INTO DARKNESS Festival-Tour- ...[ Essigfabrik Köln, 10.10.2009 ]
 

Trotz des nicht gerade beständigen Herbstwetters versammelte sich am Samstag den 10.10.2009 schon einige Zeit vor Einlass eine recht anständige Menge schwarzen Volkes vor den Toren der Essigfabrik in Köln. War der Einlass ursprünglich für 18:00Uhr anberaumt, wurde die Geduld der Wartenden zunächst einmal ein wenig auf die Probe gestellt, denn die Tore wollten sich nicht zur vereinbarten Zeit öffnen. Gegen 18:30 Uhr endlich setzte sich die inzwischen doch einige Meter lange Schlange so langsam in Bewegung und der Konzertsaal der Essigfabrik begann, sich langsam zu füllen. [ Galerie ]

 

Pünktlich um 19:00 Uhr betrat die erste Band des Abends die Bühne. Die Italiener von Dope Stars Inc. haben erst kürzlich ein neues Album mit dem Titel „21st Century Slave“ veröffentlicht und somit begannen sie ihr Set auch standesgemäß mit dem ersten Track aus diesem Werk, der den Titel „Omegadrones“ trägt. Die Stimmung in der erst gut zur Hälfte gefüllten Halle war zunächst noch recht zäh und die Leute wollten sich nicht so ganz von den industrial-angehauchten Klängen der fünf Südländer mitreißen lassen. Dabei agieren die Elektro-Dandies neuerdings mit einem Live-Schlagzeuger, wodurch ihre Darbietung um einiges rockiger und nicht mehr ganz so elektrolastig daher kommt. Nach dem Ausstieg von Gitarrist Alex Vega übernimmt nun Sänger Victor Love die zweite Gitarre, wodurch dieses Energiebündel leider an den Platz hinter seinem Mikroständer gefesselt war, was der Show leider einiges an Energie und Dynamik nahm. Nach zwei Stücken vom neuen Album ertönte dann mit „Bang Your Head“ zum ersten Mal ein älterer Song vom 2006er Album „Gigahearts“. Bei dieser ziemlich fetzigen Nummer kam dann auch zum ersten Mal etwas mehr Stimmung auf. Gitarrist Fabrice La Nuit sowie Bassist Darin Yevonde hatten sichtlich Spaß an ihrer Show und headbangten regelrecht um die Wette. Zudem sang La Nuit, zum Teil auch ohne verstärkendes Mikrofon in Reichweite, die Songs sehr inbrünstig mit. Live-Keyboarder Ash Rexy dagegen fiel durch einen ziemlich übermäßigen Zigarettenkonsum auf, der wirklich weit entfernt von gesund war. Auch Songs vom Debut-Album „Neuromance“ wurden bei der Show berücksichtigt und somit durfte sich das Publikum auch über ältere Knaller wie „10.000 Watts“ oder „Infection 13“ freuen.

 

