Devil Side Festival - [ Landschaftspark Duisburg, 28.07.2009 ]
 

Am Sonntag den 28. Juni erlebte der Landschaftspark in Duisburg zum ersten Mal das Devil Side Festival. Obwohl gerade erst aus der Taufe gehoben, war die teuflische Party beinahe ausverkauft und mehrere Tausend Feierwillige schüttelten bei hochsommerlichen Temperaturen ihr Haupthaar. Dank der guten Parkplatzsituation war auch die Anreise mit dem PKW recht bequem, was Viele aufgrund der frühen Morgenstunde wirklich begrüßten. Immerhin öffnete der Landschaftspark seine Pforten bereits um 10 Uhr und kurz darauf heizten die Kamikaze Queens mit ihrer, trotz des noch viel zu jungen Tages, recht aufgeweckten Punkrock-Kabarett-Show, welche unter dem Motte „Beer, Breakfast & Party“ stand, ordentlich ein. [ Bilder ]

 

Wem der Kopf aber noch nicht nach Schütteln stand, hatte die Möglichkeit, bei, trotz wolkenbehangenem Himmel, sommerlich schwülem Wetter die kleine Verkaufsmeile auf dem schönen Gelände rauf und runter zu schlendern – und das sogar mehrmals, da diese nicht allzu viele Stände aufwies. Nichtsdestotrotz nutzten viele Besucher die Gelegenheit, ihre CD-Sammlung zu aktualisieren oder ihre Outfits zu erweitern. Auch die Anordnung der Bühnen, welche, dem teuflischen Motto des Festivals entsprechend, als Hellstage und Devilstage ausgezeichnet waren, kam einem kleinen Shoppingbummel sehr entgegen. Diese lagen sich nämlich genau gegenüber an den entgegengesetzten Enden des Geländes, wodurch die Festival-Area recht überschaubar blieb. Um 11:00 Uhr sollten Anthrax mit ihrer big Kick-off Show auch die letzten müden Gemüter aufwecken. Leider dauerte der Soundcheck um einiges länger, als es der Spielplan vorsah. Aber schon bei diesem Test der Instrumente ließ sich erahnen, dass der Sound bei diesem Festival ausgesprochen gut sein würde. Schließlich betraten die Amerikaner die Bühne der Hellstage gegen 11:30 Uhr – und das allesamt in weißen Bademänteln! Lag es an diesem überraschenden Anblick oder doch eher an der mitreißenden Musik? Was auch immer die genaue Ursache war, die Stimmung kochte jedenfalls nach nur wenigen Songs und trotz des schon heißen Wetters bildeten sich schnell Circle-Pits. Anthrax machten auf jeden Fall der Ankündigung, dass sie quasi die Headliner am Morgen wären, alle Ehre und hinterließen nach 45 Minuten Rock’n’Roll ein endgültig aufgewachtes Publikum.

 

Die Umbaupausen konnte man im Weiteren dazu nutzen, in den kleinen Programmheften zu lesen, welche man am Einlass bekam. Diese erwiesen sich als sehr praktisch für die, die vergessen hatten, sich im Vorfeld einen Spielplan einzustecken und die kleinen Bandinfos in den Heftchen boten zudem eine super Gelegenheit, sich über Bands zu informieren, die man bis dahin noch nicht kannte. Zur Mittagszeit betraten Peter Pan Speedrock die Bretter der Hellstage. Obwohl die Holländer noch recht neu im Geschäft sind, lieferten sie eine sehr souveräne Show. Aber dennoch konnten sie die Stimmung nicht ganz auf dem Niveau halten, mit welchem Anthrax vorgelegt hatten. Als sie aber die wilde Menge vor der Bühne zur Wall-of-Death aufforderten, war im wahrsten Sinne des Festival-Mottos der Teufel los. Auch All Shall Perish konnten die Stimmung nicht wieder auf das vorherige Level heben und abgesehen von einigen kleinen Mosh-Pits tat sich vor den Höllenbrettern nicht allzu viel. Allerdings könnte dies auch an der Sonne gelegen haben, die sich inzwischen durch die Wolken schob und die schwüle Wärme durch brennende Hitze ablöste. Mit dementsprechend langen Wartezeiten hatte man dann auch beim Kauf erfrischender Getränke zu kämpfen. Obwohl der Schweiß in Strömen floss, ließen sich viele Wagemutige durch den Skate-Punk von Millencolin zu gewagten Crowd—Surfing-Aktionen hinreisen. Auch mit insgesamt drei Bühnenbildern in etwas über einer halben Stunde Spielzeit sorgten die Schweden für Kurzweile. Auch auf der Devilstage hatten sich die Spielzeiten um etwa dreißig Minuten verschoben. Dort überzeugten Disco Ensemble am Nachmittag mit ihrem etwas elektronischer angehauchtem Rock.

