Interview mit Jens Kästel von Funker Vogt, Mai 2009...[ mailer ]
 

Die Arbeitstiere von Funker Vogt haben sich seit der letzten erfolgreichen Veröffentlichung Aviator aus dem Jahr 2007 nicht auf ihren wohlverdienten Lorbeeren ausgeruht, ganz im Gegenteil waren sie produktiver denn je. Sie haben ihre Fans mit reichlich Livepräsenz zur Extase gebracht und nebenbei sogar noch an einer neuen Veröffentlichung gearbeitet. So kommt in den nächsten Tagen, genauer gesagt am 22.05.2009 die erste Live Doppel DVD „Warzone K17“ [ review ], sowie das gleichnamige Live Doppelalbum auf den deutschen Plattenmarkt und es wird unter den Fans zu euphorischen Aufschreien kommen, wenn sie sich auf Stunden voller Power freuen dürfen. Und genau dies ist uns Anlass genug, einmal mit den Herren in Uniformen über die neue Scheibe zu sprechen und herauszufinden, wie es zu genau dieser vollgepackten Veröffentlichung kam. Funker Vogt haben sich zwischen den aktuellen Konzerten und gerade von der US-Tour zurückgekehrt auch die Zeit genommen, uns über ihre Live Erfahrungen hier und in Übersee zu berichten.

 

Maike: Am 25.Mai erscheint eure erste Live DVD mit dem Namen K17. Wie kam es nach 8 erfolgreichen Alben zu der Entscheidung für eine Publikation vollgepackt mit Liveauftritten?
Jens: Die Entscheidung eine DVD zu veröffentlichen reifte in den letzten Jahren immer mehr heran. Irgendwann haben wir uns dann zusammengesetzt, geplant, verworfen und diskutiert und haben dann letztendlich den Entschluss gefasst das Projekt „Live CD/DVD“ zu verwirklichen. Ich denke nach über einem Jahrzehnt funkervogt war das auch fast überfällig und da wir bekanntermaßen Jungs sind, die sich auf der Bühne zu Hause fühlen gab es nichts näher Liegendes.

Maike: Zeigt ihr eventuell neue Seiten auf der DVD?
Jens: Schwer zu sagen ob man „neue Seiten“ sehen kann, denn wir waren immer wir selbst und so haben uns unsere Fans im Laufe der letzten Jahre auch kennen gelernt. Authentisch mit allen Ecken und Kanten. Wenn wir hätten schauspielern müssen, wäre die Umsetzung komplett in die Hose gegangen. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die DVD unter anderen Umständen gar nicht zu Stande gekommen wäre.

Maike: Habt ihr schon erste Resonanzen erfahren und wie waren diese bisher?
Jens: Leider gibt es da noch recht wenig Feedback, weil die DVD ja auch erst nach diesem Interview veröffentlicht wird. Aus den Staaten, wo die DCD schon seit einem Monat auf dem Markt ist kommt hingegen durchweg eine positive Resonanz. Ich glaube selbst ohne den visuellen Eindruck einer DVD zu haben kann man sich recht gut vorstellen wie so ein funker-Konzert abläuft. Unsere Fans in Amerika scheinen jedenfalls begeistert zu sein und selbiges Feedback erhoffen wir uns dann natürlich auch aus Deutschland/ Europa und dem Rest der Welt.

Maike: Warum habt ihr euch für eure Live DVD gerade den Club K17 in Berlin ausgesucht?
Jens: Die Konzerte im K17 haben immer besonders viel Spaß gemacht. Auch sind der Club und die Verantwortlichen dahinter immer positiv in Erinnerung geblieben, so dass es uns sehr einfach viel eine Entscheidung. Man könnte sagen „Berlin ist in jeder Hinsicht eine Bank“.

 

Maike: Was meint ihr, in welcher deutschen Stadt ist die Electro-Szene am repräsentativsten, sei es mit speziellen Clubs oder auch diversen Veranstaltungen etc.?
Jens: Puhhh, schwer zu sagen, wenn nicht sogar unmöglich. Aber wenn du mich zwingen würdest, dann sag ich pauschal einfach mal Leipzig, knapp gefolgt von Berlin.

Maike: Spielt ihr lieber in kleineren Clubs oder auf den großen Festivalbühnen?
Jens: Beides hat einen speziellen Reiz. Die Atmosphäre in einen dunklen, verschwitzten Club hat eine magische Anziehungskraft, weil sie ein besonderes Feeling zwischen Musiker und Zuschauer vermittelt. Man hat einfach mehr Möglichkeiten das Publikum einzubeziehen und zu Kommunizieren. In einem Club kann ein Konzert wie Dominosteine stehen oder fallen. Dagegen ist es natürlich auch ein unglaublich gutes Gefühl vor tausenden von Leuten zu stehen und innerlich die Bestätigung zu spüren das Richtige zu tun. Man möchte am liebsten Beides täglich haben.

