Interview mit Miles Stone & Greg Hunter von Ferment, Februar 2009 .[ mailer ]
 

Das Newcomer meistens immer frischen Wind bedeuten ist das Eine. Ferment aus Berlin gehören zu der Art von neuen Bands, die sich die Freiheit nehmen ihr Ding zu machen ohne Sorge anzuecken. Seit 01.02.2009 präsentieren sie ihr Debüt „Visions of Decay“ [ review ]. Höchste Zeit für uns, nach unserem Review zum Debüt auch die Band selbst ins Verhör nehmen.

 

Jojo: Miles, Du hast Ferment gegründet, bist sozusagen der Vater des Ganzen. Was bewog Dich eine Band zu gründen, wann war es soweit, welche Rolle übernimmst Du und was hast Du seit dieser Zeit bereits erlebt mit deiner Band?
Miles: Was bewegt einen Musiker eine Band zu gründen? Zum einen ist da der Drang, Musik zu machen, zum anderen der Austausch mit andern Musikern und den Mitmusikern und natürlich der Drang, die Bühnen der Welt zu beschallen! FERMENT habe ich im Januar 2005 gegründet, nachdem das Comeback mit den neu formierten Depressive Age scheiterte, bei denen ich ab 2001 als Bassist tätig war. Zuvor war ich schon in mehreren Bands unterschiedlicher Genres als Bassist und/oder Sänger tätig, allerdings hat mich keines der Projekte 100%ig zufrieden gestellt oder ausgefüllt. In meinem Kopf spukte immer der Gedanke an eine eigene Band, einer Gothik-Rock-Band im klassischen Stil. Und so kam es nach dem Split mit Depressive Age dazu, FERMENT zu gründen. Meine Rolle bei FERMENT ist zum einen das Songwriting und das Produzieren, zum anderen die Vocals, die Lyrics, der Bass und das Programming. Natürlich bin ich auch der Kopf der Band, der „Mastermind“ sozusagen, eine Band ohne klaren Bandleader wird nicht funktionieren. Erlebt habe ich mit FERMENT schon so einiges, kleine Erfolge wie auch herbe Rückschläge. So gesehen bin ich schon sehr reich – an Erfahrung!

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Jojo: Wenn man euren Weg etwas mit verfolgt hat stellt man fest, das die letzten Monate wohl eher schwierig in Bezug auf die Bandbesetzung waren. Was waren die Gründe, dass es nicht so wirklich funktionierte, z.B. mit dem alten Line-Up und wie bist Du nun auf Greg Hunter aufmerksam geworden?
Miles: Ja das stimmt, es war die letzten Monate wirklich nicht ganz einfach, was das Line-Up betrifft. Ein merkwürdiges Phänomen, mit dem auch viele andere Newcomer-Bands zu kämpfen haben ist, das wenn es plötzlich anfängt interessant zu werden, sich die ersten Erfolge einstellen, einer aus dem Line-Up anfängt „abzudrehen“, plötzlich ne Ego-Schiene fährt oder ganz einfach den Erfolg nicht erträgt und aussteigt. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, das sich viele Musiker nicht bewusst sind, wie viel Arbeit es bedeutet, eine Band nach „vorne“ zu bringen und das viele den Druck schlussendlich nicht aushalten. Man kann natürlich einerseits von vornherein ne Band als Hobby-Projekt auslegen, ohne Ambitionen ins Profi-Lager zu wechseln, anderseits, wenn man eben hohe Ziele anstrebt und das den Mitmusikern beim Einstieg in ne Band auch von vornherein klar macht, dann stößt es bei mir auf Unverständnis, wenn Studiotermine abgesagt werden, oder zu Proben nicht erschienen wird und man den Leuten hinterherlaufen muss. Das ist für mich keine professionelle Einstellung. Das es in einer Band immer wieder zu Spannungen kommt ist irgendwie klar, das man sich zwischenzeitlich auch überhaupt nicht riechen kann ist auch nichts neues, wenn man fast täglich miteinander zu tun hat, aber wenn man diese Hürde als Musiker nicht nehmen kann, hat man nichts in einer professionell ambitionierten Band zu suchen. Greg kannte ich schon ein wenig, wir waren uns vor ein paar Jahren schon mal übern Weg gelaufen. Ich war damals schon interessiert, ihn als Gitarrist für FERMENT zu gewinnen, doch wir verloren uns wieder aus den Augen. Nachdem nun im November 2008 aus schon oben angeführten Gründen das alte Line-Up in dieser Form nicht weiter Bestand hatte, war ich wieder mal auf der Suche nach neuen Mitmusikern und wie es der Zufall so wollte, meldete sich auf einen Tipp meines Managements hin Greg bei mir.