Besonders gut aber kam das etwas bekanntere „Make A Star“ an. Darin Yevonde konnte es sich dabei nicht verkneifen, dem Publikum die Rückseite seines Basses zu zeigen, auf die mit schwarzem Klebeband das Wort „Vittu“ (finnisch für „Fuck“) geklebt war. Mit „Multiplatform Paradise“ und den Worten „Thank you! See you next time!“ endete der Gig der Italiener nach bereits dreißig Minuten um 19:30 Uhr leider viel zu früh. Nach einer sehr kurzen Umbaupause von gerade mal einer viertel Stunde begannen Lacrimas Profundere mit ihrem Auftritt um 19:45 Uhr. Die Bayern waren recht kurzfristig für The Birthday Massacre eingesprungen, welche ursprünglich auf der Into-Darkness-Tour dabei sein sollten. Aber mit den düsterromantischen Goth-Rockern wurde ein angemessener Ersatz gefunden. Sänger Roberto lieferte vom ersten Moment an eine sehr energiegeladene Performance. Nach wenigen Songs erklärte er dem Publikum, dass seine Band anstelle der Kanadier auftreten würden und mit der Bemerkung „Ich hoffe, ihr habt Bock auf dieses Wochenende!“ ging es weiter im Set. Auch die restlichen Bandmitglieder rockten, was das Zeug hielt. Vor allem Gitarrist Oliver schüttelte seine lange Mähne ausgiebigst. Das Stück „Sweet Caroline“ wurde allen Gothic Girls gewidmet, bevor Roberto schließlich ziemlich außer Atem verkündete: „Der nächste Song ist eine Ballade. Ich hoffe, hier gibt es Balladen-Fans!“ Dieser Ansage folgte „Sacrifical Lamb“, bei dem die gesamte Band sehr versunken wirkte. Aber auch das Publikum wurde intensiv mit einbezogen. So forderte der Sänger die Leute in der Halle auf: „Jetzt seid ihr gefragt. Hands up!“ Dies war aber noch nicht alles. „Der nächste Song ist euer Lieblingsstück.“, wurde ein weiterer Song angekündigt.

 

Bevor dieser aber angestimmt wurde, forderte der Frontmann das Publikum zu weiterem Einsatz auf: „Jungs, macht Lärm!“ Daraufhin ertönte lautes Gebrüll aus vielen männlich Kehlen. „Jetzt seid ihr dran, Mädels!“, bezog der Sänger auch den anderen Teil der Zuschauer mit ein und erklärte, nachdem das aufkommende vielstimmige Gekreische wieder verstummt war, dass der folgende Song den weiblichen Anwesenden gewidmet sei. Wie sich die meisten Lacrimas-Fans wahrscheinlich denken konnten, folgte der Hit „Amber Girl“, der viele zum Klatschen mitriss. Danach verkündete Roberto: „Ich hoffe, ihr seid bereit für die Deathstars und Diary Of Dreams.“ Im Weiteren folgte ein älteres Stück namens „I Did It For You“. Bei diesem durfte sich vor allem das weibliche Publikum an dem Anblick eines Bassisten erfreuen, der das Oberteil unter seiner Lederweste ausgezogen hatte und nun eine stolz entblößte Brust zur Schau trug. Wäre es nach der Band gegangen, hätten Lacrimas Profundere, nach ihren eigenen Worten zu urteilen, wohl die ganze Nacht durchgerockt, aber um „fair“ zu sein, waren sie so gnädig, mit „My Mescaline“ schließlich so langsam zum Ende zu kommen. Somit erklärte der Frontmann, nachdem er sich beim Publikum für die tolle Resonanz bedankt hatte, letztendlich: „Hier kommt der letzte Song. Wir sehen uns nachher am Merch-Stand auf ein oder zwei Bier. Lasst’s euch gut gehen Jungs!“ Diesen Worten folgte das obligatorische „Ave End“, welches Roberto in recht diabolischer Stimmlage vortrug und bei dem die Stimmung in der Halle zum krönenden Abschluss nochmal richtig kochte, bevor die Jungs 20:30 Uhr von der Bühne verschwanden. Zierten noch „Into Darkness Festival“-Banner die Bühne während den Auftritten von Dope Stars Inc. und Lacrimas Profundere, wurden in der folgenden Umbaupause nun die ersten und einzigen bandeigenen Banner des Abends aufgebaut.

