Interview mit Adrian Hates von Diary of Dreams, geführt Ende Februar 2009 .[ phoner ]
 

Das Diary of Dreams die Worte Ruhe und Auszeit nicht kennen ist hinlänglich bekannt. Nach Nekrolog 43 und einer atemberaubenden Livepräsenz im vergangenen Jahr präsentieren uns nun Adrian Hates & Co. Das neueste Werk (if) – „The Memento Ritual Project“ [ review ] inklusive einem fantastischen 48 Seitigen Booklet in der limitierten Edition. Hohe musikalische Kunst verbunden mit einigen optischen Leckerbissen, machen das neue Album wiederum zu etwas Besonderen. Nichts lag somit näher als mit Adrian Hates ein telefonisches Interview zu führen wofür wir uns in der Ausführlichkeit, Intensivität und Länge des Gespräches bedanken. Was bei raus kam könnt Ihr nun nachfolgend lesen.

 

Jojo: Wie fühlt es sich an für Dich, das neue Werk (If) ist fertig und geht nun am Freitag, 13.03.09 an den Start. Wie groß ist die Spannung bei Euch wie wohl das neue Album bei den Fans und in der Szene ankommt?
Adrian: Wir sind neugierig und gespannt, aber es ist nicht so das wir nicht schlafen können vor Angst oder Aufregung. Wir sind natürlich gespannt wie die Fans reagieren und wie die Presse das Album empfinden wird. Wir haben schon von einigen Presseleuten Feedback bekommen, das überraschend positiv war, weitaus Positiver als ich erwartet hätte. Auch von unserem internen Kreis, der bei uns immer auch aktiv tätig ist, sei es die Fotografie oder die Graphikabteilung, die Leute die mit uns die Musik bis zum Ende bringen, von den Leuten haben wir auch Einiges an Aussagen bekommen. Ich glaube man härtet auch ein bisschen ab, man macht das jetzt schon so lange und wir versuchen uns da nicht so doll davon beeinflussen zu lassen was wohl die Welt dann von dem neuen Werk denken mag. Wir sagen immer in erster Linie ist es wichtig dass wir die CD gut finden, dass wir mit dem Endresultat nicht nur zufrieden sind, sondern das wir zu 100% dahinter stehen. Wenn das geschafft ist, ist schon die halbe Miete drin. Denn wie auch immer so ein kommerzieller Erfolg ausfällt oder wie auch immer eine Platte oder CD bei unseren Fans ankommt ist nicht so wichtig wie für uns, ob wir damit klar kommen. Man muss sich einfach mal den umgekehrten Fall vorstellen um sich das zu verdeutlichen. Wenn wir ein Album machen würden was auf unsere Fans zugeschnitten ist, auf das was wir glauben was die Fans gut finden und wir erreichen dieses Ziel nicht dann haben wir uns und unsere Fans betrogen! Insofern machen wir einfach die Musik wo wir mit hundertprozentiger Überzeugung dahinter stehen und hoffen dass unser Fanpublikum das genauso sieht und bisher sind wir damit immer gut gefahren glaube ich. Ich finde, wenn ein Musiker ein Prädikat verkörpern sollte dann ist es authentisch zu sein, und authentisch ist man nur wenn man das macht wo man selbst von überzeugt ist und das auch wirklich gnadenlos durchzieht. Mit Nekrolog 43 z.B. haben wir nochmals ganz deutlich unter Beweis gestellt das wir uns keinen Zwängen oder Marktschemen anpassen sondern wir setzen unsere eigenen Maßstäbe.

 

Jojo: Wenn du zurückblickst, wie arbeitsintensiv waren die vergangenen Monate für Euch, blieb da noch Zeit für euer Privatleben? Neben der Albumproduktion konnte man Euch im letzten Jahr auch sehr viel live erleben.
Adrian: Viel Privatleben blieb in diesem gesamten Jahr nicht so wirklich viel, nein. Das Privatleben fand im Studio und auf Tour statt. So schwer das für Manche vielleicht ist und es für viele Außenstehende scheint, so erlebnisreich und so schön ist es aber auch. Im Endeffekt darf man ja nie vergessen dass man mit seinen besten Freunden unterwegs ist und das ist was anderes als wenn eine Truppe zusammen gebuchter Musiker einen Job erledigt. Das darf man nie vergessen, wir machen es aus Passion, wie lieben es durch die Welt zu reisen. Mittlerweile, inklusive Rumänien waren es 31 Länder. Das macht man ja nicht weil man es muss, sondern nur dann wenn man es von ganzen Herzen tut. Privatleben ist auch total überschätzt. Ich meine, ich habe das große Privileg und die große Freude mit meinen Jungs im Studio zu sitzen und die Musik zu machen die wir über Alles lieben, um damit anschließend auf Tournee zu gehen und die Welt zu bereisen. Insofern werde ich mich darüber nie beklagen.

 

