V Amphi Festival - [ Köln, 18.07. & 19.07.2009 ]
 

Eine Menge Top-Bands, viele nette Menschen und wieder Erwarten sogar einigermaßen gnädiges Wetter erwartete die pro Tag rund 13 000 Geburtstagsgäste des Amphi Festivals 2009. Als Moderator führte auch in diesem Jahr Honey von Welle:Erdball durch das Programm. Zum fünften Mal lockte das Orkus Open Air zahlreiche dunkle und weniger dunkle Musiksüchtige nach Köln und anlässlich des Jubiläums gab es dieses Mal besonders hübsche Bändchen mit hellblauer, glitzernder Schrift. Noch eine Neuheit sollte die Besucher erwarten: anders als in den vergangenen Jahren, fanden die Indoor-Konzerte in der Rheinparkhalle statt und nicht im Theater – dort gab es Filme und CD-Vorstellungen zu sehen und zu hören. Allerdings sollte sich im Laufe des Samstags zeigen, dass eine Band der Rheinparkhalle wohl ein bisschen zu sehr zusetzte. Hierzu aber später mehr, denn zunächst ging es planmäßig und gut gelaunt um 12 Uhr mittags auf der Mainstage los. [ NS ] _[ Bildgalerie Samstag ]

 

Samstag: Die wundervolle Aufgabe, das Amphi auf der Mainstage zu eröffnen, hatten COPPELIUS, die nach eigenen Angaben schon über 200 Jahre alt sind. So verwunderte es nicht, dass die sechs Herren in älteren Outfits, sprich mit Gehrock und Zylinder bekleidet, die Bühne enterten. Doch zunächst betrat Butler Bastille im schwarzen Frack allein die Bühne und drehte ein wenig am Regler eines alten Radios herum, bis er schließlich den richtigen Sender gefunden hatte und die Show somit beginnen konnte. Nur Sekunden später nahmen dann auch Max Coppella, Comte Caspar, Graf Lindorf, Sissy Voss und Nobusama ihre Plätze auf der Amphi-Bühne ein. Sogleich legten die „alten“ Herren dann mit ihrer oftmals durch Iron Maiden beeinflussten Musik los. „Wir sind stolz heute hier sein zu dürfen!“, rief Bastille ins Mikro. Er wechselte sich im Gesang stetig mit den Kollegen ab. Dabei überzeugten COPPELIUS mit englischen sowie auch deutschen Texten. Mit von der Partie war u. a. der Song „Schöne Augen“ vom aktuellen Album der Berliner Band. Der Gig hat in jedem Fall gerockt und auch das ein oder andere Bangen war nicht ausgeblieben. [ LS ]

 

In der neuen Location der Rheinparkhalle wurde das Festival um 12:30 Uhr von AUTO-AUTO eingeleitet. An zwei Getränkeständen in der Halle konnte man sich vorher noch gut mit Bier und Cola versorgen und ausreichend Platz gab es auch, sodass sich das „Zuhören-und-Trinken“-Publikum vor dem tanzenden in Sicherheit bringen konnte. Das schwedische Trio von AUTO-AUTO, das Mitte März schon mit Combichrist auf Tour war, durfte die erwartungsvollen Besucher mit seinem melodischen und abwechslungsreichen Electropop aufwärmen und in Stimmung bringen. Mit dem Knaller „Backstabber“ eröffneten die drei ihr Set und legten an den Keyboards mit vollem Körpereinsatz los. Sänger Erik Frenkel hatte neben dem stimmlichen Part auch hin und wieder am dritten Keyboard zu tun, an das er öfter mal wechselte. Zu meiner persönlichen Freude gab es auch den Ohrwurm „Toadboy“ zu hören sowie weitere Songs vom Album „Celeste“ und sogar ein ganz frisches. Wenn auch nicht ganz soviel Bewegung in der gut gefüllten Halle war, war die Stimmung doch gut und AUTO-AUTO heimsten bei ihrer Amphi-Premiere genug Applaus ein. [ NS ]

 

Um zehn vor eins am Samstag waren am Kölner Himmel einmal keine Regenwolken in Sicht. Die Fans von MANTUS, die sich schon jetzt zahlreich vor der Hauptbühne versammelt hatten, dürfte es gefreut haben, dass sie trocken blieben und einen schönen Auftritt genießen konnten. Sängerin Thalia überzeugte mit ihrer atemberaubenden Stimme, die sehr gut mit der rauen Stimme von Martin harmonierte. Melancholische Melodien und etwas härtere Klänge der Gothic Rocker brachten das Publikum zum Jubeln und Klatschen, sodass man von einem durchaus gelungenen Auftritt sprechen kann, auch wenn der Sound bei den ersten Bands leider noch nicht völlig überzeugen konnte. MANTUS boten sowohl ältere als auch neue Songs vom aktuellen Album „Requiem“ und ließen somit sicher keine Wünsche offen. Die überwiegend deutschen Texte handeln vorrangig von Liebe, Tod und Unsterblichkeit, wie es sich auch im präsentierten Opener „Untergang“ aus dem aktuellen Album zeigte. Die Fans konnten gerade bei diesem Song bereits jede Zeile mitsingen und boten der Band so eine sehr schöne Resonanz auf ihren 40minütigen Auftritt. [ MK ]

 

Um 13:45 Uhr betraten SOLAR FAKE die große Bühne, um einige Songs aus Sven Friedrichs Debutalbum „Broken Grid“ zu präsentieren. Die elektronischen Klänge schienen beim Publikum regen Anklang zu finden und so unterstützte die Menge bereits beim Opener begeistert, den von Zeraphine bekannten Sänger und seinen Mitstreiter an den Synthesizern durch begeistertes Klatschen. Die Freude darüber, dass sein elektronisches Solo-Projekt für Stimmung beim Publikum sorgte, stand dem bis über beide Ohren strahlenden Sven Friedrich regelrecht ins Gesicht geschrieben. Bei der Coverversion von Radioheads „Creep“ wurde es dann sogar noch etwas besinnlich. Obwohl es während des Auftrittes etwas regnete (aber zum Glück verfügt der Tanzbrunnen ja über direkte Unterstellmöglichkeiten vor der Bühne, so das man noch etwas näher zusammen rutschte), ließ sich das Publikum so von den beiden in den Bann ziehen, dass am Ende, als SOLAR FAKE die Bühne um 14:25 Uhr verlassen mussten, sogar vereinzelte Zugabe-Rufe erklangen, denen aber leider aufgrund der begrenzten Spielzeit nicht nachgegeben werden konnte. [ KT ]

