9 .Mera Luna .Festival.-..[ -Hildesheim, 09./10. August 2008- ]
 

Wie bereits in den vergangenen acht Jahren, pendelten auch dieses Jahr am zweiten Augustwochenende tausende von schwarz gekleideten Freunde elektronischer, respektive dunkler Klangkunst in das niedersächsische Städtchen Hildesheim. Der Anlass dürfte wohl zwischenzeitlich jedem bekannt sein, war das vom Szene Magazin Sonic Seducer und FKP Scorpio Konzertproduktionen veranstaltete Mera Luna Festival auf dem sonst als Flugplatz genutzten Gelände, in dem Ortsteil Drispenstedt.

 

Mit 69,-€ inklusive obligatorischem Müllpfand bleibt der Preis seit einigen Jahren konstant. Die Besucherzahlen nehmen jedoch stetig zu, wie es scheint. Mit insgesamt 23000 Besuchern, konnte man den Besucheransturm im Gegensatz zum letzten Jahr um einiges toppen und auch aus verschiedensten Besucherberichten konnte man entnehmen, dass bereits am späten Freitagnachmittag schon kaum mehr ein freier Platz für ein Zelt auf dem Campinggelände zu finden war und es deshalb sehr kuschelig wurde. Wer also erst am Samstag anreiste, hatte es schwer, noch einen einigermaßen guten Platz zu ergattern. Der Stimmung tat diese Tatsache jedoch offensichtlich keinen Abbruch. So machten sich viele diesen Umstand zu eigen und knüpften neue Bekanntschaften, mit denen sie das Festivalwochenende ordentlich feiern konnten. In diesem Jahr gab es auch einige Neuerungen auf dem Mera Luna. Zum Einen fiel einem direkt der aufgeschüttete „Sandstrand“ auf, der sich phasenweise über das Gelände zog, zum Anderen gab es ein Mittelalterliches Treiben vor den Toren des Geländes, aus dem es ab und an schön anzusehende Gestalten, zum Teil auf Stelzen, über das Festivalgelände trieb. Die Getränke und Essenspreise waren moderat, wenn auch höher als man es gewohnt ist, aber die immense Auswahl an kulinarischen Ergüssen entschädigte für alles. Das Festivalgelände an sich hatte eine gute Aufteilung, so gab es die Area, die fürs leibliche Wohl sorgte, dann die Einkaufsstraße, ein Zelt indem man genussvoll Shisha rauchen konnte und viele Sitzgelegenheiten, teils sogar überdacht. Man rechnete wohl schon im Voraus mit dem durchwachsenen Wetter. [ Besucher Galerie ]

 

Samstag: Schon auf dem Weg von der Bändchenausgabe waren die ersten Klänge von DELAIN [ Galerie ], die auf der Mainstage das diesjährige Festival eröffneten, zu vernehmen. Die Niederländer erinnerten soundtechnisch an ihre Landsmannen von Within Temptation, als wir dann endlich an der Mainstage ankamen, war der nur knapp 20minütige Auftritt bereits vorbei. Im Hangar hingegen fing es jetzt erst an. Die finnischen Gothrocker von REFLEXION enterten die kleine Hangarbühne und versuchten die noch verschlafen wirkenden Zuschauer mit ihrer ausgelassenen Stimmung etwas zu wecken, was ihnen nach den ersten Songs auch gelang. Frontmann Juha Kylmänen war definitiv etwas fürs weibliche Auge und der typisch finnische Sound geht stark in die Richtung von The 69Eyes oder Entwine. Zwischenzeitlich enterten ELIS mit ihrer neuen Stimme Sandra Schleret die Mainstage. Ein Song wurde der an den Folgen einer Hirnblutung bei den Aufnahmen zum neuen Album verstorbenen Sängerin Sabine Dünser gewidmet und traf mitten ins Herz. Nach diesem Act fiel auf, dass diesmal etwas fehlte – die Ankündigungen der Bands durch DJane Medusa! Das hatte zur Folge, dass niemand Buhrufe ertragen musste und man teilweise nicht wusste, ob der Soundcheck schon zu Ende und das eigentliche Konzert bereits im Gange war. Im sonnengeschützten Hangar gaben sich die experimentellen THE LEGENDARY PINK DOTS und CINEMA STRANGE [ Galerie ] die Klinke in die Hand. Wer Kurioses liebt, wurde an diesem Samstagmittag von den ungewöhnlichen Klängen angelockt. Es folgten anschließend noch Frank the Baptist und die etwas rockigeren Italiener KLIMT 1918 [ Galerie ], so dass ein Verlassen des Hangars für einige Fans ungewöhnliches Klänge überflüssig wurde.