Jojo: Greg, Du bist seit Kurzem mit bei Ferment als Gitarrist dabei. Insider kennen Dich noch als Mitglied der Band Ars Mortis (hat sich aufgelöst), deine Schüler als hervorragenden Gitarrenlehrer. Was hat Dich dazu bewogen bei Ferment einzusteigen, wo siehst Du deine Rolle innerhalb der Band?
Greg: Zum einen war ich schon immer davon fasziniert, Elektrosounds mit fetten Gitarren zu untermalen und zum anderen wollte ich nach 13 Jahren Death- Thrash- und Black Metal auch gerne mal was anderes machen. Meine Rolle ist sicherlich die härtere Gangart etwas voranzutreiben, allerdings funktioniert die Chemie so gut, dass Miles und ich als gleichwertige Mitglieder voneinander profitieren können, womit es keine konkrete Festlegung der Rollen und Positionen gibt, wohlwissend, dass Miles natürlich der Gründer und Kopf von FERMENT ist.

 

Jojo: Beide seid ihr durchaus zwei starke Charaktere die sicherlich klare musikalische Vorstellungen haben. War von Beginn an klar welcher Weg mit Ferment eingeschlagen wird oder musstet Ihr erst mal einen Findungsprozess durchlaufen um eine Meinungsgleichheit zu erzielen, ausloten wie die Toleranzen bei Euch sind?
Miles: Ich wollte so oder so eine härtere Gangart einschlagen, noch mehr Industrial-Einflüsse in die Songs bringen, allerdings nicht auf klassische Gothic-Rock Elemente verzichten. Was mich mit Greg erwartete war mir von vornherein klar und unterstützte mich in meinen Wünschen, da Greg ein sehr vielseitiger Gitarrist ist. Viel auszuloten gab es da nicht!
Greg: Wie schon gesagt, wir profitieren voneinander und ticken in den wichtigen Punkten auch ähnlich, was vieles natürlich vereinfacht. Dass ich mich nach 13 Jahren Metal auch teilweise etwas umgewöhnen muss liegt in der Natur der Sache und ist eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle, zumal ich großen Spaß an der Sache habe.

 

Jojo: Kommen wir zum Eingemachten. Ihr verwendet Pseudonyme, Miles Stone und Greg Hunter sind sicherlich nicht eure realen Namen. Was veranlasste Euch Künstlernamen zuzulegen und welche Bedeutung hat euer Bandname im Hinblick auf eure Musik, die sich im Genre des Gothic Rocks mit Industrial Einflüssen wiederfindet?
Miles: Bei mir ist das recht einfach mit dem Pseudonym. Es ist im Grunde nur eine Ableitung von meinem bürgerlichen Namen, gekürzt und und in Englisch. Zudem wage ich es zu behaupten, das ich in der Tat ein Meilenstein bin und musikalisch auch noch den einen oder anderen setzen werde. Zum Bandnamen, FERMENT ist ein veralteter Ausdruck für Enzym. Fermente sind aggressiv, zersetzen, katalysieren. Das spiegelt sich in unserer Musik, wie auch in den Lyrics wider. Ich zersetze visuelle und virtuelle Eindrücke aus dem Leben und transformiere diese in Musik und Texte. Das ganze basiert auf dem Prinzip Impression – Expression.
Greg: Greg ist einfach die Kurzversion meines Vornamens und Hunter ist das Pseudonym eines von mir favorisierten Kampfsportlers.

 

Jojo: Zu eurem Stil. Als Duo, das Ihr z.Zt. noch seid, finde ich es bemerkenswert wie Ihr diesen Sound, zu hören auf eurer Debüt 4-Track Single „Visions of Decay“ [ review ] entwickeln konntet. Zu hören sind mehrere Gitarren und Schlagzeug. Erklärt doch kurz wie die Produktion zu eurem Debüt ablief.
Miles: Naja, also grundsätzlich läuft es bei mir so, das ich erst Ideen für einen Song sammle, so nach und nach die Synthies und die Drums programmiere oder einspiele und schlussendlich Bass, Gitarren und Vocals aufnehme. Die Vorgehensweise kann auch mal anders rum sein, das ich erst Bass-Linien einspiele und den Rest drum herum baue. Wie auch immer, es ist am Ende nur eine Frage das Arrangements, ob ein Song funktioniert oder nicht. Oft ist es auch so, das ich aufwache und einen kompletten Song in meinem Kopf höre und den dann umsetze. So in etwa lief es bei den beiden Songs auf der Single.
Greg:
Ich habe mir die Songs, welche ja schon vor mir in anderer Form existierten angehört und überlegt, wie man sinnvoll härtere Gitarren integrieren könnte, ohne die Songs grundsätzlich zu verändern. Durch meine eigenen Studio Erfahrungen war mir auch bewusst, wie man aufnahmetechnisch die Gitarren nach fetter klingen lassen kann und so habe ich im Grunde genommen nur Elemente zum Bestehenden hinzugefügt.

 

Jojo: Kommen wir nun zu eurem Debüt. Wie läuft es so, habt Ihr schon Nachfragen und wie zufrieden seid Ihr abschließend wo „Visions of Decay“ nun greifbar in den Händen ist?
Miles: Es gab schon Nachfragen für Reviews aus der Schweiz, Italien, Griechenland und sogar aus Peru!!! Da schickt man doch gerne mal Promo-Material hin! Schön wäre es natürlich auch, wenn sich die Labels interessieren würden und mal anklopfen! Unterm Strich bin schon recht zufrieden mit der Produktion, klar, besser geht immer und man lernt ständig dazu. Aber man muss irgendwann den Punkt finden und sagen, jetzt ist fertig und so ist das Ding jetzt.
Greg:
Ich denke das Produkt muss sich nicht verstecken, das war gute Arbeit. Bisher kamen sehr viele positive Resonanzen und natürlich blicken wir nun weiter nach vorn und werden uns nicht ausruhen, eher im Gegenteil.