Jojo: Kommen wir zum neuen Album. Mit dem Titel (If) habt ihr es wieder einmal geschafft das man sich fragt „ was bedeutet es “? Falls, ob, wenn - wieder jede Menge Platz die Fantasie anzuregen oder möchtest Du uns verraten was sich hinter dem Albumtitel verbirgt?
Adrian: Ich gebe Euch einen kleinen Hinweis. Es ist ja so, das ich glaube dass jeder Mensch seine Fragen an sich selber und sein Leben hat. Ich meine jetzt nicht die übergeordneten Fragen die man an das Universum, an die Existenz oder den Sinn hat. Das ist für mich erst mal nicht so unglaublich interessant, sondern mehr die Fragen die man an sich selbst und an sein Leben hat. Wo man einfach manchmal doch überlegt inwiefern man sein Träume, Wünsche, seine Hoffnungen und Ziele verwirklicht bekommt und inwiefern eben nicht. Naja, Jeder kennt das so von sich, die Fragen wo es privat wird. Die Fragen, wer bin ich, was wird im nächsten Jahr mit mir sein oder wie bekomme ich einen Moment verarbeitet, war es damals richtig was ich getan habe. Das kann man Alles in If Fragen formulieren. Ich habe so meine prägnantesten If Fragen für mich formuliert ohne dass ich das mir als Konzept vorgelegt habe. Vielmehr aus der Notwendigkeit heraus, aus meiner privaten Notwendigkeit für mich, ich das Bedürfnis hatte etwas zu erkennen, zu analysieren. Wenn man sich manchmal fragt wer bin ich oder das bin eigentlich ja nicht mehr ich oder ich erkenne mich nicht mehr wieder weil das Leben sich so verändert hat und man sich in seiner eigenen Haut nicht mehr wohl fühlt. Das sind ja Alles ganz wunderschöne alte Diary Themen mit denen ich mich schon auf dem ersten Album befasst habe. In solchen Momenten muss man sich dann schon im Klaren werden wo man ist und wer man ist. Das habe ich niedergeschrieben und zu jeder Frage, die ich mir gestellt habe einen Song geschrieben. Das ist in erster Instanz sozusagen eine Frage und ein Songtext und eine Antwort. Ich wollte halt nicht diese plakativen Fragen stellen. Ich wollte dem Leser und natürlich dem Hörer auch einfach eine Geschichte erzählen aus der sich Jeder seine Frage ziehen kann.

 

Jojo: Selbiges gilt für das Cover Artwork. Entgegen des Vorgängeralbums mit reichlich Diskussionszündstoff betreffend der Fotos (vor allem bei den hiesigen Printmagazinen) kommt (if) geradezu beruhigend und nett daher. Die ausgestreckte Hand, ja fast anmutend heilig wirkt sie wie eine Aufforderung Hilfe anzunehmen. Schlicht gehalten, aber mit großer Aussagekraft wie ich finde. Welche Idee steckt hinter dieser Darstellung und wessen Hand ist es?
Adrian: Hast Du erst mal schön zusammengefasst, muss ich sagen. Die Hilfe ist eine Assoziation die ich auch ganz stark damit habe, eine Mischung aus Betteln und fordernd, erflehend; mehr erflehend als fordernd. Ich glaube dass das Bild noch eine Erweiterung bekommt sobald Du das Bild aufklappst. Das ist ja der alte Diary Effekt und ich glaube dass gerade bei diesem Bild die heilige Hand noch etwas Düstereres bekommen wird. Das ist eine Bilderweiterung die ich sehr, sehr schön finde und mir sehr gut gefällt und so eigentlich der Auslöser war warum wir uns überhaupt für dieses Bild entschieden haben. Die junge Hand, die auf dem Bild ist, ist auch eine junge Dame die wir vor einigen Jahren kennengelernt haben und in der fotografischen Welt relativ aktiv ist, Sie hat auch schon mit Annie Bertram zusammen gearbeitet hat. Wir fanden, das sie das was wir auf dem Album umsetzen wollten sehr gut verkörpern kann. Ihr Gesicht, ihre Körpersprache das sehr gut wiedergeben kann. Das hat sich dann auch bei den Fotos und dem Videodreh sehr deutlich gezeigt dass wir da einen richtigen Riecher hatten. Nach Nekrolog 43, was einfach ein optischer Supergau, ein Superlativ war den man nicht mehr toppen kann. Wenn man da versucht hätte im ähnlichen Stil weiterzumachen wär es ein Möchtegernversuch gewesen noch Einen drauf zu setzen. Das lag uns fern. Wir haben uns einfach dazu entschlossen eine optische Beruhigung mit dem Cover zu schaffen um dann wieder den Horizont offen zu haben für neue böse Überraschungen! Man kratzt halt ein Superlativ an und beruhigt sich dann auch wieder. Es ist wie ein Wellengang, den muss man haben denn ansonsten wird es langweilig. „(if)“ muss ich erwähnen, ist ein sehr privates und persönliches Album geworden. Ich hätte es einfach total unpassend gefunden da jetzt noch optisch etwas Reißerisches zu haben, das lag mir fern und so haben wir ganz schnell entschieden das es etwas sein muss das sich der ganzen Linie und dem Video anpasst. Graphik, Cover, Video und Bühnengestaltung soll Alles einen Stil, eine Farbe, ein Wärme haben. Deswegen auch der grünliche Ton, er ist einfach wunderschön.

 