Maike: Nach euren Auftritten mischt ihr euch des Öfteren unter die Fans, wie wichtig sind euch der nahe Fankontakt und das direkte Feedback auf eure Show?
Jens: Das ist uns schon immer unheimlich wichtig gewesen. Der direkt Kontakt und ein ehrliches Feedback sind einfach durch Nichts zu ersetzen, außerdem hat man definitiv mehr Spaß wenn man sich nicht in den Backstagebereich verkrümelt und einen auf Rockstar macht. Da gilt nach wie vor der alte Spruch „Kommt der Berg zum Propheten oder umgekehrt?“

Maike: Ihr kommt gerade von der US Tour, wie war denn dort so die allgemeine Resonanz? In was für Clubs habt ihr da gespielt und wie kann man sich eure Stellung in den USA vorstellen?
Jens: Unsere letzte, große US-Tour lag ja schon 7 Jahre zurück und wir wussten nicht so recht was uns erwartet. Umso überwältigender war die Resonanz auf die Tour. Natürlich ist auch in den Staaten nicht alles Gold was glänzt aber wenn man bedenkt das in LA mal kurz 1000 Leute zu ner funker-Show kommen dann muss man wohl nicht mehr viel da zu sagen. Die Clubs in den Staaten sind meist auch eine eigene Welt für sich. Da spielt man halt mal „auf“ einer Bühne die sich unterhalb des Zuschauerniveaus befindet oder aber in einem alten Strip Club mit roten Sesseln und pinken Wänden. Auch ist die Arbeitsweise definitiv eine Andere als wir Sie in Europa gewohnt sind. Je früher man sich damit abfindet, umso einfacher hat man es. Mit dieser Tour haben wir definitiv unseren alten aber vor allem unseren neuen Fans gezeigt wo der Hammer hängt.

Maike: Könnt ihr eure kreativen Energien eher auf der Bühne oder im Studio ausleben? Oder woher bekommt ein Funker den Input für neue Songs her?
Jens: Das kann ich dir mit wenigen Worten sagen. Gerrit fühlt sich in den eigenen 4 Wänden, in seinem Studio am wohlsten und ich liebe es auf der Bühne zu stehen.

Maike: Gibt es ein besonderes Konzept für die Liveshows? Wer liefert die Ideen für die Outfits und Bühnendeko?
Jens: Konzepte gibt es definitiv Keine, Sie würden uns auch nur einengen. Wir sind der Meinung, dass man einfach auf die Bühne gehen sollte und versuchen die eigene Energie dem Publikum nahezubringen. Mit wenigen Gesten kann man da durchaus viel erreichen. funkervogt ist Rock `n Roll und da hat Schnick Schnack nichts verloren. Meist ist es doch so dass viele Bands versuchen mit einer überdimensionale Choreographie und Effekthascherei von der eigenen Belanglosigkeit abzulenken. Mir persönlich ist es jedenfalls tausendmal lieber Musiker auf der Bühne zu sehen die Gas geben als geschminkte Modepüppchen in Glanzoutfits beim Playback zu bewundern.

Maike: Im nächsten Jahr könnt ihr auf fünfzehn Jahre Bandgeschichte zurückschauen, wie hat sich eure Musik in dieser Zeit verändert?
Jens: Sie ist mit uns gewachsen, Jahr für Jahr, Album für Album. Und unseren Freunden, Verwandten als auch unseren Feinden sei gesagt, „Der Albtraum ist noch lange nicht vorbei!!!“

 

Maike: Und was meint ihr, wie hat sich die Szene in dieser Zeit gewandelt?
Jens: Schwer zu sagen. Da ich privat recht wenig in der Szene unterwegs bin, möchte ich mich da auch gar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen oder gar Phrasen a la „früher war alles besser“ dreschen. Im Regelfall wird sich aber Qualität stets durchsetzen, egal in welcher Zeit. Die Eintagsfliegen kommen und verschwinden aber auch  meist recht schnell wieder von der Bühne.

Maike: Was hören Funker Vogt privat für Musik und was verbindet eure eigene Musik damit?
Jens: Privat läuft fast Alles über Internet-Radio. Da wird dann stimmungsabhängig alles gehört was gefällt, jedoch weit ab vom Mainstream. Verbindungen mit funkervogt stelle ich da allerdings keine her. Der Input kommt von selbst und das meist unterbewusst.

Maike: Gibt es besondere Ereignisse, an die ihr euch gern, aber auch ungern zurückerinnert, weil sie euch einfach sehr geprägt haben?
Jens: Selbstverständlich gibt es die, allerdings bleiben Sie unsere kleinen Geheimnisse.

