Interview mit Martin Schindler von der Band Mantus, Februar 2009 .[ mailer ]
 

Nach nun gut vier Jahren sind MANTUS zurück und planen Großes. MANTUS, eine Band die schon immer wusste zu polarisieren, konsequent ihren Weg gingen, werden erstmalig auch Livekonzerte anstreben. Mehr und zu vielen anderen Themen weiß Martin Schindler (Sänger) im nun folgenden Interview zu berichten.

 

Jojo: „Totgesagte“ leben länger oder vielmehr einmal ist keinmal. Nach eurer Auflösung 2005 habt Ihr im letzten Jahr den Hebel auf Neustart umgelegt. Wie kam es dazu Mantus wieder Leben einzuhauchen?
Martin: Nach relativ kurzer Zeit habe ich einfach gemerkt, wie sehr ich „Mantus“ bzw. diese Art des Songwritings vermisse. Ich hätte es selbst nicht gedacht, dass dieses Grundgefühl so stark in mir drinnen ist und diesen Einfluss auf die ganze kreative Arbeit ausübt. In den letzten drei Jahren habe ich immer wieder Songs geschrieben oder Arrangements zusammengebastelt, die sehr in den musikalischen Zusammenhang von „Mantus“ passten, obwohl es das Projekt eigentlich nicht mehr gab. Das hat mir aber gezeigt, was grundsätzlich in mir steckt und dass ich diese Richtung nicht einfach ignorieren kann. Es war fast wie eine Art Bestimmung, „Mantus“ wiederzubeleben.

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Jojo: Den meisten Leuten war es unklar wo die Gründe der Auflösung zu finden waren. Kannst Du erklären was dazu führte, allein die Lust rockigere Musik zu machen kann ja nicht der einzige Grund gewesen zu sein?
Martin: Ich fühlte mich damals innerlich leer, so als ob ich alles was ich jemals musikalisch machen wollte schon hinter mir hätte. Ich brauchte dringend eine Zeit der Veränderung, vielleicht auch um mich selbst zu finden. Jetzt im Nachhinein betrachte ich es in Bezug auf „Mantus“ wie eine längere Auszeit, die ich aber unbedingt brauchte und die mich weiter gebracht hat.

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Jojo: Ihr Beide habt nach der Auflösung von Mantus mit eurem Projekt Sepia weiter Musik gemacht. Ist dieses Projekt nun ad acta gelegt oder bleibt Sepia bestehen; neben Black Heaven?
Martin: Aktuell sind wir in diesen drei Projekten bzw. Bands aktiv und wir möchten das so weiterführen. Allerdings nimmt „Mantus“ wieder einen großen Stellenwert in unserem musikalischen Schaffen ein. Das wird uns auch bestimmt vor einige Herausforderungen stellen, zumal ich zu den Künstlern gehöre, die auch immer wieder veröffentlichen wollen und nicht 2 Jahre für die Produktion eines Albums benötigen. Aber wir werden das schon alles unter einen Hut bekommen.

 

Jojo: Nun sind Mantus wieder da. Die dreijährige Pause scheint eine Menge bewirkt zu haben. Wann entschied es sich das es mit Euch weitergeht, was waren die Impulse dafür?
Martin: So Anfang 2008 habe ich mich erstmals ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt, war aber noch sehr unentschlossen, eben weil wir das Projekt einmal aufgelöst hatten und man möchte als Musiker auf keinen Fall unglaubwürdig erscheinen. Als ich dann mit Thalia aber den Entschluss getroffen hatte, war es fast wie eine Art Befreiung und die Songs kamen ganz von selbst aus mir heraus. So hat die gesamte Produktion des Albums inklusive Songwriting nur einige Wochen gedauert, weil irgendwie alles schon da war, ich brauchte es nur noch umzusetzen. Auch unsere Plattenfirma von damals gab uns sofort die Rückmeldung, dass sie wieder mit an Bord wären und geben uns nun volle Unterstützung.