Jojo: Mit welchen Leuten habt Ihr diesmal im Bereich eures Artwork und der Fotos gearbeitet? Lässt Du dem Team ihre Freiheiten oder gibt es durchaus einen klaren Plan wo die Richtung, optisch dargestellt hingeht? Welche Ideen zum Artwork gingen Dir diesmal durch den Kopf?
Adrian: Wir haben grundsätzlich erst mal schon eine Vorstellung was wir erreichen wollen. Fotografisch haben wir wieder mit Annie Bertram zusammengearbeitet und mit Angelique als Model, wir haben mit Ingo Römling (Monozelle), der die graphische Realisierung gemacht hat gearbeitet. Der Plan und die Idee zu (if) sind bei Gaun:A und mir entstanden. Dann haben wir mit Graphiker, Fotografin und unserem Model kommuniziert, diskutiert was uns nach vorne und weiter bringt. Ein Input hat grundsätzlich was Stimulierendes und dem sollte man sich nicht verschließen. Das sollte man aufnehmen um die gemeinsamen Kräfte und Ideen zu nutzen, somit das Ergebnis weiter zu bringen um sich weiter zu entwickeln und es reifen zu lassen. So haben wir gemeinsam das gesamte Konzept entwickelt und am Ende ein sehr, sehr stimmiges Gesamtresultat geschaffen. Ein 48 seitiges Booklet in der Limited Edition was ja ein sehr gewaltiges Buch ist. Freiheiten? Ich denke Jeder hat seine Freiheiten, aber diese Freiheiten können natürlich auch mal ausgebremst werden wenn man das Gefühl hat es geht in eine Richtung die wir nicht haben wollen. Im Endeffekt arbeiten wir ein Jahr an der CD, an 12 und in diesem Falle sogar 16 Songs und wir möchten natürlich dass das Niedergeschriebene, Komponierte auch in der Visualisierung sich wieder findet. Das können natürlich nur wir beurteilen, es sind ja sozusagen unsere Herzen die das produziert haben. Da kann es dann schon mal sein das wir sagen das geht jetzt in eine falsche Richtung. Dann diskutiert man drüber, und dabei kommen auch mal frische Ideen die wir vielleicht nicht hatten, wo wir sagen das ist super, das ist perfekt, genauso können wir uns das auch vorstellen. Der Findungsprozess des Endproduktes in der graphischen und fotografischen Natur der ist flexibel, da machen wir uns keine Vorschriften das wir sagen es darf nur so und so laufen, es dürfen nur Ideen von uns sein. Nein. Deswegen arbeiten wir ja mit kreativen Menschen und in einem großen Team. In der Ton- und Videoproduktion mit Guido Fricke, außerdem im Tonbereich mit Rainer Assmann und Christian Zimmerli. Das sind Alles hochgradig talentierte Leute die auf eine sehr anständige Karriere zurückblicken. Damit meine ich jetzt nicht so ein Referenzen Inferno wo man mit wem, wie lange und wie erfolgreich gearbeitet hat. Sie verfügen über Fähigkeiten wo man einfach dumm wäre wenn man sie nicht nutzt, sich davon nicht inspirieren lässt und mit diesen Leuten nicht zusammenarbeitet um dann gemeinsam von dem Wissenspool, den man gemeinsam hat zu profitieren. Das wäre einfach dumm, nicht schlau.

 

Jojo: Kommen wir zurück zum neuen Album. Diesmal hast Du gleich zwei Songs mit deutschen Texten versehen; wie eigentlich immer auf euren Alben zu finden. Wie kam Dir die Idee Songs in Deutsch einzusingen, der Trend Songs in Deutsch zu singen ist aktueller denn je und wie siehst Du selber die Gitarrenarbeit über die Jahre in der Band?
Adrian: Also, ein bis zwei Stücke in Deutsch waren ja immer bei; meistens. Ich finde, es hat sich diesmal einfach so ergeben. Der Song „Wahnsinn“ hat sich für mich brutal angeboten in Deutsch dargeboten zu werden. Abgesehen davon das der Text so früh fertig war. Die Art der Musik bot sich einfach an, es schrie mich quasi an. Bei „Requiem 4.21“, es ist ein sehr privater und persönlicher Song da habe ich überhaupt gar keine andere Wahl gesehen außer dass in meiner Muttersprache zu machen. Von daher sind mir Trends, auch diesmal ziemlich egal. Ich meine, damals als ich die erste Platte gemacht habe da habe ich betont die deutsche Präsenz reduziert weil das eine Zeit war wo gerade auch Deutsch im Dark-Bereich sehr im Boom war und ich da nicht in diese Schublade wollte. Ich bin ja eigentlich immer Jemand der den Trends ausweicht; als mich derer anzuhängen. Es hat sich bei diesem Album einfach so ergeben und ich habe da vorher nicht drüber nachgedacht wie die deutsche Sprache mit Allgemeinen auf dem Musikmarkt angesehen oder nicht angesehen ist. Das spielt für mich keine Rolle. Das sind die Sprachen derer ich mich bediene, derer ich mächtig bin. Es ist ein Stilmittel wie ein Instrument. Ich fange ja auch nicht an auf Gitarren zu verzichten nur weil wir vielleicht einen Gitarrenboom haben. Wir haben Gitarren benutzt seid dem ersten Album. Die Art und Weise wie wir sie benutzen hat sich über die Jahre immer wieder geändert. Mal ganz subtil ultra Effekt beladen, mal knackig und geradeaus. Jetzt sind wir wieder bei einer sehr deutlichen und frischen Art und Weise die Gitarren einzusetzen. Das ist aber auch logisch erklärbar. Wir haben soviel getourt und haben einfach irrsinnige Freude dran gehabt dieses sehr gerade und sehr solide Soundgefühl zu haben von einem knackigen Schlagzeug und einer knackigen Gitarre. Nicht so Effekt beladen, nicht so breit, nicht so schmierig, sondern einfach was doch mehr rockt.

 

Jojo: Beim Hören des neuen Albums fühlte ich mich, zu meiner Freude etwas in die alten musikalischen Tage von Diary of Dreams zurückversetzt. Ohne an dieser Stelle auf einzelne Songs nun einzugehen wirkt (if) true D.o.D., ja fast zurück zu den musikalischen Wurzeln. Wie kann man sich die kreative Phase des Songwritings und Soundflächenerarbeitung zu (if) vorstellen, wie seid Ihr an das Album rangegangen?
Adrian: Wir gehen nie mit der gleichen Art und Weise an unsere Alben, das ist immer unterschiedlich. Bei dieser CD war es auch so dass jeder Song seinen eigenen Weg gefunden hat. Mal war der Text schon fertig, mal stand der Songname, der den Funken ausgelöst hat, mal war es eine Melodie oder der Sound. Dann komponieren wir das Grundgerüst. Das ist ein Schritt den man dann gemeinsam hat wenn die ersten Grundlagen da sind ein erkennbares Stück daraus zu erarbeiten. Dann wird es ausgefeilt bis ich mich zurücklehne und sagen kann es ist fertig. Das dauert aber in der Regel eine ganze Weile, im Schnitt pro Song drei Wochen Arbeit, jeden Tag bevor die grobe Basis gelegt ist. Ob das neue Album nun wuttechnisch in die alte Richtung geht kann ich Dir so gar nicht sagen, dass ist mir ehrlich gesagt total gleich. Jeder soll es für sich beurteilen und Jeder für sich erleben. Wir gehen unseren Weg, den wir gehen, Schritt für Schritt. Ich halte es für eine rote Linie die wir hinter uns lassen, eine erkennbare Linie und das ist das was wir wollen. Es muss für uns nachvollziehbar sein das was wir machen, wie wir uns ändern. Das ist für mich relevant.