 

Um kurz vor halb drei füllte sich die neue Indoor-Location Rheinparkhalle merklich. An den Bühnenbannern sah man auch schon, dass gleich XOTOX die Herzen der Electronahkampffans höher schlagen lassen werden. Umjubelt betrat Andreas Davids mit üblicher weiblicher Livebegleitung die Bühne, fragte die Fans „Wollt ihr Krach?“, was lautstark bestätigt wurde und die ersten harten Beats erklangen. Direkt bebte die Halle und feierte bei Hits wie „Ewig“, „In den zehn morgen“ oder „Eisenkiller“. Durch die tanzende Meute wurde es schnell sehr eng und heiß in der Halle, deshalb tanzte man ohne Verluste einfach direkt mit oder flüchtete sich etwas weiter nach hinten, um durch zu schnaufen. Als Highlights kamen auch bei diesem Auftritt wieder ein Suchscheinwerfer, der gen tanzende Masse gehalten wurde, sowie eine Trommel, aus der bei jedem Schlag kleine Rauchkringel über das Publikum flogen, zum Einsatz. Als besonderes Schmankerl hatten XOTOX noch eine Livepremiere dabei, über die sich alle Anwesenden sichtlich freuten und noch lauter jubelten als beim kompletten 40minütigen Auftritt, der leider viel zu schnell zu Ende ging. [ MK ]

 

Gegen 15 Uhr füllte sich der Platz vor der Mainstage allmählich mehr und mehr, um einem der diesjährigen Highlights zu lauschen: THE BIRTHDAY MASSACRE eroberten die Bühne, um den Tanzbrunnen so richtig wach zu rocken. Offenbar waren nicht nur die Fans scharf darauf, die energischen sechs Kanadier zu sehen, sondern auch eine Menge Fotografen, was wohl zu einigem Gedränge im Fotograben führte. Verständlich, schließlich will man sich die hübsche und quirlige Chibi ja nicht entgehen lassen. Mit „Red Stars“ gab es auch gleich gut was auf die Ohren; immerhin eignet sich der Song mit Chibis zauberhaften Stimme und den harten Basseinlagen sowohl zum Träumen als auch zum Headbangen, wenn man denn will. Bei fast jedem Lied hüpften auf der Bühne alle bis auf den Schlagzeuger ausgiebig im Takt und kamen trotzdem nicht außer Puste. Da gab es auch mal einen coolen Rockstar-Gitarren-Sprung zu sehen und weder Chibi noch ihre Crew hielt es lange auf einer Stelle. Auch bei Hits wie „Goodnight“ und „Weekend“ mussten THE BIRTHDAY MASSACRE die euphorischen Festivalbesucher kaum zum Mitklatschen animieren, was auch von alleine bestens funktionierte. Ein Höhepunkt des Auftritts war sicher „Looking Glass“, wohl einer der emotionalsten Songs der Band, der nicht mit weniger Emotion auf der Amphi-Bühne performt wurde. Es war definitiv schön anzusehen und anzuhören, wie THE BIRTHDAY MASSACRE die etwa 45 minütige Show auch selbst genossen und in der Festivalstimmung aufblühten, sodass es kaum verwunderlich war, dass die Zeit viel zu schnell vorbeiging und die sechs nur schweren Herzens gehen gelassen wurden, damit die Mainstage für Eisbrecher bereit gemacht werden konnte. [ NS ]

 

Im Anschluss an XOTOX war für den Nachmittag in der Rheinparkhalle Andy LaPleguas Sideproject SCANDY angekündigt und lockte einige Interessierte weg von der Hauptbühne, auf der gerade noch THE BIRTHDAY MASSACRE zugange waren, hinein in die Halle. Jedoch blieb der große Ansturm aus so das dass Auditorium leider nicht einmal zur Hälfte gefüllt war. Dadruch war zumindest genug Platz, um sich die Bühnenshow anzuschauen und ausgiebig zu die Hüften zu schwingen. Wer Rampensau Andy LaPlegua kennt, erwartet selbstverständlich auch wieder eine energiegeladene Show. Doch diese Erwartungen wurden diesmal leider nicht erfüllt. Der Sound war für eine Indoor-Location zwar sehr gut und die elektronische Tanzmusik animierte auch zum Tanzen, jedoch gab es auf der Bühne nichts, bzw nicht viel zu sehen, außer einem ganz schlichten Andy in weißem Polohemd vor seinem Laptop, an dem er ein paar Mal ein paar Knöpfchen drückte. Sonst passierte leider nicht viel und so zog sich der Auftritt etwas arg in die Länge, auch wenn er, wie bei den meisten Bands bereits nach einer knappen Dreiviertelstunde wieder endete. Vielleicht wollte sich der Herr LaPlegua seine Kräfte auch für den Auftritt seines anderen Sideprojects PANZER AG für den Amphi-Sonntag aufsparen und ließ es deshalb etwas ruhiger angehen. Was dennoch schön anzusehen war, war die gut durchdachte Lightshow, die gerade in dieser großen, dunklen Halle besonders gut zur Geltung kam. Dennoch hätte man sich ein wenig mehr Kommunikation und Action mit dem Publikum gewünscht, was noch etwas mehr Appetit auf den PANZER AG Auftritt am Folgetag gemacht hätte, so bleibt SCANDY wohl eher ein Projekt für die Clubs. [ MK ]

 

