Metallica - Machine Head - The Sword...[ Lanxess Arena, Köln 17.05.2009 ]
 

Es ist jetzt über 25 Jahre her, dass eine kleinen Garagenband aus Los Angeles sich daran machte die Welt zu erobern, und die Truppe hat sich mittlerweile einen Ruf weit über die Metalszene hinaus gemacht. Mit ihrem elften Studioalbum „Death Magnetic“ im Gepäck war es also auch an der Zeit für Metallica [ Galerie ] wieder einmal ausgiebig auf Tour zu gehen. Und wenn eine Weltklasse-Band wie Metallica tourt, werden natürlich auch dementsprechende Veranstaltungsorte gebraucht. Wen verwundert es also, wenn das Konzert am 17.5.2009 in Köln in der pompösen „Lanxess Arena“ stattfand, einem Bau mit einer Grundfläche von 83.700m², einer Gesamthöhe von knapp 70 Metern und einem Fassungsvermögen von fast 20.000 Menschen. Beeindruckende Maße für eine beeindruckende Band!

 

Bereits bei unserer Ankunft wird einem schon klar, dass der Platz in der Halle auch bitter benötigt wird. Metallica-Fans jeglicher Altersgruppe sind vorhanden und scharen sich um die mobilen Bierverkäufer, Bratwurstbuden und Brezelstände. Als wir unsere Plätze im Oberrang Reihe 10 einnehmen, ist der Hexenkessel unter uns bereits am Kochen. Der Einlass war bereits gegen 19.00Uhr, doch da die Anfahrt für uns etwas länger dauerte als geplant, war die erste Vorband des Abends bereits am Rocken. Die vier Männer von The Sword [ Galerie ] aus Texas beschreiben ihren Sound selbst mit "...a bunch of bison being pushed over a cliff...". Hört sich nicht schlecht an, konnte aber mit der Soundanlage leider nicht recht überzeugen. Trotzdem begannen die Jungs den Abend ganz gut damit, die feierwütigen Fans vorzuheizen. Nachdem die Bühne geräumt war, begannen die ebenfalls zu viert agierenden Männer von Machine Head [ Galerie ] mit dem 2. Teil des Prä-Metallica-schem Warmup, wobei sie sich für "Aesthetics of Hate" Verstärkung von Metallica-Frontmann James Hetfield holten. Dieser kleine Gastauftritt brachte die Menge bereits jetzt zum Toben und erhöhte so schon die Spannung auf den eigentlichen Hauptact des Abends. Was mir persönlich einheizte, war ein Iron Maiden-Cover von „Hollowed Be Thy Name“, ein echter Klassiker der zwar schon zigmal von anderen Bands gespielt wurde, sich aber einfach immer wieder gut anhört. Der Innenraum der Halle war bereits bei Machine Head nicht mehr zu stoppen und verwandelte sich in ein pogendes Meer aus klebrigen und verschwitzten Gestalten. Wer in diesem Herumgehüpfe zu Boden fiel, dem wurde aber direkt wieder auf die Beine geholfen.

 

Dann war es endlich soweit, der Moment auf den alle in der Halle warteten! Das Licht ging aus, und das bereits zum Kult gewordene Intro („The Ecstasy Of Gold“ von Ennio Morricone aus „The Good, The Bad And The Ugly“) begann sich verheißungsvoll im Saal zu verbreiten. Die E-Gitarre und das Schlagzeug legten los, der erste Song des Abends -dass war jedem Fan sofort klar- war genau wie bei dem Release-Gig in Berlin [ wir berichteten ] „That Was Just Your Life“ vom aktuellen Album „Death Magnetic“. Das donnernde Grollen tausender Kehlen erschütterte den Boden der riesigen Halle, als James Hetfield in einem einsamen Scheinwerferlicht auftauchte. Die Bühne war wie bei Metallica gewohnt in der Mitte der Arena aufgebaut worden, so dass alle die fantastische Lasershow beobachten konnten, die sich jetzt unten in der Tiefe auf der verdunkelten Bühne abspielte. Tausende Köpfe begannen mit dem Headbanging dass man die Halswirbelsäulen nur so knacken hören konnte. Gefolgt wurde dieser Song von einer herzlichen Begrüßung der Zuschauer durch Mr. Hetfield, der sich betont lebenslustig gab. Er versprach bei dieser Gelegenheit auch, dass sie an diesem Abend nicht nur die neuen Songs von "Death Magnetic" zum Besten gegeben würden, sondern auch viele schöne ältere Stücke - und er sollte Wort halten! So wurden von "Death Magnetic", das bereits genannte "That Was Just Your Life", "The End Of The Line", "Broken, Beat & Scarred", "The Judas Kiss", "My Apocalypse" und "The Day That Never Comes" gespielt. Was bei einem Metallica-Konzert nicht fehlen darf, sind aber auch Klassiker: so z.B. "One", "Dyers Eve", "Sad But True", "Enter Sandman", "Nothing Else Matters" oder "Master Of Puppets".