 

Man hatte wohl nach Kategorien sortiert, so brachte man im Hangar eher die ungewöhnlichen und härteren Klänge unter, wie die Metalbands CHRISTIAN DEATH [ Galerie ], EPICA [ Galerie ], die wesentlich düster klingenden SAMAEL, MOONSPELL und gegen Ende des Tages PARADISE LOST, dessen Sound trotz eigentlich guter Abmischung im Hangar, nicht überzeugen konnte. Der Bass dröhnte und sie liefen wahrhaftig nicht zu Höchstleistungen auf. Vielleicht hatte man auch zu hohe Erwartungen an die Urgesteine des Gothic Metal. Dennoch herrschte ein großer Andrang in der kleinen Halle und einen guten Platz zu ergattern erwies sich als eine hohe Kunst. Jedoch ging es gesitteter zu, als so manches Mal vor der Hauptbühne bei den Headlinern und Publikumsmagneten. Auf der Mainstage herrschte da hingegen ein bunteres Treiben. Pünktlich zur Mittagssonne wurden Dudelsäcke bereitgestellt, denn die Mannen von RABENSCHREY waren als erster mittelalterlicher Act für dieses Festival angekündigt. Schnell versammelte sich eine immer größer werdende Menschentraube vor der Bühne und sprang fröhlich singend auf und ab, besonders als die ersten Klänge von „Hey wir sind Heiden“ an ihr Ohr drang. Zum Ende des Auftritts wurde etwa 15 Minuten lang aus dem Publikum ein endlos wirkender Sprechchor. Wesentlich ruhiger war es dann bei ORDO ROSARIUS EQUILIBRIO, die mit ihrem Sound eine düstere Atmosphäre verbreiteten, bevor bei den alten Hasen von RED LORRY YELLO LORRY [ Galerie ] jede Generation an Festivalbesuchern auf ihre Kosten kommen konnte. Chris Reed verstand es, seine Fans vor der Bühne zufrieden zu stellen. Gegen Ende des Auftritts stürmten sogar immer mehr schwarze Seelen den Platz vor der Bühne.

 

Nun wartete aber jeder gespannt auf Mark Hockings und seine Pudelmütze, die bei gefühlten 30Grad und aus voller Kraft scheinender Sonne sehr ungewöhnlich wirkte…Doch was wären MESH [ Galerie ] ohne gerade diese kleinen Macken. Durch den aufkommenden Wind war der Sound um die Bühne herum leider nicht ganz so optimal, da einige unschöne Lautstärkeschwankungen die Folge des Wetters waren. Dennoch sangen alle Fans aus vollster Kehle mit und genossen den durchaus gelungenen Auftritt der Briten. Der 40minütige Auftritt verging wie im Fluge und viele Songwünsche mussten aufgrund des strengen Zeitplanes unerfüllt bleiben. Dafür entschädigt so ein Festival aber auch mit der grandiosen Vielfalt an Showacts. Teufel stürmte anschließend mit seiner roten Hörnchenfrisur und den Bandkollegen von TANZWUT [ Galerie ] als zweiter mittelalterlicher Act die Stage. Schon kam ein kleiner Sturm auf und dieser setzte das Publikum in Bewegung. Spätestens als Teufel die ersten Zeilen von „Ihr wolltet Spaß“ über seine Lippen ließ, waren wirklich alle in Bewegung und feierten die sieben Mannen mit großer Begeisterung. Leider war die Bassspur etwas zu laut und übertönte so manches Mal den Gesang. So kündigte sich hier schon an, dass die Tonmänner und Frauen an diesem Tag wohl kein glückliches Händchen hatten. Beim vorletzten Song des Auftritts standen alle sieben Männer mit ihren Dudelsäcken aufgereiht auf der Bühne und lieferten ein wunderschönes Bild ab. Anschließend spielten sie mit ihren Trummscheids final auf und brachten das Publikum so zum Staunen. Der Zeitplan scheint einen wahren Teufel nicht zu beeindrucken und so überzogen Tanzwut gut 10 Minuten und verließen erst nach einer knappen Stunde wieder die Bühne.

