De/Vision - Janosch Moldau...[ Muk, Gießen 13.02.2009 ]
 

Eigentlich sah der Plan für Freitag, den 13.02. bei uns ganz anders aus: Auf dem Programm stand die AND ONE Ladies Night in Magdeburg. Doch aufgrund der Absage dieses Konzertes verschlug es mich an jenem Tag nach Gießen ins MUK. Dort spielten nämlich DE/VISION, welche Janosch Moldau als Support mit im Gepäck hatten, ihren Elektro-Set-Tourauftakt. Das MUK in Gießen war recht gut gefüllt. Die Stimmung zu Beginn lässt sich mit folgendem Sprichwort wohl am besten beschreiben: Die Ruhe vor dem Sturm. Nun gut, nach einer kurzen Zigarettenpause in der klirrenden Kälte begab ich mich wieder ins Gemenge. [ Galerie ]

 

Janosch Moldau hatte bereits seinen ersten Song angespielt. Das Publikum war eher noch etwas verhalten, mich jedoch hat er vom ersten Moment an verzaubert. Es ist schon eine Herausforderung und es gehört eine gehörige Portion Mut dazu, sich wie ein Einzelkämpfer mit Gitarre, Korg-Synthesizer, Mac Book und Mikrophon auf die Bühne zu stellen. Weder musikalisch noch gesangstechnisch gibt es an dem Ulm/Birminghamer etwas auszusetzen. Janosch Moldau ist in meinen Ohren ein Sound-Tüftler wie er im Buche steht. Er schafft eine Klanglandschaft aus melodischen Elektrosounds, gepaart mit passenden Gitarrenriffs. Hinzu kommt seine überaus professionelle Stimme. Einfach hinreisend! Er zog seine Show hervorragend durch, wusste mit älteren Songs sowie mit Tracks vom neuen Album „Motel Songs“ durchweg zu bestechen und bereitete das Publikum gekonnt auf DE/VISION vor. Somit hatte er es am Ende doch noch geschafft, das Publikum für sich zu begeistern. Mein Gang zwischen den beiden Gigs war der zum Merchandising-Stand. Und das aktuelle Album „Motel Songs“ landete nach einen Tausch gegen einen 10 €-Schein in meiner Tasche.

 

Nach einer ca. 20minütigen Pause ronnen die typischen DE/VISION-Klänge aus den Boxen des MUKs. Also schlug ich den Weg nach gaaaanz vorne ein und schaffte es, mich wieder bis zur ersten Reihe durchzukämpfen! Bejubelt, geliebt und wieder einmal Sympathie versprühend ohne Ende, erschienen Thomas Adam und Steffen Keth auf der Bühne. Aus dem Publikum, ca. drei Reihen hinter mir, grölte eine männliche Stimme: „Das ist gute Laune! Habt Ihr alle gute Laune?“ und somit war das Publikum bereits beim ersten Song „Star –crossed lovers“ (Subkutan, 2006) am kochen. Und die Stimme aus dem OFF schrie immer wieder „Laune“, was letztendlich auch Steffen ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Gefolgt von „Addict“ (ebenfalls Subkutan, 2006) blieb nun kein Bein mehr still auf dem Boden. Die Menge schien gefangen und wie hypnotisiert zu sein. Danach folgten zwei Songs vom aktuellen Album „Noob“: „What you deserve“ und „Love will find a way“. Das Publikum war nicht mehr zu stoppen und Steffen und Thomas dementsprechend auch nicht! Steffen fungierte als Animator, gab den Takt an und riss das Publikum schnell auf seine Seite. Zur Freude aller weiblichen Fans stellte er sich an den Rand der Bühne und lies das Publikum mitsingen. Der Schweiß tropfte förmlich aus allen Poren, wozu nicht nur die geile Stimmung, der geniale Sound, sondern auch die äußerst ansehnlichen Bewegungsakte Steffens beitrugen. Der Mann kann mal tanzen! Songs wie „Aimee“ (Six Feet Underground, 2004) oder auch der 1995er Track „Blue Moon“ wurden vorgetragen. Die Audienz zeigte sich bei jedem Track wirklich sehr textsicher und feierte ab bis zum letzten. Leider musste Steffen nach einem Problem mit seinem schnurlosen Mikrofon zu einem mit Kabel greifen.

