Amphi Festival 2006 - Tag 1 [ Tanzbrunnen, Köln 22./23.07.2006 ]

 
 

Das 2.Amphi-Festival, fand in diesem Jahr nicht im Gelsenkirchener Amphitheater, sondern aus organisatorischen Gründen im Kölner Tanzbrunnen statt, aber immerhin war man dem Wasser auch an diesem schönen Ort an der Rheinuferpromenade sehr nah. Das Orkus Open Air Festival war zwar nicht gerade gesegnet von greller Sonne, aber die paar kleineren Schauer wirkten sich nicht so tragisch auf die Stimmung aus. Das Team von darkmoments war auch angereist, um euch eine möglichst umfassende und objektive Berichterstattung sowie selbstverständlich wieder erstklassige Galerien präsentieren zu können.

 

Die Ausnahmeband aus Belgien THIS MORN OMNIA eröffnete, genau wie schon im vergangen Jahr das Spektakel. Fette Beats ohne wenn und aber knüppelten uns die Belgier um die Ohren, was dem zu diesem Zeitpunkt etwas verhaltenem und teilweise noch orientierendem Publikum schon richtig Spaß machte und ansatzweise an die Kult Parade in Berlin erinnerte.

 

Die fetten Beats von THIS MORN OMNIA hatten offensichtlich der PA etwas zuviel abverlangt, zumindest konnte man diesen Eindruck bei den ersten beiden Songs von CEPHALGY bekommen, die doch leider recht dünn und krachend über die eigentlich sehr imposanten Lautsprecher rüber kamen. Frontmann Jörg Göhler störte dies zwar auch ein wenig, aber dennoch machte er unbeirrt mit seinem Programm weiter und ab dem 3.Song war dann ja auch wieder alles in Ordnung. Neben Jörg und den beiden Keyboardern Ronny und Christian hatte sich auch die gute Stella auf der Bühne versteckt, um langsam ihre Krallen ganz biestig durch eine Pergamentwand zu reißen und dann in leicht lasziver Art zu performen. Aus musikalischer Sicht präsentierten Cephalgy, neben Songs wie „Kaltes Herz“ oder „Vater“ aus dem aktuellen Album „Finde Deine Dämon“, natürlich auch einen Ihrer stärksten Titel „Engel Sterben Nie“ zum Abschluss, hier zeigte sich dann auch das Publikum sehr euphorisch. [ Galerie ]

 

Nach dem leider zu Beginn etwas von der Technik gebremsten Auftritt von CEPHALGY, standen als nächstes die C 64 Experten von WELLE ERDBALL im feinen Zwirn auf der Bühne und erfreuten die treue Fangemeinde mit ihren verträumten und verspielten Songs. Bei der gute Laune Musik der Kult Band kam richtig Stimmung auf, passend zur Location gab es zum Auftakt den Song Tanzpalast, während dem die beiden Püppies die richtige Position einnahmen um dann vorerst in regungsloser Position zu verharren. Welle Erdball präsentierten einen recht repräsentativen Auszug aus ihrem bisherigen Schaffen und stellten nebenbei auch gleich ihr neues, sehr abwechslungsreiches Album „Chaos Total“ vor welches ab Anfang September erhältlich sein wird.

 

Hieraus wurden unter anderem die Songs „Der Telegraph“ oder „Alpha-Tier“ vorgestellt, letzteres rein aus dem C 64 entstanden. Ein weiteres Highlight war auch wieder ein neuer Song „Hoch die Fahnen“ den Refrain übernahmen hier die Damen und schwenkten passend dazu die Fahnen. Als besondere Gags flog auch wieder ein C 64 ins Publikum und die obligatorischen Ballons zogen ihre Kreise, dieses mal mit 50€ Schein, in jedem fünften!? Sehr spaßiger und vom Publikum ganz toll gefeierter Auftritt. Erfreulich kurze Umbauphasen zwischen den einzelnen Bands, garantierten einen abwechslungsreichen Verlauf des Festivals und so waren UNHEILIG dann auch noch kurz vor Plan bereits auf der Bühne. Der verspielte Auftritt von WELLE ERDBALL hat schon für sehr gute Stimmung im Tanzbrunnen gesorgt und auch das recht angenehme, leicht wechselhafte Wetter tat der Stimmung keinen Abbruch, da die kleineren Schauer auch sehr gut von den Pilzen abgefangen wurden. [ Galerie ]