Jojo: Erstaunlich wie frisch wie das neue Album eine immense Aussagekraft entwickelt. Wie schaffst Du es, gerade bei (if) soviel Druck, Atmosphäre und Spannungsbögen in den Lieder zu erzeugen?
Adrian: Ich weiß es nicht. Ich glaube es ist einfach ein persönliches Ding. Wir haben die große Freude wahnsinnig viel Input mit nach Hause zu nehmen und wir leben in verschiedenen Welten. In einer ruhigen, heimischen, isolierten Welt und in der Welt da draußen mit irrsinnig viel Trubel und vielen Leuten um uns rum. Wir sind so viel unterwegs in Flugzeugen, überfüllten Zügen und in Bussen. Die beiden Leben sind so extrem unterschiedlich, wie es kaum anders sein kann. Das inspiriert schon wahnsinnig. Man sieht verschiedene Länder und Kulturen, Reichtum und Armut Kopf an Kopf, Gerechtigkeit und diese Ungerechtigkeit. Das sind im Allgemeinen immer gerne von mir aufgegriffene Themen wenn ich mich manchmal wieder ärgere was die Menschen so von sich geben, was sie tun oder wie sie handeln. Das findet natürlich gerne ein zu Hause in meinen Worten. Dann ist es auch so dass wir Alle ja auch noch ein Privatleben haben, was geprägt ist von unserer musikalischen Arbeit und man da auch Höhen und Tiefen hat. Meine Tiefen verarbeite ich ja schon immer in meiner Musik. Zwölf Tiefen im Jahr, pro Monat Eine ist schon in Ordnung, dass schaffe ich.

 

Jojo: Kommen wir zu einigen Songs auf (if). Vielleicht können wir Dir doch die eine oder andere Interpretation entlocken. „The Wedding“  hat für mich absoluten Hymnen Charakter. Ein Song der sicherlich gut in euer Liveset passen würde. Vielleicht kannst Du uns kurz die Idee zu diesem Song erzählen?
Adrian: Zum Einen gebe ich Dir wieder Recht. Das ist definitiv für mich auch Eines der Hymenstücke wo wir Alle beieinander saßen als das allererste Mal das Stück in einer relativ fortgeschrittenen Form hörbar war und wir einstimmig sagten das ist ein Brett, das ist super. Das wird uns große Freude machen das Lied auf der Bühne zu spielen. „The Wedding“ handelt nicht von dem was man sich vorstellen mag wenn man den Songnamen hört. Es handelt sich nicht um die klassische Hochzeit, es handelt sich eher um die Nichtverträglichkeit zweier Menschen. Davon dass zwei Personen eben nicht magnetisch sind sondern sich abstoßen und deswegen eine menschliche Verbindung nicht eingehen können. Mit menschlicher Verbindung meine ich nicht eine Ehe oder Beziehung, sondern eine Beziehung im Sinne des ursprünglichen Wertes, also platonisch. Es geht sozusagen um den Kampf des Anziehens und des Abstoßens. Vielmehr werde ich jetzt aber bestimmt nicht verraten.

 

Jojo: Bei „Requiem“, einem der beiden Lieder mit deutschen Texten war ich sehr überrascht. Anscheinend hast Du ein völlig anderes, vielleicht neues Stimmenbild bei Dir entdeckt. Die Textpassage z.B. „ … die Jahre teilen wir, denn Du bist bei mir und ich bei Dir und das ist Alles …“ lässt deinen Gesang in einem völlig neuen Licht erscheinen. Zufall oder gesanglich neu entdeckt?
Adrian: Auch schön erkannt. Ich habe bei diesem Album sehr, sehr hart an meinem Gesang gearbeitet. Ich hatte das Ziel mich weiter zu entwickeln. Es ist ganz wichtig, gerade wenn man so viele Alben gemacht hat wie wir das man mit den Zielen die man musikalisch erreicht hat, mit dem Erfolg und Erfolg ganz klar bezogen auf das was man für sich selber erreicht nicht in Zufriedenheit verfällt. Man muss für sich erkennen dass man den Reifeschritt gehen muss. Diesen Schritt muss man erreichen, ansonsten steigt die Unzufriedenheit. Sich wieder und wieder zu wiederholen, auf der Stelle zu treten, das ist das Langweiligste was ein Künstler sich vorstellen kann. Somit habe ich sehr hart gearbeitet. Wir haben ja wieder mit dem Produzenten Daniel Mayer von MKM Productions zusammengearbeitet, wie auch schon bei Nekrolog 43 oder Freak Perfume, beziehungsweise zu teilen bei Freak Perfume. Ich habe Daniel gebeten gnadenlos in seinen Kommentaren mit mir zu sein; da ist er dann auch in die Vollen gegangen. Wenn man schon so lange Musik macht ist es außerdem ganz wichtig die alten Rezepte aufzufrischen oder einfach wegzuschmeißen und zu erneuern. Damit meine ich dass man seine eigenen Kapazitäten und Fähigkeiten neu entdeckt oder von Null auf neu erarbeitet. Das habe ich bei Nekrolog 43 schon teilweise gemacht und nun bin ich noch einen Schritt weiter gegangen. „Requiem“ ist definitiv eines der Stücke was in diese Richtung geht; wie auch „Wahnsinn“ und noch das eine oder andere Stück. Es ist eine ganz andere Stimmenpräsenz als bisher. Soviel gesungen wie 2008 habe ich mein ganzes Leben nicht und daraus entsteht natürlich auch eine stimmliche Weiterentwicklung. Das hat auch viel mit reifen zu tun. Ich habe mich oft auch mit Gaun:A, Daniel und Albertzusammengesetzt, gefragt was glaubt Ihr, ist das mit dem Gesang gut so, passt es, soll ich das noch mal einsingen, ist die Strophe ok? So haben wir uns alle gemeinsam vorwärts gearbeitet und das war eine tolle und konstruktive Arbeit.