 

Und so blieb er beim 1993er Song „Dinner without grace“ dem Rand der Bühne fern. Die Stimmung in der Masse jedoch ließ sich davon nicht trüben und feierte während Steffen mit dem Kabel des neuen Mikros spielte weiter ab. Das Problem konnte allerdings schnell behoben werden und daher stand Steffen pünktlich zu „We might be one for a day“ (Monosex, 1998) wieder ganz nah am Publikum. „Musik zum Anfassen“ dachte ich mir, traute mich aber nicht wirklich hin zu greifen. Weiter ging es mit Titeln vom 1996er Album Fairyland: „Today’s Life“„I regret“, „Bleed me white“ und „Take me to the time“. Zwischengeparkt wurde der Song „A new dawn“ (Devolution, 2003) und auch ein weiterer Song des 2003er Albums Devolution durchströmte die Zuhörerschaft, welche weiterhin zappelte und grölte, was das Zeug hielt. Dann warfen uns die beiden Synthpopper erneut ganz weit zurück in der Zeit. 1990: „Your hands on my skin“. Die Gänsehaut und der eiskalte Schauer auf dem Rücken sorgten für eine kurze Abkühlung, bevor wir mit „Flavour of the week“ vom aktuellen Album Noob wieder so richtig eingeheizt und abgehetzt wurden. Abgehetzt ist hier das Stichwort. Die beiden verabschiedeten sich, bedankten sich für den tollen Abend in Gießen und das noch tollere Publikum und verschwanden hinter dem Vorhang der Bühne. Die Stimme aus dem OFF schrie wieder ganz laut: „Weiter, weiter! Gute Laune!“. Das vor Schweiß triefende Volk ließ nicht locker: Zugaberufe, Klatschen und Füßetrampeln beförderten Steffen und Thomas wieder zurück auf die Bühne und es wurde mit dem eher ruhigeren Stück „Endlose Träume“ (LIVE-CD Devolition Tour, 2003), welches von der Masse lobend mitgesungen wurde und dem absolut bejubelten und gefeierten 1992er Klassiker „Try to forget“ nachgelegt.

 

So verließen DE/VISION abermals die Giessener Bretter, die Zuhörerinnen und Zuschauerinnen ließen jedoch so schnell nicht locker, jubelten, pfiffen, schrien was das Zeug hielt und erneut öffnete sich der Vorhang, um mit den beiden neueren Stücken „I’m not dreaming of you“ (2004) und „Still unknown“ (Subkutan, 2006) den Auftritt abzurunden. Circa 20 Minuten nach dem Konzert mischten sich Steffen und Thomas unters Volk, gaben Autogramme, führten Small-Talk mit Fans und auch ich bekam die frisch gekaufte Best Of-Schallplatte pünktlich zum mittlerweile herangetretenen Valentinstag mit Herzchen unterschrieben. Auch Janosch Moldau hatte sich noch einmal blicken lassen und auch von ihm bekam ich mein Autogramm auf die „Motel Songs“ gekritzelt. Ein außerordentlich gelungener Tourauftakt, welcher von alt bis neu eine bunte und gut funktionierende Mischung aus vielen Alben der Band beinhaltete. Zusammen mit einer Lightshow und dem äußerst ordentlich abgemischten Sound ein Erlebnis, welches das Giessener Publikum wohl nicht zu schnell vergessen wird!

 

Vielen Dank an dieser Stelle an Janosch Moldau, Steffen Keth, Thomas Adam, Jan Winterfeld und das Team vom MUK für den wunderschönen Abend, welcher für mich eine sehr gute Alternative zum ausgefallenen AND ONE Konzert war und somit meine anfänglich traurige Stimmung wieder auf Hochtouren brachte! Wir sehen uns am 05.04. in der Batschkapp in Frankfurt am Main....

 
Text: .Lucy von Leibnitz
Bilder: .Claudia Schöne