 

So war die Zeit am späten Nachmittag endlich reif für UNHEILIG, der charmante Graf verzauberte, das Publikum auch bei hellem Tageslicht mit Kerzenlicht und seinen teilweise sehr melancholischen Songs, so wurde „Mein Stern“ mit Wunderkerzen unterstützt oder „Freiheit“ einheitlich mitgesungen was natürlich für eine tolle Atmosphäre sorgte. Ebenfalls sehr emotional wurden die Songs „Astronaut“ und „Auf Zum Mond“ dargeboten, zum Abschluss dieses wunderschönen Auftritts gab der Graf sogar noch der frenetisch geforderten Zugabe nach, und mit dem Song mit dem alles begann „Sage Ja“ wurde das Publikum in die Pause geschickt. Diese Pause nutzten wir um ein leckeres Kölsch zu trinken und eine, eher weniger Zufriedenstellende Currywurst mit Pommes zu uns zu nehmen, die Preise waren für Bier und Wurst ganz angemessen, aber Cola bzw. Wasser wären auch bei einem Preis von 2.50€ für den halben Liter noch ordentlich bezahlt gewesen! [ Galerie ]

 

Bedenkt man den Umsatz bei den Temperaturen und setzt dies in Relation mit dem EK, dann darf hier nachgebessert werden! Nach vollzogenem Verzehr, widmeten wir uns nach den bisher vorwiegend elektronischeren Bands, nun das erste mal an diesem Samstag einer rockigeren Band. Die finnischen  69 EYES waren nun an der Reihe, mit ihrem düsteren Rock konnten sie uns schon auf dem  Mera Luna im letzten Jahr [ wir berichteten ] überzeugen.

 

Wie auch damals eröffnete man das Set mit „Devil“ und ließ es am Kölner Tanzbrunnen richtig rocken. In den ersten Reihen wurden die finnischen Fahnen von der jungen Mädchen Anhängerschaft geschwungen und weiter hinten sah man die harten Jungs pogen. So war die Sorge von Sänger Jyrki wohl eher unbegründet, die deutschen Fans hätten die Band nach der einjährigen Bühnenabstinenz vergessen. Mit dem Satz „Wie haben euch nicht vergessen“ leitete man dann „Feel Berlin“ ein, bevor es mit Hits wie „The Chair“ oder der Ehrerbietung an SISTERS OF MERCY  „Sisters of Charity“ weiterging. Während in den hinteren Reihen Drummer Jussi die ganze Zeit am Posen war und mächtig abging, konnte sich Frontmann Jyrki bei „Dance d ámour“ auch nicht zurückhalten und so fragte ich mich die ganze Zeit, was wohl unter der schwarzen Lederkluft in Sachen Körperflüssigkeit abfloss. Nach 40 Minuten Spielzeit ließ man mit „Lost Boys“ ein sichtlich nass geschwitztes Publikum zurück. [ Galerie ]

 