Hätte man das gedacht? EISBRECHER haben doch tatsächlich beim Kickern gegen Honey verloren, dies gab dieser bei seiner Ansage vor der sehr gut geüllten Haupbühne bekannt. Dass sie aber in musikalischen Dingen keine Verlierer sind, bewiesen Checker (DMAX) Alexx und seine Jungs als sie mit „Kann denn Liebe Sünde sein“ die outdor Bühne betraten und das Publikum vom ersten Takt an in Stimmung versetzten. Auch den Regen, der zu Beginn noch in Strömen vom Himmel fiel, konnten EISBRECHER vertreiben. Oder lag die Ursache für das Aufklaren des Himmels eher daran, dass „alle aufgegessen haben, sich zum Geburtstag gratuliert haben und die Männer nach dem Sex nicht eingepennt sind“, wie Alexx vermutete? Für „This Is Deutsch“ wechselte der Sänger sein Outfit und rockte die Menge mit bayrischem Hut und dazu passender Wildlederweste. Da diese den Blick auf seinen Oberkörper freigab, stellte der Sänger fest: „Wird wohl Zeit, dass ich endlich in Rente gehe. Wie lang soll ich meinen Bauch noch einziehen?“ Vor dem letzten Stück gab es noch eine Erfrischung mit einer Flasche Jack Daniels für Alexx, woraufhin dieser feststellte, dass Saufen schön macht. „Zumindest die Anderen.“ Zum Abschluss verlangten EISBRECHER mit „Miststück“ dem Publikum noch einmal Höchstleistungen ab. So forderte Alexx stimmgewaltige Unterstützung von der Menge und sprang letztendlich sogar in den Fotograben, um einzelne Personen mit singen zu lassen. Dieser volle Einsatz wurde ihnen mit vielen Zugabe-Rufen gedankt. EISBRECHER haben mit diesem Auftritt auf jeden Fall gezeigt, dass sie wohl doch eher zu den Gewinnern und eben nicht den Verlierern gehören. [ KT ]

 

Schon einige Zeit, bevor der nächste Act dem Publikum draußen einheizte, deutete eine Fahne in den vordersten Reihen der Zuschauer darauf hin, welcher Künstler im Folgenden die Bühnenbretter betreten würde: LEÆTHER STRIP. Von Moderator Honey als „eines der Highlights“ des diesjährigen Amphi Festivals angekündigt, versetzte Claus Larsen die anwesende Menge mit vollem Körpereinsatz in Partystimmung. Nachdem er sich zu Beginn höflich für den Support während der letzten 20 Jahre bedankte, bewies er in den nächsten 60 Minuten seines Auftrittes, dass auch ein einzelner Künstler in der Lage ist, ein Festival zu rocken, auch wenn sich Herr Larsen etwas auf der überdimensionalen Bühne verlierte. Gedankt wurde es ihm mit einer Jacke, die plötzlich aus dem Publikum auf die Bühne flog und gleich von Larsen aufgehoben wurde und die er sich über seinen Kopf legte. Lieferte sie doch eine willkommene Gelegenheit, sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Auch das Publikum dürfte, trotz des bescheidenen Wetters, ordentlich geschwitzt haben, denn die Stimmung in der Menge kochte recht schnell hoch, so dass sich sogar ein Moshpit bildete und es beinahe überflüssig war, dass der Künstler das Publikum zum Klatschen animierte, bevor er seinen „First Song Ever“ spielte. Dieser wurde ebenfalls sehr frenetisch aufgenommen und Larsen musste eingestehen: „I can’t believe this.“ Leider blieb dennoch ein großer Teil seiner weiteren Ansagen unverständlich, da die Effekte auf dem Mikrofon die Stimme doch zu sehr verzerrten, aber Musik sagt schließlich mehr als 1000 Worte. Sicher wären LEÆTHER STRIP indor noch besser, rübergekommen, zumindest hätte es doch besser zur Musik gepasst. [ KT ]

 

Nachdem die dänische Elektrolegende LEÆTHER STRIP die Bühne verlassen hatte, folgten mit COVENANT die nächsten Helden der elektronischen Musik. Schon im letzten Jahr begeisterte die Band die Massen in Köln und auch in diesem Jahr erschien Sänger Eskil Simonsson in seinem eleganten, weißen Sommeranzug. Er wirkte sichtlich begeistert vom freundlichen Empfang am Tanzbrunnen und die Band hatte ihren Fans einige neue Song vom hoffentlich bald erscheinenden neuen Album „Modern Ruin“ mitgebracht, darunter u.a. „Come“ und „If I Could Give My Soul“. Doch auch die alten Hits wie: „20Hz“, „Bullet“ oder „Ritual Noise“ durften natrülich in einem guten COVENANT Set nicht fehlen. Ein besonderes Highlight für mich war der leider sehr selten gespielte Song „Speed“. Die charismatische Art der drei Musiker und die immer wieder beeindruckende Stimme von Eskil faszinierten die Zuschauer, die ausgelassen zu den Klängen von COVENANT feierten. Nach knapp siebzig Minuten und dreizehn Liedern war der gelungene Auftritt des Trios leider viel zu schnell vorbei. [ CT ]

 

Als die drei Berliner Jungs von AGONOIZE für halb sieben in der Rheinparkhalle angekündigt waren, machten wir uns schon früh auf den Weg, um einen guten Platz zu erwischen, was sich jedoch selbst eine halbe Stunde vor Beginn schon als schwierig gestaltete, denn die Halle platzte aus allen Nähten. Auf der Bühne war ein überdimensionales Kreuz aufgebaut, das durch wechselnde LEDs in rot, blau und grün beleuchtet wurde. Schließlich betraten Olli und Mike, dicht gefolgt von Chris, welcher mit einer Kapuze verhüllt auf die Bühne geführt wurde die Rheinparkhalle. Bereits nach den ersten Klängen von "Legion" hielt kaum noch jemand die Füße still und als „Schaufensterpuppenarsch“ erklang, sangen die Fans lauthals mit. Als Vorgeschmack auf das neue Album, welches am 20. August diesen Jahres erscheint, gaben AGONOIZE mit "Bis das Blut gefriert" auch einen neuen Song zum Besten und mit "Pornomagcenterfold" wurde ein live wirklich rar gespielter Song präsentiert. Ein kleines technisches Problem während der Show konnte auch schnell behoben werden, sodass es den Auftritt der Band kaum beeinflusste. Mit dabei waren auch beim diesjährigen Amphi Festival die Coverversionen von „Fight For Your Right To Party“ und der KISS Klassiker „I Was Made For Loving You“, bei denen alle geschlossen mitgröhlten und die Stimmung so ihren Höhepunkt erreichte. Natürlich floss standesgemäß bei „D.M.K.“ viel Blut. Dies erfreute alle, die daran teilhaben durften, sowie auch all diejenigen, die sich noch rechtzeitig ins Trockene bringen konnten und von Körperflüssigkeiten jeglicher Art verschont blieben, auch wenn das, genau wie der letzte Song im Set "Koprolalie" ja nun wirklich zu einem gelungenen AGONOIZE Auftritt gehört. [ MK ]

