Jesus on Extasy - XPQ 21...[ Essigfabrik, Köln 20.03.2009 ]
 

Nachdem Jesus On Extasy in der letzten Zeit mit einigen Umstrukturierungen innerhalb der Band zu kämpfen hatten, war das Bangen groß, dass das lang ersehnte Konzert in der Kölner Essigfabrik – wie auch einige andere Dates der “Beloved Enemy”-Tour – ins Wasser fallen würde. Zur Erleichterung der treuen Anhängerschaft ließen es sich die Ruhrpötter, allen widrigen Umständen zum Trotz, nicht nehmen, an diesem Abend ihr neues Line-Up dem sehr gespannten Publikum vorzustellen. Als ich um 19.45 Uhr die Location betrat, war aber erstaunlicherweise nicht allzu viel los und ein großer Teil der Anwesenden hatte es sich noch an der Bar bequem gemacht, da es auf Grund des bisher recht überschaubaren Publikumsansturms vor der Bühne nicht nötig erschien, sich dort schon einen besonders guten Platz zu sichern. Darüber hinaus ist die gesamte Essigfabrik recht gut zu überblicken, so dass man auch von etwas weiter hinten durchaus noch einen guten Blick auf die Bühne erhaschen kann. Als um 19.55 Uhr die Vorband XPQ-21 begann, dem Publikum einzuheizen, versammelten sich die Zuschauer in etwa sieben Reihen vor der Bühne.

 

Nach einem ziemlich langen Intro, bei dem die vier Jungs langsam die Bühne betraten, brach ein Gewitter aus harten Beats und Gitarrenriffs über das Publikum herein. Aber obwohl XPQ-21, welche ihre Köpfe mit schwarzen Strumpfhosen schmückten – was leider zur Folge hatte, dass man nicht viel von ihren Gesichtern erkennen konnte – eine äußerst energiegeladene Show präsentierten, konnte der New Beat die meisten Anwesenden, wie es schien, nicht so recht überzeugen, denn man sah nur vereinzelt ein paar Leute – vorwiegend in den hinteren Reihen – rhythmisch mit den Köpfen nicken. Nichts desto trotz ließ sich Sänger Jeyênne den Spaß nicht verderben und suchte des Öfteren den Kontakt zum Publikum. So hielt er einem Mädel aus der ersten Reihe, das als eine der wirklich wenigen Anwesenden die Texte kannte, das Mikrophon hin, damit sie kurze Passagen mitsingen konnte. Zudem kommunizierte er durch verschiedene Gesten mit den weiter vorne stehenden Leuten. Nach einigen Songs hob sich die Stimmung dann doch ein wenig und besonders das rock’n’rollige „Dead Body“ schien recht gut anzukommen. Als der Frontmann gegen Ende seine Strumpfhose bis über die Nase hochzog, sah es so aus, als wolle er seine „Tarnung“ lüften. Dies stieß beim Publikum auf freudige Reaktionen. Aber leider beabsichtigte Jeyênne dennoch nicht, seine Identität auf der Bühne völlig preiszugeben. Als letzter Song wurde das Eurythmics-Cover „Sweet Dreams“ angestimmt und zum ersten Mal sang die komplette Halle aus vollem Halse mit. Dieses Stück kann sich jedenfalls als absolutes Highlight dieses Auftrittes bezeichnen. Im Anschluss daran verließen die Jungs nach für eine Vorband außergewöhnlich langen Spielzeit von 60 Minuten die Bühne. [ Galerie Frankfurt 2006 ]

 