 

Jojo: Wie beschreibst Du abschließend selber euer neues Werk, welche Themen werden behandelt, gebe unseren Lesern doch einfach mal einen Einblick zu den nun hörbaren Ergebnissen zu (if).
Adrian: Es ist ein sehr persönliches und wieder auch verschleiertes Album mit sehr vielen emotionalen Achterbahnfahrten. Man kann sehr viel mitnehmen wenn man das Album hört, man kann sich sehr intensiv damit auseinandersetzen. Wir haben uns bemüht ein musikalisches breites Spektrum abzudecken. Ich habe sehr viel Zeit und Liebe in die Texte und in die Musik investiert und wir haben weder Kosten noch Mühen gescheut das dass Album sehr gut klingt. Das hat ein großes Team an Leuten ermöglicht und dafür bin ich unendlich dankbar.

 

Jojo: Wird es (if) , wie Nekrolog 43 auch als Vinyl geben oder müssen die Fans sich mit dem Silberling zufrieden geben?
Adrian: Ich fürchte, ihr müsst Euch mit dem Silberling zufrieden geben. Ob ich das aber nächstes Jahr oder am Ende des Jahres auch noch so denke weiß ich nicht. Das wird sich dann zeigen. Ich habe jetzt erst mal wirklich irrsinnig viel, auf jeglichen Ebenen in die beiden Editionen investiert, die nun bald vorliegen. Die Limited Edition mit Bonus CD und vier zusätzlichen Songs im Digipack, zweifach aufklappbar mit 48-seitigem Booklet, 120 Gramm schwerem Papier in einer Specialbox mit schwarzem Karton innen damit, wenn man es aufmacht nicht vom Weiß die Augen überreizt und einem Auffaltposter. Wir haben uns einfach bemüht was Besonderes auf die Beine zu stellen. Sogar die normale Edition hat immer noch ein 24-seitiges Booklet. Ich denke wir haben unser Möglichstes getan die CD so zu verpacken das es auch ein optisches Erlebnis wird. So ist das Booklet auch kein kleines Digipack Booklet sondern ein Digi Book. Das ist dann so groß wie das Digipack Format. Das ist halt sehr, sehr schön. Das Graphik und Fotografieteam mit Ingo und Annie haben da sehr gut im Team zusammengearbeitet; alleine das Shooting hat drei Tage gedauert.

 

Jojo: Unvergessen bleiben eure Akustik Sets. Die Hoffnung war sicherlich bei euren Fans vorhanden, das es vielleicht den einen oder anderen Acoustic Bonustrack gibt. Plant Ihr da evtl. was Eigenständiges oder sollen die akustischen Leckerbissen einzigartig bleiben, als besonderes Erlebnis bei euren Konzerten?
Adrian: Ich weiß es noch nicht. Wir wurden in den unterschiedlichsten Ländern und von verschiedenen Leuten immer wieder auf die Acoustic Sets angesprochen obwohl wir es auf ganz kleinem Niveau gehalten haben. Das ist das Interessante. Ein unglaubliches Gesprächsthema obwohl es wahnsinnig wenig Leute im Gegensatz dazu erlebt haben; außer sie waren bei unseren Konzerten. Es ist auch hochgradig interessant für uns weil uns so viele Leute gesagt haben das ist doch irre und wahnsinnig das zu machen. Man spielt doch kein Acoustic Set im Zugabenteil. Da müssen eure Highlights, die Smasher, eure Singles oder wie auch immer man es bezeichnen will kommen. Ihr müsst die Leute fordern, noch Einen drauf setzen. Wir haben einfach gesagt „Nö, machen wir nicht, wir machen es anders“. Wir werden diesmal in eine ganz andere Richtung gehen. Es ist so toll einstimmig aufgenommen und honoriert worden. Es war ein Riesenspaß für uns auch wenn es echt sehr anstrengend war nach einem Hauptset dann noch ein paar Nummern vollakustisch darzubieten. Man ist müde, die Hände sind müde vom Gitarrenspiel, aber das ist Live und so soll es auch sein. Für mich war es jedenfalls eine Riesenfreude und großes Ereignis wie auch Herausforderung, die wir brauchen. Einfach mal abwarten wie es sich entwickelt.

 

Jojo: Kommen wir zu euren Planungen 2009. Diverse Konzerte und Festivals stehen fest. Neben einigen Record Release Partys und Konzerten werdet Ihr auch wieder in Polen bei der Castle Party dabei sein. Wie seht Ihr diesem Gig entgegen, nachdem es 2008 ja einige Probleme dort gab, Euch u.a. satanische Neigungen angeheftet wurden, Ihr bedroht wurdet, man euren Auftritt boykottierte?
Adrian: Ja, ein Stromkabel wurden durchtrennt. Laut Aussage des Veranstalters haben sich fanatische Katholiken zu diesem Kabelattentat bekannt. Wir wussten im ersten Moment nicht ob wir schmunzeln oder schockiert sein sollten. Im Endeffekt war das ein Werk von ein paar unverbesserlichen fanatischen Menschen. Wir werden uns einfach auf die Reise nach Polen begeben wie ich das auch angekündigt habe. Davon werden uns sicher nicht ein paar fanatische Herrschaften abhalten. Wenn wir wieder boykottiert werden kommen wir einfach wieder. Jedes mal werden dann die Nachrichten und die lokalen Zeitungen in Polen wieder überlaufen mit Berichten und Meldungen über uns. Irgendwann werden diese Leute das dann nicht mehr machen können.  Wenn ich sehe was nach dem letzten gescheiterten Konzert in Polen an Presse über die Bühne ging, dass diskutiert wurde in diesem Land. Berichte in den Tagesschauen und Abendmagazinen ob man so was machen darf oder nicht. Unsere polnischen Fans haben uns Übersetzungen und Feedback zukommen lassen aus denen ganz klar hervorgeht das so was, wie es geschah absolut nicht in Ordnung ist. Zudem betone ich immer wieder, dass wir vor dem Konzert eine offene Pressekonferenz hatten. Die Fanatiker hätten absolut problemlos zu der Pressekonferenz kommen können um ihre kritischen Fragen zu stellen, um uns die Chance zu geben dann Stellung zu nehmen derartige Unsinnsaussagen null und nichtig zu machen. Fakt ist, wir lassen uns davon nicht abschrecken. Wir kommen zurück und ich bin mir diesmal ganz sicher dass es keine Probleme geben wird. Sollte es doch zu Problemen kommen, fahren wir halt wieder hin. Es wäre ja auch völliger Irrsinn sich davon beeinflussen zu lassen. Wir haben ein so unwahrscheinlich treues und großen Fanpublikum in Polen und sie werden ganz bestimmt nicht damit bestraft wenn wir nicht wieder hinfahren würden nur weil es dort ein paar Idioten gibt. Man weiß ja auch nicht was vielleicht irgendwann mal in Deutschland bei unseren Konzerten oder bei anderen Bands passiert. Wir würden dann ja auch nicht aufhören in Deutschland zu touren. Man muss für seine Rechte kämpfen und den Leuten die vielleicht an Einen glauben, für die man vielleicht auch was darstellt den Glauben vermitteln das es richtig ist sich gegen etwas zu stellen und klar zu sagen das wir Intoleranz nicht akzeptieren.