 

Samstag, 20.00Uhr, Rheinparkhalle. Der vorletzte Act für diesen Abend in der Halle stand an – später sollte sich herausstellen, dass es der letzte für das diesjährige Amphi sein würde. Denn an der Reihe waren nun die Krachmacher von FEINDFLUG, bekannt für laute, ohrenbetäubende Industrialsounds und teilweise provokante Textpassagen. Bereits beim WGT hatten sie die Agra-Halle zum Brennen gebracht und hier taten sie es nicht weniger. Gleich zu Beginn wurde die rhythmisch-stampfende Musik von greller und hektisch wechselnder Bühnenbeleuchtung unterstützt, sodass man gerade von hinten mehr oder weniger nur Umrisse davon erkannte, was sich denn auf der Bühne abspielte. Da man aber bei FEINDFLUG glücklicherweise weniger sehen als hören muss, bewegte sich die Masse zu den dröhnenden, destruktiven Sounds und ließ die Halle beben – anscheinend zu sehr. Denn die Band kam nicht dazu, ihren Auftritt zu beenden, da sich ein Stück Putz von der Decke gelöst hatte (etwa 2 m²) und auf die Bühne gestürzt war. Zu sehen war das von den hinteren Reihen nicht und es hieß auch nur, der Auftritt müsse aus technischen Gründen abgebrochen werden. Später stellte sich aber heraus, was passiert war, dass niemand verletzt wurde und dass die weiteren in der Halle geplanten Konzerte ins Theater verlegt wurden. Das führte natürlich zu einigen kleineren Verzögerungen, ging aber im Großen und Ganzen reibungslos vonstatten und ermöglichte es später, dass der Auftritt von LAIBACH stattfinden konnte. Also an dieser Stelle ein großes Lob an alle, die dieses kurzfristige Umplanen und Umräumen möglich machten. Tja, FEINDFLUG haben sprichwörtlich auf den Putz gehauen, wie Honey am nächsten Tag in seiner Moderation witzelte. [ NS ]

 

Als Headliner am Samstagabend konnte man eine wahre Größe der Gothic-Szene für die Kölner Mainstage am Tanzbrunnen verpflichten: FIELDS OF THE NEPHILIM. Dem Ausnahmestatus Carl McCoys und seinen Mannen gebührend, ließ sich Moderator Honey was ganz Besonderes einfallen: Er erlaubte einem Anhänger der Band, die Engländer anzukündigen. Nach dem Instrumentalstück „Shroud“ als Intro betrat McCoy die in dichte Nebenschwaden gehüllte Bühne und läutete damit mystische 80 Minuten ein. Obwohl FIELDS OF THE NEPHILIM Kultstatus in der Szene haben, tummelte sich bei ihrem Auftritt weniger Publikum vor der Mainstage als noch zuvor bei COVENANT. Ins Auge stachen einige Hardcore-Anhänger der Formation. Besondere Aufmerksamkeit zog eine Person auf sich, die auf den Schultern anderer Personen stehend, im typischen Carl-McCoy-Style über dem Publikum thronte und einen Plüsch-Nemo-Fisch schwenkte, was irgendwie lustig wirkte. Auch Crowd-Surfer ließen sich vereinzelt beobachten. Auf der Bühne herrschte dagegen weit weniger Action. So verzichtete man gänzlich auf Ansagen. Nichtsdestotrotz wurden FIELDS OF THE NEPHILIM, als sie nach 55 Minuten Spielzeit die Bühne verließen, unter lautem Beifall wieder zurückgefordert und spielten zwei Zugaben. Als sie wiederum von der Bühne verschwanden, versuchten ihre Anhänger erneut sie wieder herauszurufen, diesmal aber vergeblich. Schließlich muss auch der Auftritt eines Headliners irgendwann einmal enden. Setlist: 01. Shroud, 02. Straight To The Light, 03. Preacher Man, 04. Trees Come Down, 05. Love Under Will, 06. From The Fire, 07. Penetration, 08. Watchman, 09. Moonchild, 10. Psychonaut; Zugaben: Wake World (Zoon Part 3), Last Exit For The Lost. [ KT ]

 