 

Jojo: Kommen wir zu eurem neuen Album „Requiem“ [ reivew ]. Welche Themen werden in den neuen Songs verarbeitet, gab es eine Grundidee, ein Konzept oder stehen die Songs, Jeder für sich alleine als kleine Erzählung?
Martin: „Requiem“ ist kein Konzeptalbum und der Titel soll die Gesamtheit der Songs und der Themen als grundlegendes Motiv zusammenfassen. Da es eben das Comeback Album von uns ist, habe ich versucht, mich auf die essentiellen Themen zu beschränken, die „Mantus“ schon immer ausgemacht haben und die sich auf jedem Album wieder finden. In den Songs geht es um Isolation und Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und Aufbegehren, Liebe und Tod. Individuelles Empfinden gegenüber der Welt und den Menschen sind der Ausgangspunkt für jeden Song des Albums.

 

Jojo: Beeindruckend ist wieder einmal die gesangliche Leistung. Thalia, wie bekommst Du diesen, ja fast engelsgleichen Gesang hin? Half in deiner Jugend ein Gesangslehrer nach oder ist es reines Talent, eine Gabe?
Thalia: Vielen Dank Jörg! … Nein, obwohl ich immer gerne Gesangsunterricht gehabt hätte, hatte ich tatsächlich nie welchen. Also ist es wohl – wie Du es so nett ausdrückst bzw. empfindest – eine Gabe.

 

Jojo: Martin, wie man es von Dir gewohnt ist bekommen die Mantus Songs ihre enorme Ausdruckskraft durch deinen gefühlvollen und melancholischen Gesang. Kamst Du jemals in die Versuchung, für Mantus deinen Gesang etwas zu verschärfen, härter zu gestalten?
Martin: Naja, generell versuche ich den Gesang so zu gestalten, wie er meines Erachtens für „Mantus“ am besten ist und am stärksten seine Wirkung entfalten kann. So Sachen wie „Growls“ oder verzerrte Vocals kommen für „Mantus“ eher nicht in Frage. Z.B. auf dem „Abschied“ Album habe ich tiefer und direkter gesungen als auf „Requiem“, aber vielleicht sind es die einzelnen Songs, die über die Stimmfarbe entscheiden.

 

Jojo: Als ich das Album für unsere Rezension erhielt war ich erst mal überrascht über das sehr kunstvolle Cover und dem Gesamt Artwork. War die Gestaltung im Ganzen eure alleinige Idee, welche Verbindung hat das Artwork mit den Songs?
Martin: Bei unseren Artworks habe ich generell eine Grundvorstellung, wie es im Endeffekt aussehen könnte und auch thematisch mache ich einige Vorgaben. Für die komplette Umsetzung allerdings, graphisch und konzeptionell, ist „Mira Lob“ verantwortlich, die auch schon das letzte „Black Heaven“ Artwork zu „negativ“ gestaltet hat. Ihre Arbeiten sind einfach großartig und sie vermag das umzusetzen, was die Musik widerspiegelt. Das gesamte „Requiem“ Artwork ist in erster Linie auf den gleichnamigen Song bezogen.

 

Jojo: Kommen wir nun zu dem Kern von „Requiem“; den 12 neuen Songs. Der Opener „Untergang“ kommt so heftig metallisch daher, dass ich zuerst dachte mich in der CD vergriffen zu haben. Überwältigt von diesem Beginn stellt sich natürlich die Frage ob Ihr mit eurem neuen Album und zukünftig deutlich härtere Töne anschlagen wollt oder ob Dies die Ausnahme bleibt?
Martin: Insgesamt werden unsere Produktionen ein wenig ausdrucksstärker daherkommen als früher, aber immer so, dass das Atmosphärische und Zerbrechliche in unserer Musik nicht verloren geht. Das Songwriting bei „Mantus“ ist komplexer geworden und die Gitarrenarbeit nimmt mehr Raum ein. Dazu kommt ein wuchtiges Schlagzeug und schon klingen die Songs härter als man es von früher gewohnt ist. Ich bin momentan sehr überzeugt von unserem Sound, deshalb denke ich, dass wir auch zukünftig etwas druckvoller daherkommen.

 

Jojo: Mit den Songs „Still“ und „Sterne“, um nur Zwei zu nennen geht es in gewohnter Mantus Manier weiter; auffallend jedoch sind die deutlich härteren Gitarren die in keinster Weise das symphonische Songmaterial stören. Wie habt Ihr diese Harmonie und Balance hinbekommen?
Martin: Naja, das ist schwer zu beantworten… Von Anfang an habe ich die Alben unserer Projekte immer selbst produziert und vielleicht ist mittlerweile einfach so viel Erfahrung und Know-How vorhanden, dass ich den Sound meinen Vorstellungen anpassen kann. Vielleicht ist es auch der Entstehungsprozess, also dass Songwriting und Produktion zusammen laufen, so dass ich immer ganz nah an der Musik bleiben kann.

