Combichrist - Aesthetic Perfection - Auto Auto...[ Batschkapp, Frankfurt 18.03.2009 ]
 

Wenn an einem Abend Combichrist auf dem Programm steht, ist das schon ziemlich klasse. Wenn aber am selben Abend auch noch Aesthetic Perfection dabei ist, dann führt das schon zu einem ordentlichen Ausstoß von Glückshormonen und entsprechend guter Stimmung. Neben Aesthetic Perfection haben sich Combichrist für ihre Tour auch das Trio von Auto-Auto ins Boot geholt, das schon im vergangenen Jahr beim Out of Line Festival mitgerockt hat. Um 20 Uhr öffnete die Frankfurter Batschkapp ihre Pforten und eine aus teilweise eher leger gekleideten, teilweise ordentlich aufgebrezelten und angemalten Leuten bestehende Menschentraube strömte in die Halle. Richtig voll wurde es erst später, kurz vor Beginn, wobei es trotzdem noch angenehm und nicht überfüllt war, so dass man nicht wie bei manch anderem Konzert eine Stunde zur Toilette brauchte.

 

Nachdem gegen 21 Uhr die Lichter in der Halle aus und die auf der Bühne angingen, drängten sich zwar eine Menge Auto-Auto Fans in die vorderen Reihen, aber noch war genug Luft und Platz zum Tanzen. Und nach einem lustigen kleinen Intro – auf deutsch – begaben sich die drei Schweden auch schon an ihre Keyboards. Frontmann Erik Frankel hatte sofort ein Grinsen auf dem Gesicht und auch seine beiden Kollegen schienen guter Laune zu sein, besonders Johan Hellqvist mit seinen punkigen blauen Haaren, legte richtig los als die Schweden ihr Konzert mit „Backstabber“ eröffneten. Auch wenn der melodische Synthierock, den Auto-Auto zelebrieren, nicht so wirklich zu den anderen beiden Bands passen wollte, kamen die poppigen Beats und die vielfältige Stimme doch ganz gut an. Natürlich wurden auch vom im Oktober 2008 veröffentlichten Album „Celeste“ einige Songs gespielt, so zum Beispiel „Toadboy“ und „Do you need some Space?“. Wie es leider meistens ist, taten sich auch dieses mal die Konzertbesucher ein bisschen schwer mit der Vorband, trotzdem war der ein oder andere tanzende zu sehen. Sänger Erik wechselte öfter zwischen Mikrofon und Keyboard, hielt dabei noch ständig Augenkontakt zum Publikum und bewies so, dass auch Männer multitasking-fähig sind. Zuletzt gab das Trio, das sich musikalisch teilweise an Covenant und Depeche Mode anlehnt, das ohrwurmverdächtige „Shadowlands“ zum besten und räumte anschließend unter verdientem Applaus und mit sympathischem Lächeln die Bühne. Die Temperatur in der Batschkapp war bisher noch ganz angenehm gewesen, auch konnte man sich nicht über Platzmangel vor der Bühne beschweren. [ Galerie ]

 

Das sollte sich nach der Umbauphase aber ändern. Das Banner von Aesthetic Perfection – das zugegebenermaßen mit einem schlichten Schriftzug und einer simplen Zeichnung von einem Messer weniger aufregend war – wurde angebracht und gespannte Augen richteten sich nach vorne. Nach dem Live-Keyboarder erschien Daniel Graves, der derzeit auch mit Necessary Response erfolgreich ist, und verblüffte die Frankfurter Electrogemeinde sofort mit seiner charismatischen und verrucht-rockigen Ausstrahlung. Sein Outfit im Rockabilly Stil, die rote Krawatte, und die tollen Tattoos von Dracula und Frankenstein auf dem Arm machten Daniel mehr als ansehnlich. Kaum hatten die ersten Klänge die Ohren erreicht, mehrte sich die Anzahl der Tanzenden und Mitsingenden im Publikum und nicht viel später entstand auch schon ein ziemlich aggressiv werdender Moshpit, was nicht bei allen zur guten Stimmung beitrug, aber das lässt sich ja leider nicht vermeiden. Daniel dürfte es jedenfalls gefallen haben, zumindest feuerte er seine Fans gleich zu Beginn während „The Great Depression“ noch mehr an. [ Galerie ]

 

