Pluswelt Festival ...[ Kulturfabrik, Krefeld 03.& 04. April 2009 ]
 

Die Hamburger Promotion Agentur Pluswelt feiert in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag. Aus diesem Anlass lud die Agentur zur großen Feier in die Kufa ein und brachte dem feierwütigen Volk gleich zehn Bands mit – für jedes Jahr eine. Um davon zu berichten machte auch ich mich auf den Weg in die Krefelder Kulturfabrik, um dort sehen welche Höhepunkte die beiden Abende mit Bands wie MESH, Combichrist, De/Vision oder beispielweiße Zeromancer bieten würden. [ Galerie ]

 

Freitag: Eröffnet wurde der Freitagabend von MINA HARKER und den Berliner Gothicrockern SCREAM SILENCE, die ich allerdings nicht sehen konnte, da ich der Kufa erst um kurz vor neun ansteuerte. Aber ich kam genau rechtzeitig um die Elektro-Industrial Band GRENDEL als meine persönliche Festivaleröffnung erleben zu können. Nachdem dem Publikum zuvor ruhigere Klänge geboten wurden, stiegen mit GRENDEL die BPM deutlich an. Die Band, die ihren Namen aus der angelsächsischen Beowulfsaga abgeleitet hat gab direkt Vollgas. Sänger [VLRK] hatte seine obligatorische Militärweste angezogen und tobte wie ein Irrwisch über die Stage. Die meisten Songs wie „Dirty, Hate this“ oder „Remnants“ stammten vom aktuellen Album „Harsh generation“ das 2007 bei Infacted erschienen ist. GRENDEL schafften es mit ihren eindringlichen Beats und stimmigen Samples vor allem die Combichristfans so richtig in Stimmung zu bringen. Die harten Klänge und die unglaubliche Dynamik erhöhten die Temperatur in der Kufa deutlich und so endete nach nur neun Songs der Auftritt mit ihrer Coverversion von „Zombie Nation“. Nach dem Auftritt folgte ein kleiner Bühnenumbau und es war Zeit für die einzige Agenturfremde Band des Abends. Die Norweger von ZEROMANCER hatten eine ganze Reihe Fans mit in die Kufa gebracht, die sich zu großen Teilen zuvor noch im Bistrobereich der Kufa aufgehalten hatten folgte nun der Tausch mit den Industrialfans. ZEROMANCER hatten ihr neues Album „Sinners international“ mitgebracht das erneut dem Motto der Band „Sex, Drugs and Technology“ folgt. So wurden wieder harte E-Gitarrenklänge mit elektronischen Versatzstücken kombiniert. Eröffnet wurde ihr Gig mit dem Albumtitelsong „Sinners international“.

 

Frontmann und Sänger Alex kam mit einem hautengen schwarzen Lederanzug auf die Bühne, dessen er sich zur Freude des zahlreichen weiblichen Anhangs schnell entledigte. Die neuen Songs wie „Doppelgänger, I love you“ haben die Qualität sich schnell in den Kopf zu brennen und über die gehobenen Livequalitäten der Band brauch man eigentlich auch kaum Worte zu verlieren. Als dann schon ziemlich früh die Klänge von der ersten Zeromancer Single „Clone your lover“ aus den Boxen dröhnten gab es bei den Fans kein halten mehr. Die Stimmung in der am Freitag leider nicht ganz ausverkauften Kufa war bestens und so wurden die insgesamt dreizehn Lieder von den ZEROMANCER Fans allesamt mitgesungen, beklatscht und vor allem ausgiebig zum tanzen genutzt. Doch der Höhepunkt des Abends sollte mit der ebenfalls aus Norwegen stammenden Band COMBICHRIST erst noch folgen. Doch zuvor war wieder das Phänomen des Publikumwechsels zu beobachten, denn eine ganze Reihe der Zeromancer Fans verließ den Saal und die Industrialjünger strömten erneut herein.

