Eisbrecher - Die So Fluid...[ Pulp, Duisburg 19.03.2009 ]
 

Eisbrecher sind zur Zeit fleißig mit den Aufnahmen zu ihrem neuen Album beschäftigt, doch ab und zu braucht eine Band auch mal Pause vom Studio Alltag und wie könnte man das besser machen als raus zu den Fans zu fahren und die alten Lieder zum Besten zu geben. Und so war das Duisburger Eventschloss Pulp die erste Station der münchener Band auf ihrer „Sünde-Tour“. Ob der Tourname ein Indiz dafür ist, dass auf der Tour viel gesündigt wird kann ich nicht beantworten, aber so viel vorweg ein Besuch der Konzerte wäre sicherlich keine Sünde. Zu eisigen Temperaturen kurz vor Frühlingsanfang hatten die Münchener mit einer Arbeitnehmer unfreundlich Einlass Zeit von 18.30 Uhr ihre Fans zum Pulp gelockt.

 

Doch trotz Kälte und der frühen Zeit fanden sich schon viele Zuschauer vor dem Pulp ein, um pünktlich in die Hallen des modernen Schlosses zu stürmen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten gelang es auch mir in den Konzertsaal zu gelangen, der sich von Beginn an als sehr gut gefüllt darstellte. Die Industrialrocker von Eisbrecher hatten sich mit Die so fluid internationale Verstärkung mitgebracht, um dem Duisburger Publikum so richtig einzuheizen. Die Band um Frontfrau Grog, die optisch doch eine hohe Ähnlichkeit zur jungen Nina Hagen aufweist, bot eine solide Mischung aus Metallklängen und Punkelemente und wusste das Publikum nach kurzer Anlaufzeit zu überzeugen. Die Band war mit ihrem aktuellen Album „Not Everybody Gets A Happy Ending“ angereist und performte eine gute Handvoll Lieder und wurde mit einem warmen Applaus von den Duisburgern verabschiedet. In der Zwischenzeit hatte sich die Grotte so stark gefüllt, dass Eisbrecher sich einen ausverkauften Tourauftakt auf die Fahne schreiben dürfen. Nach einer etwas längeren Umbaupause, bei der vor allem das Schlagzeug noch einmal neu konfiguriert wurde. [ Galerie ]

 

Und schon der Soundcheck ließ erahnen welche brachiale Wucht auf uns hereinbrechen würde. Mit dem Intro von „Kann den Liebe Sünde sein?“ stürmten die fünf Bayern um Frontmann Alexx die kleine Bühne des Pulp und schon nach wenigen Klängen hatten sie den Saal zum kochen gebracht. Alexx war wie immer zu Beginn in eine militärisch angehauchte Lederjacke gehüllt, hatte ein Sonnenbrille auf der Nase und das kahle Haupt mit einer Kappe bedeckt doch schon nach dem ersten Lied erfolgten der Ruf: „Ausziehen“ durch einige weibliche Fans, die dies auch konsequent den Abend über durchzogen. Der Aufforderung kam Alexx zu Beginn auch nach, ohne es aber zu übertreiben, da er laut eigener Aussage noch einen Kessel von Weihnachten habe. Die ersten Lieder stammten alle vom aktuellen Album „Sünde“, doch im Laufe des Abends wurden immer mehr Lieder von den beiden Vorgängern gespielt und ebenso vom Publikum frenetisch gefeiert. Die gute Stimmung der Fans übertrug sich ebenso auf die Band und vor allem auf Alexx, der immer wieder mit amüsanten Ansagen die Zeit zwischen den Liedern überbrückte. So stellte er fest, dass die Tatsache ein Bayer zu sein im Ruhrpott nicht gerade mit Jubelstürmen aufgenommen wird und das wenn nur die Frauen einen Refrain mitsingen sollen, dies auch wirklich nur die Menschen ohne männliche Geschlechtsmerkmale sind. Ebenso wurden die Roadis und anderen Bandmitglieder in das Programm mit einbezogen und waren laut Alexx die einzigen die für so schlechten Lohn sich mit ihm auf die Bühne stellen würden und daher mit Applaus bezahlt werden müssten. Doch bei allen spaßigen Ansagen stand doch ganz eindeutig die Musik im Vordergrund. [ Galerie ]

 

Als dann schon zur Mitte des Gigs die Hits der Band wie „Schwarze Witwe“, „Antiköper“ oder „Vergiss mein nicht“ gespielt wurden, wurde mir so richtig klar wie viele Hits die Band in ihrer doch recht kurzen Zeit schon produziert hat. Nach gut neunzig Minuten Spielzeit war es dann an den Fans die Band durch lautstarke Zugaberufe auf die Bühne zurückzubeordern. Nach kurzer Wartezeit kam Alexx mit einem bayrischen Strickpulli und einen Hut mit Gamsbart auf die Bühne und setzte mit „This is Deutsch“ zu meinem persönlichen Highlight des Abends an. Es wurde noch einmal so hart und so schnell wie möglich gerockt und die raue Stimme war schon eindeutig an ihre Grenze der Belastbarkeit gelangt, doch auch den vier anderen Musikern waren die Anstrengungen gut anzusehen. Doch so schnell wollten die Duisburger ihre Lieblinge noch nicht entlassen und so wurden noch ein paar weitere Songs zum Besten gegeben. Um kurz vor elf hatte der großartige Tourauftakt ein Ende gefunden und wer noch nicht genug hatte wurde vom Pulp DJ direkt zum weiterfeiern aufgefordert. Was der ein oder andere sicherlich auch noch genutzt haben dürfte.

 

Allen anderen bleibt dann nur die Vorfreude auf das kommende Album und auf die nächste Tour bzw. auf die kommende Festivalsaison bei der Eisbrecher unter anderem beim fünften Amphi Festival, wie auch beim Castle Rock Jubiläum vertreten sein werden.

 
Text: Carsten Terres
Bilder: Carsten Terres