 

Sodann folgten UNHEILIG [ Galerie ], von dessen neuen Werk man sich schon auf dem Amphi Festival in Köln, einige Wochen zuvor, überzeugen konnte, wo in den Umbaupausen die Promotion für Unheilig aus den Lautsprechern dröhnte. Der Graf kam in typischem Style, mit Anzug und Krawatte auf die Bühne und steckte sofort das Publikum mit deiner exzellenten Laune an. So manches Mal heizte er den Mädels mit seinen heißen Tanzeinlagen ein, dass man sich ein jauchzen nicht verkneifen konnte. Unheilig hatten an diesem Festivalsamstag vor allem die neuen Songs im Repertoire, was waschechte Fans nicht vom Mitsingen abhalten konnte. Die Sonne strahlte mit dem Graf um die Wette, der zum ersten Mal auf der Mainstage des Mera Lunas auftreten durfte und diese neu gewonnene „Freiheit“ direkt mit seinen Fans in die Welt schrie. Er bedankte sich immer wieder bei seinen Fans für die tolle Stimmung und den reichlichen Applaus, den er erntete. Besonders in Herz traf er mit „An deiner Seite“, den er für seinen sterbenskranken Freund sang. Nach einer Stunde verließ der Graf unter tosendem Applaus und lauten „Zugabe“-Rufen die Bühne und machte Platz für den ebenso heiß erwarteten ASP [ Galerie ], der dieses Jahr auch zum ersten Mal die Ehre hatte, auf der Hauptbühne zur besten Festivalzeit zu spielen. Leider war bereits nach den ersten Tönen klar, dass dieser Auftritt eine große Enttäuschung werden wird. Nicht, weil ASP sein Handwerk nicht verstünde, sondern weil der Sound so grottenschlecht abgemischt war, dass man von der grandiosen Stimme des Meisters kaum noch etwas verstand. Auch die lauthalse Forderung diese Spur „Lauter!!!“ zu stellen, fruchtete leider nicht wirklich.

 

Zum Ende hin wurde es zwar etwas besser, doch es war schade für die sonst so grandiose Stimmung bei ASP Auftritten. Vielen, die den Auftritt so herbeigesehnt hatten und für die es ein wahres Highlight war, ASP einmal auf der großen Bühne zu sehen, stand die Enttäuschung deutlich ins Gesicht geschrieben. Bei den ersten Klängen von „Ich will brennen“, bei denen der Gitarrensound leider auch erst noch eingestellt werden musste, schossen Flammen aus den aufgestellten Feuertrögen und heizten dem Publikum dennoch ein, die ASP lauthals mit ihrem Gesang unterstützten. Als er seinen neuen Song „Denn ich bin der Meister“ vorstellte, schlüpfte er mit Hilfe eines Hutes in eine andere Rolle und lockerte mit diesem kleinen Rollenspiel die Stimmung etwas auf. Bei „Schwarzes Blut“ hatte er sich das Selbige ins Gesicht geschmiert und die Fans sangen kräftig mit, so dass die Stimmung gegen Ende doch noch richtig kochte und das „Schwarze Blut“ der Zuschauer in Wallung brachte. Der einstündige Auftritt wurde mit einem riesigen Applaus belohnt und viele Fans waren wieder etwas versöhnt. Nun war die Zeit der Uniformierten und Anhängern elektronischer Klänge gekommen, denn die ersten Headliner VNV NATION [ Galerie ] begannen um 21Uhr mit ihrem grandiosen Auftritt. Die Sonne ging so langsam unter, der Platz vor der Bühne füllte sich merklich und man konnte eine schöne Lightshow genießen. Ronan Harris zeigte sich von seiner besten Seite und glänzte mit seinen besten Songs, die er allesamt neu interpretierte. Dadurch wurde das Mitsingen zwar etwas schwieriger, jedoch macht es einen Liveauftritt von VNV Nation immer wieder zu etwas Besonderem, da es sich gänzlich von einer CD im Player unterscheidet.