 

Unterstützt wurden die Finnen durch eine Flagge ihres Heimatlandes, welche munter im Publikum wehen durfte. Um ca. 17:00 Uhr betrat mit Sodom eine der größten Trash-Metal-Bands Deutschlands die Bretter der Hellstage. Erst sie schafften es wieder, eine Stimmung hervorzurufen, die an die bei Anthrax anknüpfen konnte und Songs wie „Napalm“, „Saw“ oder „Remember“ wurden frenetisch gefeiert. Sänger Tom Angelripper widmete sogar einen Song dem wenige Tage zuvor verstorbenen Michael Jackson. Inzwischen schien die Sonne so penetrant, dass sogar Feuerwehrleute anrücken mussten, um in den ersten Reihen für Abkühlung zu sorgen. Diese nahmen die nasse Erfrischung aus den Feuerwehrschläuchen freudig auf. Auch während Sepultura musste die Feuerwehr anrücken, um Überhitzungen zu verhindern, denn die Trash-Klänge der Brasilianer ließen wirklich kaum jemanden kalt. Ein krasses Kontrastprogramm zu den harten Klängen auf der Hellstage bildete der anschließende Auftritt der Bloodhound Gang auf der Devilstage. Schon als ein Michael Jackson-Medley als Intro erklang, konnte sich auch wirklich jeder, der noch nie ein Konzert der Amis gesehen hatte, denken, dass nicht gerade ein besonders geschmackvoller Auftritt folgen würde. Nichtsdestotrotz war die Stimmung schon beim Opener am Kochen und es bildete sich sofort ein riesiger Mosh-Pit vor der Bühne. Bei „Chasey Lane“ gab es perfekt in den Song integrierte Rülpseinlagen. Aber Bloodhound Gang wären nicht Bloodhound Gang, wenn ihre Show nicht mehr Reize für das Ekelzentrum bieten würde. So ließ Bassist Jared zunächst die Hosen runter, um eine Kiste an seinem besten Stück zu befestigen und daran über die Bühne zu ziehen. Im Anschluss daran gab es zur Stärkung ein schönes Bier.

 

Dieses blieb aber nicht allzu lange im Magen des Bassisten, sondern fand seinen Weg schnell wieder zurück ins Glas – auf dem gleichen Weg, den es vorher in entgegengesetzte Richtung eingeschlagen hatte. Aber es wäre doch zu schade um das schöne Getränk gewesen, wenn es nun im Glase hätte bleiben müssen, also trank Jared es auf’s Neue. Aber wiederum schien es nicht dort bleiben zu wollen und landete somit schließlich auf Jimmy Pop, welcher sich davon aber nicht beirren ließ und seine Show weiterhin ohne auch nur eine Spur von Ekel durchzog. Während Clawfinger die Hellstage unsicher machten, brach so langsam die Dunkelheit an. Die letzten Sonnenstrahlen nutzte Sänger Zak Tell, um mutig am Gerüst der Bühne emporzuklettern. Von dort oben hatte er nicht nur einen wahrscheinlich guten Blick über die Tausende von Metalheads, die sich inzwischen angesammelt hatten, sonder er nutzte seine erhöhte Position auch, um auf etwas ausgefallenere Weise mit den Leuten zu kommunizieren. Auch als die Dunkelheit hereinbrach, blieb es warm. Sehr zur Freude der, in angespannter Erwartung auf den Headliner der Hellstage harrenden, beachtlich angewachsenen Menge. Nachdem Soulfly ihren Auftritt auf der Devilstage beendet hatten, sammelten sich nahezu fast alle Besucher vor der Hellstage. Ein besonderes Lob gebührt an dieser Stelle den Veranstaltern, die dafür sorgten, dass das Festivalgelände, obwohl es fast ausverkauft war, nicht annähernd so überfüllt war, wie bei ähnlichen Veranstaltungen und einem jeden somit genug Luft zum Atmen und sogar Tanzen blieb. Aufgrund der vorzögerten Spielzeiten betraten Motörhead, eine Stunde später als ursprünglich vorgesehen, die Bühne.

 

Aber die lange Wartezeit bot eine optimale Gelegenheit, das im Dunkeln romantisch erleuchtete industriale Umfeld des Geländes zu betrachten. Die Kultband aus England betrat um 23:30 Uhr die Bühne und lieferte, wie zu erwarten, eine äußerst souveräne Show ab. Gitarrist Wizzo sowie Drummer Mikkey Dee überzeugten mit äußerst spektakulären Soli, und dass Lemmy mit seiner Reibeisenstimme alle Anwesenden faszinierte, bedarf wohl kaum einer weiteren Erwähnung. Um 1:00 Uhr endete mit dieser wirklich würdigen Band die erste Auflage eines neuen, richtig genialen Metal-Festivals, welches stimmungsgeladen und voller Harmonie verlief. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn sich dieses Event in den nächsten Jahren zu einer festen Instanz im Ruhrgebiet entwickeln würde. [ Bilder ]

 
Text: Kerstin Tschöpe
Bilder: Carsten Terres