Northern Lite...[ Zentrum Altenberg, Oberhausen 27.11.2008 ]
 

„Wo soll ich mich hier denn anstellen?“ Dies war der erste Satz, den ich zu hören bekam als ich, mit drei weiteren Personen vor der Tür Schlosserei des Zentrums Altenberg in Oberhausen stand. Der Satz wurde von der vierten Person gesprochen, die ebenso wie ich, über das geringe Interesse an „Northern Lite“ schockiert war. Zum Konzert kamen dann doch ca. 100 Zuschauer, doch an all diejenigen die nicht dort waren sei jetzt schon einmal gesagt: Ihr habt wirklich etwas sehr gutes verpasst!

 

Nach einer kurzen Wartezeit hatten die Türsteher ein Erbarmen mit den frierenden Gästen und gewährten um viertel vor acht Einlass. Die Schlosserei im Zentrum Altenberg ist, wie es der Namen schon vermuten lässt, eine alte Industriehalle die heute als Kulturzentrum genutzt wird. Das nebenan liegende Eisenlager dürfte vielen als Szenedisko bekannt sein. Der Saal war mit einigen Biertischen und Hockern bestuhlt und die knapp hundert Besucher nahem schnell daran Platz und versorgten sich mit Getränken. Auf der Bühne wurden die Instrumente von der Vorband selber aufgebaut. Als Vorband hatten sich Northern Lite die drei jungen Britten von Wanderslust eingeladen. Die drei Musiker aus Middlesbrough, spielten eine Mischung aus Indie und Punk Elementen über deren Qualität ich mich an dieser Stelle nicht weiter äußern möchte. So viel sei nur gesagt, der erste echte Applaus des sichtlich entsetzten Publikums kam auf, als die Band die Bühne verließ. Die Drums und das Keyboard wurden noch schnell abgebaut und die Bühne war frei für die Erfurter Band Northern Lite [ Galerie ]. Die Elektrorocker haben sich in den letzten Jahren durch Auftritte bei diversen Festivals, wie dem Blackfield Festival oder dem WGT einen Namen in der Szene erspielt und auf ihren beiden letzten Alben „Super Black“ und „Unisex“ war der ein oder andere Clubhit zu finden. Des Weiteren haben die vier Thüringer im letzten Jahr ihr Bundesland erfolgreich bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest vertreten, doch dies alles scheint sich im Ruhrgebiet noch nicht herumgesprochen zu haben, denn anders ist der geringe Zuschauerzuspruch nicht zu erklären, denn in anderen Regionen Deutschlands gelingt es der Band sehr wohl die Hallen zu füllen in denen sie spielen.

 

Aber nun zum Konzert. Hinter der Bühne hatten die vier eine große LED-Wand anbringen lassen, um bei den Zuschauer nicht nur einen akustischen Eindruck zu hinterlassen, sondern auch visuell das ein oder andere Highlight zu setzten. Der Begriff ist in diesem Sinne auch mehr als zutreffend, denn die Beleuchtung war während des Konzerts recht spärlich, doch wenn die LEDs angingen war es auch gleich gleißend hell, was für mich als Fotografen das Fotografieren zu einer echten Herausforderung machen sollte. Eröffnet wurde das Konzert mit „Staring at the sun“ und sofort hielt es die Besucher nicht mehr auf ihren Stühlen. Es wurde getanzt, gejubelt und mitgesungen, so dass von der ersten Minute an eine einzigartige Atmosphäre in der Halle war. Sänger Andreas Kubat ließ sich von der Stimmung ganz schnell anstecken und zeigte sich begeistert von der Feierlaune der Besucher, so dass er im Laufe des Konzerts anmerkte: „Ich habe hier ja gefühlte 500 Zuschauer“, und auch mir kam es so vor, dass die paar Leute mehr Stimmung machten als ich bei mansch ausverkauften Haus in diesem Jahr erlebt habe. Band und Publikum schaukelten sich von Lied zu Lied mehr hoch und bald gab es auch für den tanzfaulsten Besucher kein halten mehr. Jeder Song wurde mit frenetischem Jubel bedacht und egal ob das Lied nun neuer oder älter war, die Texte wurden lautstark mit gesungen, so dass sich Sänger Andreas sogar die ein oder andere Zigarettenpause gönnen konnte. Zwischen den einzelnen Liedern gab es allerdings keine Pausen oder großartige Ansagen, des Weiteren gab es keine Showeinlagen oder irgendetwas was von der Musik hätte ablenken können. Northern Lite zogen ihre Fans einzig und allein mit ihrer Musik in ihren Bann.

 

Die Stimmung erreichte ihren ersten Höhepunkt bei „Enemy“ dem Song vom Bundesvision Song Contest und nachdem sich Andreas anschließend bei „Liar“ ein wenig Ruhe gönnen wollte und sich auf den Bühnenrand setzte wurde dies von einigen weiblichen Fans direkt genutzt um ein Bild mit dem charismatischen Sänger zu machen. Nach gut anderthalb Stunden Dauerparty verließen die vier Musiker zum ersten Mal die Bühne, wurden aber sofort mit lautstarken Zugaberufen zur Rückkehr genötigt und die gab es dann auch noch mit „Different“ und „Girl with a gun“ bei dem noch einmal so richtig Vollgas gegeben wurde und ein toller Konzertabend seinen krönenden Abschluss fand. Die Band hat sich, meiner Meinung nach, nach einem solch großartigen Konzert vor allem eins verdient, bei ihrem nächsten Besuch im Ruhrpott eine ausverkaufte Halle vorzufinden!

 
Text: .Carsten Terres
Bilder: .Carsten Terres