 

Es zeugt von großem Talent, wenn man es schafft, seine Songs live in so einem neuen Gewand zu präsentieren und seine Fans damit zu begeistern. Ein Highlight war der Song, der von Ronan Harris als „Stadionsong“ angekündigt wurde. Er gab uns eine Melodie vor, die wir immer wieder in den kurzen Gesangspausen aus vollster Kehle mitgröhlten. Die Stimmung war grandios und auch, wenn man sich beim Tanzen auf dem Sand immer tiefer eingrub, so konnte man seine Knochen bei beispielsweise dem Clubhit „Chrome“ dennoch nicht still halten. Der Sound war zwar immer noch nicht der Beste, aber von diesem Auftritt bekam man glücklicherweise dennoch genug mit. Vielleicht lag es auch am engen Zeitplan, dass trotz Soundcheck an diesem Abend nicht alles perfekt lief. Um 22:45h betraten dann endlich die von vielen Festivalbesuchern sehnsüchtig erwarteten Headliner FRONT 242 [ Galerie ] die Bühne, mit einen fulminantem Intro heizten die aus Belgien stammenden Urgesteine Ihre Fangemeinde auf „shout it loud“waren die Schlagworte des Songs welche auf einen spannenden Gig deuteten. Der Übergang in „Religion“ war auch durchaus gelungen und die aufwendige Lightshow stellte alles bisher gesehene in den Schatten auch die Videoprojektion welche inhaltlich auf die jeweiligen Songs abgestimmt war, zeigte die Perfektion der Herren. Alle Songs wurden im aktuellen Sound präsentiert, was dem ein oder anderen (mir auf alle Fälle) sicherlich bei einem Kultsong wie Funkahdafi oder „No Shuffle“ etwas schmerzte. Dennoch herrschte ausgelassene Stimmung und bei „Welcome To Paradise“ „Im Rhythmus Bleiben oder dem Überhit „Headhunter“ passte die Auffrischung ja auch relativ gut.

 

Es war ganz klar ein exzellenter Auftritt der Altmeister, welcher von Altersschwäche nicht die geringste Spur zeigte, dennoch hätten ein paar neue Songs nicht geschadet. Ein schöner und interessanter Festivaltag ging zu Ende und diejenigen, die nach dem Gig von Front 242 immer noch nicht genug hatten, konnten in dieser lauen Sommernacht ihre letzte Energie auf der anschließenden Hangarparty bis 4Uhr früh loswerden.

 
 

Sonntag: Pünktlich zum ersten Act des Festivalsonntages MONO INC betraten wir das Festivalgelände und vernahmen soliden Gothic Rock, der wieder stark an finnische Vorbilder erinnerte, natürlich auch hier mit nett anzusehenden Musikern. Doch ist es den Openern leider nicht vergönnt einen ausführlichen Auftritt hinzulegen und schon nach kurzen 20Minuten mussten die Hamburger Düsterrocker die Mainstage wieder verlassen. Mit ihnen ging aber leider auch das bis dahin einigermaßen trockene Wetter und es zogen dunkle Regenwolken auf, als die fünf gutaussehenden Schwaben von END OF GREEN wohl gesonnen die Bühne betraten. Also Regenschirme ausgepackt und den von der Seite peitschenden Starkregen verdrängt… Michelle Darkness und seine Mitmusiker sorgten schon mit ihrer guten Laune für Sonne im Herzen, der dem Wetter trotzenden Fans, die sich verhältnismäßig zahlreich zu so früher Mittagsstunde vor der Bühne versammelt hatten und aus voller Kehle die bereits bestens bekannten Songs des letzten Albums „Dead End Dreaming“ mit und gaben tosenden Applaus, als End of Green die ersten Songs aus dem neuen Album „The Sick’s Sense“ vorstellten. Nach einer halben Stunde war sowohl der Starkregen, als auch der sensationell gänsehautverdächtige Auftritt von End of Green schon wieder vorbei und man konnte sich eine kleine Pause gönnen und sich etwas aufwärmen. Michelle Darkness versuchte es ja schon während des Auftrittes immer mal wieder mit einem Schluck Bier und die Fans konnten sich an der Coffeebar mit diversen Heißgetränken ausstatten. Im Hangar klangen gediegenere Töne von der bulgarischen Band IRFAN, geschützt vor dem miesen Festivalwetter, in die Gehörgänge der Anwesenden.