 

Dabei sorgte bei weiten Teilen des Publikums für Verwirrung, dass diese ganz eindeutig den Schweden von Deathstars zuzuordnen waren, standen diese doch auf sämtlichen Tourplakaten an der Stelle des Headliners, womit ihnen eigentlich ein Platz weiter hinten im Line-Up zugestanden hätte. Wie sich in Erfahrung bringen ließ, sollten Diary Of Dreams aber bei den Konzerten in Deutschland an der Spitzenposition spielen, während diese im Ausland den „Todessternen“ zustehen sollte. Leider wurde diese kleine Tatsache auf den Plakaten nicht berücksichtigt. Ebenfalls ließ sich feststellen, dass sich die Halle inzwischen recht ordentlich gefüllt hatte. Um 20:05 Uhr erklangen dann auch die ersten Klänge des Intros, genauer gesagt, eines Songs der Black Metal-Band Satyricon, bei dem die Bühne lediglich von einzelnen lila Scheinwerfern angestrahlt wurde. Mit den ersten Takten von „Night Electric Night“, dem Titelstück des aktuellen Albums, betraten die Deathstars dann endlich die Bretter der Essigfabrik. Wie man es von den Schweden erwartete, erschien die ganze Truppe natürlich in ihren typischen bandeigenen Uniformen. Sänger Whiplasher trug dementsprechend auch seine obligatorische Mütze auf dem Kopf sowie eine Federboa um den Hals. Beide Kleidungsstücke blieben aber nicht lange an ihrem Platz und somit flog die Mütze schon nach wenigen Takten in Richtung Bühnenausgang, bevor er sich bei „Motherzone“ zudem auch seiner Jacke entledigte. Kurz darauf verkündete der Sänger: „This band is handicapped. We’re missing Nightmare Industries but Cat is doing the job for two guys.” Und dies tat der Genannte auch äußerst überzeugend. Man merkte der Band wahrlich kaum an, dass ihnen an diesem Abend lediglich eine Gitarre, statt der gewohnten zwei, zur Verfügung stand.

 

Leider mussten sich die Deathstars mit technischen Problemen etwas anderer Art rumschlagen. So war Whiplashers Gesang teilweise recht schlecht zu verstehen und auch vereinzelte Störgeräusche schränkten den Hörgenuss hin und wieder ein wenig ein. Aber der Stimmung in der Halle tat dies keinen Abbruch und so sah man bei „Mark Of The Gun“ jede Menge klatschende Hände über den Köpfen der feiernden Menge. Zwischenzeitlich verschwanden die Jungs kurz von der Bühne und sofort ertönten „Deathstars“-Rufe. Zu „Chertograd“ zog Whiplasher sowohl Mütze als auch Federboa wieder an, wobei Letztere schließlich von dem inzwischen schweißüberströmten Frontmann ins Publikum geworfen wurde. Die Klänge von Sirenen sowie Donnerschlägen, begleitet von einem aggressiven Scheinwerfergewitter, läuteten den Song „Blitzkrieg“ ein, welcher von Bassist Skinny oben ohne performt wurde. Und auch Cat hatte sich, sehr zur Freude der weiblichen Zuschauer, dem Oberteil unter seiner Jacke entledigt. Bei „New Dead Nation“ gab es für das Publikum dann absolut kein Halten mehr und die ganze Halle tobte ausgelassen. Whiplasher kommunizierte während des Auftritts ziemlich wortreich mit den Anwesenden, nuschelte dabei allerdings so stark, dass er leider nur sehr schwer zu verstehen war. Nach „Cyanide“ stellte er schließlich fest, dass alles einmal enden muss, und läutete damit „Death Dies Hard“ ein, welches das Set der Schweden beschließen sollte. Mit den Worten „Thank you very much! Auf Wiedersehen! See you soon!“ verabschiedete sich die Band nach einer viel zu kurzen Stunde und einem mitreißenden Auftritt, welchen das Publikum durch vielstimmige „Deathstars“-Rufe vergeblich zu verlängern suchte.