Als nächstes wurde es dann für die Fans von Mittelalterlicher Musik richtig heiß, denn keine geringere Band als SUBWAY TO SALLY war nun am Start. Man verwandelte gleich beim ersten Song „Schneekönigin“ die Bühne mittels Schneekanonen in eine weiße Winterlandschaft, der eine oder andere wird sich gedacht haben, wenn dies bloß noch etwas die heißen Temperaturen senken könnte. Aber es ging heiß weiter, so ließ man es mit „Feuerland“ richtig krachen und die Pyrotechnik kam zum Einsatz! Ähnlich wie schon bei der winterlichen „Nord Nord Ost-Tour“ kamen Stücke wie „Knochenschiff“, „Kleid aus Rosen oder „Falscher Heiland“ im 50 Minuten langen Set zum Zuge. Bei „Eisblumen“ holte Frontmann Eric Fish wieder einen weiblichen Fan auf die Bühne und mit „Minne“ wurde auch ein Akustik-Stück präsentiert, welches sich an die erst kürzlich stattgefundene „Nackt-Tour“ anlehnte. Wie wir erfuhren soll es zu dieser wohl in absehbarer Zeit auch eine Live DVD und CD im Handel geben, damit Fans die Live Qualitäten der Band auch zu Hause genießen können. [ Galerie ]

 

Im Anschluss an das reguläre Set gab man dann noch mit „Sieben“ und dem lauthals geforderten „Julia und der Räuber“ 2 Zugaben. Alles in allem erfreuten SUBWAY TO SALLY wieder mit einer echt spektakulären feurigen Show, blieben aber dennoch im zeitlichen Rahmen und so stand dem Auftritt von VNV NATION um kurz vor 21.Uhr nichts im Wege.

 

Doch bevor es mit VNV NATION weiterging war es natürlich an der Zeit, einen Blick in das zwischenzeitlich geöffnete 2nd Stage Theater zu riskieren, wo der ehemalige Blinde Passagier Schirmer mit seinem Kollegen Goldmann, unter dem Namen LOLA ANGST begleitet von 2 aufreizenden Damen, welche sich als Ballerinas entpuppten, die Bühne für sich in Anspruch nahmen. Und schon begann man damit die alte Kirchenorgel zu bearbeiten und die Damen bewegten sich wie Puppen dazu. Wie auch schon auf dem diesjährigen WGT [ wir berichteten ] gefiel mir das DEPECHE MODE Cover von „Something to do“ am besten, aber auch „Children of the Dark“ und  „The Council of Love“ kamen beim Publikum sichtlich an. Leider konnten wir dem Auftritt nicht bis zum Schluss frönen, stand doch der Headliner draußen direkt auf dem Plan. Und so entzieht es sich unserer Kenntnis was anschließend auf der Stage noch so passierte, aber ein Besuch bei einer  Konzertreise von LOLA ANGST sei hiermit unbedingt empfohlen. [ Galerie]

 

Ein großer Teil der etwa 7000 Gäste hatte sich bereits vor der Hauptbühne postiert und fieberte dem Auftritt von Ronan und Mark entgegen. Diese wurden wieder von Vasi (Frozen Plasma/Reaper) und Axel an den Keyboards unterstützt, brauchten keine Minute und schon war das Publikum hingerissen, da soll einer sagen was er will über Mr Harris, bezüglich seiner Sangeskunst, ein guter Entertainer ist er auf alle Fälle und die Songs sind einfach Spitze egal wie alt, wie oft gehört Die fulminante Eröffnung mit „Chrome“ war zwar ein wenig übersteuert, schmälerte aber die Stimmung keineswegs. Sehr beeindruckend wurden die gefühlvollen Songs „Perpetual“ und „Beloved“ von den Fans aufgenommen, diese wunderschönen Stücke haben einfach ein ganz großartiges Feeling ausgelöst, sogar der letzte Stoffel war mit seinen Händen oben und fast alle sangen mit. Mit lockeren Sprüchen unterstrich Ronan abermals seine Qualitäten als Entertainer. Glanzvoller Auftritt der smarten Boys, der auch dementsprechend gefeiert wurde. [ Galerie ]

 