Obwohl es nach der Panne in der Rheinparkhalle noch in den Sternen stand, ob LAIBACH überhaupt auftreten würden, setzte man doch alle Hebel in Bewegung, um das Theater konzerttauglich umzubauen, sodass der Auftritt der Slowenen nicht abgesagt werden musste. Ursprünglich für 21:20 Uhr angesetzt, wurden LAIBACH dann für 23 Uhr angekündigt, wobei sich der Beginn dann doch bis 0 Uhr herauszögerte und man im Gedränge vor dem Theater Klaustrophobie bekommen konnte. Dementsprechend voll war der Innenraum dann auch, immerhin sieht man die experimentierfreudige Band mit ihren anrüchigen Texten und Anspielungen ja nicht allzu oft. Mutig und offensiv ging es auch erstmal mit der deutschen Nationalhymne und anschließend der Hymne der Vereinigten Staaten vom „Volk“-Album los, natürlich in der gewohnt eigensinnigen Interpretation der musikalischen Repräsentanten der „Neuen Slowenischen Kunst“. Neben der Klangcollage, die die Ohren verwöhnte und die Füße nicht stillstehen ließ, gab es auch visuelle Untermalungen auf der Leinwand hinter den Musikern. Mit seiner rauen, tiefen Stimme hatte es Sänger Milan Fras nicht schwer, die Festivalbesucher in seinen Bann zu ziehen, nicht zuletzt auch wegen seiner zuweilen düsteren Ausstrahlung. Neben solchen eher zum stillen Lauschen geeigneten Klängen gaben LAIBACH auch das recht hektische und finstere „Alle gegen alle“ zum besten und selbstredend mussten die Slowenen natürlich auch zum Tanz laden und so kam mit „Tanz mit Laibach“ endlich richtig Bewegung in die überfüllte aber dennoch gemütliche Halle. Viele glückliche Fans waren überfroh, dass der Auftritt – wenn auch mit Verspätung – stattfinden konnte und die Nacht so ein gutes Ende fand. [ NS ]

 

Sonntag: Zur für Einige wohl noch recht frühen Morgenstunde betraten MONO INC. am Sonntag, bereits fünf Minuten früher als geplant, um 11:55 die Mainstage des Amphi Festivals. Obwohl man noch viele verschlafene Gesichter vor der Bühne entdecken konnte, schafften sie es recht schnell, die noch müden Gemüter aufzuwecken und für eine ausgelassene Stimmung zu sorgen. So ließ der selbst sehr agile Sänger Martin Engler das Publikum ordentlich mitklatschen und animierte es sogar zum selber Singen. Als er feststellen musste, dass viele Anwesende nicht sonderlich textsicher waren, half er diesen natürlich, indem er ihnen den Text, den sie singen sollten, vorsagte. Als letzten Song wählte man die aktuelle Single „Get Some Sleep“ vom neuen Album. Spätestens bei diesem Stück feierte die Menge die Jungs auf der Bühne, sodass sich viele wohl eine längere Spielzeit gewünscht hätten, als MONO INC. nach 30 Minuten um 12:25 Uhr die Bretter verließen. Im Herbst wird die Band dann mit ASP auf Tour sein, welche man nicht verpassen sollte. [ KT ]_Bildgalerien Sonntag folgen!!!

 

Kurz vor 13 Uhr war es bei strahlendem Sonnenschein Zeit für das nächste Konzert. Was wäre ein Festival ohne mindestens einen Auftritt von Andy LaPlegua? Samstags heizte er bereits mit seinem DJ-Projekt SCANDY die Rheinparkhalle auf, sonntags sollte es härter zugehen, nämlich mit PANZER AG. Nach kurzem Intro legte der Frauenschwarm mit Keyboarderin und Schlagzeuger und „Paper Angels“ los. Wie bei seinen Shows mit Combichrist ließ er es sich auch mit PANZER AG nicht nehmen, wild über die Bühne zu stampfen und nicht nur die Mädels in den ersten Reihen anzusingen. Was beim ersten Titel negativ auffiel, war das zu laut gestellte Mikro der Keyboarderin, die auch für einige Background Vocals zuständig war, was dann doch etwas weh tat. Der ansonsten bombige Sound ließ keine Wünsche offen und auch die etwas langsamere Nummer „Sick Is The One Who Adores Me“ kam gut an. Natürlich machte Andy auch an der Gitarre eine gute Figur und besonders bei der harten Nummer „Bereit“ war er ein Augenschmaus, als er wie von der Tarantel gestochen quer über die Bühne rockte und die Saiten bearbeitete. [ NS ]

 

Am Sonntagmittag wurden nach den elektronischen Klängen von Panzer AG die etwas härteren metallischen Töne angeschlagen. Dafür sorgten DELAIN aus Holland, die gegen halb zwei die Mainstage eroberten. Die wunderschöne Frontfrau Charlotte Wessels konnte mit ihrer klaren Gesangsstimme voll überzeugen und die Grunts von Gitarrist Ronald Landa waren wie das Salz in der Suppe und werteten die Songs nochmal auf. Es wirkte wie eine moderne und harte Neuauflage von „Die Schöne und das Biest“ und riss das leider nicht wirklich zahlreich versammelte Publikum in seinen Bann. Es wurde vor der Bühne geheadbangt und geklatscht. DELAIN trumpften mit Songs wie „Stay Forever“, „Go Away“ und „Nothing Left“ aus dem aktuellen Album „April Rain“, das im März diesen Jahres in den Plattenläden erschien, auf und waren sichtlich froh, zum vierten Mal in Köln auf der Bühne zu stehen und nach eigenen Aussagen sogar einige bekannte Gesichter wiedererkennen zu dürfen. Das Wetter hielt sich den gesamten Auftritt und die Fans blieben trocken, auch wenn dies am Vormittag vor Festivalbeginn noch gar nicht so klar war. [ MK ]

 

Schon beim Soundcheck zeichneten sich Probleme ab und sorgten dafür, dass JESUS ON EXTASY die Bühne mit zehnminütiger Verspätung des Theaters betraten. Auch bei den ersten Songs „Beloved Enemy“ und „Nuclear Bitch“ machten sich noch einige Störungen im Sound bemerkbar, aber davon ließen sich Frontmann Dorian Deveraux und seine Band nicht beeindrucken und lieferten eine energiegeladene Show, sodass Gitarrist Chai irgendwann prüfend zur Decke schaute und in Anspielung auf den Auftritt von Feindflug am Vortag feststellte: „Das Dach hält noch!“ Trotz allem war das Publikum bei dem Auftritt von JESUS ON EXTASY eher reserviert und lediglich bei „Direct Injection“ und „Assassinate Me“ kam wirklich richtige Stimmung auf. Somit wies der Sänger die Menge, als diese ohne seine Unterstützung singen sollte, auch darauf hin: „Bullshit! Ihr seid mehr als zwölf!“ Bei dem letzten Stück „Lies“ stellte Dorian noch die neue Besetzung mit Dino an den Drums vor, bevor JESUS ON EXTASY nach 50-minütiger Spielzeit etwas frustriert die Kölner Bühne verließen. [ KT ]

