Interview mit Sarah (Client B) der Band Client, Februar 2009 .[ mailer ]
 

Unglaublich die Mädels von Client! Seit 2003 veröffentlichen sie in regelmäßigen Abständen neue Alben, sind nebenher zusätzlich noch als DJs tätig, modeln und betreiben sogar noch andere Projekte. Aktuell kann man sich über das neue Album „Command“ [ review ] und den Videoclip zu „Can You Feel“ freuen. Trotz einigem Stress, der heutigen Technik sei Dank, stellte sich Sarah (Client B) unseren Fragen und erzählte uns einiges über das neue Schaffenswerk, die neue Bassistin, das Touren in einer Frauenband und über Feuerwaffen.

 

Kerstin: Hallo! Wie geht es dir? Wie hat das neue Jahr für dich angefangen?
Client B: Das neue Jahr war sehr arbeitsreich. Ich fühle mich, als ob ich mich selbst noch nicht eingeholt habe! Ich war im Ausland und habe oft als DJ Platten aufgelegt, habe viele Interviews gegeben und versucht, mich von den viel zu vielen Genüssen an Weihnachten zu entgiften!!!

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Kerstin: Euer neues Album „Command“ (dt. „Befehl“) wird am 6. März veröffentlicht. Wie seid ihr auf den Titel gekommen? Was möchtest du uns befehlen?
Client B: „Command“ ist tatsächlich eines der Worte im Song „Satisfaction“ und wir mögen es, weil es so ein kräftiges Wort ist, sehr streng und herrisch, was ja auch einen großen Teil von Client ausmacht! Wir wollen euch Aufmerksamkeit befehlen! Hört uns an!!!

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Kerstin: Emma Fox (Client E) ist eure neue Bassistin. Wie fügt sie sich in die Band ein? Welche Einflüsse hatte sie auf die Entstehung der neuen Songs?
Client B: Emma ist auf ihre eigene Art eine talentierte junge Lady. Sie spielt auch Cello, Gitarre und ist eine fähige Songwriterin mit einer großartigen Singstimme! Sie war noch nicht in der Band, als wir das Album aufgenommen haben. Sie stieß als Live-Musikerin letzten Sommer zu uns, aber es ist bisher toll, mit ihr zu arbeiten.

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Kerstin: Wie würdest du die musikalische Entwicklung von eurem ersten bis zum aktuellen Album, welches bereits das vierte ist, beschreiben?
Client B: Ich denke, es gibt eine logische Fortentwicklung von „Client“ bis zu „Command“. „Client“ war eher ein Demoalbum, welches mit einem kleinen Budget aufgenommen wurde. Wir sind schon immer Fans von den Freuden des Homerecordings gewesen, aber die Technik hat sich erschreckend schnell weiterentwickelt und ein Studio zu benutzen, ist inzwischen nicht mehr so gängig. Es ist großartig, in der Lage zu sein, eine Idee einzufangen und sie direkt im eigenen Schlafzimmer fast bis auf Studioqualität zu bringen, was genau das ist, was bei diesem Album geschehen ist. Es war sehr schnell fertig, wie alle Client-Alben. Es gab keine Aufregung für uns! Aber ich denke, das gibt dem Album Energie und Kanten im Gegensatz zu etwas, aus dem das Leben herausproduziert worden ist. Es ist offensichtlich, dass die Songs mit jedem Album besser, wir zufriedener werden.

 

Kerstin: Ist „Command“ ein Konzeptalbum? Kann man einen Roten Faden in den Texten finden?
Client B: Unsere Alben sind niemals Konzeptalben. Wir beginnen einfach mit den Songs und schauen, wo sie uns hinführen! Dieses Album hatte eine rohe Energie, mit der wir einfach mitgegangen sind. Wir wollten immer dunkle, elektronische Elemente mit Post Punk-do-it-yourself-Feingefühl und radiofreundlichen Popsongs mixen. Bei diesem Album haben wir auch damit begonnen Dance-Music-Elemtente zu verwenden. Jungendliche haben hilfreich darauf hingewiesen, dass wir Dance-Music machen, die zu langsam zum tanzen ist und somit haben wir dieses Album beschleunigt!