Wieder im Dunkel der Second Stage angekommen stellten wir fest, dass da noch irgendwelche „Verrückten“ auf der fast stock-dunklen Bühne musizierten. Das mussten CALMANDO QUAL sein, ihres Zeichens Japaner und Vertreter der Visual Kei-Richtung. Nun sagt das ja noch nicht allzu viel über den Klang der Musik aus, die ich mal als theatralischen Horror Metal bezeichnen möchte. Auch die Bandmitglieder waren dementsprechend kostümiert und bei den einzelnen Bandmitgliedern überließ man es dem Publikum sie für männlich oder weiblich zu halten. In den ersten Reihen gingen einige „Manga-Mädchen“ steil, was dazu führte, dass die seltsame Japanische Truppe gleich 2 Zugaben zelebrierte. Derweil schoben von hinten die Electro Jünger nach, die nicht unbedingt alle einen Asien-Fetisch vor sich her trugen. Es wurde zwar voll, aber zum Glück nicht so drückend wie erwartet, von daher konnte man den kleinen Umbau recht gemütlich überbrücken. [ Galerie ]

 

Wenig mühe hatten COMBICHRIST, das bereits von VNV Nation angeheizte Publikum in Bewegung zu bringen. Schon mit dem Opener, dem aktuellen und sehr wuchtigen Song „Get Your Body Beats“ brach in der maßlos überfüllten und extrem schwitzigen Halle ein Feuerwerk der Extraklasse aus, aber Herr LaPlegua wäre nicht Andy, wenn er kein Mittel wüsste diese Stimmung ins unermessliche zu treiben und so legte der Workaholic mit „Blut Royale“ nach und verlangte seinem großartigen Publikum einiges ab. Im Verlauf des Gigs sah man zwar den ein oder anderen, sicher aus gesundheitlichen Gründen, den Saal verlassen, aber mehrheitlich blieb das Publikum und wurde bei „Enjoy The Abuse“ auch zur Mitarbeit animiert, was idealer weise auch gut klappte. Bevor „This Shit Will Fuck You Up“ diesen hammerharten Auftritt beenden sollte, äußerte auch Andy sich über die doch recht unangenehme Temperatur und suchte verzweifelt nach einem Real Drink. Sehr geile Sache von Mister Noise, wie Ronan, Andy liebevoll bezeichnete, leider war der Sound nicht ganz so fett und außerhalb der Mitte verloren sich auch die hohen Frequenzen noch etwas. [ Galerie ]

 

Ein langer und doch recht anstrengender Tag neigte sich langsam dem Ende entgegen, zum krönenden Abschluss des Samstag erwartete uns nun noch der Auftritt von DIARY OF DREAMS in einem mittlerweile völlig überfüllten, heißen Indoor-Theater. Aber Albert Diehl, seines Zeichens Promoter der Booking-Firma Contribe hatte erbarmen mit den ersten Reihen und verteilte ein paar Wasserpacks. Es wurde nun mal an der Zeit etwas Licht zu machen, hatten die Bands vorher doch fast ohne Frontlicht gearbeitet, nur der Nebel blieb zu meinem bedauern erhalten. Man begann mit „Rumours About Angels“ und sofort kreischten und himmelten die ersten weiblichen Fans Mastermind Adrian Hates zu. Auch wenn meist im Nebel verschwunden ließ sich irgendwann erahnen das wie auf der letzten Tour, Mr. Beam wieder die Drums bearbeitete, so scheint er live wohl jetzt ein fester Bestandteil der Band zu sein. Auch am Keyboard war mit Torben Wendt (DIORAMA) kein unbekannter. [ Galerie ]

 

Mit Songs wie „Chemicals“, „Menschfeind“, „Traumtänzer“, End-giftet“ und „Butterfly:Dance“ stieg die Stimmung ebenso wie die Raumtemperatur von Lied zu Lied und nach einer runden Stunde verließ man leider ohne Zugabe die , welche aber sicher fürs Kölner Publikum verdient gewesen wäre. So verließen wir etwas entäuscht die Lokation um nach draußen in die mittlerweile kühle Nacht in unser Hotel und zurück in die Heimat zu entschwinden.

 
Berichterstattung: Oliver Loscher [ Text ]
Berichterstattung: Sandro Griesbach [ Text + Bilder ]

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