 

Als DIORAMA um kurz vor drei Uhr die große Bühne betraten, zogen langsam sehr dunkle Wolken am Himmel in Richtung Festival Gelände, was die gut besuchte Mainstage jedoch keineswegs in Missstimmung brachte, denn die Herren eröffneten mit „Kein Mord“ ihr bombastisches Set und vertrieben mit geballter Energie das herannahende Unwetter. Torben bestach mit seinem Charme das frenetisch feiernde Publikum und mit seiner göttlichen Stimme verlieh er jedem Song eine ganz besondere Tiefe. Unter vollem schweißtreibendem Einsatz beherrschte er die Frontstage und kokettierte fortwährend mit seinen nicht nur weiblichen Fans. Auch auf die Unterstützung seiner Band konnte Torben zählen, denn diese war schlichtweg sensationell. Während Felix und Marquess voller Enthusiasmus in ihren aus Stahlrohr gefertigten Rahmen die Tasten und Drums bearbeiteten, zerrte Sash die Saiten vom Feinsten und kämpfte Kopf an Kopf mit Torben an vorderster Front. DIORAMA beeindruckten mit einem abwechslungsreichen Set und sorgten mit Songs wie „Why“, „The Girls“ oder „Advance“ für beste Partylaune im tanzenden, klatschenden und singendem Publikum. Neben ihren bekannten Songs präsentierten die vier mit „Acid Trip“ und „Apoclypse“ auch 2 neue sehr vielversprechende Songs aus ihrem in kürze erscheinenden Album „Cubed“. Ein wahrlich glanzvoller Auftritt der Reutlinger, welcher mit „Synthesize Me“ leider viel zu früh zu Ende ging. Doch in anbetracht des straffen Zeitplans sind Zugaben leider nur schwer realisierbar, auch wenn die vergeblichen Rufe des Publikums erst nach einer ganzen Weile verstummten. [ OL ]

 

Drei mit Grünzeug behangene Mikrofonständer deuteten bereits auf die Band hin, die gegen 16 Uhr die Theaterbühne in Beschlag nahm. OMNIA aus Holland! Eine große Zuschauermenge hatte sich in der Halle versammelt, um die Pagan-Folk-Band zu sehen. Und diese betrat dann auch endlich gut gelaunt und mit allerlei Instrumenten bewaffnet – von Drehleier, über Harfe, Low Whistle bis hin zu einem Slidgeridoo – die Bühne. Sänger und Musiker Sic begrüßte das Publikum nach dem ersten instrumentalen Stück mit einem englischen Gedicht und brachte während der Show immer wieder ein paar Pointen mit ein, die für viele Lacher sorgten. An Songs präsentierte das Quintett u. a. „Saltatio“, das sogleich der Band SALTATIO MORTIS gewidmet wurde, die zeitgleich auf der Hauptbühne spielte. Das Highlight der Show stellte der stark durch Rap beeinflusste Song „Dance Until We Die“ dar – da hatte wohl niemand auf einem Gothic- & Electrofestival mit gerechnet! [ LS ]

 

Schon ein paar Minuten früher als angekündigt eroberten die Spielleute von SALTATIO MORTIS die Mainstage des Amphi Festivals. Viele Fans hatten sich auf dem Gelände vor der Bühne versammelt und begrüßten eine gutgelaunte Meute mittelalterlich gekleideter Musiker, die einfach darauf brannten, das Publikum zu bespaßen. Während des etwa einstündigen Auftritts wechselten sich Sonne und Regen ständig wechselnd ab, was der guten Stimmung jedoch keinerlei Abbruch tat. Das Publikum tanzte, klatschte, sprang und sang gemäß dem Motto von SALTATIO MORTIS „Wer tanzt, stirbt nicht!“ eifrig mit und Alea der Bescheidene zeigte sich sichtlich erfreut über die gute Stimmung am Tanzbrunnen. Er und seine Spielleute hatten die Klassiker sowie die brandaktuelle Single „Wir sind der Wind“ vom kommenden Album „Wer Wind Sæt“, welches am 28. August erscheinen wird, mit im Gepäck. Mit Schalmei, Drehleier und Sackpfeifen wurden Hits wie „Falsche Freunde“ oder das Lied, das bei dieser Band einfach wie die Faust aufs Auge passt: „Spielmann“ in die tosende Menge herausgetragen. Anschließende Chorgesänge wollten einfach nicht abreißen, sodass dem auch noch „Zugabe“-Rufe folgten, welchen SALTATIO MORTIS natürlich nachgingen und mit „Licht und Schatten“ noch einen drauf setzten konnten, bevor sie endgültig die Bühne für HOCICO freimachen mussten. Doch auch während der Umbaupause konnte man vereinzelt noch Chorgesänge wahrnehmen, was die Spielleute hinter der Bühne sicher gefreut haben mag, denn kaum eine Band ist mit so viel Leidenschaft bei der Sache, wie diese Band aus der mittelalterlichen Metalszene. [ MK ]

 