 

Im Anschluss performte die berliner New Wave Formation DIN (A) TOD [ Galerie ] für eine halbe Stunde im Hangar. Dort war an diesem Tag die musikalische Mischung etwas durchwachsener als am Vortag und so fand wohl jeder einmal den Weg in den Hangar. Sicher ist, dass es drinnen schnell voll wurde als PAINBASTARD Alex P. dort angekündigt waren. Dieser feierte auf dem diesjährigen Mera Luna sein Festivaldebüt im Hangar und fing prompt fünf Minuten vor der geplanten Zeit an. Schnell setzten sich noch verkaterte und müde Knochen in Bewegung und erfreuten sich an der guten Stimmung. Auch wenn Alex immer wieder sicher war, es würde eh keiner Painbastard kennen, so erntete er doch begeisterten Applaus und an den Gesichtern konnte man erkennen, dass zumindest viele von Samplern oder aus den Clubs „Sternentanz“ kannten und diesen Song auch standesgemäß zelebrierten. Im Anschluss konnten die Schweden ELEGANT MACHINERY, denen man ihren musikalischen Einfluss von Depeche Mode und Konsorten deutlich anhört, ihr 20jähriges Bandjubiläum feiern. Derweil versammelten sich vor der Mainstage immer buntere Gestalten mit hochgestellten Haaren, Nieten und grell geschminkten Gesichtern voller Zuversicht. Denn nun folgten auf der Mainstage bei leichten Nieselregen die Horrorpunkbands THE OTHER [ Galerie ], die stark an Misfits erinnerten und im Anschluss BLITZKID [ Galerie ], die für noch mehr Andrang vor der Hauptbühne sorgten. Die bunten Gestalten lieferten zufriedenstellende Shows ab und die freudigen Gesichter der Fans konnten dieses bestätigen. Am Ende zerstörte Bassist Argyle Goolsby sein Instrument und alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde von der Bühne ins Publikum katapultiert.

 

Nach anderthalb Stunden gebündeltem Horrorpunk betraten die Metaller THE VISION BLEAK [ Galerie ] die Hauptbühne und sorgten für härtere Klänge einer ganz anderen Art, teilweise bis hinein in den Deathmetalbereich. Schnell wechselte auch das Publikum von Horrorpunks hin zu wieder düsterer gekleideter Klientel mit Metalshirts und Nietenarmbändern. Inzwischen hatte sich der Regen vollends zurückgezogen und man konnte das Konzert ungestört genießen, auch wenn es zwischen den Songs außer einem kurzen „Danke“ nicht viele Ansagen gab. Da sich im Hangar der komplette Zeitplan inzwischen nach vorne verschoben hatte, begann auch der Auftritt von AGONOIZE [ Galerie ] früher als erwartet und wir waren froh, dass wir so früh dorthin aufgebrochen waren, denn schon nach kurzer Zeit wurde es so voll in der Flugzeuggarage, dass man sich kaum noch frei bewegen, geschweige denn vernünftig sehen konnte. Dennoch legten Agonoize wieder einen genialen Auftritt hin und ließen keine Wünsche offen. Ein besonderes Schmankerl waren das neue Stück „Schaufensterpuppenarsch“ und das Kiss Cover „I was made for loving you“. Gekrönt wurde das Ganze dann noch mit „Koprolalie“, wo sich wirklich jeder Körper in der Enge zu bewegen begann und reichlich Kunstblut von der Bühne spritzte. Leider ist die Ein- bzw. Ausgangssituation im Hangar jedes Jahr schlechter geregelt, so dass es zu erheblichen Staus kam und man beim Versuch hinauszukommen, von denen, die schon nach drinnen drängten, fast zerdrückt wurde, was dazu führte, dass einige zarte Geschlechter dann doch über der Schulter starker Männer den Weg nach draußen in Richtung Sanitäter finden mussten.

 