 

Kerstin: Hast du einen Lieblingssong auf dem Album?
Client B: Mein Lieblingssong auf dem Album ändert sich, je nachdem, in welcher Stimmung ich bin. Im Moment liebe ich „Make Me Believe“, da ich es gerade erst zu meinem DJ-Set hinzugefügt habe!!

 

Kerstin: Ihr habt einen Video-Clip zu „Can You Feel“ gedreht, in dem Client B eine Auftragskillerin spielt. Woher habt ihr die Idee genommen, ein solches Video zu drehen?
Client B: Wir haben die Idee mit dem Video-Direktor entwickelt. Vorher haben wir immer nur animierte Videos gemacht. Somit war es schön, mal was anderes zu probieren und eine „Geschichte“ zu erzählen. Wir sind Fans von Filmen wie Hitchcock. Wir wollten zur Abwechslung mal ein Video mit einer Story drehen und stellten uns dabei als Hitchcock-Heldinnen vor. Wir lieben die überraschende Wendung am Ende des Clips – wie in einem seiner Filme!!

 

Kerstin: Warum habt ihr „Can You Feel“ ausgewählt? Hat der Video-Clip einen besonderen Bezug zu dem Text des Songs?
Client B: Ja, das Video entspricht den Worten im Song „Can You Feel“. Im Video kann Client B nicht in sich hinein fühlen... Sie muss sich loslösen, um zu tun, was sie tut... Aber sie erlaubt sich selbst, von ihrem Schicksal geführt zu werden.

 

Kerstin: Möchtest du eine Anekdote vom Dreh erzählen?
Client B: Es war ein umstürzlerisches, prickelndes Gefühl, mit einer Nachbildung einer Schusswaffe zu hantieren... Nichts was ich befürworte, da ich ein frieden-liebender Hippie bin! Sie war so schwer, was ich nicht erwartet hätte und der Mann im Video, dem die Waffe gehörte, musste sie in einem Koffer bringen – im Zug von Leipzig aus!

 
Kerstin: Ihr kommt bald auf Tour nach Deutschland. Was kann das Publikum von den Shows erwaren?
Client B: Wir werden besser als jemals zuvor sein und ich kann es nicht erwarten.
 

Kerstin: Ihr seid nur Frauen in der Band. Denkst du, dass es Unterschiede gibt, wenn man mit Frauen oder mit Männern tourt?
Client B: Nach meiner Erfahrung macht es mehr Spaß, mit Mädels zu touren. Es ist wie ein Mädelabend, wenn man sich jeden Abend für die Show fertig macht! Aber es ist die Hölle für unseren Sound-Typ, wenn wir gleichzeitig PMS bekommen und wir alle missmutig und schnell gereizt sind!!

 

Kerstin: Ihr seid in den letzten Jahren viel getourt. Welches war das interessanteste Land, in dem ihr gespielt habt? Und was waren die besonderen Erfahrungen, die ihr dort gemacht habt?
Client B: Wir verlieben uns in fast jeden Ort, an dem wir spielen. Wir sind so glücklich, dass wir so ausgedehnt reisen und das ganze Essen probieren können. Wir freuen uns immer auf Mexiko. Unsere Plattenfirma denkt, wir seien verrückt. Sie sind der Meinung, wir würden Gefallen an Sushi finden und dabei wollen wir nur Getreide-Tortillas und Guacamole von den Lebensmittelverkäufern an der Straße kaufen. In Italien kämpfen die ganzen Promoter aus verschiedenen Regionen darum, wer das beste Essen besorgen kann... Palermo hat das letzte Mal gewonnen, wenn ich mich richtig erinnere.

 

Kerstin: Ist es nicht anstrengend, so viel unterwegs zu sein?
Client B: Es ist anstrengend und es kann frustrierend sein, von zuhause weg zu sein, aber ich danke meinen glücklichen Sternen... Ich könnte die Milch-Regale in den örtlichen Supermärkten sauber machen, was mein vorheriger Job war. Somit mache ich das Beste aus jeder Erfahrung. Ich habe meinen Traumjob und es ist den Fans gegenüber nicht fair, wenn ich miserabel bin, deshalb gebe ich jeden Abend mein Bestes und einfach alles.