Jojo: Sind eure Planungen Live Konzerte in diesem Jahr zu spielen bereits abgeschlossen oder wird noch das eine oder andere Datum hinzukommen, evtl. schon was Neues zu vermelden?
Adrian: Das was man aktuell Online sieht, sind vielleicht 5-10 % vom Dem was wir tatsächlich spielen werden. Allein vier Wochen Russland sind mit dabei. Ich schätze das wir insgesamt so ca. 40-50 Shows in diesem Jahr spielen werden. Wir wollen ja schließlich nicht einstauben sondern auf die Straße, was erleben und natürlich unsere Songs auch live präsentieren. Am Besten in soviel Städten wie nur irgend möglich.

 

Jojo: Kommen wir mal zum Thema Internet und MySpace. Auf deiner privaten MySpace Seite ist zu lesen, das Du diese nicht mehr pflegen wirst und Dich der MySpace Welt entziehst. Gründe dafür sind ebenfalls nachzulesen, wirken mir aber etwas zu allgemein, wenn man mal den Zeitfaktor, die Zeit die Du kaum hast ausklammert. Es gab Probleme mit einem „Double“?
Adrian: Mit Mehreren. Mehrere die auch unsachlich waren, die unsere Fans nicht besonders gut behandelt haben und sich für mich ausgaben. Es war sicher keine schöne Angelegenheit. Es war eine Menge Ärger für mich dagegen vorgehen zu müssen. Der Zeitfaktor spielt aber trotz allem eine große Rolle. Wir schaffen es einfach nicht mehr. Bevor ich da eine My Space Seite habe wo sich Hunderte von Nachrichten sammeln die ich weder lesen noch beantworten kann musste ich mir die Sinnfrage stellen. Hilft es denn Jemanden dass es diese Seite gibt? Es ist doch so, das es Menschen verärgert und auch traurig macht wenn ihre lieben Mails einfach irgendwo im Dateninferno rum liegen und nicht mal zur Kenntnis genommen werden, nicht genommen werden können. Das ist für mich ein Aspekt der prioritär ist. Bei Gaun:A ist es genauso. Irgendwann muss man eine Entscheidung treffen. Dann kamen noch andere Dinge hinzu, ein paar Ärgernisse, Märchen und Geschichten und was weiß ich nicht noch Alles. Somit musste ich entscheiden. Meine Entscheidung ist nun mal die, das die My Space Welt ohne mich auskommen muss. Es ist aber so, das das Management ab und zu mal Online geht und schaut das da Nichts anbrät. Ansonsten lasse ich sie aber erst mal noch Online. Wenn ich es irgendwann zu doof finde lösche ich sie einfach. Wobei ich auch schon überlegt habe solange wie diese Seite da ist weiß wenigstens ich das ich die Seite habe und nicht Andere, die das negativ ausnutzen und die Leute fröhlich adden, die dann wieder rum denken das ist wieder eine Seite von mir. Meine My Space Seite wird wohl ein ruhendes Element bleiben.

 

Jojo: Habt Ihr zu diesem Menschen Kontakt aufgenommen? Wie empfindest Du es, dass sich anscheinend Jemand so sehr Adrian Hates fanatisch öffentlich präsentiert hat? Handelte es sich um einen Stalker oder gar um Jemanden der berechnend deinen Namen und Status ausnutzte?
Adrian: Kann ich Dir gar nicht so sagen. Es waren ja nun mal Mehrere. Es gab auf anderen Seiten noch Jemanden der das so zelebriert hat, der mich wohl nicht so toll findet. Das Ganze mit der eher gegenteiligen Motivation anging Schaden zuzufügen. Bei den Anderen war es Fanatismus. Ich glaube es ist nicht so wirklich gesund, auch für sich selber nicht. Alles was ja dann als Zuspruch und Komplimenten kam oder auch nicht war ja nicht für ihn gedacht; ich weiß nicht, was es also gebracht hat. Es ist ja fast auch schon ein bisschen traurig und tragisch; natürlich aber auch ärgerlich. Solche Leute verärgern Menschen und mich natürlich auch irgendwo. Auf der anderen Seite muss man sich auch mal Folgendes überlegen. Gib mal bei My Space eine Prominamen ein, also einen richtigen Promi von dem ich weit entfernt bin. Da kommen dann wahrscheinlich 35-40 My Space Seiten. Zu 99,9% ist das aber sicher nicht Der, den man hofft zu finden. Ich glaube z.B. nicht dass Robert de Niro wirklich Lust hat vor dem Computer zu sitzen und Fanfragen bei My Space zu beantworten. Das glaube ich einfach mal überhaupt nicht. Deswegen sage ich auch dass dagegen mein Elend relativ gering ist. Es waren ja nur ein paar und nicht Dutzende. Ich denke, wir haben uns nun mal für ein öffentliches Leben entschieden, zumindest bis zu einem gewissen Grad und damit muss man leben, so was passiert. Natürlich muss man aber auch seine Möglichkeiten nutzen um der Außenwelt mitzuteilen wo die Grenzen sind. Wenn diese Grenzen erreicht sind muss man es demonstrieren. Auch irgendwelche Forendiskussionen wie z.B. über meinen bürgerlicher Name und inwiefern er verwendet werden darf von Dritten interessieren mich einfach nicht. Leute aus meinem Umfeld erzählen mir ab und zu mal das hier und da diskutiert wird. Ich sage dazu nur, diese Leute, die diskutieren sollten ihre Zeit nicht verschwenden sondern lieber kreativ werden. Lesen werde ich so etwas mit Sicherheit nie.