In der Zwischenzeit hatte sich die Halle weiter gefüllt, so dass Jesus On Extasy um 21:20 Uhr vor einem halb vollen Saal die Bühne betreten konnten, welche mit solch dichten Nebelschwaden verhangen war, dass es für jeden Fotografen zu einer äußerst aufreibenden Aufgabe wurde, gute Bilder zu schießen. Nachdem Dorian das Publikum mit einem kurzen „Guten Abend“ begrüßt hatte, begannen die Ruhrpötter, deren Geschlechterverhältnis sich inzwischen auf vier zu eins zu Gunsten der männlichen Bandmitglieder verschoben hat, ihr Set – passend zum Namen der Tour mit „Beloved Enemy“. Schon bei diesem Stück merkte man, dass die Stimmung um einiges besser war, als bei den Vorgängern. Das freute auch Dorian ganz besonders und er ließ die Anwesenden, denen der Blick auf die Bühne auch weiterhin durch den Nebel verwehrt blieb, wissen: „Wenn ich euch sehen könnte, würdet ihr mich strahlen sehen!“ Nach dem nun folgenden „Nuclear Bitch“ herrschte endgültig Hochstimmung in der Halle und man merkte auch der Band an, wie sehr es ihr Spaß bereitete, sowohl die älteren wie auch die neuen Stücke zu spielen. Dementsprechend stellte Chai nach „Holy Beauty“ fest: „Ich würde ja gerne springen!“ Dorian schaute daraufhin zur sehr niedrigen Decke der Essigfabrik auf und warnte den sehr großen Gitarristen: „Aber stoß dich nicht!“ Naja, kleine Hopser wären schon möglich gewesen… Auch wenn er sich scheinbar nicht richtig traute, zu springen, hielt ihn das dennoch nicht davon ab, bei „Direct Injection“ voll abzurocken. Als nächstes kündigte Dorian einen Song an, „der lange nicht live und auch nur einmal gespielt wurde“. Dies war in 2007 und wie der Sänger noch hinzufügte, zu einer Zeit, in der sie alle noch ganz anders ausgesehen hätten. Jaja, lang lang ist’s her… [ Galerie ]

 

Dieser Ansage folgt „The Last Day Of My Life. Im Anschluss wollte Dorian wohl wissen, wie viele Leute anwesend waren. Jedenfalls schlug er vor: „Lasst mal durchzählen!“ Letztendlich kam er dann zu dem Schluss: „Das sind ja fast 12 Leute!“ Ein bisschen mehr waren es doch. Mit „Assassinate Me“ gab es das erste Highlight im Set von Jesus On Extasy und Dorian ließ sich bei diesem Stück ordentlich durch das stimmgewaltige Publikum unterstützen. Von „älteren“ Klassikern kam man dann zur nächsten Live-Premiere und für die Anwesenden gab es schon mal die Vorwarnung: „Ihr wisst ja, wie das beim ersten Mal ist: Kurz aber schrecklich!“ So schlimm war das nun dargebotene „Dead Presidents“ dann aber doch nicht. Im Gegenteil! Und Orphelia Dax verließ sogar den Platz hinter ihren Synthesizern, um ein wenig auf der Bühne zu tanzen. Nach „Nowhere Girl“ kam ein Mann aus dem Publikum auf die Bühne, um seiner Freundin, die er, wie er sagte, ebenfalls auf einem Jesus On Extasy-Konzert kennengelernt hatte, einen Heiratsantrag zu machen. Wie sie reagierte, ist leider nicht bis zu mir durchgedrungen, aber wer würde schon einen solchen Heiratsantrag ablehnen? Dorian jedenfalls wünschte dem mutigen Herrn: „Alles Gute und viel Glück! Du wirst es brauchen!“ Im Anschluss an das nachfolgende „Stuck“ stelle der Sänger den neuen Schlagzeuger Dino vor, der nun BJ ersetzt, welcher auf Grund einer Schulterverletzung den Platz hinter den Drums räumen musste und nun stattdessen den Bass bei den Ruhrpöttern zupft. Es folgten einige „Top-Hits“ vom ersten Album – „Neochrome“ sogar mit Rap-Part – Danach verkündete Dorian: „Jetzt kommt der Punkt, an dem wir von der Bühne gehen würden und ihr rufen müsst.“ Und sofort ertönten von allen Seiten „Zugabe“-Rufe.

 

Die Band ließ sich auch nicht lange bitten und weiter ging es mit „Drowning“, bei dem Dorian seine Jacke öffnete. Hinterher verlangte er dann: „Der Chai soll sich ausziehen!“ Dieser aber erklärte: „Ich komm aus diesem Hemd nicht raus!“ Daraufhin rief ihm ein Mädel aus dem Publikum „Feigling“ zu. „Das sagt die, die heiraten muss!“ konterte der Gitarrist. Bei „Church Of Extasy“ zog Dorian seine Jacke komplett aus – zur Freude aller weiblichen Anwesenden versteht sich. Leider kommt aber auch das stimmungsvollste Konzert irgendwann zum Schluss und so endete der Abend um 22:20 Uhr mit „Lies“ für die meisten Anwesenden wohl viel zu früh. Aber Dorian versprach noch, nachher raus an den Merchandising-Stand zu kommen. So lange bin ich aber dann doch nicht mehr geblieben, da mich Müdigkeit und die nicht sonderlich erfreulichen Aussichten auf eine längere Heimfahrt raus in die Kälte trieben.

 
Text: Kerstin Tschöpe
Bilder: Julia Suvorova