 

Kerstin: Ihr habt auch schon mit vielen anderen Musikern (z.B. Pete Doherty von den Babyshambles) zusammengearbeitet. Welche Kollaboration war die interessanteste für dich?
Client B: Wir hatten sehr viel Glück mit den Leuten, mit denen wir zusammengearbeitet haben. Die sexiesten waren Pete und Carl (Barat, von The Libertines, Anm. d. Red.). Tim Burgess ist so süß und Douglas McCarthy ist so unanständig und lustig. Ralph von Die Krupps brachte mich dazu, auf deutsch zu singen und fand das amüsant, weil ich es nicht geschafft habe meinen Mund richtig zu formen und ich musste live mit einer kompletten Band (Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards) mit den „Replica Boys“ spielen. Somit konnte ich viele unterschiedliche Erfahrungen machen. Die größte Ehre aber war, mit Martin Gore (Depeche Mode, Anm. d. Red.) zu arbeiten. Wir fragten ihn einfach auf gut Glück und hätten niemals erwartet, dass er zusagt. Somit hat es und umgehauen, als er es tat! Und es war das erste Mal, dass er in seinem Heimstudio aufnahm. Er machte aus „Overdrive“ einfach einen großartigen Song. Meine Nackenhaare standen regelrecht zu Berge, als ich es hörte!

 

Kerstin: Ihr arbeitet auch als Models. Gibt es aktuelle Angebote, über die du uns etwas erzählen kannst?
Client B: Ooh, ich würde es mir wünschen... Ich bin nicht groß und dünn genug. Emily und Mush sind die Models.

 

Kerstin: Als Model zu arbeiten unterscheidet sich sicher von der Arbeit als Musiker. Welche Vor- und Nachteile hat dieser Jobs verglichen mit Musik-Machen? Was sind die interessantesten Aspekte bei der Arbeit als Model?
Client B: Ich denke nicht, dass es viele Unterscheide gibt... Wir reisen sehr viel und posen, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Aber ich singe auch etwas!!!

 

Kerstin: Du arbeitest auch als DJ. Musst du oft eigenen Songs auflegen? Ist es ein seltsames oder ein gutes Gefühl, wenn die Leute eure Musik hören wollen?
Client B: Oh, ich bin absolut frei von Scham. Ich spiele Client jedes Mal! Manchmal schnappe ich mir sogar ein Mikro und singe. Natürlich hängt das von meiner Stimmung und dem entsprechenden Anlass ab!! Ich überwinde dann meine ganze Scheu, wenn ich andere Leute unsere Songs spielen höre... Es ist eine sehr demütige aber auch liebeswerte Erfahrung und es ist einfach völlig seltsam, wenn ich uns im Radio höre.

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Kerstin: Ihr seid sogar verantwortlich für euer Merchandising. Entwerft ihr alle eure Produkte selber oder arbeitet ihr mit anderen Designern zusammen?
Client B: Wir haben ein fantastisches Mädel namens Corinna, welches unsere Rechte Hand ist, die unsere Webseiten gestaltet, unser Logo entworfen hat und uns mit dem Merchandising hilft... Sie fährt auf Tour auch unseren Bus und hilft, uns zu managen. Sie ist Client C, die Wunderfrau, und auch eine sehr gute Freundin, genauso wie sie auch ein richtiges Mitglied des Client-Teams ist.

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Kerstin: Ist es nicht anstrengend, so viele Projekte zu haben?
Client B: Es ist einfach großartig, so beschäftigt zu sein!!!
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Kerstin: Wenn ihr mal Zeit für euch habt, was macht ihr dann am liebsten?
Client B: Um zu entspannen, holen wir die Zeit mit unseren Freunden und Familien nach, schauen Fernsehen und Filme und ich trainiere und entgifte mich.

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Kerstin: Bitte vollende den Satz: Musik ist...
Client B: Musik ist mein Leben.
Kerstin: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, die ganzen Fragen zu beantworten!!!

 
Interview: Kerstin Tschöpe .[ mailer ]
Homepage: www.client-online.de