 

Jojo: Aktuell ist die Diskussion entbrannt, das die GEMA (Erklärung dazu) gewaltig bei den Gebühren für Live Konzerte zuschlagen will bzw. wird. Bis 2014 sollen es bis zu 10% (aktuell 1,9 – 3,6 %) bei den Einnahmen aus Eintrittsgeldern werden. Welche Konsequenzen siehst Du auf die Konzertlandschaft zukommen und wie siehst Du die Chance, gerade für kleine Bands oder Newcomer überhaupt noch auf die Bühne zu kommen?
Adrian: Kleine Bands haben sowieso, lass es mich diesmal bitte ausnahmsweise mal salopp formulieren die große Arschkarte gezogen. Das ist von vorne bis hinten für den Eimer. Die ganze CD Industrie, das was ja Alle in der CD und Musikindustrie schon immer prognostiziert haben, das die kleinen Bands die Leittragenden von dem ganzen Dilemma sind und nicht die, die man angeblich treffen will. Die oberen 50 Mammutbands aus den vergangenen Jahren, die immer noch ihre Millionen scheffeln, das sind die Dinosaurier, eine aussterbende Spezies. An diesen Leuten den Musikmarkt zu messen ist einfach eine ganz, ganz große Dummheit. Man muss den Markt mehr als Solches erkennen wie er jetzt ist und sich dann auch mal als Musikfan Gedanken machen inwiefern man sich an diesem Schlamassel beteiligen möchte. Positiv wie negativ. Vor allem auch mal überlegen, gerade in der Szene, in einer kleineren Szene die eben nicht Poprock ist ob es wirklich so förderlich ist die kleinen Bands mit Füßen zu treten indem man sie überhaupt nicht mehr unterstützt. Man sieht es ja auch in der Labelwelt. Die Anzahl der Newcomer wird immer geringer. Die Festivallandschaft wird das auch noch zu spüren bekommen, weil einfach weniger Nachwuchs da ist. Die Wiederholungsraten der Bands und Musiker die auf der Bühne stehen werden sich häufen. Ich finde das einfach traurig in dem Sinne, dass keine Stimulanz, keine Bereicherung mehr stattfindet; zumindest weitaus weniger. Die kleinen Bands müssen ein Vielfaches investieren und sich abstrampeln um überhaupt auch nur einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Das ist unfair. Unter normalen Bedingungen könnten sie sicher einfacher klar kommen und weiter vorwärts kommen. Das tut mir einfach ganz furchtbar leid. Die großen Bands machen auch noch ihren Reibach mit exorbitanten Konzertgagen und die Leute gehen einfach hin. Anstatt Denen zu demonstrieren das dass nicht in Ordnung ist 100 oder 200 Euro pro Konzertticket zu nehmen. Zu zeigen das ist nicht legitim, wir gehen nicht hin. Nein, zu Künstlern dieser Art gehen 30.000 – 40.000 und mehr Menschen hin. Anschließend gehen sie nach Hause und laden sich illegal Musik runter. Das verstehe ich nicht, das ist mir einfach nicht klar. Mir ist natürlich klar das dass Eine machbar ist und das Andere nicht. Wenn sie es sehen wollen müssen sie bezahlen und wenn sie die Musik haben wollen müssen sie nicht bezahlen. Bei Denen verstehe ich die Moral und die Logik nicht. Ich denke, das sie erkennen müssen das sie den Bands die schon steinreich sind noch mehr Kohl irgendwo hin pusten und die Leute, die hart für ihr Geld arbeiten, hart um das Leben in der Musikindustrie kämpfen, in der Independent Musikindustrie, Alternative und nicht Mainstream Pop immer mehr Schaden zufügen. Das ist unsere Szene, das sind die Bands mit denen wir unsere Zeit verbringen. Sie machen einfach mal ganz, ganz viel von unserem Lebensstil aus. Ich finde es traurig, unsere Szene ist ein Kulturbestandteil und ich finde die muss man einfach fördern. Zu den Auswirkungen denke ich, dass die teuren Konzerte noch teurer werden und die Leute trotzdem weiter hingehen. Die günstigeren Konzerte werden bestimmt auch ein bisschen teurer. Es ist ja auch so, dass sich in unserer Szene Keiner eine goldene Nase mit Konzerten verdient. Wir überleben davon und werden davon sicherlich nicht reich. Insofern werden wir Alle zusammen vernünftig kalkulieren müssen das am Ende der Leidtragende nicht der Konzertbesucher ist.