Angekündigt als exklusive Festivalshow waren die Erwartungen an den nun folgenden Auftritt doch relativ hoch. Um 17:25 Uhr wartete man an der Hauptbühne auf das Hardfloor-Duo von HOCICO. Und bei dem sphärischen Intro zu „Starving Children“ wurden allgemein die Hälse gereckt und alle Blicke auf die Bühne gerichtet, wo zunächst nicht Erk und Racso, sondern fünf aufwändig kostümierte Gestalten heraustraten, von denen drei einen rhythmischen Tanz aufführten und zwei sich an große Trommeln begaben und den Beat des Songs unterstützten. Mit detailliert ausgeschmückter Kleidung und pompösen Federn als Kopfschmuck sollten sie wohl Azteken darstellen und so einen Teil der mexikanischen Kultur auf die deutsche Bühne bringen. Schließlich erschienen unter lauten Zurufen und Applaus endlich Racso und Erk, um das Ganze mit hämmernden Beats, verzerrtem Gesang und ein bisschen Kunstblut aufzumischen. Nach einer Weile verschwanden die kostümierten Tänzer und Drummer hinter die Bühne, kamen aber später hin und wieder für eine kleine Showeinlage zurück. Wer sich bereits die Live-CD „Tora! Tora! Tora!“ zugelegt hat, hatte ja schon einen Vorgeschmack auf die explosive Live-Stimmung der beiden Mexikaner. Weder am Sound noch an der Songauswahl gab es etwas zu bemängeln, so spielten HOCICO zum Beispiel „About A Dead“ und „Fed Up“ vom letzten Album „Memorias Atrás“, sowie das etwas melancholische aber trotzdem tanzbare Stück „Forgotten Tears“. Weil auch das Wetter gnädig war, konnte bis in die hinteren Reihen getanzt werden, was besonders bei einem der bekanntesten Songs, „Ecos“, auch ausgiebig getan wurde. Bleibt zu sagen: Electro vom Feinsten, tanzende Azteken fürs Auge – was will man mehr? [ NS ]

 

Auch der Auftritt von UNHEILIG, eines der Highlights des Festivals, begann früher als auf dem Ablaufplan angekündigt, sodass manch ein Fan sich geärgert haben mag, der zu spät erschien und den Anfang der Show verpasste. Der Graf betrat gutgelaunt und im schwarzen Anzug die Hauptbühne und gab direkt Vollgas. „Feuerengel“ entfachte sogleich das Selbige in den sehr zahlreich vertretenen Zuschauern, die jedes Wort ihrer Lieblingssongs mitsingen konnten, und zauberte ein Lächeln in die Gesichter. Auch „Lampenfieber“, „An deiner Seite“, „Maschine“ und all die anderen gefeierten Klassiker fehlten nicht im abwechslungsreichen Set des Grafs, dem es schon nach zwei Songs so warm wurde, dass er unter tosendem Applaus sein Jackett ausziehen musste. Doch auch den weiblichen Fans wurde es immer heißer, je erotischer der Graf seine Hüften im Takt kreisen ließ und eine Show vom allerfeinsten ablieferte, die jeden mitriss. Nach einigen kleineren Schauern zuvor blieb es jedoch während des gesamten Auftritts von UNHEILIG trocken vor der Hauptbühne, sodass das einzig feuchte der verschwitzte Graf auf der Bühne und einige Höschen erotisierter weiblicher Zuschauer blieben. Nachdem der Auftritt sich ja nach vorn verlagert hatte, waren UNHEILIG natürlich auch viel zu früh fertig mit ihrem Set und da die Fans eindringlich nach einer Zugabe verlangten, legten der Graf und seine Männer noch „Sage Ja“ nach, bei dem die Fans noch einmal so richtig aufdrehten und selbst der Graf sich seinen Gitarrist schnappte und mit ihm tanzte. Zu guter Letzt verabschiedeten sie sich schließlich mit „Mein Stern“ vom Amphi Festival 2009.

 

Bei der anschließenden Autogrammstunde nahm sich der Graf wieder einmal viel Zeit für die fast schon einmal quer über das Festivalgelände anstehenden Fans, durch die man sich bis zum Ausgang vorkämpfen musste. Es zeigt sich wieder einmal, dass die Nähe zu den Fans reichlich belohnt wird. [ MK ] .Eine halbe Stunde später als vorgesehen, betraten KMFDM die Bühne im Theater. Um sich für die folgenden 60 Minuten zu stärken, genehmigte sich Sänger Sascha Konietzko zunächst einen ordentlichen Schluck Jägermeister. Entsprechend kraftvoll begann die Show und bereits beim ersten Song bildete sich ein Moshpit vor der Bühne. Als die ersten Takte von „Tohuvabohu“ erklangen, rastete die Menge endgültig aus und die wahnsinnige Stimmung verbreitete sich in der gesamten Halle. Nach „Superhero No. 1“ forderte Konietzko die Leute auf, mehr Fotos zu machen und schmiss sich dafür in Pose. Selbst deutsche Songs wie „Hau Ruck“ oder „Potz Blitz“ wurden dargeboten und auch Sängerin Lucia Cifarelli gab drei Solostücke zum Besten, darunter „Bait & Switch“. Auch wenn KMFDM wissen, wie man ein Festival rockt, sind sie doch keine guten Vorbilder, rauchte der Sänger trotz entsprechenden Verbotes seine Zigaretten auf offener Bühne. Als die Band schließlich verschwand, ertönten sofort Forderungen nach einer Zugabe. KMFDM ließen sich auch nicht lange bitten und kamen schon nach kurzer Zeit wieder zurück, aber bereits nach einem weiteren Song verließ die Band endgültig das Theater. Kaum ging das Licht in der Halle an, gab es an der Absperrung zum Fotograben ein wildes Gedränge um die Setlisten, die die Security-Leute verteilten. Spätestens in diesem Moment musste jedem klar werden: KMFDM sind Kult! [ KT ]

 