 

Alles Stücke, die gerade den Fans der ersten Stunde besonders am Herzen liegen und welche die Band zu der Größe geführt haben, die sie heute ist. Gerade bei so einem gut durchmischten Publikum wie an diesem Abend musste ein breites Spektrum geboten werden. Einem solchen Konzert beizuwohnen ist natürlich nicht nur ein akustischer Hochgenuss (obwohl der Sound gerade bei den oberen Rangplätzen alles andere als super war), sondern auch ein optischer. Lasershow, Feuersäulen, vier riesige Särge, die unter der Deckenbeleuchtung angebracht waren und sich unheilvoll immer wieder auf die Bühne senkten, umrahmten das Bild eines hochkarätigen Metalkonzertes, ohne dabei jemals klischeehaft zu werden. Beim letzten Song des Abends ("Seek & Destroy") gab es ein erfrischendes Ballonbad für die Menge. Die Ballons, die nicht alle wieder zurück auf die Bühne geworfen wurden, könnten sich bereits heute auf E-Bay befinden. Der Bühnenaufbau hielt die Jungs ständig in Bewegung und gab der Show etwas sehr dynamisches, was durchgehend zu Gesamtkonzept der Band passt. [ Galerie ]

 

Alles in allem hart und vor allem schnell vergingen die gut zwei Stunden wie im Fluge und ganz egal ob die beiden Solos von Kirk Hammett, die immer wieder amüsanten Show-Einlagen von Lars Ulrich oder die schwindelerregenden Drehungen von Bassist Robert Trujillo, es wurde zu keinem Zeitpunkt des Gigs langweilig. Es muss allerdings auch gesagt werden, dass neben der Musik der Band und den ganzen Special-Effects, die Zuschauer nicht unwesentlich zur Atmosphäre eines Konzertes beitragen. Und trotz des der Metalszene anhaftenden schlechten Rufes ging es doch sehr friedlich zu, und das trotz (oder gerade wegen) des übermäßigen Alkoholkonsums einiger Konzertgäste. Der Anblick einer riesigen „La Ola“-Welle die sich über mehrere Runden durch so eine pompöse Location erstreckt,  das Mitsingen von tausenden Fans oder das traditionelle Feuerzeuge-in-die-Luft-strecken bei "Nothing Else Matters" ist einfach ein echtes Gänsehauterlebnis, welches man einfach nicht beschreiben kann, ohne pathetisch zu werden. Gerade auch der Ausblick von den oberen Rängen hat etwas Unvergleichliches und ermöglicht, die unterschiedlichsten Eindrücke aufzunehmen: die Legomännchen-große Band (dabei Lars Ulrich auf seinem sich drehenden Schlagzeugpodium), die Moshpits, die sich an den unterschiedlichsten Stellen im Saal bildeten, doch zum Glück nie soweit zu gingen das jemand ernsthaft verletzt wurde oder auch den Anblick der Crowd-Surfers, die teilweise von mehreren Security-Kräften gefasst werden wollten, dann aber doch wieder von der Menge zurück in die sichere Masse gezogen wurden. Am Ende des Konzertes lief alles auch gesitteter ab, als ich es persönlich vermutet hätte.

 

Alle liefen in Grüppchen zu den verschiedenen Parkplätzen. Es wurden Eindrücke ausgetauscht, gefachsimpelt und bereits über das nächste Konzert nachgedacht. Der ein oder andere Fan wird dabei sicher auch an das Anfang Juli stattfindende Sonisphere Festival [ preview ] gedacht haben, das Metallica auf dem Nürburg Ring headlinen werden.

 
Text: Tobias Burk
Bilder: Sandro Griesbach