 

Die Band um Mastermind AndyLaPlegua befindet sich aktuell auf einer Deutschland-Tour von deren Gig aus dem Frankfurter Batschkapp [ link ] wir erst kürzlich berichteten. Und das COMBICHRIST zurzeit auf einer wahren Erfolgswelle reiten ist kein Geheimnis mehr. Zunächst erschallten in ohrenbetäubender Lautstärke die Klänge von Intro „No afterparty“ des aktuellen Albums „Today we are all demons“, um danach durch den Cornbugs Song „Dust and bones, bei dem COMBICHRIST Drummer Joe Letz mitwirkte, abgelöst zu werden. Doch dann war es so weit. AndyLaPlegua kam zu den Klängen von „All pain is gone“ auf die Bühne gestürmt und legte, samt seiner Band, Joe Letz und Trevor Friedrich an den Drums und Z-Marr an den Keyboards, mit ordentlich Vollgas los. So flogen die Drums des Öfteren um und Andy rannte wie man es nicht anders von ihm kennt, ständig über die Bühne. Schnell bildete sich ein kleiner Moshpit vor der Bühne und die Stimmung war von Anfang an prächtig. Natürlich fehlten im Set nicht Hits wie „Electrohead“ oder „Get your body beat“, doch die neuen Lieder wie „I want your blood“ und „Sent to destroy“ wurden genauso frenetisch gefeiert.

 

Die ersten zwölf Songs und die drei Zugaben von COMBICHRIST waren leider viel zu schnell vorbei und so endete mit „What the fuck is wrong with you?“ eine beeindruckendes Combichristkonzert. Doch die Feierlaune vieler Besucher war nicht bremsen und so war nach einem tollen Konzertabend mit fünf guten Bands noch lange nicht Ende und viele der Besucher feierten mit den DJs weiter. Samstag: Der Rausch des letzten Abends war noch nicht ganz verklungen, da öffneten sich am frühen Samstagabend erneut die Pforten der Krefelder Kulturfabrik. Und Zeit zur Akklimatisierung war nicht lange geboten, denn mit der englischen Band TENEK begann kurz nach dem Einlass schon der erste Auftritt des Abends. Die Band hatte sich bei myspace-Usern bereits einen Namen gemacht und als dann MESH Keyboarder Geoff Pinckney zusammen mit seiner Partner Pete Steer auf der Bühne standen waren feine Synthpopklänge zu hören. [ Galerie ]

 

Musikalisch war damit die Richtlinie des Abends vorgegeben. Nachdem am Vorabend noch die harten Klänge im Mittelpunkt standen, sollte es am Samstag ruhiger werden ohne dabei weniger stimmungsvoll zu sein. TENEK waren in England schon mit CLIENT und THE HUMAN LEAGUE auf Tour und konnten sich dort mit ihrem aktuellen Album „Stateless“ ihre ersten Meriten verdienen. Nach dem guten Auftakt des Abends folgte die polnische Band NUNIQ. Das Duo aus Breslau versteht sich selber als Dance-Pop Projekt und dort sind sie musikalisch sicherlich mehr anzusiedeln als in der schwarzen Szene. Viele Lieder klangen nach Housemusik und obwohl die Band musikalisch sicherlich ihre Qualitäten hat, gelang es ihnen kaum die doch vorwiegend schwarzen Seelen in der Kufa zu begeistern. Am ehesten überzeugte die Coverversion „Bizarre Love Triangle“ von NEW ORDER. Nach nur sechs Songs war dann auch schon schnell Ende und die beiden Polen wurden mit einem zurückhaltenden, aber freundlichen Applaus in den Feierabend geschickt. Das Internationale Flair des Festivals setzte die griechische Band MARSHEAUX fort.

 