Beim Anschlussact EISBRECHER [ Galerie ] wurde dann versucht mit Absperrgittern das Problem in den Griff zu bekommen, was leider nur mäßigen Erfolg hatte und die wartenden Fans noch hunderte Meter vor dem Hangar mit immer schlechter werdender Laune ausharren mussten. Währenddessen spielten LACRIMAS PROFUNDERE auf der Hauptbühne ihr Programm. Neben den Klassikern vom Album „Ave End“ wurden auch hier, wie schon zuvor auf dem Amphi Festival, zahlreiche Songs vom neuen Album „Songs fort the last view“ zum Besten gegeben und versetzten die Fans in pure Euphorie. Rob und seine Mannen kamen mit ihren Düsterrock à la 69Eyes gut bei den Zuschauern an und der Sound war an diesem Sonntag wesentlich besser abgemischt als am Tag zuvor, was von den Fans, die sich zahlreich vor der Hauptbühne versammelt hatten, auch mit einem riesen Applaus honoriert wurde. Nach diesem gelungenen Auftritt wurden wieder die Dudelsäcke heraus gekramt und die Jungs von SALTATIO MORTIS hatten sich als einziger Mittelalteract an diesem Festivalsonntag angekündigt. Alea der Bescheidene konnte seine überragende Energie wieder einmal zur Freude der Zuschauer auf der großen Bühne vollends ausleben. Schnell schafften es die Mannen um ihn ihr Publikum mitzureißen und zum Mitsingen und Tanzen zu animieren. Die komplette Playlist entsprang dem aktuellen Album „Aus der Asche“ und besonders bei „Spielmann“ konnte man wieder einmal sehr gut nachvollziehen, dass diese Musiker nun wahrhaftig geboren sind, um Spielmann zu sein. Der Publikumschor funktionierte auch diesmal bei „Spielmann“ ohne Probleme und klang so harmonisch, als würde das komplette Mera Luna einheitlich singen.

 

Alea riss mit seiner überwältigenden energiegeladenen Show alle mit, sogar sein Mikro, dass mit einem dumpfen Schlag zu Boden ging. Doch diese Panne brachte ihn nicht aus der Ruhe und tat der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil wurde so noch einmal alles etwas aufgelockert. Nach dem gigantischen Auftritt von Saltatio Mortis sprang Alea der Bescheidene zu aller Überraschung in die „Zugabe“-fordernde Menge und ließ sich einmal über alle Köpfe tragen. Im Hangar fand erneut das Wechselspiel zwischen ausströmenden Eisbrecher Fans und einer Vielzahl von Anhängern Andy LaPlegua`s Aggrotech statt. Der Hangar platzte nahezu aus allen Nähten, was der Qualität des explosiven Auftritts der Norweger allerdings keinen Abbruch tat. Andy und seine Band sendeten eine absolut kraftvolle Druckwelle in Form von „This Is My Rifle“ oder „Get Your Body Beat“ in das Hildesheimer Publikum wie keine 2te Band in diesem Jahr. Der aktuelle Kracher von COMBICHRIST „Sent To Destroy“ brachte den überfüllten Hangar zum toben und zu guter letzt nahm die Band, die Botschaft des Songs wörtlich und zerstörte das komplette Equipment. Zwischenzeitlich fanden sich auch schon APOPTYGMA BERZERK [ Galerie ] auf der Hauptbühne ein, die Norweger brillierten zunächst vor ihren frenetisch feiernden Fans mit einer tollen Show und den Hits des Album 7 wie „Love Never Dies“ oder „Deep Red“ natürlich wurden auch diese Klassiker im neuen etwas rockigeren Stil präsentiert. Es folgte „You keep me from breaking apart“ als erster Hit, aus dem bei Fans der ersten Stunde recht umstrittenen Album „You and me against the world“. Zur Halbzeit des Gigs wurde Frontmann Stephan mit einem Törtchen von seiner Band sowie einem Ständchen, zum Geburtstag gratuliert.

 

Nach dieser schönen Einlage ging es dann nahtlos weiter. Der wohl populärste Song der Band „Shine On“ wurde von der Mehrheit der Fans lauthals mitgesungen und bestätigte der Band den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Neben weiteren Hits aus der Gründerzeit wurde auch ein neuer Song vorgestellt. Mit „Non Stop Violence“ endete der sympathischen Auftritt der Band. Unverwüstlich, authentisch, mitreissend. Allesamt Adjektive, die auf die Engländer NEW MODEL ARMY [ Galerie ] passen dürften. Zwar nicht gerade eine gothisch angehauchte Formation, war mir doch schon im vorneherein klar, dass die Insulaner Hildesheim am frühen Abend mal so richtig aufwecken würden. Die bereits seit Ende der 70er praktizierenden Herren um den überaus charismatischen Justin Sullivan können mit ihrem Folk/ Punk/ Rock-Gemisch vor jedem Publikum und zu jeder Uhrzeit überzeugen. Mit dem Brecher “Here comes the War” pustete man die Ohren gleich so richtig durch und auch im folgenden verwandelte sich Drispenstedt in einen vielstimmigen Chor, der alte und neue Hits textsicher intonierte. Ganz vorne natürlich die richtigen Devotees, die wie ein Mann zu ihren Faves standen. Da gibt es nicht viel Firlefanz on stage, kein affektiertes Gehabe, nur ehrliche Rockmusik und Hymnen, die auf ihre Art und Weise Geschichte geschrieben haben. Beispielsweise seien genannt: “Get me out”, “Vagabonds”, “No Rest”, “No Mirror, No Shadow” oder das auf der Akustikgitarre präsentierte “Green & Grey”. Gänsehaut pur und definitiv das ganz große Highlight an diesem Sonntag! Nach HOCICO [ Galerie ], eine echte Legende als Headliner im Hangar: DAF [ Galerie ] existiert mit Unterbrechungen seit 1978 und das M’era Luna 2008 bot mal wieder die Gelegenheit für ein Reunion-Konzert.

