Blutengel - Avoid Kharma - Miss Construction ... [ Batschkapp, Frankfurt(M) 23.04.2009 ]
 

Ein lauer Frühlingsabend wie er im Buche steht bot die beste Gelegenheit sich von Blutengel und Weggefährten noch weiter ordentlich einheizen zu lassen. Gerade weil man noch etwas, im unterschätzt kühleren Wind, vor der Batschkapp auf den Einlass warten musste, der wieder einmal missverständlich bei den verschiedensten Stellen ausgeschrieben war. Um 20h betraten wir jedoch, gespannt auf die kommende Show, die bekannte Frankfurter Location. Eigentlich relativ spät, gegen 20:30h ertönten die ersten harten Klänge der Szene-Newcomer Miss Construction, angeführt von Chris Pohls Terminal Choice Weggefährten Gordon. Zunächst stapften nur zwei maskierte Männer von sehr unterschiedlicher Körpergröße auf die Bühne und platzierten sich hinter Drum und Keyboard.

 

Die Masken waren weiß, mit dunklen Augen und einem herunterhängenden Iro. Sie erinnerten zwar etwas an Slipknot, jedoch konnte man nachdem Gordon die Bühne enterte hier keine noch größere Ähnlichkeit ausmachen. Gordon wirkte in seiner Militarykluft sehr mondän und beeindruckend. Die Batschkapp wurde direkt mit in den Bann gerissen, als nach dem obligatorischen Miss Construction Intro die ersten Töne von „Fuck you bitch“ ertönten. Untermahlt wurde die Show konsequent von einer Videopräsentation, die eine Mischung aus SAW, Frankenstein und Zombiefilm darstellte und eine gruselig-eklige Stimmung erzeugte, welche gut mit der Art der Musik harmonierte. Die Zuschauer tobten als der zweite Song, das Terminal Choice Cover „Totes Fleisch“ in der Miss Construction Version angekündigt wurde. Die ersten begeisterten Fans schwangen ihr Tanzbein und sangen lauthals mit. Es folgte mit „Hass und Liebe“ ein weiteres Cover, das auch schon auf dem Debütalbum „Kunstprodukt“ zu finden war und wie ich finde eine sehr gelungene Interpretation des ECO Hits darstellt. Gordon bereiteten der Auftritt und die positive Resonanz seitens des Publikums sichtlich Spaß und so wurde dieser immer weiter angeheizt und man legte mit „Lunatic“ und „Electrobeast“ direkt zwei schöne Kracher oben drauf. Zu guter Letzt durfte natürlich der Hit des gleichnamigen Albums „Kunstprodukt“ nicht fehlen, welcher durch die Einspielung des Musikvideos, an dem auch Chris Pohl mitgewirkt hatte und vom nun unmaskierten Keyboarder, der kurzerhand an der Front mitsang, unterstützt wurde. Der gelungene Auftritt war nach diesem kurzen Set allerdings schon viel zu schnell vorbei und ich habe selten das Publikum eine Supportband so feiern sehen wie an diesem Abend. [ Galerie ]

 

Nach einer kurzen Verschnaufpause rechneten wir damit, dass direkt Blutengel die Bühne stürmen würden, da man im Internet lesen konnte, dass „Avoid Kharma“ wegen Krankheit ihren Auftritt nicht wahrnehmen werden. Doch zu allem Erstaunen wurde das Bandlogo nun doch eingeblendet und drei Herrschaften machten sich auf den Weg ihren Platz auf der Bühne zu finden. Doch schnell wurde klar, dass hier etwas nicht stimmt. Warum hatte Avoid Kharma Sänger David plötzlich so lange Haare und ein schwarzes Tape über dem Mund? Bei genauerem Hinsehen entdeckte man auch, dass der Keyboarder die Augen und der Bassist die Hände getaped hatten. Wie also sollte diese Band nun den Auftritt so gehandicapt vollbringen? Zunächst glaubten wir noch an einen Scherz, als die Musik aus den Boxen ertönte und die Tapes nicht von ihren wichtigen Körperstellen entfernt wurden. Der Fronter zog seine Show, eine Mini-Playback-Show, jedoch gnadenlos durch, als würde ihn nichts behindern. Seine Gestiken wirkten perfekt einstudiert und nach dem ersten Song wurde noch zart applaudiert. Doch als der zweite und dritte Song noch in unveränderter Art und Weise vorgetragen wurden, war die Schmerzgrenze der Fans erreicht und der Applaus wich Buhrufen. Nach ein paar Songs riss sich der Sänger, dessen Identität sich mir noch nicht zu 100% erschlossen hat (vielleicht war es ja Live-Keyboarder Florian? Leider stand ich bei diesem Auftritt so weit hinten, dass mir als Erkennungsmerkmal nur die langen Haare dienen) kurz das Tape vom Mund und rief einen Sanitäter herbei, der sich um die Verpflegung eines ohnmächtigen Mädchens kümmern sollte. Doch das Tape wurde prompt durch ein silbernes ausgetauscht und es ging wie gehabt weiter. [ Galerie ]