Immerwieder spielte er mit dem Mikro-Kabel und wickelte es mit anzüglichem Lächeln um seinen Arm; überhaupt ist er ein Künstler, der weiß, wie er mit seiner Mimik und Gestik sein Gegenüber betören kann. Ab und an nahm er einen Schluck Wasser, den er dann – anstatt die Masse etwas abzukühlen – ganz lässig über die Bühne spuckte. Neben den stampfenden Songs, gab es auch die geniale Nummer „The Ones“ vom aktuellen Album „A Violent Emotion“ zu hören, die etwas ganz spezielles und irgendwie psychopathisches an sich hat und trotzdem die Menge durch die ruhige Melodie etwas runterkommen ließ. Die Ruhe währte nicht lange, weiter ging es mit „The Siren“ und anschließend – endlich – „Living the wasted Life“, wo es vor der Bühne am heftigsten zuging. Hier packten Hobbyfotografen auch lieber mal die Cam weg, bevor sie noch aus der Hand geschlagen oder sonst wie demoliert wurde. Rücksicht schien hier nicht geboten zu sein, was man bei diesem Track ja auch verstehen kann. Aesthetic Perfection beendete das Set mit „Schadenfreude“ und blieb danach trotz lauten Pfiffen und Zugaberufen hinter der Bühne verschwunden.

 

Die Schweißdrüsen ordentlich strapaziert und mit allmählich schmerzenden Füßen ging das Warten auf den eigentlichen Hauptteil des Abends weiter. Endlich ertönte das Intro der Industrial-Berserker aus Norwegen: „No Afterparty“ wurde eingespielt, was auch das neue Album „Today we are all Demons“ einleitet. Aber anstatt der erwarteten folgenden Beats tönte ein komisches, älter klingendes Gute-Laune-Lied aus den Boxen und sorgte für kurze allgemeine Verwunderung und Belustigung, während sich die Band auf der Bühne versammelte und es dann quasi nahtlos mit „All Pain is gone“ und 100% losging. So blieb nicht lange Zeit für Begrüßungsjubel, bei diesem Song, der vielleicht der einprägsamste von der neuen Platte ist, musste einfach getanzt werden. Andy LaPlegua stürmte wie wild geworden die Bühne und jagte von einer Seite zur anderen, wodurch es nicht lang dauerte, bis sein zur unteren Mitte des Gesichts schwarz bemaltes Gesicht verschwitzt und verschmiert war. Aber schmachtenden Mädels macht das ja bekanntlich wenig aus. Andys dreiköpfige Crew machte sich heftig an Keyboards und Drums zu schaffen und ging gleich mit dem dritten Song in die Vollen: „Electrohead“ hitzte die Stimmung derartig an, dass auch Andys Bemühungen, öfter mal mit Wasser zu spritzen, wirkungslos blieben. Rhythmisch bewegte sich der Mob in der Halle, an einigen Stellen ging es auch wieder in kleineren Moshpits rund. Nach „Without Emotions“ schloss sich dann auch der Clubhit „Get your Body beat“ an und ließ so keine Pause zum Durchatmen. Nachdem sich die Menge etwas beruhigt hatte, erzählte Andy, dass er sich manchmal fragt, warum er das alles eigentlich tut und dass er sich bei diesem Anblick wieder erinnert, es für die Musik und die Fans zu tun. [ Galerie ]

 

Na, dafür ist jawohl ein Opfer fällig und darum forderte Combichrist „I want your blood“. Wieder spritzte Wasser und Andy warf die Flasche ins Publikum, die aber lustigerweise wieder zurückflog und welche er lachend  und lässig wieder auffing. Eine kleine Dankesrede gab es anschließend für „Brum-Brum … eeeh Auto-Auto“ (O-Ton Andy LaPlegua), denen der nächste Song gewidmet wurde. „Blut Royale“ hämmerte aus den Lautsprechern und sowohl die Bühne als auch die gut gefüllte Halle schienen bei diesem genialen Song förmlich zu brennen. Gut eine Stunde war mittlerweile vergangen, als Combichrist mit „This is my Rifle“ den Frankfurter Fans bereits das Ende ankündigte und ohne große Verabschiedung von dannen ging – wozu auch verabschieden, wenn man nochmal wiederkommt. Die wie erwartet verlangte Zugabe gab es im Nu, und zwar mit – wie konnte es auch anders sein – „This Shit will fuck you up“ und zum Schluss „What the fuck is wrong with you?“. Beide wurden wie aus einem Mund mitgesungen und verursachten noch mal eine kribbelnde Gänsehaut.

 

Letztendlich verabschiedeten sich die vier unter Klatschen und Pfeifen vom Publikum und in alter Rockstar Manier nahm Andy abschließend das Schlagzeug halbwegs auseinander. Nun, bei dem Erfolg, den Combichrist momentan hat, wird er sich wohl ein neues leisten können.

 
Text: .Nadine Schmitt
Bilder: .Sandro Griesbach