 

Jojo: Förderst du ambitionierte Musiker und Bands? Ist es für Diary of Dreams vorstellbar mal eine gänzlich unbekannte Band ins Vorprogramm bei euren Konzerten zu nehmen?
Adrian: Bestimmt. Das hat bei mir mehr was damit zu tun wie sie mir gefällt und nicht wie der kommerzielle Gesichtspunkt ist. Ich habe ja mit Accession (Anm. der Redaktion: Eigenes Label) selbst über viele, viele Jahre hinweg wahnsinnig viele Newcomer gefördert. Ich habe mich nie einer Band gewidmet die schon groß war bevor sie zu Accession kam. Wir haben ja eigentlich den Künstleraufbau betrieben und nicht den Popularitätserhalt. Das war immer das was wir uns auf die Fahnen geschrieben haben. Im letzten Jahr ist es sehr ruhig um Accession geworden. Es lag schlicht und ergreifend daran das wir im Vorjahr alle Themen veröffentlicht haben die bei uns aktiv sind. Deswegen war 2008 auch ein Ruhejahr. Bevor ich dann zwei Newcomer mache die mir im Endeffekt wirklich im Moment nur Verluste einfahren würden habe ich mich vielmehr auf das neue Diary Album konzentriert und erfreue mich nun eines baldigen Releases. Deswegen konnte ich ja so groß rum tönen, dass die Fanwelt diesmal nicht so lange warten muss. Ich habe mir dadurch neue Zeitkapazitäten ergattert. Ich bin trotz allem immer sehr interessiert an neuen Bands, aber es ist wahnsinnig schwierig. Im Moment tobt ja der Kampf der Giganten; nur das die Giganten ganz schön klein geworden sind.

 

Jojo: Wie empfindest du die Entwicklung, dass mehr und mehr Acts aus der vermeintlichen Szene sich öffnen und musikalische wie Image mäßige Wege gehen, die Nichts mehr mit den Ursprüngen Ihrer Selbst zu tun haben? Müssen Diary Fans Angst haben das Selbiges bei euch passieren könnte?
Adrian: Das ist eine schwere Frage. Oft empfinde ich das was Fans als Kommerz empfinden nur als Form der Weiterentwicklung. Oft reicht es ja dass hinten auf dem CD Rücken ein Majorlabel drauf steht und plötzlich ist die Band kommerziell. Obwohl das Album Alternative ist und genauso klingt wie vorher. Das ist oftmals den Fans ein Dorn im Auge das die Musiker vielleicht mal nen Euro mehr verdient haben. Das ist für mich dann nicht nachvollziehbar. Nun bin ich aber nicht Jemand der das genauestens untersucht. Wenn sich Jemand aus Krampf verbiegt um irgendwie kommerziell attraktiver zu werden dann ist das dämlich. Dann finde ich das peinlich und total unnötig. Wenn aber plötzlich eine Band, die lange Jahre hart gearbeitet hat und ihren Stil gnadenlos durchgezogen hat, ihr Ding machten dann kommerziell erfolgreich wird habe ich da überhaupt Nichts gegen. Was soll's, dann finden es eben ein paar Leute mehr gut und die Band wird vielleicht etwas opulenter vergütet. Sie kann dann so vielleicht mehr Geld in das nächste Album stecken und müssen weniger nebenbei tun um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Es hat ja auch Alles seinen Vorteil. Es kommt natürlich auf die Motivation an die dahinter steckt. Macht man es nun aus Krampf oder auf dem natürlichen Wege. Zum Beispiel Recoil, der ja nun wahnsinnig viel im Rücken hat bewundere ich sehr für seine Arbeit. Wenn das nicht Alternative ist dann weiß ich es auch nicht mehr. Es wird Nichts so heiß gesessen wie es gekocht wird.

 

Jojo: Schauen wir mal in die Zukunft. Neben deinen Aktivitäten im Tierschutz, deiner Band und deinem Privatleben war immer wieder mal was davon zu lesen, das Du vielleicht mal das eine oder andere Nebenprojekt angehen möchtest. Ist da was in Planung oder gar schon umgesetzt?
Adrian: Es ist immer was in Planung und immer ist was umgesetzt. Es ist auch immer was Neues im Gange. Es wird sich aber nur dann zu erkennen geben wenn ich es auch möchte. Ich bin da eher Jemand der im Stillen von profitiert. Gemacht habe ich mal einen Soundtrack, allerdings bei keinem großen Film. Es wäre natürlich mal schön für eine große Produktion dann den Soundtrack zu machen. Das würde uns definitiv großen Spaß machen und ich würde mich sofort drauf stürzen.

 

Jojo: Wenn Du einen Tag die Chance bekommen würdest Dinge auf dieser Welt etwas zu verändern: Was würde Adrian Hates machen?
Adrian: Ich glaube das ist nicht gut wenn ich das sage. Es ist eine schöne Frage. Meine Antwort auf diese Frage hätte eine gewisse Radikalität in sich und Diese wäre sehr leicht missverständlich. Es hätte was damit zu tun wie die Wahrnehmung unserer gefiederten und pelzigen Freunde in dieser Welt ist. Es hätte sehr viel mit Gleichberechtigung und Gleichheit zu tun. Radikal in dem Sinne, dass ich radikal die Gleichheit durchboxen würde.

A

Jojo: Viele Fragen Unsererseits, nun hast Du die Möglichkeit unseren Lesern abschließend noch was zu sagen ….
Adrian: Ich glaube was aus unserem Munde nicht oft genug kommen kann ist ein Riesen Dankeschön an unsere Fans. Die Konzerte die wir machen, das Feedback was wir bekommen und der unendliche Fansupport, dafür sind wir unendlich dankbar. Das kann man gar nicht oft genug zum Ausdruck bringen weil es tatsächlich so ist. Es sind keine Floskeln oder leere Worthülsen. Das ist ehrliches Empfinden. Gerade auch in schwereren Zeiten weiß man das doppelt so sehr zu schätzen dass man diese Rückendeckung hat. Dafür danken wir sehr und hoffen das es so bleibt.
Jojo: Vielen Dank für das Interview und danke für die entspannte Zeit ! Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg mit eurem neuen Album und ein gutes Tourneejahr 2009.

 
Interview: Jörg Jobst .[ phoner ]
Homepage: www.diaryofdreams.de