 

Jojo: Ein weiteres Highlight, wobei es davon sehr Viele auf „Requiem“ gibt ist der letzte Song „Massiv“. Ich hatte beim Hören ein sehr tiefgehendes Hörgefühl; der Song trägt, ist intensiv, erfährt zum Ende hin eine starke emotionale Steigerung und könnte glatt ein „Hit“ werden. Die Aussage „Bleibe stark und massiv“ ist sehr interessant. Was wollt Ihr mit dem Song ausdrücken?
Martin: In dem Song geht es um die Zeitlichkeit und ihre Wirkung auf den Menschen in all seinem Handeln und Tun. Ich habe mir Gedanken über einen Baum gemacht, der nicht weit von meiner Wohnung entfernt ist und an dem ich oft vorbeilaufe. Er ist sehr gewaltig und hat mächtige Wurzeln und er steht bestimmt schon eine Ewigkeit da. Im Laufe seines Lebens hat sich vieles verändert; Menschen kamen und gingen, Gebäude wurden erbaut und abgerissen und so weiter. Doch er steht an seinem angestammten Platz, thront praktisch über allen Dingen und trotzt allen Veränderungen. Es ist zum einen die Gelassenheit, zu der ich in diesem Song aufrufen möchte und zum anderen der Selbstfindungsprozess, welcher sich tief in das Bewusstsein einprägen muss, damit sich ein Gefühl von Stärke und Verbundenheit durchsetzt.

 

Jojo: Euer neues Werk hat Vielerorts durchweg gute bis sehr gute Kritiken erhalten. Überrascht Euch dieses Feedback, was sagen eure Fans zu „Requiem“ und wie empfindet Ihr im Allgemeinen, seit dem Release die Entwicklung von Mantus und dem Album?
Martin: Was ich bisher so mitbekommen habe und wie die Fans auf das Album reagiert haben, ist durchweg positiv und das freut mich natürlich ungemein. Viele Fans sind einfach froh, dass es „Mantus“ in dieser Form wieder gibt und auch der leicht veränderte Stil des Albums scheint den Leuten zu gefallen.

 

Jojo: Mantus Live, auch keine Selbstverständlichkeit. In diesem Jahr soll sich ja Einiges ändern. Könnt Ihr schon verraten wo man Euch auf der Bühne sehen kann und warum gab es in der Vergangenheit keine Liveauftritte?
Martin: Ja, ab diesem Jahr wird man uns auch live erleben können und in Kürze werden wir Termine dafür bekannt geben. Ich freue mich schon sehr darauf, „Mantus“ auf die Bühne zu bringen, weil es das in der Vergangenheit eben nicht gab. Das hatte damals vor allem persönliche Gründe meinerseits, und zudem hatten wir „Mantus“ stets als Studioprojekt betrachtet und nicht als Live-Band.

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Jojo: Wie sehen eure weiteren Planungen für 2009 aus?
Martin: Das Jahr 2009 wird für uns ganz allgemein sehr richtungsweisend sein und wir haben eine Menge an Vorhaben, die wir noch in diesem Jahr umsetzen wollen. Wir planen schon in Kürze eine weitere sehr interessante Veröffentlichung von „Mantus“, aber alles Weitere wird an dieser Stelle noch nicht verraten.

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Jojo: Ein kleines Spiel: Beschreibt bitte mit kurzen Schlagwörtern eure Träume, Ziele, Hoffnungen, und Erwartungen!
Martin: Künstlerische Verwirklichung und das Leben in allen Zügen auskosten.

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Jojo: Ich bedanke mich herzlichst bei Euch das ihr uns für dieses Interview zur Verfügung gestanden habt und bitte abschließend um ein letztes Statement von Mantus...
Martin: „Mantus“ ist zurück und man wird noch eine Menge von uns hören.

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Interview: Jörg Jobst .[ mailer ]
Homepage: www.mantus.de