 

Unterstützt wurden die Herren durch eine blonde Tänzerin, die ihr Handwerk nicht wirklich richtig verstand oder sich einfach nur an der Komödie beteiligte. Die Krönung kam zum Schluss, als endlich alle ihre Tapes entfernten und man nun auf eine Live-Performance hoffen konnte, wenn man denn noch in der Batschkapp geblieben war. Doch eine weitere Unerhörtheit begab sich auf der Bühne, denn der Sänger zückte prompt ein Textblatt, welches er sich demonstrativ vors Gesicht hielt, ablas und mit monotonem Laiengesang das letzte Stück performte. Ich wollte auch schon beleidigt die Halle verlassen, als das ganze misslungene Schlamassel aufgelöst wurde. Die Herrschaften outeten sich als Notbesetzung, da die Band zu einem großen Teil erkrankt war. So sprang der Miss Construction Drummer als Bassist an diesem Abend ein und es erklärte sich auch, warum der Gesang aus der Konserve doch gleich viel besser klang als beim letzten Song. Dennoch nahmen ihnen viele diesen Auftritt sehr übel und hofften nun auf besseres. Es war spät geworden, doch man konnte die aufwändige Bühnendeko schon bei den Support Acts bewundern. [ Galerie ]

 

Die Leinwand wurde eingerahmt von zwei Engels Bildern, die sich schon auf dem Cover vom neuesten Blutengel Werk „Schwarzes Eis“ [ review ] befinden, davor standen zwei alte Straßenlaternen, die wunderschön beleuchtet wurden. Den Bühnenrand schmückten Eiskristalle und zu Beginn betrat eine Gestalt in Mönchskutte und entzündete die Kerzen in den Laternen und erzeugte Qualm in zwei am Rand stehenden Nebelkelchen. Die ganze Prozedur erinnerte an eine Messe und da man wusste, dass Blutengel immer eine gut durchdachte Show abliefern, konnte man sich auf weitere Einlagen freuen. Zuschauer, die kein Blut sehen können oder selbiges nicht auf ihrer Kleidung wiederfinden wollten, sollten sich erfahrungsgemäß besser nicht in den ersten Reihen aufhalten. Nach dem mystischen Intro betraten zwei Gestalten in dunklen Umhängen und antiken Spiegeln vor den Gesichtern die Bühne und man konnte schon ahnen, dass der erste Song „Behind the mirror“ sein würde. So kam es dann auch und Chris Pohl betrat unter tosendem Applaus die Bühne und wirkte sehr entspannt. Beim zweiten Song „Dreh dich nicht um“ eilten ihm auch Constanze und Uli zu Hilfe und unterstützten ihn mit ihrem engelsgleichen Gesang. Besonders Uli übertraf sich an diesem Abend selbst und brachte die Menge zum Toben. Immer wieder heizte sie das Publikum an und alle klatschten wie selbstverständlich mit und die Stimmung wurde mit jedem Song besser. Es folgten „Beauty and Delight“, „Kind der Nacht“ und das gänsehautverdächtige „Point of no return“. Auch Frontmann und Mastermind Chris Pohl überzeugte mit seiner Ausstrahlung und grandiosen Stimme.