 

Maike: Wenn man lange im Studio ist und anschließend auch noch eine Live-Tour in Angriff nimmt, inwiefern leidet das Privatleben darunter? Kann man beides miteinander vereinbaren oder bleibt da zwangsläufig etwas auf der Strecke?
Jens: Man sollte, nein man muss einen vernünftigen Mittelweg finden. Mittlerweile sind wir auch in einem Alter wo man mal Nein sagen kann und die Prioritäten die man sich setzt haben sich in den letzten Jahren auch etwas verschoben. Alles hat sein Vor- und Nachteile. So schön es für die Familie ist wenn man keinen festen Tagesablauf, mit einer festen Arbeitszeit hat, so unangenehm ist es sicherlich auch wenn man sich mal ein paar Wochen nicht sieht. Wir haben es uns ja selbst ausgesucht, deshalb ist das mehr Normalität als das wir uns darüber noch groß Gedanken machen.

Maike: Gibt es innerhalb der Band auch manchmal Uneinigkeiten und Streit, wenn man so lange zusammen ist? Wie löst ihr diese Konflikte, dass ihr wieder harmonisch zusammen auf der Bühne stehen könnt?
Jens: Selbstverständlich gibt es auch mal Streit. Allerdings kennen wir uns so genau, das wir locker damit umgehen können und die Sachen meist schneller vom Tisch sind als man denkt. Für Außenstehende mag es manchmal schwierig sein uns und unsere Handlungen zu verstehen, aber das ist nicht unser Problem. Wir können uns immer in die Augen schauen, wie ein altes Ehepaar…in Guten, wie in schlechten Zeiten.

Maike: Man liest in eurer Bandbiografie, dass es den wahren „Funker Vogt“ wirklich gegeben hat und dass er quasi Muse für das Bandkonzept war. Warum hat dieser Freund euch so beeindruckt, dass ihr gerade die Themen Militär, Krieg und Bundeswehr gewählt habt?
Jens: Mit Eindruck hatte das nichts zu tun und Herr Vogt war einzig unsere Inspiration für den Bandnamen. Zur textlichen Thematik muss ich dir allerdings auch sagen, dass funkervogt mehr zu bieten haben als Krieg, Tod und Teufel.

Maike: Wart ihr alle selbst bei der Bundeswehr in Grundausbildungen oder habt ihr euch gar für einige Jahre verpflichten lassen?
Jens: Weder noch, wir haben uns artig in den Zivildienst verdrückt. Gerrit hat im Seniorenheim in der Küche geschuftet und ich habe mich um Freigänger und benachteiligte Jugendliche gekümmert.

Maike: Wie steht ihr zu dem Thema Krieg in der heutigen Zeit gerade in Hinblick auf die USA und die Anschläge der Al Kaida?
Jens: Diese Frage möchte ich dir gern mit einem Zitat von Brecht beantworten, welches eigentlich Alles sagt. „Die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit.“ 

Maike: Würdet ihr euch selbst als friedliebende Menschen bezeichnen?
Jens: Absolut. Raufereien und Auseinandersetzungen in früheren, jugendlichen Jahren gehören für die Gattung „Junge oder Mann“ einfach dazu und sind als Lebenserfahrung zu bezeichnen. Heute allerdings versuche ich Konflikte auf eine andere Art zu lösen oder besser sie schon im Vorfeld zu verhindern. Natürlich gibt es aber auch Momente wo es unausweichlich ist körperlich aktiv zu werden. Werde ich gezwungen mich, meine Familie oder meine Freunde zu verteidigen dann soll es halt so sein.

Maike: Kam es schon vor, dass man euch gerade aufgrund dieses kritischen Themas mit der rechtsradikalen Szene in Verbindung gebracht hat? Wie seht ihr das selbst?
Jens: Kam es durchaus, allerdings möchte ich über diese Leute gar nicht zu viele Worte verlieren, denn an Dummheit, Ignoranz und Unwissenheit sind Diese nicht zu überbieten und deshalb auch völlig uninteressant für uns.

 

Maike: Ihr seid bei euren Touren schon viel in der Welt rumgekommen. Welche Länder haben euch denn besonders beeindruckt und warum?
Jens: Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht findet man immer und überall beeindruckende Dinge, egal wo man sich gerade befindet. Herauszuheben sind da natürlich die Twin Towers in New York, auf denen ich noch im Jahre 2000 war und die dann auf unmenschliche Weise ausgelöscht wurden, genau so wie tausende von Menschenleben, aber auch die Pyramiden in Mexiko waren eine fantastische Erfahrung und man begreift Geschichte erst wenn man so etwas Gigantisches mit eigenen Augen sieht und fühlt.

Maike: Was dürfen wir in Zukunft von Funker Vogt erwarten, ist bereits ein neues Album in Planung?
Jens: Ich hoffe noch eine Menge. Momentan widmen wir uns verstärkt der Arbeit an neuem Material aber auch Live wird man uns in nächster Zeit noch einige male begegnen können, so werden wir im Juni in Ungarn spielen, im September beim NCN4 in Deutzen und Ende des Jahres wird es noch einige Shows in Deutschland und Polen geben. Die Planungen für eine Mittel- und Südamerika-Tour laufen auch auf Höchsttouren. Wie du siehst, es wird uns definitiv nicht langweilig werden.

 
Interview geführt von Maike Kowalle
Homepage Künstler www.funkervogt.de
Live-Bilder Sandro Griesbach