Apoptygma Berzerk - The Anix...[ Kuz, Mainz 17.02.2009 ]
 

Die Wetteraussichten für den Abend des 17. Februar 2009 waren alles andere als günstig. In den Medien wurde vor extremen Wetterbedingungen gewarnt und darauf hingewiesen mit seinem Arsch möglichst daheim zubleiben! Doch an diesem Abend waren Apoptygma Berzerk angesagt, die im nur etwa 100 Kilometer entfernten schönen Mainz gastierten. Nachdem Lea und Sandro schon den Gig in Köln besucht hatten und ganz nebenbei unsere Lea noch ein Interview [ hier ] mit Stephan eingeschoben hatte, war es allerdings unerlässlich ins KUZ zu fahren, ob es sich gelohnt hat, sollte aus den folgenden Zeilen hervorgehen..Ziemlich pünktlich ging das Vorprogramm los... [ Galerie ]

 

Die Jungs aus Los Angeles „The Anix“, machten richtig guten klassischen Rock und lieferten eine ordentliche Show ab. Gute 30 Minuten dauerte der Auftritt und das war ausreichend, um sich einen ersten Eindruck über die Band zu machen. In Anbetracht der musikalischen Entwicklung des Headliners war die Wahl von The Anix als Support auch recht gut getroffen, hier dürften sich im Verlauf der Tour einige neue Fans gewinnen lassen. Um kurz nach 21 Uhr waren sämtliche Umbauarbeiten abgeschlossen und so eilten zunächst Geir, Angel und Fredrik auf ihre Plätze, bevor sich Stephan hinter seinem Mikro positionierte. Der Opener des aktuellen Album war auch gleichzeitig der Start in diesen vielsprechenden Gig. Das in LED Technik gestaltete Backlight zeigte die wesentlichen Schlagworte bei „Weight Of The World“ „Pleased to meet you Mainz“ an und so schlug der Song auch gleich wie eine Bombe ein und von „Deceit, Defeat oder Retreat“ war keine Spur. Apoptygma Berzerk gingen in die Offensive und nutzten die erzeugte gute Stimmung im Publikum aus, um mit „Apollo (Live On Your TV)“ noch etwas mehr zu puschen.

 

Bei dem darauf folgenden „Eclipse“ war Mainz gänzlich dem Charme und der Power der Band erlegen, das mit round about 500 Fans prall gefüllte KUZ war sichtlich in bester Partylaune, alle Hände waren oben und mindestens die Hälfte versuchte den Refrain mitzusingen. Dieses Niveau konnten Apop zunächst mühelos aufrecht erhalten, zunächst heißt bis „Mercy Kill“! Diesem schon sehr ruhigen Song folgte dann das noch ein paar Takte langsamere „Lost in Translation“ mit dem das Publikum dann wohl eher zum Träumen statt zum Tanzen animiert wurde, aber auch wenn es der bis dahin guten Party einen kleinen Rückschlag versetzt hat, war es sehr schön! (Stephan hat den Song mit dem Hinweis angekündigt, dass es der Lieblingssong eines kleinen Jungen im Alter von 6 oder 7 Jahre wäre, der ihn sich wohl gewünscht hat) Stephan und Geir kokettierten aber gekonnt mit dem Publikum und durch regelmäßige Interaktionen konnten Apop das etwas lethargische Volk mit „Deep Red“ wieder für sich gewinnen. Die Bühne war bei „Deep Red“ vortrefflich in rotes Licht gesetzt und so stürmten Apop wieder mit dem wieder erwachten Publikum ins letzte Drittel, es folgten unter anderem noch der Überhit aus dem Album 7 „Love Never Dies“ und „Until The End Of The World“ bevor es wieder etwas melancholischer wurde. „Butterfly Defect“ ist ein wirklich großartiger Song, der dank modernster Technik hier auch wunderbar in Szene gesetzt wurde, (auch wenn die Stewardessen gefehlt haben) und es ist eben kein Partyknaller. Ich hatte das Gefühl, dass somit erneut ein kleines Loch entstanden ist und das war für mich auch so eine klitzekleiner Kritikpunkt an der Setlist. Das vom aktuellen Album zwei in meinen Ohren sehr wichtige Songs gefehlt haben, „Incompatible“ und „Pitch Black“!

 

Die beiden Songs haben ganz klar gefehlt und hätten sicherlich die Feierlaune durchweg aufrecht erhalten. Aber gut es ist sicher immer sehr schwierig bei einem umfangreichen Repertoire, die wichtigsten Songs zu filtern und mit 15 Songs war das Hauptprogramm schon sehr gut gewählt. Nicht fehlen durfte natürlich Kathy´s Song, der aber komischerweise auch nicht ganz von selbst lief und erst nachdem Stephan die Hände forderte, entsprechend gelebt wurde, dafür rundete „Shine On“ das Hauptprogramm perfekt ab und wurde gebührend gefeiert. Die Mainzer wollten klar nach diesem Finale noch ein bisserl mehr sehen und hören und so gab es zunächst die obligatorischen Zugaberufe, bis Stephan in frischem Pitchblack T-Shirt erneut zum Publikum sprach und nachfragte ob es New Order Fans im Publikum gibt um dann gemeinsam mit Geir, ganz ohne Gitarrist Angel und Schlagzeuger Fredrik, dieses schöne „Bizarre Love Triangle“ zu präsentieren, was in meinen Augen eine sensationelle Darbietung war. Die Show ging mit „Starsign“ weiter und hier tobten sich alle noch einmal richtig aus, bevor mit „Mourn Mesh“ dem Abend ein fulminantes Ende bereitet wurde.

 

Die charismatischen Berzerker verabschiedeten sich mit dem Hinweis, dass die Party im nahe gelegenen Rock Cafe Chilli Peppers weitergeht um dort gemeinsam mit The Anix noch den Abend ausklingen zu lassen. Sicher haben Apotygma Berzerk erneut bewiesen, dass sie wirklich eine tolle Live-Band sind, denn das Zusammenspiel zwischen Stephan, Angel, Geir und Fredrik funktioniert einfach gut, doch in meinen Augen funktionierte es im November 2005 schon einmal etwas besser in Mainz.

 
Text: .Oliver Loscher
Bilder: .Sandro Griesbach