Die Band um die beiden Sängerinnen Marianthi und Sophie, spaltete das Publikum in der Kufa. Manche Besucher feierten begeistert zu den Liedern des aktuellen Albums „Dream of a Disco“ und sangen die Texte lautstark mit, anderen entlockte die Band maximal ein Kopfschütteln. Die Elektropopklänge boten jedoch eine interessante Mischung zum Gesang der beiden Damen aus Athen. Unterstützt wurden sie von zwei Männern, die an den Keyboards aktiv waren. Für ein Schmunzeln bei Fans alter Konsolenklassiker sorgte sicherlich der Songs „Radial Emotion“, der mit den Klängen von Pacman untermalt ist. Gegen Ende des gut fünfundvierzigminütigen Auftritts war nach neun Liedern Ende für MARSHEAUX und die Halle drohte bereits jetzt aus allen Nähten zu Platzen, denn mit DE/VISION stand einer der beiden Headliner des Abends in den Startlöchern. Das Electro Duo ist bereits in den letzten Wochen auf ihrer 20-Jahre DE/VISION Tour quer durch Deutschland unterwegs gewesen und so haben wir ebenfalls schon von ihrem Auftritten in der Frankfurter Batschkapp [ link ] und dem Gießener Muk [ link ] berichtet. Das Duo ahnte wohl schon welch hervorragende Stimmung es in der Kufa erwarten kann und so standen einige Tonabnehmer auf der Bühne die erahnen ließen, dass in Krefeld Lieder für eine Liveproduktion aufgenommen wurden. Nachdem DE/VISION bei vergangenen Pluswelt Konzerten noch mit Schlagzeug und Gitarre auftrupften, waren sie nun mit ihrem Elektroset in der Kulturfabrik. Sänger Steffen war die gute Stimmung hier in Krefeld anzumerken und so schaukelten sich Band und Fans gegenseitig so hoch, das schon beim zweiten Lied „Love Will Find A Way“ die Stimmung beeindruckend gut war.

 

Die Fans sangen aus vollen Lungen die Lieder mit und Steffen schwand das verzückte Grinsen nur selten aus dem Gesicht. Es wurden aber neben den Liedern aus dem aktuellen Album „Noob“ auch Klassiker wie Moments „We Shared“ und „Blue Moon“ gespielt. Die Kufa war bei DE/VISION bis in die letzte Reihe gefüllt und bemerkenswert am Auftritt war, dass es ihnen gelang nicht nur die ersten Reihen zum Tanzen zu animieren, sondern die ganze Halle sich der Stimmung der Musik nicht entziehen konnte, was gerade für eine Festival etwas Besonderes ist. Doch wer nun dachte dies sei nicht mehr zu toppen, der hatte die Rechnung ohne MESH gemacht. Die Band aus Bristol kehrte in ihren Lieblingsclub zurück, so hatten sie vor zwei Jahren ihre erste DVD in der Kufa aufgenommen. Und schon mit dem ersten Lied Firefly“ war das noch von De/Vision aufgeheizte Publikum am feiern und MESH hatten wahrlich ein Heimspiel in der Kufa und so wurde fast jedes Lied mitgesungen egal ob es die Lieder des aktuellen Albums „We collide“ war oder eine des älteren Nummern. Insgesamt wurden den Briten die meisten Songs des ganzen Festivals zugestanden und so konnten sie mit neunzehn Liedern ein komplettes Konzert absolvieren. Die Mischung aus Synthesizerelemente und klassischen Rockeinflüssen wusste auch die Fans der anderen Bands zu überzeugen. Sänger Mark griff immer wieder selber zur Gitarre und auch Richard wechselte immer wieder seinen Platz hinter den Keyboards mit dem hinter seiner Gitarre. Während die Band und vor allem Frontmann Mark Hockings, dessen Kopf wie immer von einer Wollmütze bedeckt wurde, sehr unaufgeregt auf der Bühne standen wurden optische Akzente durch die Videoprojektionen geboten die fast jedes Lied untermalten.

 

Nachdem mit den Hits „Petrified“, „It Scares Me“, „Friends like These“ und „From This Height“ ein wundervolles Konzert zu Ende ging, blieb bei mir nur eine Frage offen: Warum ist Band nicht noch viel erfolgreicher, dass Potential ist dafür doch allemal vorhanden. Doch mit dem Auftritt von MESH war der Abend um kurz nach ein Uhr noch nicht beendet und so feierten die ganz Ausdauernden erneut noch eine lange Partynacht und so muss man das ganze Festivals als ausgesprochen gelungen betrachten und es bleibt die Vorfreude auf das nächste Jubiläum der Hamburger Promotion Agentur.

 
Text: Carsten Terres
Bilder: Carsten Terres