 

Jojo: Mit vier Songs bekommt man schon mal einen sehr interessanten Einblick zu was Ferment musikalisch in der Lage sind. Der Song „Blue Cafe“ schaffte es gar in ein Web Radio Hörervoting. Ist das für Euch überraschend und was denkt Ihr warum genau der Song so erfolgreich ist?
Miles: Es war in gewisser Art und Weise schon überraschend für mich, das ausgerechnet „Blue Cafe“ in das Hörer Voting bei Hazzard of Dakness Radio gewählt wurde. Ich hatte eher mit „Visions of Decay“ gerechnet, da dieser Song wohl am ehesten das Klischee des Goth-Rock trifft. „Blue Cafe“ ist meines Erachtens eher popiger ausgefallen, das wird vermutlich der Grund sein, warum der Song ein breiteres Publikum anspricht.
Greg:
Miles hat an sich schon alles gesagt, Blue Cafe ist eingängiger und popiger, ohne jedoch aus dem Stil auszubrechen, somit eignet sich der Song auch eher für ein breiteres Publikum.

 

Jojo: Auf eurem Debüt präsentiert Ihr u.a. auch zwei Mixe. Habt Ihr momentan noch nicht genug Songmaterial zusammen um vier verschiedene Songs zu präsentieren oder wollt Ihr viel mehr Songs zurück halten; evtl. für ein erstes Album?
Miles: In erster Line wollten wir eine Single veröffentlichen, um endlich mal ein Zeichen zu setzen, Songmaterial ist mehr als genug vorhanden, welches wir in der Tat noch für unsere erstes Album zurückhalten wollen. Einen kleinen Einblick kann man auf unserer MySpace Seite gewinnen, wo neben der aktuellen Single noch drei weitere Songs und ein Remix zu hören sind.

 

Jojo: Kommen wir zu euren Zukunftsplanungen. Wann dürfen wir euer erstes Album erwarten, werden wir Ferment auch Live auf der Bühne sehen können oder ist euer Projekt erst mal als ein reines Studioprojekt zu verstehen?
Miles: FERMENT ist auf keinen Fall als reines Studioprojekt zu verstehen. Das Endziel ist auf jeden Fall die Bühnen der Welt zu bespielen, vor hoffentlich großem Publikum! Wir arbeiten zur Zeit parallel an der Fertigstellung unseres Debüt-Album und an unserer Live-Performance. Wenn alles nach Plan läuft, darf man Ende 2009 mit dem Album, wie auch mit unseren ersten Gigs rechnen, das hängt auch ganz davon ab, wie schnell wir den zweiten Gitarristen finden!!
Greg:
Wir wollen das bestmögliche erreichen und sind auch ziemlich ehrgeizig. Außerdem haben wir Spaß an der Musik und allem was damit zusammenhängt. Ich denke ohne große Ziele stagniert man ziemlich schnell und läuft Gefahr, dass das Ganze zu einem Hobbyprojekt verkommt, was mir mit meiner alten Band ja dann letztendlich leider passiert ist.

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Jojo: Aktuelle Themen in der Musikszene sind momentan u.a. die markttechnischen Probleme die fast jede Newcomerband haben dürfte. Außer den üblichen Webpräsenzen kann man eure Debüt Single u.a. bei POPoNaut erwerben. Da Ihr Labellos seid, ist es sicherlich eine immense Arbeit Ferment bekannt zu machen. Wie geht Ihr das an, habt Ihr Unterstützung?
Miles: Wir erfahren große Unterstützung von unserem Management wie auch durch Hazzard of Darkness Radio. Es ist natürlich wie schon erwähnt eine immense Arbeit, eine Newcomer-Band bekannt zu machen. Hauptsächlich arbeiten wir auf MySpace daran, eine Fanbase aufzubauen und den Bekanntheitsgrad zu steigern. Und sobald wir auch Live spielen werden, wird sich der Bekanntheitsgrad ebenfalls steigern!!

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Jojo: Miles und Greg, was liegt Euch noch auf dem Herzen, was wollt Ihr noch unbedingt loswerden und unseren Lesern von Darkmoments mit auf den Weg geben?
Miles: Wir sind immer noch auf der Suche nach einem Gitarristen, Du bist zwischen 25 und 40 Jahren jung, hast Studio- und Live Erfahrung, Dein eigenes Equipment und lebst in Berlin. Wenn "kranke" Hook- und Lead-Lines Deine Spezialität sind und Du auch gerne klassisches Picking spielst, dann bist Du unser Mann! Frauen sind natürlich auch herzlich Willkommen! Meldet euch!
Greg:
Genau, bitte melde dich!!!!

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Interview: Jörg Jobst .[ mailer ]
Homepage: www.ferment-online.com