Mit den Worten, dass als nächstes wahre Saurier der Szene kommen würden, kündigte Honey gegen halb neun die letzte Band auf der Mainstage an, doch die vollständige Ansage überließ er einem eingefleischten Fan aus der 1. Reihe. Und so kam Martin aus dem Publikum auf die Bühne gehechtet und machte eine richtig fette Ansage für die Urgesteine aus Brüssel. Aus dem Publikum kam sogleich der „zwei vier zwei“ Schlachtruf und unter einem fulminanten Stroboskopblitzlichtgewitter eröffneten die Herren ihren fast 80min umfassenden Gig. Jean-Luc, Richard, Daniel und Patrick haben auch nach fast 30 Jahren Musikgeschichte noch lange nichts von ihrer Power verloren. Klar hüpft der gute Erk von HOCICO etwas wilder auf der Bühne herum, aber FRONT 242 sind einfach Kult und haben hier eine fette Performance gezeigt. Natürlich bekamen wir in dieser Energie geladenen Show mit „Im Rhythmus Bleiben“, „Welcome to Paradise“, „Funkahdafi“, „No Shuffle“ oder „Quite Unusual“, fast alle Überhits zu hören, deren Einzigartigkeit man sich wohl auch noch in 10 und mehr Jahren erfreuen kann. Die Fans hatten sichtlich Freude am knackigen Set, denn die meisten Songs wurden lautstark mitgesungen und es wurde bis in die hinteren Reihen getanzt. Neben all diesen großen Perlen präsentierten FRONT 242 mit „Together“ auch wieder einen Song aus ihrem Album „Pulse“, der zwar bei weitem nicht an die Klassiker heranreichen kann, sich inzwischen aber auch etabliert hat. Nach gut einer Stunde großartiger Songs, deren Message wie gewohnt mit den hinlänglich bekannten Videos unterstützt wurde, verschwanden FRONT 242 kurz von der Bühne. Doch den sehr intensiven 242 rufen seitens der Fans, konnten sich die Headliner nicht entziehen und kehrten auf die stage zurück.

 

Als Zugabe präsentierten die Belgier ihren ersten, in deutsch gesungenen Klassiker „Kampfbereit“ vom 1. Album aus dem Jahr `82. Und zu guter Letzt gab es dann natürlich mit „Headhunter“ noch den wohl erfolgreichsten Song der Bandgeschichte. Tolle Show und glücklicherweise auch ohne Komplikationen und in voller Länge, nicht wie zuletzt 2007. [ OL ] .Zur späten Stunde betraten THE GATHERING die Bühne im Theater. Nachdem sich die Halle im Anschluss an KMFDM fast komplett leerte, hatte sie sich zu Beginn des Auftritts der Niederländer erneut gut gefüllt. Der Gig begann mit einem langen Instrumentalstück, bei dem die neue Sängerin Silje Wergeland ihr Können am Synthesizer unter Beweis stellte. Als sie schließlich zum Mikrofon griff, konnte man sie zunächst recht schlecht verstehen, da es zu leise eingestellt war. Nach drei Songs begrüßte sie dann das Publikum mit einem deutschen „Guten Abend“. Trotz lebhafter Mimik und ausladender Gestik der Frontfrau wollte nicht so recht Stimmung aufkommen, aber dennoch wollte die Sängerin von ihrem Publikum wissen: „How are you? Having a good time? Enjoying the festival?“ Im Laufe des Konzertes bekam man die Einstellung des Mikrofones auch unter Kontrolle, sodass der Gesang schließlich doch recht gut zu verstehen war. Gegen Ende des Auftritts kam schließlich auch etwas Stimmung im Publikum auf. Um 23:00 Uhr mussten THE GATHERING letztlich die Bühne verlassen. Sofort begann rhythmisches Klatschen im Publikum, mit denen die Niederländer wieder nach draußen gerufen werden sollten, aber zur Enttäuschung ihrer Anhänger durften Wergeland und der Rest der Band nicht mehr zurückkommen. [ KT ]

 

Die Abschlussvorstellung des Festivals durfte in diesem Jahr von CAMOUFLAGE im kleinen Theater des Kölner Tanzbrunnens übernommen werden, die sich ja im vergangen Jahr mit ihrer sagenhaften Live DVD wieder in alle Munde gebracht haben. Leider verzögerte sich deren Auftritt um einige Zeit, was natürlich zu fortgeschrittener Stunde sehr ärgerlich war und sicherlich auch einige Fans zur vorzeitigen Abreise brachte. Mit etwa 40 Minuten Verspätung kamen CAMOUFLAGE dann endlich auf die Bühne der gut aufgeheizten Location und eröffneten den Auftritt mit „Neighbours“. Die Songauswahl war vortrefflich und so kamen neben den bekannten großen Hits wie „Me And You“ oder eben „The Great Commandment“ auch so extrem starke Songs wie „That Smiling Face“ und das von Oli gesungene „Conversation“ zum Tragen. Marcus machte gute Stimmung, bewegte sich agil über die Bühne und brachte kurz ein paar Hintergrundinformationen zum Gig ein, der für dieses Jahr der Einzige war. Doch leider merkte sogar Marcus dem Publikum die Strapazen des Tages an und ging auch kurz darauf ein. Denn es blieb auch ihm nicht verborgen, dass trotz herausragender gesanglicher Leistung und genialer Songs, die Stimmung zwar gut war, jedoch nicht so ausgelassen gefeiert wurde. Leider waren auch wir erschöpft und haben diesen wirklich großartigen Gig vorzeitig verlassen. Das Amphi Festival in diesem Jahr hätte aufregender nicht sein können. Wer hätte schon damit gerechnet, dass FEINDFLUG in der Rheinparkhalle buchstäblich den Putz von der Decke spielen! Glücklicherweise wurde niemand verletzt als das ca. 2m² große Stück auf die Bühne fiel. Dennoch musste die weitere Nutzung der Rheinparkhalle aus Sicherheitsgründen durch den Betreiber untersagt werden.

 

Dank der schnellen und besonnenen Reaktion, sowie dem engagierten Einsatz der gesamten Veranstalter Crew, war es innerhalb kürzester Zeit möglich, die Indoor-Bühne aus der Rheinparkhalle in das Theater am Tanzbrunnen zu verlegen, wo schließlich gegen 23:45 Uhr das Konzert von LAIBACH nachgeholt wurde und auch das Indoor-Programm am Sonntag ohne Ausfälle stattfinden konnte. Auch 2010 wird es wieder ein Amphi Festival am Kölner Tanzbrunnen geben, welches dann am 24. & 25. Juli stattfinden wird. [ OL ]

 
Text: .Maike Kowalle [ MK ], Nadine Schmitt [ NS ], Lea Sommerhäuser [ LS ], Kerstin Tschöpe [ KT ], Carsten Terres [ CT ], Oliver Loscher [ OL ]
Bilder: .Carsten Terres, Sandro Griesbach, Thomas Nattermann, Daniela Vorndran
Lektorat: .Janina Blum