 

Die beiden streitbaren Herren Robert Görl (Schlagwerk) und Sänger Gabi Delgado-López verbindet scheinbar eine Art Hassliebe, umso besser, dass man sich mal wieder zusammengerauft hat und dementsprechend zog es viele Neugierige in die Indoor Location. Kurioserweise hatte Robert mit dem Jäger 90 Sänger Thoralf Dietrich das Projekt DAF Partei ins Leben gerufen, welches im Spirit der alten DAF beim Electric Tremor Festival in Dessau aufgetreten ist. Nun aber wieder zurück zu den “echten” DAF: Mit “Verschwende deine Jugend” und “Ich und die Wirklichkeit” ging es gleich in die vollen, wenngleich der Sound etwas kraftvoller hätte ausfallen können. Monoton und Minimal, so wirkt ein Konzert der beiden nicht mehr ganz jungen Protagonisten und einige “jüngere” Besucher fühlten sich davon wohl nicht ganz angesprochen, jedoch tangierte das die vielen echten Fans nicht sonderlich. Gabi wuselte von links nach rechts, wie immer von innerer Unruhe geplagt, schüttete sich Wasser übers schüttere Haupt und entblätterte erwartungsgemäß seinen Oberkörper. Der “Mussolini” an Position 4 der Setlist brachte den Laden erstmals zum kochen, danach rief leider schon eine weitere Legende nach mir, welche das Mera Luna 2008 beschließen sollte. Dicke Nebelschwaden umhüllten die Hauptbühne und gespannt blickten Tausende Köpfe nach oben, um die FIELDS OF THE NEPHILIM [ Galerie ] zu begrüßen, sicherlich neben den Sisters die Goth Rock Band überhaupt. In den 25 Jahren ihres Bestehens (bzw. Nicht-Bestehens) hat der umtriebige Carl McCoy schon einige Aufs und Abs erlebt, mit Nefelim auch mal ein Nebenprojekt geführt und ist nun wieder unter altem Namen und anscheinend stabilen Line Up unterwegs.

 

Die Herren gekleidet im Stile dreckiger Italo Western bereiteten den Boden vor für den beeindruckenden Sänger, der nicht gerade ein Freund vieler Worte ist und stattdessen lieber düster-athmosphärische Klänge für sich sprechen lässt. Der Ritt durch die glanzvolle Diskographie ließ doch so einige von alten Grufti-Zeiten träumen. Mit den Klängen von Titeln wie “Dawnrazor” oder natürlich “Moonchild” senkte sich dann auch langsam der Vorhang des diesjährigen M’era Luna. Insgesamt kann man dem Mera Luna schon eine gute Note geben, es wurde musikalisch gesehen, eigentlich jede Stilrichtung der Dunklen Szene abgedeckt, die Stände für kulinarisches und Fanartikel, ließen keine Wünsche offen und auch die Preise waren moderat. Die Sache mit der Eingangssituation am Hangar sollte unbedingt nachgebessert werden, denn es gibt nichts lästigeres wie nerviges Gedränge um in einen Raum zu drängen oder im Gegenzug diesen wieder zu verlassen. Ansonsten stimmt das Konzept und ich denke auch die Camper hatten wieder viel Freude auch wenn das Wetter wieder einmal recht durchwachsen war.

 
Text: .Maike Kowalle, Oliver Loscher, Anika Buss, Karsten Thurau [ DAF, New Model Army & Fields of the Nephilim ]
Bilder: .Sandro Griesbach, Thomas Nattermann. [ 348 Galerie Bilder ]