 

Da er wohl wieder trainiert hatte strotze er nur so vor Sexappeal und sang sich zielsicher in die Herzen der schmachtenden weiblichen Fans. Auf „Die with you“ folgte nun „The only one“, welcher von einer grandiosen Videountermahlung begleitet wurde. Zunächst sah man ein Mädchen mit einem Teddy per Überwachungskamera in einer Psychiatriezelle. Nach einigen Minuten verschwand sie aus dem Raum und erschien auf der Bühne. Als sie sich zu Chris bewegte, wies dieser sie ab und verschmierte Blut in ihrem Gesicht. Verängstigt verschwand sie wieder von der Bühne und tauchte sogleich wieder blutverschmiert im Video ihrer Psychiatriezelle auf. Sehr schön gemacht und sehr passend zum Song. Nach dem gefeierten Hit „Lucifer“ trumpften Blutengel mit einem weiteren Single-Hit „Dancing in the light“ aus dem aktuellen Album „Schwarzes Eis“ auf. Das offizielle Musikvideo lief im Hintergrund und vorn bewies die blonde Tänzerin ihr Schauspieltalent. Positiv zu bemerken sind auch die anderen beiden Tänzerinnen, die geschickt mit ihren Poi Pois, sowie mit ihrem Körper umzugehen wussten und die Show unterstützten.

 

Obwohl die charismatische Extänzerin Sonja für viele Fans sicher einfach fehlte, so stand ihr die neue Crew jedoch in nichts nach. Sehr schön waren auch die vielen Kostümwechsel, die immer mit den Songs harmonierten, sei es mit Schmetterlingsmaske oder Engelsflügeln, wie bei der späteren Zugabe „Schneekönigin“. Blutengel präsentierten weitere Hits aus ihrem Repertoire, „Winter of my life“, „My nightmare“, „Soul of ice“ und das immer wieder herbei gesehnte „Bloody Pleasures“, wo auf der Bühne mehr Blut fließt, als durch die Venen der Band. Auch das Publikum durfte an dieser Stelle teilhaben und bekam eine Blutdusche aus den Mündern der Tänzerinnen verpasst. Nach diesem gelungenen Auftritt verabschiedete sich die Band von der Bühne. Doch kaum hatten sie dieses getan, wollten der Applaus und die Zugabe-Rufe nicht abreißen und so kehrten die Drei schnell wieder auf die Bretter der Batsche zurück, um uns mit weiteren Songs, wie „Love Killer“, „Schneekönigin“, „Children oft he night“ und „Engelsblut“ zu beglücken. Der altbekannte Thron mit Totenköpfen verstärkte nun die Bühnendeko und galt mal für Uli, mal für Chris als dekadente Sitzgelegenheit. Bei „Engelsblut“ sang das Publikum den Refrain lautstark mit, so dass Chris Pohl sich sichtlich daran erfreute mit uns im Duett und auch mal abwechselnd zu singen. Nach dieser tollen Zugabe hatten wir allerdings immer noch nicht genug und forderten zu einer weitere Zugabe auf. So ein euphorisches Publikum habe ich schon lange nicht mehr erlebt und natürlich kam die Band diesem Wunsch ein weiteres Mal entgegen und Uli stimmte „Seelenschmerz“ an, wo ihre wunderbare Stimme eine wunderbare Gänsehaut zauberte.

 

Auch hier erhielt sie gesangliche Unterstützung vom Publikum und war sichtlich erfreut darüber. Zum wirklich letzten Song des Abends „Vampire Romance“ kehrten auch Chris und Constanze wieder auf zurück und ließen wirklich keine Wünsche mehr offen. Um Punkt Mitternacht endete dieses gelungene Konzert und die Fans konnten sich vollends glücklich auf den Heimweg machen. Dieser Auftritt wird wohl noch lange in Erinnerung bleiben und künftige werden sich wohl oder übel daran messen lassen müssen, obwohl es schwer werden wird, diesen Tag irgendwann einmal zu übertreffen.

 
Text: .Maike Kowalle
Bilder: .Sandro Griesbach