 

Gegen 22:30 ließ ein schriller Schrei die Halle erbeben und die düsteren Klänge des Intros von Diary Of Dreams erklangen. Eingehüllt in dicken Nebel betraten Adrian Hates und der Rest der Band die Bühnenbretter, um dem verbliebenen Publikum mit „Wahn!Sinn?“ einzuheizen. Bei einem kurzen Rundblick ließ sich nämlich feststellen, dass sich die Leute im Saal etwas verringert hatten, nachdem die letzten Klänge der Deathstars verhallt waren. Nichtsdestotrotz aber war die Stimmung ungebrochen gut und Songs wie „The Plaque“ oder „The Wedding“ wurden begeistert aufgenommen. Die sehr lebhafte Mimik und Gestik des Frontmanns unterstrich die Texte der Stücke auf faszinierende Weise. Begleitete Adrian Hates die ersten Songs des Sets noch selber mit der Gitarre, wurde diese für „King Of Nowhere“ zunächst einmal zur Seite gestellt. Die dadurch gewonnene Bewegungsfreiheit kam der Show sehr zugute, da der Sänger nun verstärkt die Möglichkeit hatte, über seine ausladende Körpersprache und perfekt auf die Musik abgestimmten Bewegungen mit dem Publikum zu kommunizieren. Nach „Soul Stripper“ fragte Gitarrist Gaun:A die erhitzte Menge: „Wollt ihr noch was?“ Die Antwort war, wie zu erwarten, recht euphorisch und somit wurde das Publikum mit weiteren Stücken wie „MenschFeind“ oder „Reign Of Blood“ belohnt. Zu letzterem Song schnallte sich Hates seine Gitarre ebenfalls wieder um. Als er sich zum Stimmen derselben von der Halle abwandte, sorgte sein Bandkollege dafür, dass diese kurze Unterbrechung perfekt überbrückt wurde, indem er die Menge zum Klatschen animierte. Bei „Kingdom“, dem letzten offiziellen Stück, durfte das Publikum selbst singen, wodurch die Stimmung weiter angeheizt wurde.

 

Umso gemeiner erschien es, als Diary Of Dreams mit den Worten „Vielen Dank! Dankeschön!“ die Bühne verließen. Noch bevor sie ganz verschwunden waren, erschallten schon laute „Zugabe“-Rufe aus den Kehlen der wilden Menge, die noch lange nicht gewillt war, sich auf den Heimweg zu machen. Es dauerte auch nicht lange und die Band kam wieder zurück, um „AmoK“ zu präsentieren. Kaum waren die letzten Takte dieses eindrucksvollen Stückes verklungen, ertönten erneute „Zugabe“-Rufe. Unter Einbeziehung des Publikums wurde daraufhin „The Curse“ angestimmt. Nach diesem Stück verbeugten sich die vier Musiker anständig, wünschten den Anwesenden noch einen schönen Abend und verschwanden endgültig von der Bühne. Wieder wurden Forderungen nach mehr laut, welche sogar vereinzelt in „Buh“-Rufe umschlugen, als sich abzeichnete, dass Diary Of Dreams nicht mehr zurückkommen würden. Aber die Entscheidung über die Länge eines Konzertes liegt halt nicht immer in den Händen der Band. Obwohl die Ansagen von Sänger Adrain Hates in der Regel sehr kurz und meist auch schlecht verständlich waren, bewiesen Diary Of Dreams auch dem ein oder anderen Deathstars-Anhänger, dass auch sie durchaus das Zeug haben, als Headliner zu spielen. Nach der Show ergab sich sogar noch die Gelegenheit, in der Halle auf manch einen der Musiker zu stoßen. Einige Jungs von Dope Stars Inc., Lacrimas Profundere und den Deathstars hielten sich nämlich noch im Zuschauerraum der Essigfabrik auf und ließen sich sogar bereitwillig dazu überreden, Fotos zu machen oder sich mit den Fans einfach zu unterhalten. Somit kann man abschließend zusammenfassen, dass dieses Event durchaus sehr gelungen war und wahrscheinlich niemand die Anreise nach Köln bereut hatte. [ Galerie ]

 
 
Text: Kerstin Tschöpe
Bilder: Julia Suvorova