wird es hoffentlich noch besser.

Lea: Ihr habt den schwedischen Metal Award als “Bester Live Act 2009” gewonnen. Wir können also sehr viel von der Show heute Abend erwarten?
Robin: Definitiv. Du wirst viel mehr Energie als jemals zuvor erleben.

Lea: Was ist heute Abend eurer Motto?
Robin: Wir haben die Stadt des Rock`n`Roll erbaut. (grinst) Das ist unser tägliches Motto. Wir wollen immer so spielen, als wäre es die letzte Show, die wir geben. Wir wollen all unsere Energie verbrauchen. Und insbesondere heute Abend beim fast ausverkauften Konzert wollen wir jedem, der dafür bezahlt hat, um uns zu sehen, eine Show bieten, die alle für ihr restliches Leben in Erinnerung behalten. Das sind Sonic Syndicate.

Lea: Bereitet ihr euch auf das fremde Publikum in derart vor, dass ihr etwas in dessen Sprache lernt?
Robin: Ja, definitiv. Aber wir kennen bereits viel zu viel Deutsch wie all diese Klischee-Dinge wie „Prost“. Wir wissen, was „Cheers“ in jeder Sprache heißt. (lacht)

 

Lea: Wie geht es bei euch nach den Shows zu? Seid ihr Partylöwen?
Robin: Wir sind definitiv Partylöwen und insbesondere dieser Tage. Dies ist die letzte Woche der Tour, somit werden wir von nun an jeden Tag feiern. Wir haben hier in Köln viele Freunde, die heute Nacht kommen werden. Sie werden definitiv mit uns zusammen Party machen. Ich fühle mich allerdings ein bisschen krank heute, deshalb hoffe ich, dass es mir bald besser geht, weil ich unbedingt ein paar Bier trinken muss.

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Lea: Karin sagte, du wirst sehr schnell betrunken und liegst bereits nach zwei Bieren unter dem Tisch. Stimmt das?
Robin: Ich? Ja, definitiv. Wenn ich vor einer Show zwei Biere trinke, bin ich noch nicht einmal in der Lage, die Show zu spielen. Darum trinke ich niemals Alkohol vor einem Konzert. Ich trinke immer nach den Konzerten. Ich habe keine Ahnung, warum ich so leicht betrunken werde. Aber das ist gut, denn wenn ich dann in Schweden eine Party mache, brauche ich nur vier Biere und die reichen für den ganzen Abend. Ich sollte mich also glücklich schätzen, dass ich immer billig wegkomme. (lacht)

 
Interview geführt von Lea Sommerhäuser .[ face2face ]
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